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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 18.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 137 — kämpfen. Ich dulde keine Judenhetzen in mein.em Reiche." Diese Kaiserlichen Worte bedürfen wohl keines Commentar». Jede beigefügte Betrachtung würde ihre Bedeutung nur beeinträchtig» n. (Wäre in Preußen beim ersten Auftrelen Storker» ei» solche» Wort vernoinmen worden, e» wäre Deutschland die ganze Schmach de» Antisemitismus erspart geblieben. Red.) — Im vorigen Jahre enthielt Ihr geschätzte» Blatt eine Rotiz die besaatr, daß der Batica» die Antisemitenbewegung mißbillige. Run erschien vor einigen Wochen in einigen Wiener Blättern ein Telegramm, da» die Nachricht enthielt, der Papst habe sich in einem (bespräche mit einem Kirchensürnen über Kard. Manning wegen dessen Vorgeh n» zu Gunsten der russ. Juden nioquirt. Dem gegenüber kann ich Ihnen von wohlunterrichteter S.ite miltbeilen, daß Kard. Manning vollkommen in Uebereinslimmunz mit dem Pipste gchandett habe. — Infolge eines Ausrufe» des Mansionhousecomitä» haben innerhalb einiger Tage die hiesigen jüvischen Großen die belrächlliche Summe von 70 000 ,yl. l Albert Frh. v. Rothschild 25>>0 Pfd. Slerl., Baron Königswarter 1000 Psd. Sterl.) ausgebracht. — Letzten Sabbath hielt l»r. Jcllinek eine sämmtliche Zu- Hörer liesergreisende Rede, nr der er anschließend >rn die lausende Sidra den furchtbaren „Aussatz" schilderte, an dem die ganze russ. Ration vom Höchsten bl» Riedrigsren leidet, und unter dem unsere unglücklichen GlaubenSlnüder so unerhört Fürchterliche» und Unmenschliches zu leiden haben. Der E»l druck der Rede ivar so gioß, daß Männer und Frauen, Greise und Kinder lhrem gepreßten Herze» durch Turänen Lust machte. 6. >1. Weißlircheo. Drei junge Leute, die Herren Isidor Singer, Drv. Dittel und Rudolf Haus beganiien i» unserer Gemeinde eine lebhafte Propaganda für die „Wiener > Jsr Allianz". Ihre Bemühungen waren von dem glänzendsten! Erfolge begleitet. Da» Resultat war: Er traten 28 Milj glieder mit einer jährlichen Beitragssumme von 0 1 ,V. bei | und 17 Spender mit einer Sumine von 21. Fl. Unsere Gemeinde steht nun, wa» die Ptitgliederanzahl der Allianz > betrifft, in einer Linie m>t Prag und Brünn!! Die obcngenannlen 3 jungen Leute belainen vom Prä-! sidium der Allianz ein Dankschreiben, in dem u. A. auch dem! Wunsche Ausdruck gegeben wird, daß das rühmenSwerthe Bei- * spiel jener jungen Männer auch in andern Gemeinden Rach- > ahmnng finden möge. i i -rankreich. I Pari». Herr Ur B>'»la»crs l.der Verfasser de» Memoire i über San Domingo) verwahrt seine Vaterinscl gegen den von! „Arch. isr." gebrauchten Ausdruck, „es sei »olhwendia, die i Meinung dort schon ansässiger Israeliten zu erkunde», da es . sich um eine Riederlassung auf einem Vooe» handle, der so , tief von spanischem Blute und Einflüsse durchzogen sei." Er constatirt daß nie ein Jude dort geiödtet oder vertrieben wor-! den ist. San Domingo ist ein unabhängiger und mit allen! civilis,rlcn Völker« in Verbindung stehender und »ach sranj zösischem Muster verwalteter Staat. Als Israeliten, die > Land und Leute tennen, nennt er — und wir drucken, die Liste mit besonderem Vergnügen ab: 1) Herrn Baron E. de Alm^da, außerordentlichen Gesandte» uni bevollmächtigten Minister der Republik Domingo in Frankreich. 2) Herrn A. Paz, außerordenlltchen Ä.sandlen und bevollmächtigen Minister der Republik Domingo in Holland, 3) Herrn Leone« Bloch, Generalkonsul der Republik Domingo in Frankreich l 4) Herrn Jacob P> reira, Kaufmann, wie «»0 3 in Sanct Thomas. 