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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Marburg «. B. bewilligte, fo Hirte mindesten« der foreirt« Andrang der Sermere« gerade »ach den Hauptcenttea de» AnttsemttiAmu« auf, unsere jüdischen Etudlrrnden würden weniger agttiren und mehr sttwiren. Berichte und Correspovdeaze«. Devtschla»». Leipzig. 7. Mai. Vorigen Freitag hielt der „Verein deutscher Studenten" seine erste Generalversammlung ab. Dieser Verein ist in der antisemitischen Sturm« und Drangpcrtod« entstanden und führt die Devise: „Deutschthum und Christenthum." I« wurden vier anwesrnde naiionalreaktionär« Herren, Prokessor Nr. Luthardt, Nr. Jtönig und die Obristlieu'enant« Bogt und von Kippen, zu Ehrenmitgliedern ernannt, die darauf ihre Ansprachen hielten. In derselben wurde da« Deutschthum mit dem Shristentbum in einer Weis« verquickt, daß man annehmen sollte, e« gebe in der ganzen W.lt außer in Deutschland keinen Christen und umgekehrt jeder Deutsch« müsse strenggläubiger Christ sein, wenn er nicht aufhören wolle, Deutscher zu sein. Segen da« Judenthum wurde nicht direkt Io«gegangen; der Vorsitzende, ein Studiosu» Rosenhagen, suchte sogar die falschen Ansichten, die man über d-e Bestrebungen de» Verein« hege, zu widerlegen. Der Verein verfolg» w.der lediglich anlisimitische, noch politisch« Parteitendenzen, sondern bezwecke, die nationale Gesinnung unter der Studentenschaft zu hegen. — So milde haben diese Herren vor einem halben Jahr« sich nicht geäußert, aber da nunmehr der Antisemiti«- mu« wenigsten« in keiner äußern und brutalen Erscheinung hier zur Ruh« gebracht worden ist, so hängen dem „Verein deutscher Studenten" die Trauben zu hoch, und nun sagt der Vorsitzende, er wolle sie nicht pflücken, die seien sauer. Saarbrücken. Die Tacllosigkeit de« Herrn Seminar« director» l)r. Plato in Köln, die derselbe in seinem provocatorischen „Ausrufe* für die russ. Juden begangen hat, war Veranlassung zu einer sehr unerquicklichen Polemik in der hiesigen Zeitung. Dieselbe schreibt unterm ü. d. Mt«., wie folgt: „Jedermann erinnert sich de« Unwillen«, den e« in Deutschland erregte, al« 1870 unsere deutschen Mitbürger au« Frankreich au«gewtesen und zum Theil in ihrem Eigenthum geschädigt wurden. So dürfen auch die Inden wohl zürnen und Nagen, daß ihre Landsleute au« Rußland verjagt und geplündert werden, und auch die Richtjuden werden e« beNagen, wenn ohne Sinn und Verstand die russischen Bauern den gerechten Juden de« Wucher« wegen mit leiden lasten. Aber e« ist eine Frechheit, wenn ein Rabbiner Plato in Köln die Christen beschimpft, al» hätten sie durch Geldspenden die Ehre de» christlichen Ramen« zu retten. Genannter erläßt nämlich im Jnseratentheil der „Köln. Ztg." folgenden Ausruf: „Christliche Mitbürger! E« find Christen, dem Rainen nach Christen, die entsetzlich« Grausamkeiten, unerhörte, da« menschliche Gefühl empörende Schandthalen gegen di« ivehrlosen russischen Juden begehen. E« sind orthodox sich nennende „Christen", von „orthodoxer." christlichen Priestern belehrt, die an einem Welterlöser glauben, der vor zwanzig Jahrhunderten dem lüdischen Volk« entstammte und sich zum Sott« der Lieb« und Barmherzigkrft bekannte. Christliche Mitbürger! Rettet di« Ehre de« von „Christen" geschändeten christlichen Bekenntnisse«. Durch die geringste Spende, die Euer irdische» Besttzthum nicht wesentlich schmälert, durch die kleinste Gabe, aber mit öffentlicher Nennung Eure« Namen« und christlichen Bekennt« niste» dargereicht, rettet Ihr die Ehre de» christlichen Namen«. Rabbiner Dr. Plato, Köln * (tt wird wohl jeder vernünftig denkende Mensch mit un« darüber einverstanden sein, daß zu einer solchen Beschlmpsnng de« christlichen Namen«, wie e» in diese« Falle seiten» de« Herrn Rabbiner (k) Plato geschieht, nicht der geringste Grnnd vorliegt. Dt« russisch« Bauernehre ist beschimpft durch solche Lhaten. Wohl «ögen sie durch jüdisch« Halsabschneider gereizt sein, aber solch« Rohheiten bleiben doch