Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938076--4550-5376844
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 189 — deshalb gestern abermal» vnr der vernsnngtlnmmer, nachtrat da» Kammergericht ein frühere» Erkenatntß der letzte reu «egen eine» Formfehler» vernichtet hatte. Die Verhandlung konnte jedoch nicht vor sich gehen, da Herr Slagan vor Beginn derselben den Gerichtshof in seiner Zusammensetzung perhorre»cir1e. Er erhob zunächst Einspruch gegen der Vorsitzenden, Landgrricht»rath Gartz. weil dieser ihn in der srühereu Instanz bei seiner Vertheidigung fortgesetzt unterbrochen bade, und der zweite Einspruch richtete sich gegen de» Beisitzer, Landrichter Friedderg. weil derselbe, wenn auch jetzt nicht mehr Jude, so doch jüdischer Herkunft sei. — Unter diesen Umständen mutzte d.r Termin aufgehoben werden und die Sache wird zunächst an eine andere Strafkammer zur Entscheidung de» Glagau'schen Einspruch» abgegeben werden. Hamburg. Am 3. d. M. sandte der Altonaer Religio»-lehrer Herr Witttower eiu Prachtexemplar eine» hebräischen Werke» „Blülhenitrauß" an de» Hofmarschall Graf Pückler zur Uedermittlung a» den Kaiser. Damit di« Widmung keine Mißdeutung erfahre, stellte Herr Witlkoioer dem Buch folgende sinnige Verse Gleim'» an den König von Bayern oorau»: An len König lal» der Dichter ihm sein Buch zuschickte): Wa» ich Dir gebe, geb' ich Dir Au» gutem Herze» guter König E» ist, ich weiß e» wohl, nur wenig — Allein ich will anch nicht» dafür. Hierauf erhielt Herr Witrkower folgende» Schreiben au» dem Geheimen Eivilcadinet Sr. Majestät de» deutschen Kaiser» und König» von Preutzen. »Berlin, den 17. April 1882. Nachdem mir Seiten« de» Herrn Oberhof- und Hau»- Marschall», Wirklichen Geheimen Rath«, Grasen von Pückler da» von Ihnen ring.sandte Exemplar Ihr,» Werke« » lüthenstrauß" zugegangen ist, Nabe ich nicht gesäumt, dasselbe Sr. Maj. dem Kaiser und Könige, Ihrem Wunsche entsprechend, zu überreichen Se. Majestät haben da« Buch Huldsollst angenommen und mich zu beauftragen geruht. Ihnen jfüt Ihre Aufmerksamkeit besten» zu danke» Der Geheime Eabinet«-Ralh. Wirkliche Geheime Rath v. Wilmow-ki. Au de» Religion»tehrer Herrn W'ttkower 1U035] Wohlgeborrn zu Altona. Branbenburg. Au-Rhinow berichtet die „Ratlenower ZeitungZur Feier de« 25jährigenJubiläum» de«Kantor Bräe. al« Lehrer der dortigen Schule, war die Stiftung «ne« Ehrengeschenke« für den Jubilar beschlossen und ein Komitä zusammengetreten, bestehend au« dem Pastor Hohen - thal, Apotheker Geriach, Ackerbürger Repke und Bäckermeister Köhler. Im Aufträge de« Herrn Gerlach begab sich der kolportierend« Kirchendiener unter anderem auch zu einem jüdisch, n Bewohner Namen« Samson, von welchem srllaer wie auch von einem anderen jüdischen Einwohner Saling er dem Schwiegervater de« erster«» «.die beiden ein,igen Juden am Ort), ohne weitere« Beträge zur kirchlichen Armenkaffe angenommen worden waren. Herr Samson zeichnete und zahlt« 3 Mark. Der Pfarrer Hohenthal aber stellte den Betrag durch Schreiben vom 28. März 1882 dem Herrn Samson u>lt dem Bemerken zurück, »atz die Vorlegung der Lift« auf «nem versehen beruh«. Hierauf remonstrierte Herr Samson, sich darauf berufend, daß die Vorlage der Liste wohl nicht auf einem versehen beruhen könne, da dieselbe Liste auch katholische» Einwohnern vorgelegt worden wäre, und schloß mit der Erklärung, daß da« Motiv seiner Betheiligung in dem Umstand« zu suchen sei daß seine Frau Klara, ged. Salingrr, mehrere Jahr« hindurch von dem Kantor Brä« unterrichtet wurde. Unverzüglich erhielt Herr Samson nunmehr nn von dem