Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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I« btt Sitzung de« Abgeordnetenhaus«« vom 10. d. richtete nämlich die vereinigte Linke folgend« Interpellation an da« Gesammtministerium: »Da nach glaublichen Berichten jenjeit» unserer nordöstlichen Grenze au den jüdischen Einwohnern grauenvolle Unthaten vollbracht werde», und da nach diesen Berichten zahlreich« Flüchtlinge daösterreichisch« Gebiet bereitbetreten haben, so stellen die Unterfertigten di« nachfolgend« Frage: „Gedenkt bie Regierung angeficht« der au» diesen Vorgängen auch für unseren Staat erwachsenden Schwierigkeiten ihren Einfluß in geeignetrr Weise geltend zu machen, daß diese fortgesetzten Verletzungen der Gebote der Menschlichkeit rechtzeitig und energisch hintangehalten werden?"" Berlin. Mit den Arbeiten zum Bau eine« i-ralitischen Hospital« aus dem jüdischen Friedhofe ist in der Schönhauser Alle« begonnen worden. Da« Gebäude findet seinen Platz in der Straßenfront de« neuen Theile« de« Friedhose«, auf dem bi« zu angemessener Entfernung von der Straß« Beerdigungen nicht vorgenommen werden dursten. Leider fehlt eine solche beschränkend« Bestimmung für den alten Theil de« Friedhöfe«, und die Gräber, welch« meist erst au» neuester Zeit herrühren, liegen dort bi« unmittelbar an der Straßenfront. Pvfen, 9. Mai. Au« Warschau geht dem „Dziennick Poznan«!»" unterm heutigen Tage folgende Mittheilnng zu: In Wy-zogrod (Gouvernement Plock) und in Human (Gouvernement Kiew) haben arge Judenhetzen stattgefunden. Schänken und Judeneigenthum vollständig geplündert. Stritt», 4. Mai. Gestern trafen jüdische Auswanderer au« Rußland über Königsberg hier eia Besondere Theilnahme erweckt unter ihnen ein junge« IKjährigeS Mädchen, Namen« Lea Menrowitz, da« au« der Gegend von Orel stammt und in Folge der dort gegen die Juden au-gesührten Exceffe sich mit verschiedenen GlaubenSgenoffen flüchtete, dabei aber von ihrer Familie völlig getrennt wurde. Trotz der eifrigsten Nachforschungen, die sowohl ihrerseits, als durch den KöwgSberger Rabbiner angchellt wurden, gelang e« nicht, auch nur eine» der nach allen Windrichtungen h.n zerstreuten Familienmitglieder aufzufinden, so daß die Aermste völlig verlasien und mittello« dasteht. Da« hiesige Lomitö wird sie nach Berlin befördern lasten und sie au dar dortige Centralcomtts weisen, damit diese« weitere Maßnahmen für die Verwaiste treffe. Ihr Vater war eia bemittelter Hausmann, der natürlich seine ganze Habe eingedüßt hat. Wenu man alle diese Keinen Züge namenlosen Elende«, da« durch die unmenschlichen Gräuelthaten verursacht worden, sammeln könnte, man würde ein Bild de« herzzerreißendsten Jammererhalten. Ltzelebse». 8. Mai. Unser Landrabbiner. Herr lir. Guttmann auS Hildesheim, der behuf« Jnsveklion heute hier anwesend war, oidnete Nachmittag« Gottesdienst an, bei welchem derselbe die Noth unserer ruffischen GlaubenSgenoffen mit so tief gefühlten Worten schilderte, daß der Zweck der Rede, dt« Herzen der Zuhörer zum Mitgefühl zu erwärmen, vollständig erreicht wurde. Di« sofort erfolgte Zeichnung von für di« hiesigen Verhältnisse wesentlichen Gaben gab Zeugniß hiervon. Herr Ve. Guttniann will in allen Gemeinden seine« Bezirk« in gleicher Weis« thätig sein und hat bereit« bedeutend« Erfolge erzielt. Mßuche». Im 4. d. verschied dahier nach kurzer Krankheit der al« Herausgeber verschiedener Werte: otar rrj und nota nai6o auch in weiteren Kreisen wohlbekannte Herr Salomo» Tausjig i« 61. Lebensjahre. Der Berewigte war zu Jenikau in Mähren geboren und riu Schüler de« vor Kurzem verstorbenen, al« talmudische Autorität gefeierten R. Ihrou Jenikau V*:. Tauffig hatte «tu wechseivolle«, bewegte» Leben; sei»« literarischen Arbeiten entstaade» unter schwierigen Verhältnisse», er