5) Herr Ch. Coön (wie 3 in Haiti (Portan-Prince.) Dann die Kaufleute Herren Ch. und Ed. Päreira in Paris, Jacob de Lemo» in Santo Domingo, David de Castro, D. Colin. Maduro Gebrüder, Sibaver in Pulito-Plak. Rußland. Petersburg, 25. April. Jeder Tag bringt neue Einzelheiten über die Exzesse von Balta. In den hiesigen Kreisen herrscht darüber die höchste Enlrüsrung, und die Ueberzeugunz ist allgemein, daß dort unmenschliche Gräuel verübt wurden. Man spricht von Schändungen und surchtbaren Verstümmlungen. Die Photograhien einiger Verstümmelten sollen von den Juden nach London gesendet worden sein. Die Regierung thu» keinen Schrill, um die verblendete Maste zur Einsicht zu '«ihren; sie bestärkt dieselbe iin Gegentbeile in dein Wahne, der Ezar wünsche die Exzesse, indem sie nach wie vor beschränkende Maßnahmeit zur Anwenvung bringt. In Kiew beginnt am 27 d. die Ausweisung der zum dortigen Äusenthalt angeblich nicht berechtiiten Juden. Se»bst in rustischen Kreisen erblickt man jetzt in den Exz ssen den Beginn einer Auflehnung der Masten gegen die besitzenden und intelligenten Klassen ohne Unterschied der Rationalilät. Alle bisherigen Judenhetzc», schreibt d.r „Golos", waren nur schüchterne Geplänkel im Vergleich zu den schamlosen Gräuelihaten, welche sich in Balta abspiclten. Die Exzesse nahmen in jener unglücklichen Stadl einen rein thierlschen Charakter an Nichts blieb unangetastet. Möbel, Bilder, eiseine BcllileUen nnd Wirthschaitsgerälhschailen, Alle» wurde kurz und klein geschlagen. Kleider, Wäsche, Matratzen und Kisten wurde» zerrissen. Ein Reisend.r erzählt Folgend»»: In Kaniienec hat ein wüthender Hausen von Kizipen, nachdem er zahlreiche Häuser geplündert halle, das Juvenoie tel angezündct. Während des Brandes ieierte kne Mordlust wahre Origien. Der Pöbel, welcher aus den Kaz ip.n besteht, welche zu Tagelöhner- und Bauarbeiten nach Podolien loininen, und die mit ihren ArbeilSgeräthen bewaffnet waren, drangen mit einer wahren Raserei aus Oie flüchtenden Juden ein und »rschlugen zahlreiche von Ihne». Mehrere Frauen und Kinder mul den in die Flammen geivorscn. Pelrrsburg. 2». April. Der „Regierungsaiizeiger" veröstenllicht eine» Kaiserlichen Befehl, belrestend die Verhängung des Zustande» des verstärkten Schutzes über das Miliiärgouverneuienl Rololajest und die Stadihauplmannschast Sewastopol und die UnlersteUung derselben unter den zeitweiligen Geneialgouverneur von Odissa. t_X)iefe Maßregel scheint ersichtlich in Folge der Judenhegen ergristeil zu sein. Red.' Petersburg Sonntag, 30. April. Der .Minister de» Innern meist osticiell die von der „P:est." v.rb eiteten Gerüsfle zurück, daß die AilSichr-ilungen gegen die Juden die Folge oer Unthäligkeil der Behörden seien. Ernstliche Unruhen seien überhaupt nur in Balta vorgekoinmen, wo die Schuld aut die Juden falle, welche anläßlich der Schniühung eine» Juden durch ein Kind christlicher Eltern dem Kainpse eine wei'ere Ausdehnung ge»gcbcn hätten. Der Minister weift sodann aus die Gc'älirlichleit solch' unbegründeter G.rüchle hin. durch welche der zwischen der christlich.n und israelitiichen Bevö ke» rung bestehende Äntagonisinn» gesteigert werde, während die Presse doch im Interesse der Beruhigung und Versöhn mg wiiksanl sein sollte lDiese officielle Darlegung wird den Glauben sinben, den sie — verdient. Sie kommt auf das bekannte: „si lirini hinan». (Red. > Aus Petersburg berichtet „Hameliz" von einer tragischen Scene, die sich in der Versammlung jüdischer Rotablen zugelragen hat. Rian berielh Sonnabend Rächt» über Vorschläge, die Lage zu ändern, und kam doch nur aus ein einziges Mittel: aus die Auswanderung der Verfolgte». Da erhob sich ein silberhaariger Greis, der al» Vertreter der israellttschen Gemeinde von Mohilew am Dnieper nach Petersburg entsendet war, Rainen» Schmerling, und mit lautem Klagen und mit zitternder Stimme schilderte er da» duichlebte Leid, die Vergewaltigung, die seine GiaubenSgenossrn zu erdulden hatten. Mitten in der Schilderung verstummte plötzlich der greise Redner, ein schmerzliche» Röcheln entrang sich se ner Brust, — und er sank leblos nieder. Aerztliche Hilfe var

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