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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 19. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 19.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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145 — Meister Reinecke nach, der für sein« llrbelthate« die davon Betroffenen bekanntlich mit Vorliebe zur Verantwortung in ziehen wußte. Der Mann, der. wie di« Welt weiß, am meisten dazu gethau, die wilden Triebe der Mafien zum Aufnihr gegen die Juden anzustacheln, er steht mit kaltem Lächeln bei den rauchenden Trümmern, wäscht sein« Hände in Unschuld und «eint, der Jude hätte alle« selbst v rschuldet." R. In« Bade», 37. April. Krankheiten der Seel» können epidemisch werden, wie diejenigen de« Leibe«; die» beweist di« Krankheit de« Judenhafie«. Auch da« di«her intakt gebliebene Baden zeigt fich jetzt inficirt. In Karlsruhe bestehtjnämlich unter fürstlichem Schutz« eine höhere Erziehungsanstalt für junge Damen. Israelitische Mädchen waren bisher nicht au«geschloff,n; mir ist speciell eine jüdische Familie bekannt, deren Tochter dort Ausnahme gesunden ha«. Al« eine Schwester derselben jetzt folgen sollte, wurde ihr die Ausnahme mit der au-drücklicheu Bemerkung verweigert, daß Jüdinnen fortan von der Ausnahme ausgeschlossen seien. Diegeschieht, obgleich Fuianzminister Elstätter, bekanntlich Jude, verwandt- und freundschaftliche Beziehungen zu dieser Familie hat. K. Au« Hesse», 20. April. In den jüngsten Tagen waren die Rrbbiner Hessen« versammelt, um über Angelegenheiten ve» Judenihum«, der Gemeinde und de« Stande« zu berathen. Borläufig sind nur vorbereitende Beschlüffe gefaßt worden; deren definitive Regelung ist einer späteren gem-infamen Berathung mit den Vorständen der Gemeinde Vorbehalten worden. Denn auch hier gilt der demokratische, dem Grundwelen de« Juventhum« entsprechende und darum richtige Grnndsatz: »Alle« für da« Volk, nicht« ohne da« Volk." Von allgemeiner Bedeutung möchte der Beschluß sein, die Bildung einer gemeinsainen Vertretung jüdischer Angelegenheiten de« Lande« zu erstreben. Eine solche liegt in« Interesse der Juden, wie in de» Wünschen der Regierung, die eine solche Organisation für die Juden vermißt, wie sie für die evangelische und katholische Kirche vorhanden ist. Selbstredend wäre davon da» Laienelement nicht auözuschlieben, wie ei» solche« ja auch in der evangelischen Kirchenversaffung vorhanden ist. den jüdische» Principien und Anschauungen ganz entsprechend. E« ist eben den Rabbinern und Vorständen, wie ver Regierung unmöglich, mit allen einzelnen Gemeinden und Individuen zu verhandeln, und so unterbleiben alle gemeinsamen Schöpfungen. Auch in diesen Blättern ist häufig von einer Lentraldchörd« die Rede gewesen. Die« zeigt wenigsten«. daß ein ähnliche« Bedürfniß auch ander«wo empfunden wird. Man schrickt vor dem Namen zurück, so lange man besten Wesen nicht kennt. Die Art der Befriedigung diese« Bedürsnifie« bedarf daher einer sorgfältigen Berathung. der Anstoß, welcher hier gegeben wird, dazu, eine ähnliche Mllenbildung in weiteren Kreisen zu erzeuge». Auch in der organischen Natur wachsen groß« Gebilde stet« an« kleinen Keimen und Anfängen hervor. Darmftadt, 3'>. April. Der vor 14 Tagen in Rixdorf verstorbene berühmte Gelehrte. Prof. Dr. Bruno Bauer, hat am IS. Lept. v. I. folgende« Schreiben an mich gerichtet: »Hochgeehrtester Herr! Ihre von Ihnen frcundlichst mir zu> geschlckte Schrift (da» Gebetbuch und der Religionsunterricht rc.) habe ich mit großem Jnterefie gelesen und freue mich unsere« beiderseitigen Zusammentreffenin einem wichtigen und für die Auffassung der Eulturgeschichte entscheidenden Punkte. Wenn ich riieder einmal mir die Gelegenheit nehme, nnch über diese Fragen in einem größer« Zusammenhang« au«zusprechen. werde ich nicht verfehlen, Ihre Untersuchungen mit dankender Anerkennung zu gedenken rc." — Die Worte Bauer'« bezogen sich namentlich auf meine Darstellung der MiffaSlehre. — Bekanntlich pflegt man in jüdischen Gemeinden