Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Loch nur der Himmel weiß, ob man dort von de« Gräuel«, die an der Tagesordnung find, wahrheitsgetreu« Berichte er» hält, und wie da» Alles enden wird!" — Nicht nur der Himmel, sondern Jeder, der es wissen will, weih, daß man dort, wo Graf Jgnatieff sich befindet, ganz alte Berichte aber die Gräuel besitzt. Rur »wie es enden wird? da» kinn man freilich nicht wissen, da die Diplomatie »och immer kein kräftiges Wort im Namen der europäischen Gesittung gesprochen' hat, welche sie zu schützen berufen wäre. Berlin. Auf der bier tagenden Delegirten-Sonserenz wurden folgend« Beschlüsse gefaßt: 1) Ein in Berlin zu bildende» Somit«; wird mit der kontinentalen Expedition der russischen Flüchtlinge beauftragt: Da« Somit» zu Wien wird ersucht und beauftragt bei der Luswahl der Flüchtlinge, soweit dies« an österreichischem Boden erfolgt, mitzuwirken. 2) Da» Londoner Somit» wird beauftragt, die Unter» bringung der Flüchtlinge auf transatlanifchen Plätzen zu leiten und l>etreff» der Ansiedelung derselben in den Bereinigten Staaten mit dem Board in Rew-Hork die Principien, nach welchen angesiedelt werden soll, zu vereinbaren. Das Rew-Aorker Somit» wird ersucht und beauftragt, die Luswandernden zu empfangen und sie in den Bereinigten Staaten nach Maßgabe der verembarten Principien zu vertheilen. Z) Ta« Pariser Somit«; wird ersucht und beauftragt, di« Frage der Auswanderung nach anderen Ländern al« den Bereinigten Staaten und den britischen Solonien zu studiren. 4) Fortan sollen in der Regel nur solche russisch« Flüchtlinge als Emigranten angenommen und befördert werden, welche voraussichtlich im Lande ihrer neuen Niederlassung sich selbstständig zu ernähren geeignet erschienen. Die Beförderung ist zu beschränk« auf solchen Personen, welche direct oder tndirect von den Exceffen der Bevölkerung oder von den bedrückenden Maßiegeln der Regierung betroffen worden sind. 5) Sämmtliche Somit»» verpflichten sich, den Somit»« von Berlin, London und Rew-Uork bei der Ausführung ihrer Ausgaben hülfretch zur Seite zu stehen. 0) E« wird al« selbstverständlich angesehen, daß den Auswanderern die Möglichkeit gegeben werden muß, nach ihrer religiösen Überzeugung zu leben. 7) Die Somitäö werden fortfahren, Gelder zu sammeln. Sie werden in 14 Tagen den Somit«'« in London und Berlin anzeigen, wie viel sie denselben jetzt zur Verfügung stellen, und sodann periodisch weitrre Mittheilungen darüber diesen Somit»« zugehen lassen. Die Somit«!'» in London und Berlin haben sich über die Berwendunz der Gelder mit einander zu verständigen und den Sinzelcomit»« Rechenschaft über dieselben zu gebe». 8) Die Versammlung ersucht die Herren Retter au« Pari«, Dr. Adler au« London, P. Magnus aus Leipzig, Dr. Friedländer au« Wien, Hinrichsen au«Hamburg und llr.LandsbergerausLiegnitz, zu einer Sommission zusammenzutreten, die von ihnen betreff» der bisherigen Auswanderung gemachten Erfahrung« r zu sammeln und betreff« der ferneren Normen, nach welchen bei der Auswanderung verfahren werden solle, Anträge bei den Somit»» in London und Berlin zu stellen; die Versammlung ersucht dies« Soniilös, die Anträge jener Commission möglichst zu berücksichtigen. S) Die Generalrechnungssührung wird dem Somit» in London übertragen. lv) Do« Berliner Somit» wolle in geeigneter Weise durch Schriftstücke knnd geben, daß nur Diejenigen auf den Beistand de« Somit»« behufs Auswanderung rechnen hätten, welchen desfallsige Zusicherung ertheilt sei; Diejenigen, aber, welch« nicht solche Zusicherung erhalten hätten, seien vor der Auswanderung zu warnen. t N Die Versammelten Delegirten sprechen dem New-Aorker Somit» und den a>nerikanif«h«n Glaubensgenossen überhaupt ihre dankbare Anerkennung für chre den bedrängten russischen Glaubensgenossen bisher geleisteten Beistand au«. 