Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5935096-5938079--4576-5376867- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
15t — nx(<$t sich damal» renitent hielt. Jetzt freilich möge» e» mehrere Personen sei», für welche »ine solch« Entsebeidung notwendig geworden ist. Die Zeiten haben sich geändert. Bisher war Zwang nicht erforderlich; daher war di« frühere Entscheidung, deren Anrufung »nd Anwendung überflüssig war, in Vergesirnheit gerathen. Dieselbe ist übrigen» ein selbstverständlicher Au«fluß de« sogenannten Judengesetzes von 184V. Line Wohlthat mag in derselben liegen, aber sie läßt durchau» keinen Schluß auf ein besondere« Wohlwollen der Regten», g zu. —n— 8«» Rhein. (Or.-Eorr.) Von verschiedenen Seiten werden die Rabbiner aufgesordert, dahin zu wirken, daß di« Gemeinden Lehrer anstellen. Mit Eifer haben Ein» zelne diesen» Ruse entsprochen, haben auch hie und da da» Ziel erreicht, obschon der Umstand, daß fast keine kleine Gemeind« auf Grund de» Gesetze» von 1847 al« Gemeind« sich constituirt hat, erschwerend uad lähmend einwirkt. Denn wer keine Kinder mehr hat, der eifert: .Ich habe so lange allein bezahlen, allein für den Unt reicht sorgen müsien, jetzt thut Ihr'».* Und die noch keine Kinder haben, denken: ES wird Zeit sein, zu sorgen, wenn die Reihe an unS komntt. Dazu ist ja Oren, die Berochoh und da« Tischgebet schnell erlernt — und Weiteres wird nicht verlangt. Trotz alledem ist es an einzelnen Orten gelungen, Lehrer ins Amt zu bringen. Und nun kommt der Haupteffekt. Junge Leute in dem Alter, in »velchem der RabbinatScandidat kaum die Universität bezieht, haben nicht» eiliger zu thun, als einen Ornat sich anzufchaffen. Der ist sichtbar. Welch' Hilfsmittel im Geheimen bereitet werden, weiß vielleicht die Buchhandlung Kauffmann in Frankfurt allein. Und — der Prediger ist fertig. Salbung »voll wird getraut und getrauert! Ja hierbei bleibt man nicht stehen. Nicht allein im Dorfe oder Städtchen läßt man fein Licht leuchten. Da wird die Hochzeit in dem Hotel einer Großstadt gefeiert — sie ist freilich RabbinatSsitz — aber wa» thut'». Der Rabbiner wird nicht einmal gefragt, ob er die Erlaubniß ertheilt. Der Lehrer ist Rabbiner! Er weiht auch Synagogen ein — kommen Taktlosigkeiten, Fehler, Jffnrim vor, da» schadet nicht». E» versteht'» Keiner, und wird'« verstanden — dann ist'» — Reform! Entstanden ist di« Bornahme von Trauungen durch Unqualificirte durch die BezirtSrabbinate. Der Rabbiner prüfte jeden einzelnen Fall und ertheilt« für den Einzelsall Hattora» Kidduschin. Dadurch wurde da« Publikum gewähnt, den Lehrer trauen zu sehen. Die Prüfung, die Hattorah hat aufgehört — der Unsinn ist geblieben. Dresden. E« liegt un« der Berwaltung»bericht und die ahreSrechnung der J»r. Religion«gemeinde daselbst auf da» ahr 1881 vor. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, von welch' großem Jntereffe derartige Berichte sind «nd wie sie zur Entwickelungsgeschichte de» Judenthum« wichtige« Material liefern. Keine größere Gemeinde sollt« so «ngberzig sein, die Kosten für den Druck solcher Rechenschaftsberichte zu scheuen. Ovferwilligkeit zu üben ist dt« Quinteffenz de« Indent hum«. Der obig« Bericht zeigt un« in seiner Statistik, daß die Gemeinde End« 1881 435 stimmberechtigte Mitglieder zählte; die Sesammtzahl der Juden betrug nach der Volkszählung vom 1 Dec. 1880 unter 220,445 Einwohner 2171. Der Genreinderath besteht au» s Vorstehern und 9 Deputaten. U. a. hat der Gemeinderath befchloffen: „An Festagen wird da« Schlußgebet olenu leschabeach nur deutsch, nur der Schlußver« auch (!) hebräisch vorgetragrn.