Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Hypothek von 30000 grd. durch ein« Subskription, bei «elchn der Mindestbeitrag aus 200 Frc«. «ormirt ist. Warschau. Hier habe» schon 4000 Juden sich in die Listen eiugezeichnel, daß sie »rach Amerika au»z«wandern beabsichtigen. Unter ihnen find auch Vermögend», welche Lecker zu erwerben gedenken. Da« Au«wanderung«comit6 soll bie Abreise möglichst bald in'« Werk setzen wollen. I« MXkn» hat Fürst Dolgoruckow befohlen, die Judenaustreibungen einzustellen. Mxka», 10. Mai. Di« Moskauer Kaufmannschaft petilionirte bei der Regierung zu Gunsten der Juden. Di« Ausweisung der Juden würde» wird in der Pttition gesagt, den bedenklichsten Einfluß auf da« geschäftlich« Leben au»üben. Au» Vrodus wandern 500 Arbeiter au«. Ungefähr siebentausend Judensamilien haben bei dem Au-wanderung«- bürea« in Jaffa ihre Niederlassung in Palästina angekündigt. Mit dem morgigen Tage beginnt von allen Theilen Südrußland« der Au«zug der Juden; bisher sollen bereit« neuntausend Ju>en da« russische Reich verlassen haben. Herr Rabbinowitsch au« Alschtue» halte dem Minister die Stalulen eine« EolonisationSvereine« in der Gegend von Küchinew vorgelegt. Sie sind nicht bestätigt worden, -tun geht Herr R. nach Palästina, um dort Land zu kaufen. Au» dem Bezirke von Ananiw haben 400 Familien 3 Sendboten ebenfalls zu demselben Zwecke dorthin geschickt. Jerusalem. Herr P i n e« tritt für die Ehaluka ei». Er meint, so viele Greise, Arme und Berwaiste sind allein auf sie angrwiesen. Und doch — e» muß eine Aenderung ein> treteu. E» müssen Arbeit und Thätigkeit einen Ansporn erhalten. damit Palästina der Mittelpunkt werde jüdischen Leben« und nicht jüd. Wohlthun« allein Herr P. ist von den Eindrücken bestürmt und bestimmt, welche da« Aufheben de« von de» Fanatikern auf sein Beth hamidrasch gelegten Banne« auf ihn gemacht hat. Die Peruschim wollen von den Warschauer Lärmmachern und den ungarischen Zeloten sich lossagen. — Neugierig sind wir, ob Herr P. der Aufforderung de« .Hameliz" Folge leistend gegen ta« Sendschreiben de« Herrn Netter Stellung nehmen wird. WaS ist zu thuu? Eia Beitrag zar kSsang der raff. I»densrage. r>»n einem russischen «»«»anderer. II. Weshalb tragen unter allen Böllern nur wir einzig und allein? WeShab stellen nur wir einzig und allein so ein merkwürdige« Beispiel in der Geschichte dar? Weshalb fiel auk unser Loo« mehr Leiden al« ans tämmtliche andere Nationen zusammen? Die Bersechter der Assimilation«-Jdeen werden un« antworten: »Da« jüdische Volk ist hartnäckig und stolz und verdient daher auch seine Leiden! Biele Völker de« Alterthum« verloren ihre Selbstständigkeit, aber sie verabsäumten nicht, sich bald mit den übrigen Völker», die ihre Selbstständigkeit noch behielten, zu verschmelzen und bewahrten hierdurch ihre Nachkommen vor Leiden. Unsere Vorfahren waren Egoisten und wir leiden für ihre Sünden. Wir aber, durch Erfahrung geschult, durch Bildung aufgeklärt, müssen un« von den dummen Hoffnungen und Bestrebungen unserer Borfahren lo«sagen; wir müssen un« mit den Völkern unter denen wir wohne« verschmelzen!" Diese Menschen sind keiner Antwort würdig, weil sie in den meisten Fällen nicht au« Redlichkeit, nicht au« innerem Triebe, feinem Volk« Gute» zu erweisen, sondern infolge einer allzuaroßen Auhänglichkeit zu seinem persönliche« Wohlstand« z» solchen AuSlassnngen geleitet werden. Irgend einem krummnSfige« Iwan Jwanowitsch oder PanwladiSlaw ist nicht angenehm oder schämt sich deffen, daß er al« Jude geboren ist, da verherrlicht er sich mit dem prunkvollen Namen .Russe oder Pole mosaischer Eonfeffion." Er schämt sich Jude zu sein und will nicht den Zeitpunkt abwarten. wo da« Wort .Jude" aufhören wird zu sein ein Synonym