Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 21. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 21.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938081--4584-5376874
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

verhüt sich zu den daran? aegründtten Hoffmmgeu vorftlnfig recht skeptisch, «enn «an nicht in der g«e«n>Lriigm sortaken Zerrissenheit schon da« gemeinsam« Lnftreten von Christen und Juden für jüdisch« Rothleidend« als «inen Schritt |«r Vefferung, und insofern al» ideelle« Erfolg bqeichnen will. Drollig ergeht e« unsrer tückischsten »nttsemttin, der „Schlefischen Zeitung." Di« Leser dieser Wochenschrift wissen, daß et hauptsächlich der .Schlesischen" zu danken ist, daß der Antisemitismus hier couttähig und in gewissen Kreisen geradezu ein Sport geworden ist. Die Gewaltthätlgkeiten gegen Juden in Rußland existirten diesem säubern Blatt« gemäß zumeist in den Köpfen überspannter Liberalen in Rußland oder der deutschen Judenpresse. Einige wohlverdient« Kundgebungen gegen die Wucherer und Bolk«au»saug«r sollten damit keineSweg« geleugnet werden, aber das meiste — Uebertreibung. reine Verleumdung. Dabei wurden mit Behagen die Winkel der ZeitungSliteratur durchstöbert, um Gehässigkeiten gegen Juden in die große Schlesische Gosse zusammenzukehren. Worte oder Schritte zu Gunsten der Juden, welche di« Zeitungen meldeten, fanden in die Schlesische keinen Eingang. Der nicht sehr .taktvolle" Ausruf de« l)r. Plato in Köln fand selbstverständlich seine höhnisch« Absettigung, und noch vor wenigen Tagen übertraf sie sich selbst in einem Feuilleton, da« von einem geistig-be'chränkten Gymnasial-Professor, der e« gut findet, jcde Mode milzumachen und daher jetzt in Judenhetze arbeitet, vergoßt, anscheinend einen .objectioen" AuSzng au« dem von Gehässigkeiten und Entstellungen der jüdischen Religion und de« jüdischen Charakter« strotzenden Buche von Wahrmund (Badylonieithui», Iudentbum und Ehristknlhu».) giebt. Dieser Artikel hat übrigen« durch eine» Aussatz von Joi'l in der .Breslauer Zeitung" eine wahrhaft glänzende Abfertigung gesunde», in welcher Unwissenheit und böser Will« de« Verfasser» in gleich scharfer Weise enthüllt und gebührend zurückgewieke» werde» .*) — Welche Verlegenheit für die Rrdoction de« Blatt»», daß sie e« nicht ablehnen kann, den Ausruf zur Linderung der von ihr zum Theil abgeleugneten Gräuel, unterzeichnet von den geistig bedeutendsten christlichen Romen, zu veröffentliche». Ueber die ihr von Rabbiner Ür. Joel gebotene Abfertigung hat sie noch nicht quitlirt. — Besser benimmt sich jetzt da« Centrum Da« Haupt der hies. Eenlrumspartei, Recht«anwalt und Abgeordneter l>r. Porsch' gehört zu den Unterzeichnern de« Ausruf« und da« Organ der Partei, die .Schlesische VolkSzeitung" verurtheilt die Judrnversolgunge». Richt-desloweniger ist gerade diese« Blatt eine« der ersten, die die Judensrage in gehässiger Absicht aufgeworfen haben. Elterseid, 17. Mai (Gestern Abend hielt der durch die bekannte Pferdebahnaffaire seit 2 Jahre» vielgenannte Herr »r. Förster au» Berlin hier einen Bortrag. — Zu diesem Bortrage waren an Gesinnungsgenossen Einladungsschreiben folgenden Inhalt« geschickt worden: .Herr I)e. Bernhard Förster au« Berlin, der eigentliche Urheber und Hauptoeranstalter der vorjährigen Petition, betr. die Eindämmung de« z rsetzenden Einflüsse« der Jude», beabsichtigt beute, Dienstag abend« 8'/, Uhr, im Saale de« Herr» Leis.l, Klotzbahn, einen öffentlichen Bortrag zu halte» über da« Thema: ,4Lelche« ist die brennendste Frage der Gegenwart?" Herr I>r. Förster ist kürzlich bei Beförderung zum Gymnasial-Oberlehrer von seiten der verjubelten Berliner Stadtverwaltung in einer W-il'e übergangen wordeir, daß er ehrenhalber sein Amt niederlegen mußte. Da« alle« wird Sie hoffentlich veranlassen, nicht nur den Bortrag de« verdienstvoll» » Manne« und Redner« selbst zu besuchen, sonder» auch andere darauf aufmerksam zu mache»." Ci»tritt«prei« zur Deckung der Kosten SN Pfg. Mehrere Reformrreunde — Der Saal war gedrückt voll. Der größte Theil der Bersammlung bestand wohl au« solchen, die den .berühmt" •) Bit «»sucht» wo» Zuf-ndurß t«f btt. JUtiMI unk Monte»« bft F ««l'Ich-n Ripltr