* Un« scheint dieser au« ästhetischen (?) und sonstigen Rücksichten hervorgegangen« Beschluß ganz verfehlt zu sein. <« dünkt un«. daß auch di« Anhänger der fortgeschrittenen religiösen Erkenntniß von dem nur in hebr. Sprache tiefe Innigkeit durchwehenden Olenugebet andächtig gestimmt «erden durch den hebr. Text. Die wichtigsten jüdischen Gebete, wozu bekanntlich auch da« Schlußgebet gehört, sollten wir in der hebr Sprache beibehalte». Rach dem Bericht zerfällt di« Religionsschule in 8 Klaffe«, je 4 für jede« Geschlecht und zählte 130 Schüler. Die Gemeinde verschaffte 4 Kindern unentgeltlichen Elementarunterricht. Der Stand der zahlreithea Wöhlthätigkrittvereine legt ein beredte« Zeugniß ab von dem regen Jntereffe ihrer Mitglieder. Wir erwähne« di« KrankenverpflegungSgrsellfchaft mit 277 Mitgliedern. Die Einnahme betrug M. 5409 46, die Ausgabe M 2287.7; der Bermög-nSbestand M 54478,81. Den J»r. Armenuud Fremden- Unterstützungvverein mit 2i9 Mitg>. Einnahme M. 7425,90, Ausgabe M 8263,53, BermögenSbestandM. 6812,37. Den J«r. Frauenverein mit 238 Ritgl. Einnahme M. 6085,57, Ausgabe M. 3245,49, Ber,»ögen«bestand M. 3558,64. — Die JahreSrechnuug der Gemeinde u>eist eine Einnahme au», von R. 47829,58. hierzu kommt der Bestand vom 31. Dttemb^r 1880 M. 30448,51 *= M. 78273,9: Die Ausgabe betrug M 45736,91 (für d's Eh or allein M 3066,8.) Der Bestand de» Lehrer-Pension-sond« war Ende 1881 M. 10834,89. Der stellvertretende Gemeindevorsteher ist der in «eiten Kreisen durch sein Wirken für da- Judenthum rühmlich bekannte Advokat Einil Lehmann. Alzetz, 2. April. (Or.Corr) Während vier Tage der vorigen Woche dauerte die diesjährige Prüfung der nunmehr eittlaffenen Zöglinge de» hiesigen Schullehrer-Seminar», unter denen auch vier Israeliten sich befanden. Die Prüfung war sehr streng; der RegierungScommiffar stellte die Themata» über welche geprüft werten sollte. Die isr. ReligionSprüfung wurde ganz paritättsch behandelt; e» wurde ganz analog der vorhergegangenen katholischen ReligionSprüfung au« Religion«- lehre, Bibelkunde und Religionsgeschichte geprüft- Die Prüfung in den hebräischen Sprachuud liturgischen Fächern, dem recitativischen und Gesangsoortrage der Gebet« und bib> lilchen Vorlesungen an den verschiedenen Tagen de« Jahre«, fand vorher unter Assistenz der Rabbiner Dr. Stein- Worm» und s>e. Salseld «Mainz in Gegenwart de« Gemeindevorstande« durch den hiesige» Rabd. vr. Rothschild und Eantor Wertheim - Worm«, der jetzt für Mainz designirl ist, statt. Eämmtlich« Herren ivaren vollständig befriedigt, theilweise sogar von den Resultaten der Prüfung überrascht, welche in so kurzer Zeit erzielt worden waren. Da« Seminar besteht nämlich erst 1'/, Jahr, und di« abgehenden Schüler l>ab«n den hiesigen Unterricht sogar erst 1 Jahr genoffen. Möchte die» eine allseitige Mahnung sei», da« hiesige Seminar in genügender Weise mit Lehr- und Unterstützung« mitteln zu verfelnn, ivelcke noch immer nicht in ausreichender Höh« vorhanden sind. Und doch ist an guten Lehrern unv Cantoren ein so ausfallender Mangel; auch liegt in der Ausbildung solcher da« alleinige Mittel, de« Nothbehelf« mit ungenügenden Subjekten überhoben zu sein. Von besondrer Bedeutung für da» hiesige Seminar ist nicht blo« die paritätische Behandlung, welch« dem Judenthum seiten« der Regierung widerfährt, sondern di« au»drückliche Hervorhebung de» Grundsätze« seiten» de« RegierungScommiffar» bei der die»jährg«n Prüfung, daß die Anstalt eine iaterconseffionelle sei, oorin Lehrer und Schüler der verschiedenei» religiösen Bekei ntniffe mit einander vereinigt seien. An diesem Grundsatz« der gleichen Berechtigung Aller halt« die Regierung fest; de rum sei zu wünsche», daß die entlaffenen Zöglinge solch« Grundsätze mit hinau»nehmen in« Amt «nd Üben «nd sie dadurch Lehre und Beispiel für sich zu bethätige», wie auch dafür bei Anderm zu wirken suchen. Oesterreich. * Pest, 16. April. Vorige Woche fand die diesjährig« General verkam, »lung der hiesigen Lhewra Kadifcha statt. Präsident Karl Reaß eröffnet« dieselbe, indem er die Anwesenden berzlichst begrüjite und vor Uebergang zur Tage«orda«ng die Jnitiatto« zu eine« WohlthätigkrttSakt« ergriff. Di« Generalversammlung aottrte, auf Antrag de» Vorsitzenden, einem hervorragenden langjährigeu veretnSmitgliede, da» in sehr