Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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ßtdfm Fanatt«mu» gegen grausam, weil er 3<W* de" Hölle verfallen glaubt», der nicht der »allein selig machenden Kirche* angehürt. Lein« blind« Wuth gegen Andersgläubige war zu bedauern, aber er selbst nicht »u Haffen, denn er frevelte nicht an« Schlechtigkeit, sondern au« Verirrung. San, ander» verhält e« sich mit der diabollschen Thätiglitt de» Jgnatieff, denn nicht religiöser Eifer war und ist die. Ursache seiner Unterwühlungen, früher gegen di« Türken und W gegen di« Juden, sondern listig», lügnerisch«, verwerfltche Politik, indem er die Juden al» Ursache der nicht zu bewältigenden nihilistischen Bewegung hinftellt, um die Wuth des gedrückten Volke« von oben abzuwenden und nach unten zu lenken. Psychologen erklären den Abgang aller hunianen Sefühle Jgnatieff'« mit seinem bisherigen Leben. vt« zu seinem 25sten Jahre Soldat der russischen Armee, lernte er nur Härte und Strenge kennen, im Jahre 1857 in Khiwa und Bokhora thätig» 1858 Beirath de« oststbirischen Gouverneur» Murawieff, 1859 in China und von 186« an* gefangen Gesandter, später Botschafter bei der Pforte, lebte er fast stet« außerhalb europäischer Eivilisation. Sein eminenter verstand übte sich in der Jntrigue, in welcher er «» leider zum Rachtheil der Menschheit weit brachte, so daß ihn die Franzosen Je clinrmeur* (den Zauberer) nennen, weil er durch Lügen und falsch« Vorspiegelungen viele berücken kann. Er soll auch im Geheimen zum Aufstand« der vulgaren betgetragen haben, wa« zur Folge hatte, daß alle Mächte mit Rußland an der täte intervenirten und später ebenso in Bosnien und der Herzegowina, und während die volk»zahl vulgarirn« (2 Millionen). Bosnien« (1 Million), der Herzegowina ('/, Millionzusammen die H-he der vo>k«zahl der Juden in Rußland (stjier 3'/, Millionen) nicht erreicht, steht Europa, wenn auch innerlich grollend, doch unthätig den Gräuelihaten gegenüber von Millionen unglücklicher Menschen zu. Rußland ist mächtig und gefürchtet und kein einzelner Staat will den Handschuh hinwerfen, da zu fürchten ist, daß ganz Europg dann in Flammen steht. Da nun von der Diplomatie nicht« zu hoffen ist, so haben die Juden sich selbst zu helfen, nicht mit Gewaltmitteln, die verpönt sind und die ihnen auch nicht zu Gebote stehen, sonder« mit ganz friedlichen, legalen, über di« sie di«poniren können. Die meisten europäischen großen Börsen zählen eine überwiegend« Schaar mächtiger jüdischer Lavqaters. Obgleich nun die Spekulation kein Vaterland und keine Confessio« in Calcul zieht, so sollten doch Einige, Vorsicht halber, de« »ofrhlbare» Sturze der rnsßsche» Efieete» znv»rk»,«e, „» sich sarresstde des Besitzes derselben z, entledige» trachten." Da« russtsche Reich kann schwerlich der Eruption de« vulkan«, auf dem e« ruht, entgehen and bedächtig ist derjenige, welcher bet Zeiten rettet, wa« zu retten ist, denn ein Staat, der von Anarchie und Rihili»mu« angefreffen ist, kann seinem Schicksal« nicht entgehen. Allerdings wird ein Ausgebot von russischen Titre« von einigem Belang, ein Echo in Loutzou Paris, Amsierda«, Wie» und Berlin finden, allein immerhin bester allmähliche« Zurück« gehen eines Papier», al« jäher Sturz, der dann den ga«M Eonrszettel mit sich reißt. Büßt Rußland seinen Sredit ein, so der europäische Fried« gesichert» denn der Schlange ist da« Gift genommen nnd Niemand hat sie mehr zu fürchte«. Gelangt Rußland zur Ueberzeugung, daß e» nicht nur .krank", sondern auch .arm* ist, so wird e« sei» schlechte» System aufgeben und die sparsamen Juden, die durch ihre Thättgkeit