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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 18.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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134 — soll, deputirt werden, Männer, die dem Leben der jüdischen Gemeinden noch nahe stehen. Eine Centralinstanz ohne Unteiverbänbe kann auf keinem Gebiete durchgreifend wirken. Wenn jede Provinz ihrer Richtung gemäß reelle Vertretung im S.-B. findet, dann werden die großen Lücken, die der G.-B. i.» manchen Provinzen hat, auSgestillt werden, während so der in den» erwähnten Artikel angekü'idigte Zerfall de« .Bunde»" früher oder später eintreten muß. Solch« Provinzialverbände machen sich eigentlich ganz von selbst, ein Streit über die verschiedenen Richtungen ist da »veniger möglich. denn schließlich doniinirt in jeder Provinz doch wenigsten» eine Richiung und die Differenzei. unter den Rabbinate» find zumeist längst anliquirt. Dagegen werden in Berlin die verschlevenenRichtungen nie mit einander einig »verden können, denn bekanntlich heißt e» in Berlin, so viel Kopse, so viel verschiedene» Jndenthum. An» 2chtesten wird die Gründung eine» Provinztalverbande» bereit» als bevorstehend gemeldet, Für den Rorden Deulsä lande, der iin G.-B. nur höchst spärlich vertreten ist, liegt die niaßgebende Einigung ja l-ereil« in dem oft« und westpreust. Stabbinerverbande vor, — für Mitteldeutschland existirt der verband mitteldeutscher Kultu» beamte. Die Einrichtung der Proviiizialverbänoe erspir« eine Reihe unnützer Büreaukosren, die vorläufig «»«gegeben werden, während ein groster Theil der kleinen Gemctnden seit l1/, Zähren noch mit den Beitrügen im Rückstände ist. Dem Publikuni ist bei der jetzige»» Sachlage jede positive Thetlnahme unmöglich. Wir werden durch Vorlegung der Budget« für 80 und 81 Nachweisen, daß in einem einzt» genProvinzialvcrbande mit direkt eingreifender Wirksamkeit mehr positiv genütz» werden kann al» jetzt durch den permanenten Druck kostspieliger Cirkulare. Matte, von vornherein aus den Erfolg verzichtende Versuche schaden mehr, al» sie nützen, eine geqnälle Thätigkeit wider Willen, eine gewollte Unthätigkeit, wie jede Wirksamkeit negativen Charakter» entstehen da, wo die religiöse Ueberzeugung nicht mehr lebendig ist, sondern nur zeitweise galvanisirt werden kann. Briefe aus Berlin. il. Berlin, 24. April 1882. Berlin hat endlich gesprochen! Lange genug hat e» gedauert, ehe die Metropole den deutschen Intelligenz zum Bewußtsein ihrer selbst gekonimen ist, ehe sie ilir.n cioilisatorischen Beruf voll und würdig erkannt und erfaßt hat. Der sonst wegen feiner einschläfernden Ruh« und Gleichgültigkeit mit Unrecht verspottete John Bull harte bereitmit mächtiger. weltdurchtönender Donnerstimme gegen die beispiellos rohen Gräuel de» ungefitteten Rüsten volle» pi otestirt, der sonst so bequeme und lässige .Mijnheer" hatte schon mit hochbegeisterten, von edler Humanität getragenen Worten gegen die da» Jahrhundert schändende ruffiside Barbarei freudig und feierlich Einspruch erhoben, und nur der .deutsch« Michel" — schlief, schlief einen traungen Winterschlaf. Da tönten neue Schreckensrufe au» dein benachbarten Rusten» reiche herüber, das Winseln schuldlos gemordeter Rinder, der herzzerreißende Berzweiflungsschrei von sittlich gemordeten Frauen und thierisch geschändeten Jungfrauen, di« markerschütternden Jammerrufe der kraft- und hilflosen Greise durchheulten und durchzitterten di» unheilschwangere Atmosphäre, und da« culturstolze Berlin erwachte endlich au» seinem ungesunden Halbschlaf. Die sensationellen ,Tlme»"-Lrtikel hielt «4 'für ausgebauschten Zeitung-klatsch, für den schriftstellerischen Brei eine» allenfalls rrfindung»- und phantasiereichen Reporter»; e» rechnete auf einen Wiederruf der .Time»" so gewiß, al« wenn die Artikel in einen» Berliner Reporterblatt erschienen