seit Jahrhunderten am Sadbath vor dem Wochenfeste und an dem vor dem neunten Ab (snn v) zu memorn, d. h. e« werden in den Synagogen vor dem Einheben der Thora der Orte gedacht, wo (onrnJ) Austreibungen und verfolguigen der Juden tm Mittelalter flaUgefunden habe». Da ater dabei jede Angabe der bezüglichen Ereigniffe fehlt, so hört die Gemeinde theilnahmlo« zu. Diesem Uebelstand« abzuhelsen, haben manch« EmtuSoorstände und Lehrer angcordnet, daß an Stell« de« unverständlichen Memorn» meine »Jutenoerfolgungen in Speyer, Worm» und Mainz während d;s ersten Kreuzzuge« 1090" vorgelesen werden, die wohl kein Jehudi ohne tiefe Rührung, ohne Thränen in den Augen anhören kann — Au» dem Nachlasse de« Verleger« A. Lange Hab« ich eine größere Anzahl dieser Schriften käuflich an mich gebracht, und bin ich bereit, um größere Verbreitung derselben zu erzielen, da« Ex. zu 30 Pf. wieder herzugeben. M. Mannheimer, autoris. Rabbinat-verweser. Oesterreich. Lemberg, 5. Mai. Pom Hils«komitv au« Bro»>> ist heute hier die Mittheilung eingetroffen, daß ganze Karawanen jüdischer Flüchtlinge, die herabgekommen aussehen, zu Fuß au» d,n verschiedensten Theilen Südrußland» an der galizischen Grenze zusammrnitrömen. Zur Verpflegung der im elendesten Zustande sich befindenden Ankömmlinge reichen dir bisherigen Hllfequellen nicht au«. Bleichröder au- Berlin empfiehlt in einer Zuschrift an die Delegirten de« englischen Ccmitödie Niederlassung der vertriebenen russischen Jut»n in denjenigen Theilen der Türkei, wo Bahnbanten in Angriff genommen werden sollen; der Berliner Bankier verspricht, sich für die Verwendungen der Emigranten al« Bahnarbeiter in« Mittel zu legen. Au« Odessa telegraphirt ein Journalist hierher, der dortige türkische Konsitl habe ihm erklärt, diß seine Regierung einer massenhaiten Niederlassung der jüdischen Flüchtlinge in Palästina nicht zustiniine. Die Delegirten de» Londoner Stadlhau»-Komit«-, Baron Montague und >>r. «sher, haben sich, mit einem Empfehlungsschreiben de« Statthalter- Grafen Potocki an den ungarischen Ministerpräsidenten Ti«za versehen, nach Pest begeben. — Viel« polnische Evclleute verlassen ihre Wohnsitze in Rußland oder bringen ibre Werthsachen in Sicherheit, da die herrschenden Zustände einen allgemeinen Schrecke» erzeugten. Rußland. Petrr«burg Mehrere Blätter bringen folgende, sehr unwahrscheinliche Mittheilung: In Angelegenheit seiner verfolgten Glanben-genossen suchte Baron v. Günzburg beim Ezaren um eine Audienz nach, welche »hm auch bewilligt wurde. An der Hand mitgebrachter objektiver Berichte reserirte der Baron feinem Monarchen die Geschehnisse der letzten Wochen und Tage in ihrer nockien Wirklich, keil. Erstaunt bemerkte der Ezar au« den ihm vorliegenden amtliche» Berichten gleich zu Anfang, daß dieselben anverlauten. «l« Baron Günzburg die Gräuelthateu i» «alta erzählte, erhob fich der Ezar erregt von seinem Sitze, wiederholt »unmöglich, unmöglich" ausrufend und auf die ander» lautenden amtlichen Berichte de« Minister» de« Inner» Grafen Jgnatirff hinweisend, woraus Günzburg erwiderte: »Majestät, wa» ich hier vorbringe, sind Facta, die ganz Eurcpa kennt." Rach der Erläuterung, wie sehr diese Ereignisse beu russischen Nationalwohlstand schaden, schloß Günzburg seinen Vortrag mit dem Hinweis, daß es bereit» so weil gekommen sei, daß, man gegenwärtig in der ganzen Welt für russische Unterlhanen bettle. Ergriffen versprach der Ezar »Remedur zu schaffen" und bewilligte sofort für die nothleidenden russischen Juden au» der kaiserlichen Privatschatulle de» Betrag vrn sechzigtausend Rubel. Peler«borg. S. Mai. Die von Jgnatirff de»: Ministerkomitä eingereichte Vorlage der »Temporären Maßregeln gegen di« Juden", kam am Dienstag daselbst zur Berathung und wurde einstimmig abgelehnt. Die Sitzung dauerte bi» spät Abend«, doch um halb l l Uhr erhielten noch di« Zeitung«» Redaktionen den Befehl, nicht» über die Sitzung zu bringen.!Man erwartet diesmal Jgnatieff» Rücktritt sehr bestimmt. —

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