auf den Baue-» , sitze«. Mt dem Christenthum hat da« nicht« zu tbun, ebensowenig al« mit dem Glauben der Juden; diese Elenden! wollen nicht den Glauben der Juden stören, sondern sie wollen ihr« Möbel, ihren Besitz, ihr Geld haben, soviel nicht durch Brand zerstört wurde. Daß ein Mensch, der sich Christ nen »t, nicht damit schon tugendhaft ist, braucht un« kein Rabbiner zu sagen und an unfern „Welterlöser", den er für etwa« ganz andere« hält, braucht er u»r nicht zu erinnern. Lr kann un» anbetteln, aber vom Ehristenlhum mag er schweig« ' I (Herr Dr. Plato möge diese wohlverdi-nte Replik nur ruhig einstecken und nicht durch Duplik die Sache noch verschlimmern. In jetziger Zeit thut Vorsicht doppelt noth! Red.) Hamburg, 4. Mai. (Or.-Corr.) Am 30. April fcnd da« Leichenbegängniß de« Dr. Max Sänger unter ziemlich reger Betheiligung von Seiten de« Publikum« statt. E» hatten sich außer den persönlichen Freunden de« Dahingeschi«!)«- nen und hervorragenden Mitgliedern de« Tempelverband« auch die Vertreter der Gesammtgemcinde eingefunden und selbst Männer der entschicden orthodoxen Richtung hatten sich dem Zuge freiwillig angeschlossen; der Oberrabbiner dagegen glänzte durch seine Abwesenheit. In der Kapelle de« Hamburger Friedhof« in Ottensen hielt, nachdem da« Gebet mn beendet war, Dr. Jona« «:ne kurze Trauerrede, worin er de« jähe» Hinscheiden«, sowie der glänzenden Eigenschaften de« Todten gedacht« und einen Trauer - gotteSdienst im Tempel ankündigte, welcher ihm Gelegenheit geben werde, eingehender über da« Wirken deffelben zu sprechen. Ein deutscher Besang de« Tempelchor« folgte; dann wurde wie üblich der Sarg nochmal« geöffnet und unter dem Absingen de« ino3 3sn' zur Gruft getragen, wo ein Mitglied der Directiou noch über da« schöne und innige Verhältniß de« Prediger« zu seiner Gemeinde sprach. Der gestrige Trauergotte-dienst war. trotz de« allg'n.einen Feiertag« nur schwach besucht; die Feier nahm im Äinzen kaum fünfviertel Stunden in Anspruch Die Rede, weiche Dr. Jona« mit den Worten einleitete wvi nvi Hin’ c'K, ’3Tio worin, wie er sich auSdrückle, der wahre Charakter de« Entschlafenen dargestellt sei, enthielt ein« kurze Uebersicht veS Lebenslauf« deffelben; wie er der älteste Sohn »ine« mi: vielen Kinder»» gesegneten Lehrer« einer kleinen Stadt, aon Jugend auf mit mrle» Widerwärtigkeiten zu kämpfen geh>»bt, wie er im Vertrauen aus Gott nicht nur diese, sondern auch die vielen schweren Prüfungen, welche im Laufe der Jahre an ihn herangetreten, in Ergebenheit in den göttlichen Willen siegreich überwand, — wie er gleich Mose durch seine Besiqei» denheit glänzte und auch wie dieser np'tpjs plötzlich au« dem Leben schied bei Ausübung seine« aintlichen Beruf»; gleich den Söhnen Aharon«, welchen Mose mit den Worten tröstete »np» ’3n?3! und da auf Sänger da« 1"»3 w ny ’33 D’J3? aiiwendbar gewesen sei, so bedurfte er der Vorbereitungen auf da« Jenseits nicht; der Tod war für >hn ei« glücklicher, nachdem «» ihm vergönnt gewesen, noch einmal die Kanzel zu betreten, wonach er sich so sehr gesehnt. Der Red« vorauf ging der Gesang eine« Liede« „Seele iva« betrübst du dich" und auh den Schluß der Feier dt! deren einige Rutsch« Gesänge von dem o’vrin >6o •*, wir er im vortugiesischen Ritu« üblich, unterbrochen. Der Tempel war, wie auch am Beerdigung«tage, schn arz drapirt und die Umgebung der heiligen Lade entsprechend beleuchtet; die Lieder wurden zum Theil vom Knabenchor, »um größeren Theile jedoch von einem Damenchor unter Beplei» tung der Orgel gesungen. Ruche». 31. März. (Orig. - Corr.) Die von hicr mitgetheilte Entscheidung K. Regierung in Betreff de« auch für isr. Schulkinder bestehenden Zwang« zur T xilnahm« an l«m eingerichteten Religionsunterrichte ist nicht neu. Bereit» wurde eine solche Entscheidung schon durch unfern früher« Rabbi rer, Dr. Rothschild, der jetzt in Alzey fungirt, erwidert. L« wird un« ausdrücklich der Name jener Persönlichkeit mttgethetft.

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