Kapitalien simmeln, herbeizuziehen trachten, anstatt sie, wie jetzt zu vertreiben. H. E. Die Sage unserer Ltudirenden. i. Bei »nt jüngsten verathnngen zu« Kultus-Etat im preußischen Landtage hat sowohl der Herr Kultusminister von Goßler wie eine Reihe Abgeordneter über die jetzige ,Ueberp roduktion an Gebildeten" geklagt und,« ist seiten« dieser Herren mehrfach hervorgehoben worden, wie wenig der Staat eine Garantie für die wirkliche Anstellung keiner Studirten im Staatsdienste übernehmen könne. Diese Konkurrenz der Gebildeten wird sich in de» nächsten Jahren nach uns vorliegenden Uebersichten über die Besetzung der Studienfächer noch außerordentlich steigern und namentlich tritt jetzt an die studirte jüdische Jugend, welche im letzten Dezennium herangedildet ist, für die nächsten Jahre die Frage heran, wie sie sich mit ihrer Nachfolge (denn Berlin. Bre«lau, Leipzig u. s. io. sind reich gesegnet mit dersrlben) behaupten will, oder ob sie ihre Ansprüche und ihre Haltung ev. zu modificiren hat. An einzelnen Universitäten hat bereit» eine heilsame Verschiebung ftattgefunden und ist der Andrang zum juristischen Stud um, da« eine Uederproduktion von 2000 Referendaren übirhaupt und etlichen jüvischen darunter (in Berlin studtren » Z. 700 Jura) auszuweisen hat, in der Abnahme begriffe« gewesen. Allein unter den jetzt lzum Eommers'mester) zur Reife für die Universität vorbereiteten jungen Luten scheint un» die Erkenntniß der Sachlage doch noch lange nicht tief genug zu gehen, und da hier ein wesentliche, Theil der sogenannten .Judensrage" liegt. > halten wir e« ür unsere Pflicht, die Lage unserer Studirenden oder vielmehr die Mahnung vor dem Andrang zu gewiffen akademi'chen Studienfächern hier zur Sprache zu bringen. Schön ist di« Lüiffenschasi, wenn sie nicht nach Brod geht und es ist viel rathsamer, daß Gymnasial- und Realschuladiturienten sich dem Bankgeschäft, anderweitiger kaufmännischer Thätigkeit und den technisch industriellen Fächern zuwenden, al« daß sie ein Advokatenprvletarian heraufbeschwören oder au» Mangel an Sporn während de« Studium» verbummeln. Außerhalb de« Staatsdienste« bietet nur die Medici» auch heut« gute Chancen. Einzelne könnm. fall» da» Talent dazu vorhanden ist, sich wohl der Publinstik zuwenden, aber auch da ist gerade innerhalb der .Judenpreffe" di« Konkurrenz heut« «ine außerordentliche. Hanoel und Industrie und wohl auch die Preff« können und werden zwar in einer neuen Aera hoffentlich neuen Aufschwung erleben, dt« Frage der Uederproduktion an jenen Geblldeten aber, die nur mit dem Kopse nnd der Feder arbeiten, wird selbst urter dem wohlwollendsten Regiment von 1 unten herauf ausgäiren und vielleicht »och manchen wunder- > lichen Absud gebär-u. Eia Hauptübel stand, der lange todtgeschwiegen war und der noch jetzt den Studirenden au» der Provinz Posen namentlich manche« Unbehagen schafft, ist da« Zufaminendrängen der jüdischen Studirenden auf einzelne wenig« Universitäten. Wer sich dann wu»d«rt, daß auf diesen Universitäten dt« Studentenschaft sich mezr und mehr im Antisemiti«mu» konzentrirt, wundert sich vrrgeilich und verschwendet seine Agitation gegen da« Raturgesez de« Konkurrenz-Rischuß. Der Hilf«verem für jüdisch« Studirende in Berlin, der früher in der Lage war, fei te venefizien zu erhöhen, hat jetzt sein« Unterstützungen herabsetzen müffen — weil zu viele Studirende in Berlin um dieselben kot kurriren. Hätte» wir ein« Central-Kaffe für Etudienbeförderuaz, (einzelne Verein« wie in Leipzig, Königsberg z. v. find in der Lage sehr reichliche Unterstützungen zu geben) welch« Unterstützungen ebenso «ach Straßdurg wie nach