12) Somit» in Utrecht ist der Dank der versammelten für dessen ZuftlmmUNgserklärung zu übermitteln. IS) Di« Berscmmelten hoffen, daß all« internationale« Somit«)» die hier geäßten Beschlüsse annehmen und als für sich verbindlich erklären werden. 14) Da« Protokol soll gedruckt und den Mitgliedern der Sonserenz zugeftellt werden. W. Stettin. 28. April. (Or.-Sorr) Die Roth und da« Leiden unserer Slaudensbrüder in Rußland hat auch bei den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde allgemeine Theilnahme erregt. Auf Beranlassung unieres Rabbiners Herr Dr. Bo> gelpein hat sich schnell ein Somit«' gebildet, da» die Sache in die Hand genommen hat. Die Hauptaufgabe dieses Somit»'» ist es vorläufig. Geld zu sammeln, um allen event. Vorkommnissen gerüstet gegenüber zu stehen. Dank der Opferfreudigkeit aller Gemeinde-Mitglieder und Dank der großen Mühe nnd Arbeit des Sonnt»» bedeckten sich die im Umlaus gesetzten List:» mit anselnlichen Zsichnungen und hoffen wir, daß das Resultat der gezeichneten Suininen schließlich ein ganz erklekliche« sein wird. Denn Geld ist vor allen Dingen nöthig, wenn etwas erziert werden soll, da gerave unser« Stadt sehr in Anspruch genommen wird Durch den directen Seeverkehr mit Rußland und llönigsberg koininen viele der aus Rußland vertriebenen Unglücklichen nach hier und da muß denn sofortige Hülfe bei der Hand sein. Da» Somit» erachtet es deshalb auch als seine Hauptaufgabe, die Angekoinmenen möglichst schnell weiter zu expediren und so sin» den» auch in den letzten Tagen schon einige UO Personen nach Hamburg etc. geschafft worden, um von da au« die Reise nach Amerika anzntreten. Da« Somit» hat aus seiner Mitie heraus zu diesem Zweck eine besondere Executiv-Coinmisston gebildet und mit den nöthig« n Vollmachten ausgestatlet, da» unermüdlich thätig ist und da« mit vieler Lieb« unv Lust und mit großer Umsicht und Ausoaucr de» schweren Amte» «valtet. Auch mit dem Berliner Somit» hat sich da» hiesige in Verbindung gesetzt, um gemeinschaftlich und Hand in Hand vorzugehen. Aber wie gesagt, Geld ist nvihig und an alle unsere in guten Verhältnissen lebende Glaubensbrüder sei hierdurch vie Bitte gerichtet, sich der armen unglücklichen Vertriebenen zu erbarmen und ihr Scherflein zur guten Sache bcizutragen. Herr Rabbiner Dr. Vogelstein nimint gern milde Beiträge zu diesem Zwecke entgrgen und wie «in Appell an di« Jüdisch« Wohlthätigkeit bisher noch nie vergebens war» so hoffen wir, daß auch diese Zeilen nieder so Manchen dazu veranlassen. E« hieße Eulen nach Nthen tragen, wollten wir in diesem Blatte von der großen Rcth unserer russischen Glaubenbrüder erzähle», die politischen Blätter bringen ja täglich di« traurigsten Berichte darüber. Und da ist schnelle HMfe nöthig; möge Jeder eingedenk seil, daß wer schnell giebt, doppelt giedt. Köln Ein 22jähriger Metzger von «ergheim konnte sich als Sohn des Diener» der Synagoge daselbst jederzeit den Zutritt zu der letzter» verschaffen. Derselbe entwendete einige Tage vor? astnacht d. I. ans einem in der Synagoge befindlichen unvers hlossene» Schrank einen seidenen Vorhang, au» welchem er sich einen Fastnachtsanzug anfertigen ließ. Der junge Mensck stand dieserhalb vor der hiesigen Strafkammer; er räumte den Diebstahl ein, gab aber al« Entschuldigung an, der Vorhang sei seit 10 Jahren zu kirchlichen Zwecken nicht mehr gebraucht worden, was jedoch von den geladenen Zeugen mit der Erklärung widerlegt wurde, daß der Vorhang noch in jüngster Zeit zur Bekleidung der Bundeslade in Gebrauch gewesen sei. Das Urtheil lautete auf 1 Jahr Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von Ä Jahren. — Angesicht« der Behauptung Jgnaliew's. die Juden in Balta hätten die Unruhen verschuldet, schreibt die „Kölner Ztg.": Also der Jude ist doch an Allem schuld! So steht es schwarz auf weiß gedruckt, der Minister de» Innern hat es gesagt, nun ist es zweifellos sichergestellt. Jgnatirw steht an komischen Wendungen, Einfälle» und Schlichen nur dem