Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 18.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 136 — Aller, die ihn kannten, sich errungen hat, leb« weiter zum Segen in unserer Mitte! M. Thieugr» in Baden. lOrig. - Eorr.) Der Ausruf zur Unterstützung unserer russ. GlaubenSgenoss. n hat auch in den Herzen unserer Gemeindemitglieder einen warme» Widerhall gefunden. Schon am verflossenen Purim wurde aus Anregung unseres Borstehers, Herrn V. Bernheim, eine Collecte veranstaltet, welche M. 75 als Ergebniß heute. Al» aber immer und inimer wieder die Hilferuke erschallten, als die großen jüd. Gemeinden, wie beispielsweise Mannheiu und Frankfurt a. M. zusammentralen, um eine stetige Hülse, um den Juden jenseits der Ostgrenze unseres Reiches ei» menschenwürdigeres Dasein zu verichassen, da nollte auch unsere Gemeinde nicht zurückstellen und ihre, wenn auch kle.ne Krast dem großen Werke widmen Bedenkend, daß, wenn jede kleine Gemeinde ihre bescheidene Gabe spendet, auch dainit etwas Großes geleistet werden könne, beries unser Herr Borfleher am Rüsttage zu den letzten Feiertagen eine ltzemeindeoersamm lung. Zn warmen Worten schilderte er ihnen die traurige Lage der russ. Juden und forderte dazu auf, nicht nur eine einmalige Gabe zu spenden, sondern anch, so viel als dies unserer bescheidenen Kraft möglich, eine stetige Hülfe zu schaffen. GS wurden sofort nahezu M. 10" gezeichnet. Außerdem bildete die Genieinde einen Verein behusS Gründung jüd. Ackerbau Colonien, welcher si h verpflichtete, für die nächste Zeit die ganz erhebliche Summe von fast :!0 Mmonatlich zu entrichten, Es muß rühmend heroorg hoben werden, daß Alle einig bei diesem Retlungswerke waren, daß auch Leute die nicht in den beiten Bermügensverhälrnissen lebe». eS sich nicht versagen konnten, ihr scherfle:» aus dem Altäre der Bruderliebe »iederzulegtN. — Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß recht viele kleine Gemeinden deni hiesigen Beispiele folg.'», dann haben sie ihren Zweck erreicht! W. Wreschen, 23 April. Heule Rachmittag 3 Uhr, fand die feierliche Beisetzung der Leiche des am 20. d. Mts. verschiedene» Königlichen KreiephyükuS des Kreises Wresch.-n, Stabsarzt a. T.. Herrn Hr. me>l. Theodor Paradies, statt. Die Leidtragende uno doch >o heldenha'te Gattin nebst Zwei unmündigen Kindern, die tiefgebeugte Mutter. Geschwister, B.rwandle von nah und fern waren hcrbeigeeilt, die höchsten Spitzen der Kreis- und Stadtbehörden, d.r AdU. die Stadl- und Landbeoölkerung aus der ganzen Umgegend haben sich dem L.'ichenzu.ie, den man zu den großartigsten zählen kann, zu Fuß und zu Wagen angeschlossen, um für den zu Grab? Getragenen durch das letzte Ehrengeleit ihre Pietät zu beweisen, denn mit dem Tahingeschiedenen ist die Zierde Wreschen's zu Grabe getragen worden. Bor dem Leichenwagen schritt der Kreisi'ecretär Wiesner, das Eierne Kreuz und die Denkmünzen aus den Jahren 1804. 1800, 1870 und 1871 auf einem Sammclkisscn tragend, die dem Verblichenen in Anerkennung seiner Bervicnste in den drei letzten Feldzügen von Sr. Majestät verliehen worden. Tie Schützengilde, die Landwehrvereine von hier und aus dem Kreise und die hiesige freiwillige Feueiwehr gaben die Lcicheuparade. — Nur 44 I,hrc hat l»r. Theodor Paradies gelebt! Der Frühverblichene, in T r e in e s s e n geboren, hat durch sein ganzes Leben sich als ei» menschenfreundlicher, uneigennütziger Arzt gezeigt. Er fiel ivie ein tapferer Soldat als Opfer seines erhabenen Berufes. An seinem Grabe darf ihm deshalb das Zeugniß nicht versagt werden, daß er in seinem aufrichtigen Herzen weder die Schranken der Religion noch der Rationa.ität kannte, um seine Menschenliebe zu bethätige», dies war das Geheimniß, durch welches sich der Verblichene, seit dem Jahre 1800 unserem Kreise als praktischer Arzt angehürig, seit dem Jahre 1>75 als Physiku», viele Jahre als Stadtverordneter und feit dem Jahre 1870 auch als Magistratsmitglied thätig, die Achtung so Vieler erworben hat. Rur selten hat «in Arzt soviel Liebe gesä-t und soviel Liebe geerntet! Da Meschen seit