wären. Die Berliner glaubte», die Verfolgungen in Rußland seien in ihrem Character und in ihrer Tragweite analog den«, von Schievetbein und Reustetti» und die TimrSberichte seien den grellgeiärbten Berichten de» .Verl. Börsen-Courier»" gleichzustellen; nur vergaßen sie dabei 2 Dinge: Schievelbei» liegt nicht in Rußland und die .Times" ist kein „Börfencourier." Im Angesichts der Gräuelseeneu, wie sie uns jetzt der Draht täglich au« Rußland bringt, hört aber selbst sür den Berliner die Gemiiihlichkeit au>, ugd so rastte sich den» die so vielgerühmte geistige Elite uiisere« .Spree-Athen" zu muthiger und entschlostener Ihnt aus, zu einer kühnen u.»d feierliche» Demonstratlo», die in Bezug ans die imposante vethei» ligung allerdings, nicht aber in ihrer B deuisamkeit und Tragweite der d>» Mausion-bouse nachstand. Unser Oorrbürgermeister v. Korken deck, der den Vorsitz de» neugebildeten Co»iil>''» br eitwillig. ja freudig überiioninien. hat an feierlich«!» Crt, in feierlicher Stunde ei» kräftige«, »iannhaste« und enischecheiide« Wort siir unsere vieiversolgten rusttscheu Glaubenebrüder gesprochen, da» hvstentlich in alle» Gauen und Fluren de» deutschen Reiche» ein lebhiste» Echo, einen freudigen Wiedcrhall finden wird. < Stehe unter Stuttgart, i Seilen» de« hiesigen jüd. Com,ln'« für die rust. Juden wurde nun auch ein Delegtrtentag veranstaltet. Der Unterschied dieser beiden 2iersa>n,i,lungrn besteh» jedoch n>esent. lich darin, daß. während jene Minner >m Rath Haufe mit meilhiiischalltilder Stimme und in zündenden Worten laut und eierlich roriini pulilico gegen die rustischeii Gräuel Einsprucherhoben und solchermaßen einen überwältigenden Eindruck «.zielten, die erleuchtete und hochweise versammliiiig im R»prüfen tan ten s aal der jüdische» Gemeinde dnrch unbe greifliche Gehriinthuerei der gespannt lauschenden Welt zu imponiren glaubte Mir drängt sich hierbei folgende Anecdote aus. Ein scharfsinniger Geheimaaeiit wurde einst mit einer politisch äußerst wichilgen Mission betraut und e» ward ihm dabei sehr nachdrückiich eingeschäist, Riemande»» da» Ziel seiner R »ie zu verraihen, da man sonst hinter da« StaalSgeheiinniß kommen könnte. Der vorsichtige Geheimagent fährt sofort zum Bahnhvf. Am Billetschalter a»geko»»»en, verlangt er in stürmischer Hast ein Billet. Wohin? fragt der dienstthuende Schalterbeamte. .Da« kann ich Ihnen nicht verralhen, da» ist StaalSgeheiinniß" lautet die ebenso laconische w»e vorsichtige Anlivorl '*» kluge», politischen Agenten! Die Anivendnng möge sich der Leser selbst mache». — Die Herren werden jede»- sall» an die Gesammtheit der Berliner und deutschen Juden sich wenden müsten, aber dann hätten doch wohl die Rabbiner ».Prediger in Berlin, die zu cem achten und relativ begütertsten Theil der deutschen Jrraeliten spreche», nicht übergangen werde» dürsen, dann hätte man vor Allem — gelinde gesagt — den Tict haben müsten, »lindestenS die 3 Prediger der großen Gemeinde einzuladen. Zu bedauern ist auch, daß l)r. Rülf-M e m e l, der seit April l8i>0 mit Aufbietung aller Kraft sür die ständige Rothfrage der ruffischen Israeliten gearbeitet Hai und der bi» zum 30. September 1804 allein ca. 400,000 Mk. nach den russischen Ghettl'S gesandt hatte, daß dieser unermüdliche Menschenfreund, der seit Jahrzehnten für Gewährung der Freiiügigkeit in Rußland eingetreten ist, zum Delegirtenta ,e nicht ringeladen war. Dauernd kann de» ruffischen Juden ei» mc»sche»i»ögliche« Dasein von der Berliner Konferenz durch eine tropsenartig ausfallende Emigration nicht verschafft werden. Also sind doch vor Allem vo» der ruffischen Grenze Kenner der dortigen Verhältniffe zu Rath« zu ziehen gewesen. Daß man die jüd. Blätter nicht mit einer noch so kurzen Rotiz verständigt, ist bei der bekannten vornehmen »berliner Jgnorirung — wir hätten fast

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