war Kaufmann und Schriftsteller zu «icher Zeit und mit Recht knüpfte Herr Stadtrabbiuer Dr. erle« iu seine« dem verewigten am Grab« gespendete« ehrenden Nachrufe an die Worte o»Dan ’ToVn 7m arrya »61 irrya nf nrruo an. Rßnche». Di: J«r. Lultu«gemeinde veröffentlicht ein Statut der i«r. Waisenstiftung in München nebst zwei Rechenschast»b«richten der Stiftung und einem Regulativ für die Gedenkfeier für verstorbene in der Synagoge zu München zu demselben Zwecke. Rach dem Rechenschaftsberichte pro 1880 bezifferte sich da» Stiftungsvermögen auf Mk 47957,90 Pf. Im Laufe de« Jahre« 1881 sind nach dem Berichte für 1881 Mk. 17855» eingegangen. Au« diesen Mitteln wurde für zwei Doppelwaisen ein Erziehung«beitrag von 300 Mark d«u>illigt. Die Stiftung hat auch die Rechte einer juristischen Puson erlangt und hierdurch ein« sichere Grundlage für ihre Existenz gewonnen. Wie», 9. Mai. Der Gemeinderath genehmigte einstimmig einen Antrag aus Lotirung eine» tpäter zu bestimmenden Betrage« zur den Unterstützung israelitischer Flüchtlinge au« Rußland behuf« Weiterbeförderung derselben und überwie« den Antrag an di« Finanzsection zu möglichst baldiger Erledigung. Wie». Die Ehewra kadischa, Verein für fromm« und wohlthätige Werke, hat für da« verfloffene T-iennium 1879, 1880, 1881 «inen Rechenschaftsbericht veröffentlicht, de« wir Folgeude« entnehmen. Der Verein zähit 845 Mitglieder. Die Zahl der Verstorbenen, welche während der dreijährigen Periode bestattet wurden, betrug zusammen 4387, darunter 45 Ehewra-Mitgiieder. Nach der am 8. December 1881 stattgtsuudeuen fürchterliche» Katastrophe de« Ringtheaterbraude« wurden 81 Leichen und zwar 59 männlich« und 18 weibl. agnoScirt. Von den eben genannten 4387 Personen wurden 3022 gratis beerdigt. Da« B«rein«vermöge» betrug am 31. Der. 1881 in Effecten fl. 90970 und in Paar fl. 4196,28. 0. K. Budapeß» 7. Mai. (Berichtigung.) Nicht in OSwiecin, wie e« irrthün lich in meinem Nachrufe lautet, sondern in Wadowitz war 0r. E. I Blücher KreiSrabdiner. So heißt e« unter den Titeln auf seiner Broschüre: Die Synagogenfrage für deutsche Israeliten, (I. G. Heubnn), Wien 1860. Unter die Verfolgungen, die er in jener Stellung erlitten, büßte er auch feine ansehnlich« Büchersammlung ein, die er noch einst zurückzuerlangen hoffte, vielleicht kommen diese Zeilen Jemand unter die Auge», der über den Verbleib und da« Schicksal dieser Bibliothek zu berichten weiß und sich zu einer Aufklärung veranlaßt fühlt. Pari«. Herren v. Rothschild Gebrüder haben 200,000 Frc«. für die Auswanderer der ruffischen Juden gegeben, Frau Wittwe Jame« v. Rothschild 25,000 Frc«. Pan«. Am 7. Peffachtage hat Herr Jacob Bi gart in der Synagoge seine Probepredigt gehalten. Der Eandidat ist gleichzeitig Advokat und Vr. zur!». (Arch. i«r.) Der Etaat-anwalt Herr Alphandery in A ix ist zum Oberstaatsanwalt in Bourge« ernannt worden. Pari«. Die Sammlung für die Russen übersteigt schon '/, Million Franken. Man ist hier neugierig auf da« Endresultat der Berliner Sammlung. Daß deutsche polit. Zeitungen e« kür nöthig gehalten, besonder« zu berichte«, daß Baron vleichrüder 20,000 Mk. gezeichnet habe, hat allgemeine« Befremden hervorgerusen. Die Zahl der algierischen Zöglinge der Talmud- Thora in Pari« nimmt langsam aber stetig zu. Die meisten Zöglinge werden nicht Rabbiner, bringe» daher da« Eultur- «lement, welche« in der Verbindung allgemeinen und hebr. Wissen« besteht, ihrer Heimath zu. In Km» le Saulaier starb End« März an einer Blutvergiftung, dt« er sich bei einer Operation zugezogetz hatte, derArzt Vr. Oppenheimer, der au« de« Elsaß stammte. Die Thell nähme aller Stände läßt sich nicht schildern. Di« Leich« wurde in Pari« beigesetzt. — Die portugiesisch« Gemeind« hier deckt nicht allein ihr« laufende Schuld, soudern auch ein«