Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 18.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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135 — .Ignoran»" geschrieben — ganz selbstverständlich. Di« braucht man blot ua .Sammeln." Ma.. kann sich in der That de» Gefühl« nicht «rwehren, daß da« ganze Unternehmen, trotz der glanzvollen und stolz klingenden Namen, welche die Präsenzliste ausweist.* •*)) al« »in ziemlich gescheiterte« angeiehen werden mutz; bei einem solchen Luswand von geistiger Intelligenz hätten, doch ganz andere positive und greilbare Resultate erzielt werden müssen! Doch vielleicht komm«'» noch, jetzt nur still . . . Diplomatie ...Staat«geheim»ib! Iustu«. Berichte und Correspoudeuzeu. Deutschland. Verli». .Wolfs« Telegr. Bür" meldete au« Petersburg, aü. Lpril. Gestern Nacht sind in Kamenetz-Poool«k über ,i)U Häuser und Läden jüdischer Besitzer durch eine grob« Feuer«- brunst eingeäschert worden. Der Schaden wird ans eine halb« Million Rubel angegeben". — O, wie harmlo»! Also in Mo« hilen« Podol«k — wle später berichtigt wurde — sind viele Häuser n»d Läden .j ü d. Besitzer durch eine grob« FeuerSbrunst e»ig>äschert worden." Da« ist doch eine recht absonderliche Wen» düng in de», Wolss'.schen Telegramme. Woher kam diese merkwürdige Feuer»drunst ln der loolhynischenGouvernemeut-stadtk Gewöhnliche Feuersbrünste pftegen do h konsessionSlo« zu sein. Diese aber sucht sich laut o>ig-r Versicherung nur die.Häuser und Lädrn lüdlscher Besitzer heraus. — Also nach dem bisher »> Odessa, Kiew, Balta ic. Geschehenen wieder eine Kundgebung judenfeindlicher Art, ivieder eine nene Iudenhatz mit tnisprechender Plünderung und Brandlegung .Biele Häuser!" sagt lakonisch der halbamtliche telegraphische Bericht, der nicht« von entfesseltem Pöbel, nicht« von machtloser Polizei, sondern nur etwa« von einer großen FeuerSbrunst weiß, welche grivijsermaßen al« freie .Tochter der Natur e»nhcrtrilt >» der eigene» Spur" — antisemitischer Tenvenz.n ... Diese Wolsssche Depesche scheint, »ach mancherlei Erfahrungen der letzten Tage zu »rtheilen, eine der stäiksten Leistungen russischer Berichterstattung . . . iMimi wurde übrigendie Mutheilung ver breitet, daß die europäischen Mächte im Begriff stände», zu Gunsten der so grausam versolgten Jude» gcmeinsain bei der ruffische» Regierung zu intrrveniren."» Billenn die hohen zlabinete noch lange .im Beg'.iffe stehen", dann werwerden sie wohl bald nicht« »irhr zu intervenire» haben, denn ver Feuerring, mit welchem Rußland zur höheren Ehre seiner Kultur und seine« Ehristenlhum« die Juden hinaussengt, erstreckt sich von Tag zu Tag weiter. Hamburg, 28. April. Gestern Morgen U Uhr verschied nn VI. Jahre seine» Leben« der erste Prediger de» hiesigen TemprlveidandeS, Herr Dr. Max Saenger, in Folge eines erneueteu Schlaganfalle«, welcher ihn Tags zuvor in dem Augenblicke traf, al« er den soeben geschloffene» Bund eines Brautpaareeiuzusegnen im Begriffe stand; »achdein er gerade die Worte der üdlichei, Trauungtsorinel '.i»"' -r-v ri'2 zu Ende gesprochen hatte. Da sein körperlicher Instand einen Transport in seine entlegene Wohnung nicht gestattete, so trug man ihn in die im Tempelgebäude befindliche Wohnung seines Amt-genoffen Dr. IonaS, woselbst er auch seinen Geist aushauchte, ohne wieder zur Besinnung gelangt zu sein. Scho» vor etwa zwei Jahren hatten die Borboten de- Tode« sich eingestellt und Dr. Saenger verhindert, seine Funktionen als Prediger zu vollziehen und zum ersten Male wieder seitdem, betrat er am Prssachseste die Kanzel, zur Freud« seiner viele» Verehrer. welche ihn indessen nur mit Bangeit biesilbe ersteigen sahen. Der Lerstorbene. welcher in Lauphelm geboren worden, kam vor etwa vierzehn Jahren von Mergentheim in Würtemberg, wo er da» Amt eine« Rabbiner» bekleidet hatte, »ach •) Lieh« unter .Mastdedur,.