de» sel. 0r. Holländer Abgang leider noch iminer keinen Rabbiner hat, hielt Herr Rabbiner ve. Ehrenfeld au» Gnesen die Grabrede. Mit Erdspenden und Abfeuern der Ehrensalven über da« Grab durch eine Session unserer Echützengilde schloß die in ihrer Art imposante Feier der Bestattung eine» edlen Mitbürger». deffen Andenkei bei Freunden und Bekannten stet» in Ehre» bleiben wird. — Stlttgart (O> Eor.) Die hervorragendsten Blä'ter de» Landes bringen Aufrufe zur Unterstützung der auSgeplünderten, vertriebenen Israeliten in Rußland. Im »Schwäbischen Merkur", in der „Reckarzeitung', im »lllmer Tageblatt", in der »Schnellpost". rc sind von Angehörigen aller Kouseffionen ohne Unterschied der politische» Tchailirung Kundgebungen veröffentlicht, die die russische Barbarei gegen die Israeliten verurtheilen und zur Milderung der Roth uns Ermöglichung der Auswanderung durch mild« Gabe» auffordern. An der Spitze stehen Männer wie die Oberbürgermeister l>r. v. Hack in Stuttgart, I>e. v. Heim, Oberbürgermeister in Ulm; Oberkonsistorialrath v. Burk, erster evangelischer Prediger a» der Stavlkirche, der kathol. -tadtpsarrer I>r. v. Z> m inerle. Pfarrer Alb recht u. s w. Die öffentliche Meinung zieht mit gewaltiger Macht gegeil die slaosche Tyrannei zu Felde und die rettende Menschenliebe besch-fft die Mittel, um den Verfolgten »in sicheres Asyl zu schaffen, wo die Hand der Raubmörder sie nicht mehr erreichen kann. Dagegen ist es sen konservativen Organen nicht angenehm, daß in Deutschland die „Judensiage" in ein ruhigere» Geleis sekommen ist. Die von Otto Glagau in seiner Zeilschrisl „Der Kulturkampser" in lie antlkemitische W»lt geschleuderte Roiiz, daß in Berlin im letzten Winter 114" Juristen stu- Dirtc», von welche» 700 Jude» wiren, wurde von der „Kreuzzeitung" und ihren judenseindlichen Genoffiirile» zur Mahnung benutzt, »daß man die Augen nicht verschließen dürfe". A. Antoiienhiitle. 25. April. (Or. Eorr.) Heute früh starb hier, Herr K.'usmann Moses Froehlrch, der Gründer und Leiter unserer Filialgemeinde. Er war als Gemeindevorsteher, als Mitgliev der OrlSarmen Eommifflon stets bestiffen, i»i wahren Sinne des Wortes ein Vater der Waisen und Beschützer der Witt wen zu sein. Er hatte nicht gerastet, bis es ihm gelung'n, den Gruiropfeiler jüdt'chen Gemeinveleben», eine mehrktaffige Schule hierorts zu organisiren, über welche er feit 0 Jahren von der Konigl. Regierung als Local- Schulinspector rrnount wurde. Er mar auch als Mohel berühmt und noch weit und breit geholt. 080 Kinder hat er in den Bund Abrahams gebracht. Grotze Verdienste hatte er sich als Vorsteher des hiesigen Vereins der Kranienpflege erworben War irgend ein Gemeinsemitglied erkrankt oder ereignete sich irgend ein Unglücksfall hierorts, so ertheilte er den erilen Rath und brachte die erste Hülse. Er scheute kein Opfer an Zeit, Geld und Gesundheit, ivo es galt, eine Mizwa zu thun. Die edle Gesinnung der hiesigen Vorstandsmitgtiever leistet uns die Gewähr, daß die geschaffenen Jnstllullonen de» Verblichenen in seinem Sinne pietätvoll weiterergepflegt werden, und daß namenilich der edle Samen, den er in die Herzen seiner Kinder gestreut hat, die schönsten Früchte tragen wird. Er, der Fromme und Tugendhasre ruhe sanft, für sein hleinediges thatenreiche» Leben wird ihm reicher Loh» im Jenseits werden. Gott schütze die Gemeinde und tröste die trauernde Familie! Oesterreich. Wien. Ich fauit Ihnen von wohlunterrichteter Seite folgende erfreulich- Püttheilung inachen: Gleich nach der hier beim „Dreoer" stattgehabten Antisemitenvrrsamnilui g berief Se. Majestät der Kaiser den Ministerpräsidenten Graf Taaffe zu sich und sprach zu ihm ungefähr Folgend«»: „Ich dulde keine Judenhetzen in meinem Reiche. Jede Antismitenbewegung muß im Keime erstickt werden. Sie iverden jede Versa mm lung, d i e den Stempel de« An tisemi t iS mus an sich trägt, sofort auflösen laffen. Die Juden sind tapfere und patio tische Männer, die mit Begeisterung ihr Leben einsetzer. für Kaiser uno Vaterland. Sehe» Sie nach der CrivoSc e, wie heldeninüthig die jüdischen Krieger