Wir mltssin in »i-s-r sch»o»t«n Zet» »U« >te»«l>r> mit»«! dulch ve»Iff«niltchun§ mtUritn jtrttfm juHäntzlich m«ch«n. (Jt«t.) gewordenen Rann sehen und hören wollten, die chm aber durchgängig nicht freundlich gesinnt waren. Wir glauban nicht za irren, wenn wir sagen, daß die socialdemokratisäw Pattei auch statt vertreten war. Der Bortrag de« Redner« gestaltete sich von vornherein zu einer höchst dramatischen Avion. Rede und Segenred«, Zurufe der verschiedensten Att, Zwiegespräche zwischen dem Redner und Einzelnen au« der Versammlung, Bravorufen, schallende« Gelächter, lebhafte Erörterungen der Zuhörer untereinander, — alle« da« wechsefte mit dem Bottrage de« Redner» auf die bunteste Weise ab. Wenn wir die heftig«!» Gestikulationen de» Redner« sahen, wie er sich im Unmuth über die unaufhörlichen Störungen durch die langen Haare fuhr und die herabgefallenen zurückstrich, wurden wir unwillkürlich an Scenen auf dem vrausenwerth erinnert. Doch bald verschivand diese« häßliche Bild. Der Redner dauerte u»S. Unwillkürlich regt sich da» Mitgefühl, wenn inan geivaftige, aber vergebliche Anstrengungen gegen ei» Mißgeschick sieht, dem nun einmal nicht zu entrinnen ist Wahrlich dieser M»th, die Aurdauer, die Zähigkeit, welche Herr l>r. Förster entwickelte, um der Fluth de« Hasse», welche svon der einen, den» Übermaße de» Hohne« und der Lachlust, »velch« von der andern Seite auf ihn einstürzte zu trotzen, wäre einer bessern Sache »verth. Statt de« Hetzer« war er gestern Abend der dt« zur Erschöpfung Gehetzte. Ob er wohl eine Ahnung von dem bitte» n Gefühl bekommen hat, welch:r die von ihm und seinen Genosse» bi« jetzt Grhetz'en beseelt habe» muß! Eine vollständige Mittheilung der Rede de« Herrn Dr. Förster zu machen, ist durchaus unmöglich, selbst i» Bruchstücken sie wiederzilgeben geht nicht, eben wegen der vielen Unterbrechungen und weil die Strmme des Redner« in der zweiten Hälfte de« Bortrag» inimer angegriffener werden mußte. Er versuchte, ohne sich in gehässige Au«sälle zu verirren, nachznweisen, daß die Juden sich nicht al» solche wie Deutsche fühlen können, daß ein Unterschied zwischen den Ariern und den Seiniten bestehe. >va« Slaatenbilbniig. geistige« Leben. Ideale u. dgl. betrifft; er suchte »achzuweisen, daß der Antisemiti«- niu« lo alt sei wie da« jüdische Volk und brachte al« Bewe>«- stück da« Verhalten der Juden zu den Egyptern b«, dem Au»zug vor; er verunglückte in der Definition von dem w>» deutsch ist, da sie so ziemlich daraus hinanSlies: deutsch ist wa« deutsch ist; er erklärte, daß er keiner politische» Partei angehöre, er »väre blo« ein Christ u. s. w. Al« er durch Ueberanstrengung gezwunge» wurde zu schließeu, nahm ein Sozialdemokrat da« Wort und da wurde denn sehr bald die Versammlung aufgelöst. Slogan, l«. Mai. iOr. Corr.) Heute fand hier in der Synagoge eine Versammlung der jüdischen Gemeinde statt, zu der sich fast alle Mitglieder eingesun'-en hatten, uin Schritte zu Gunsten der russischen Inden zu berathen. Die Ber>aminlung wurde eröffnet von dem Vorsitzenden de« Borslande«, Herrn Jmanuel Landsberger, der auch einstiminig mit der Leitung der Debatte betraut wurde. E« erfolgten Ansprache» von Seiten de« Herrn Landsberger, de« Rabbiner I>r. Rippner, de« Rechtsanivalt Friedmann, de« I)r. Gabriel und de« Herrn I. Hirfchel. L Yterer sormillirte gleichsam al« da« Resultat der Debatte einen Antrag. daß die Gemeindemitglieder sich im Weg« der Selbst - besteuerung fünfzig Procent der Gemeindeabgaben für die Förderung dieser großen Augelegenh.il auscrlegen möchte. Dieser Antrag fand einstimmige Annahme, niit dein eigentlich selbstverständlich, n Amendement, daß I der, der Lust habe, auch mehr geben könne. Außerdem sind in der Stadt bei jüdischen und nich:jüdischen Kaufleuten, bei Liberalen und Streng Conservativen Sammelstelle» für diesen Ziveck « richtet worden. Mir scheint, daß diese« Vorgehen sich zur Nachahmung empfiehlt. Altona 13. Mai Die hiesige portugiesische J«r> elften» gemeinde trägt sich mit dem Gedanken, sich auizu ösen und zwar au« dem Grunde, »veil die Zahl der Gemeinden itglieder im Laufe der Zeit eine gegen früher verschwindend kleine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.