* •*) Ist im Londoner Parloment drmentirt wordrn. (Aed.) Hamburg und trat an die Stelle Frankfurter'« al« Prediger de« neuen Israelitischen Tempel«. Hier schlug er, soweit ihm die« in seinem hiesigen Wirkungskreise möglich war, die konservative Richtung ein und folgte derselben namentlich auch im häu«lichen Leben, indem er streng die rituellen Vorschriften sich al» Richtschnur dienen ließ. Nicht nur seine Gem.inde verliert in ih.n eine» pflichtgetreuen Beamten und gediegenen und begabten Redner, sondern auch die Hülssbedürstigen verlieren durch seinen Tod einen stet« zuni Wohlthun bereiten Freund, der sowohl von seinen bescheidenen Mitteln den Armen miuheilte als auch durch schriftlich« Empfehlung wie persönliche Berwendung Andere z» Unterstützungen veranlaßt«. Er predigte nicht nur die Menschenliebe, sondern übte sie auch in de« Worte« schönster Bedeutung. — Am Dienstag dieser Woche hielt der Apostel der vereinigten Eomilä's für die Unterstützung der russischen Flüchtlinge, Herr Ellinger, im Festsaale der hiesigen Freimaurerloge eine» Bortrag zn Gunsten der zu Tode gehetzte» Unglückliche». Er schilderte in lebhaiten Farben die Leioen der Bersolgten, pric« die Sympatoien, welche sich überall, ttamentlich in Amerika für dieselben kundgäbeir und forderte anr Schluffe zu reger Betheiligung und nauihaite» Gaben aus. — Zu einem öffentlich » Ausrufe auch a» Andersgläubige hat da» hiesige Eomit" sich nicht «»tschließe» können, nachdem man sowohl in London al« in Berlin die Erfahrung gemacht hat» daß die Beiträge von jener Seil« nicht sehr reichlich flössen. Rogasen. (Or-Üor.) Am :N. März d. I. wurden di« irdischen Ueberreste eine« Manne« zu Grabe getragen, dessen Name auch in weiteren Kreisen genannt zu iverdcn verdient. Michael Hirschbcrg, so hieß der Berktärte, gehörte mit zu den immer seltener iverdenden Persönlichkeiten, die e« verstehen. ein tiefe« hebräische«, besonder« lalmudische» Wissen mit einem hohen Grade allgemeiner Bildung, ei» streng religiöse« Leben mit dem alle», Modernen und Schönen gewidmeten Streben zu verbinde». Während seiner Jugcndz-it lebte er in Dresden und war wohl der älteste Schüler de« damals als Oberrabbiner daselbst sungircnveu Zacharias Frankel >-2;, der ihn seiner vielen trefflichen Eigenschaste» wegen hochschätzte. In unserer Stadt bekteid-te er, der in seinen Mnßestnnden fast nur unter den Talnludso'.ianten lebte, .lange Jahre hindurch da« Ehrenamt eines stellvertretenden Bürgermeister«. Reichliche Anerkeniiuttg wurde ihm seiner gemeinnützigen Bestrebungen wegen häufig an allerhöchster Stelle zu Theil; so wurde er noch kurz vor seinem Tode, der ihn in seinem 72. Leben-jahre erreichte, durch die Berleihuug de« Krone norden» ausgezeichnet. Erhebend war eü besonders, in unserer an Gehässigkeiten so reichen Zeit zu sehe», welch uugetheilte Verehrung ihm am Tage seiner Bestattung gezollt wurde; Deputationen von den verschiedensten Behördc» solg-eu der schmucklosen Bahre auf ihrem Wege nach dem Friedhose. Dort sprach zuerst Herrn Rabbiner Dr. -Werner aus Danzig, ein Neffe des Berstorbene», und anknü.neud au die Worte 'jk feierte er schmerzbewegt seinen theuren Verwandten in seinen vierfachen Vorzügen als edles Familienoberhaupt. al« glaubensstarken Juden, als gründlichen Gelehrten nnd al» opfersreudige» Mitbürger. Hierauf ergriff der Direktor de« königlichen Gymnasiums, Herr Dr. Kunze, in seiner Eigenschaft al« Borsitzender de« Stadtverordnetencollegium» da« Wort und pries den Heimgegangenen, ihn, den frommen Israeliten, als den besten Bürger der Stadt, der in seinem Leben ei» Vorbild für alle» Edle gewesen, nnd trauervoll rief er au», daß sür die Kreise» in deren Mäte der verewigte gewirkt hat. sein Tod eine säst unersetzbire Lücke zurückläßt. Mit Worten des Gebete« und de« Trostes schloß der Ortsrabbiner. Herr De. Pleßner, die ergreifende Feier — Alle« wa« sterblich ist von diesem würdigt ten Mitglied« unserer Gemeinde ruht aus dem Orte de» Friedn» da« Andenken an ihn, der durch sein Leben die Verehrung