eine« obdach- und heimathlosen Herumirrenden, vielleicht gar für da« Herannahen dieser Zeit arbeiten und so handelt er. da« Gewissen und die Vernunft nicht fragend, wie e« ihm in diesen, Augenblicke vorthetlhaft erscheint. Solche Leute verdienen nicht, daß man ihnen antworte. Da aber unter den Assimilatoren auch zwei — drei solcher sich oorfinden, die ihre Theorie nicht blo« au« perfönlichen, Portheil, sondern au« scheinbarer Ueberzeugung predigen, weil man ihnen von Kindheit an immer die Assimilirung vorredete und haben dabei noch nicht ein etnzige«- mal über die Lage ihre« Volke« nachgedacht, sich nicht einmal gefragt, ob die Bestrebungen nach Assimilation wirklich eine» Sinn haben — mit solchen Wenigen halte ich e» für Pflicht ein wenig zu reden. Eie beschuldigen da« jüdische Volk der Hartnäckigkeit und weisrn darauf al« Ursache allen Unglücke« hin. Aber man zeige un« doch ein einziger Volk, welche» seine Selbstständigkeit verlor und freiwillig sein .Ich" vernichten wollte, um sich unter den übrigen Völkern aufzulösen! Jede« von ihnen kämpfte bi» aus'« Aeußerste. Wenn aber die Geschichte eine Verschmelzung sor! erte, da half kein Ringen und Kämpfen und nach Verlauf von zwei bi» drei Jahrhunderten blieb von solchem Volke keine Spur niehr übrig, ungeachtet dessen, daß die Bedingungen zu Bewahrung der Selbstständigkeit dieser Völker vortheilhalter waren al« bei den Juden, da sie on ihrem Orte blieben. Mit dem jüdischen Volke aber geschah da« Entgegengesetzte. E« verlor seine Selbstständigkeit, e» verlor seine Sprache, e« verlor sein Land und zerstreute sich über die ganze Erde, Umstände also, weiche ihr Verschwinden doch beschleunigen sollten. Alle arbeiten daran, alle Mittel wurden angewandt, um dir Juden zu vernichten und Alle» ohne Erfolg. Wenn seit der Zerstörung de« Tempel«, folglich seit dem ersten Verluste d.r Unabhängigkeit de« jüdische» Staate« blo« etliche Jahrhunderte verstrichen wären, so könnten wir sagen, da» Volk gedenkt noch an da« Vergangene, wird'« aber mit der Zeit vergessen und allmählich nnd unvermerkt, mit den übrigen Völkern sich verschmelzen, wie e« auch mit allen andern gestürzten Nationen geschah Seitdem ersten Sturz der Selbstständigkeit de« Juden aber verstrichen nicht blo» etliche Jahrhunderte, sondern zwei und ein halbe« Jahrtausend, zwei und ein halbe» Jahrtausend! und da» jüdische Volk ist noch nicht verschwunden und die Juden gedenken noch ihrer Abkunft. Da« will also soviel sage», oaß die Geschichte ihre Vernichtung nicht will, daß hier also etwa» vorhanden, welche« die Auflösung der Juden unter den übrigen Nationalitäten nicht zuläßt und alle schlaue Klügeleien der Assimilatoren werden da« nicht zu Stande bringen, wogegen die Geschichte gerüstet steht. Zwei und ein halbes Jahrtausend l Da« hätte doch schon soviel beweisen müssen, daß jedenfalls nicht morgen eine Auflösung der Juden zu Stande kommen kann, wenn überhaupt eine Auflösung möglich ist. Man wird vielleicht einwenden wollen, daß bi« an die letzte Zeit die .Umstände" ganz anderer Art waren, daß eine Verschmelzung erst seit dem letzten Jahrhundert« möglich geworden ist, jetzt aber ist sie schon eingeleitet und wird immer vorwärts und regelmäßig vor sich gehen. Eo aber zu reden, heißt mit der Geschichte nicht bekannt sein oder ihre That« fachen umkehren wollen, um so leichter seine Theorien durchführen zu können. In den vergangenen Zeiten bestanden für ein Verschwinden nicht blo» eben solche Bedingungen wie sie jeyt in den in dieser Beziehung musterhaften Staate« existirrn, sondern e« waren noch viel bessere. Eine Verschmelzung wäre noch einigermaßen möglich gewesen und zwar nur in de» vergangenen Zeiten, jetzt aber ist st« absolut unmöglich. (Fortsetzung folgt.)