Gemeinde-Kirchenrath, Hohenthal, Pfarrer, Klare, Bollmann und Repke unterzeichnet»« Schreiben, welche« sein« viilgegnung entschieden zurückwie«. Al« Israelit habe er sich nicht in christlich«, speziell evangelische Einrichtungen re. zu mischen. Die d Mark erfolgten zurück. Darauf beschliß eine zahlreich besuchte Bürgerversammlung. die bi«her gezeichneten Beträge zurückzusordern und dieselben zu einem ohn,' Mitwirkung de» Pastor» Hohenthal zu beschaffenden Geschenk zu verwenden. Herr Hohenthal amtiert erst seit einigen Wochen in Rhinow. Oesterreich. Wie» Die „Wr. Allg. Ztg." erhält folgende» Sterilst: „Am letzten Samstag d. M.. fand sich im „BelhHamidrasch" der Synagoge. Große Schiffgasie 6, eine vo» Gericht»arzt Herrn B i e r « r einberusene Versammlung ein, welche sich mit der Frage der Kolonisation Palästina'« beschäftig'«. Da» Präsidium führte Herr Rabbiner Spitzer. Dem vom Einberuser erstatteten Bericht ist zu entnehme», daß er einen Verein zu gründen beasichtige. welcher sich mit der Kolonisation Palästina'« durch die rufflschen Juden besoffen und den Titel „Ahawath-Zion" führen soll. Redner sagt: »ES heißt, im gelobte» Land gebe c» kein rechte» Waff r, wetchc» zur Agrikultur doch unbedingt nothwendig sei. Ich hatte, meine Herren, unlängst Gelegenheit, mit russischen Glaubensgenossen zu sprechen, welche gegen diesen Einwand begeistert auSrieten: „Wir wollen mit unseren Thränen den Boden befeuchten!" (Ruse: Phantasie! Schwärmerei!) Redner plaidirt schließlich in warmen Worten für die Kolonisation Palästina» und weist aus den auch in Oesterreich bereit» zum Ausbruch gekommenen Antisemitisinu» hl». — Rabbiner Spitzer bemerkt: „Schon vom religiö en Standpunkte au» müssen wir nach Palästina gravitiren. Wenn unsere unglücklichen Glaubensgenossen nach Ameiika gedrängt werden, dann oergeffen sie dort den Glauben ihrer Väter." — Herr Feigenbaum erklärt sich unter stürmischem Widerspruch seitens der Bersnmmlung gegen die Bildung de» Verein» überhaupt. „Wie solle man di« zur Beimrkstelligung de» großen Exodus erforderlichen 50 Millionen aufbringen können 1 Wir in Oesterreich haben «» trotz de» Bischen Antlsrmit>«i»us durchaus nicht nölhig, nil« mit derlei Plänen herumzulragen." — Rabbiner Spitzer wendet sich gegen die Ausführungen de» Vo>r>vner« und findet einen solchen Verein ganz vernünftig. Er sagt: „Wir Juden stehen solidarisch für enander ein: Einer für Alle und Alle für einen! l Bravo!) Wenn uniere Prüfer in der weiten Ferne so unsäglich leiden, so fühlen wir den Schmerz mit ihnen. Niemand wird un» die» verargen.' Von dem Auszüge der Juden au» Oesterreich habe Niemand gesprochen. Wir Juden Oesterreich« sind die glücklichst n vielleicht unter allen der Welt, da wir unter dem gnädigen Schuhe eine« überaus freiheitlich gesinnten Monarchen leben, der feine Unterthanen ohne Glauden«unterschied mit gleicher väterlicher Liebe behandelt. (Andauernder Beifall.) E» ist wahr, daß wir die meffianische Zeit erwarten, und unser Herz richtet sich nach dem so lange vermißteu Zion, aber bi» zum Eintreffen der meffmnischen Zeit bleiben wir hier al« treue Unterlhanen d:r erhabenen Dynastie, der wir so viele Wolstthaten verdanken." Hierauf wurde ein lünsgliebrige« Kr mit» zur «eralhung b«t Statuten gewählt, («ergl. weiter unten E 131 „Palästina.") RuftUn». Woltan, 10. April. Hier erleben wir gegenwätig eine umsaflend« JudenauSweisung. eine Art ge>etzlicher Judenoerfolgung, welch« eine allgenieinc Aufregung hervorrusl. Die Polizei verfährt dabei mit unerbittlicher Strenge. Der Betthl der Ausweisung ersolgt plötzlich, für die Betreffende» meist ganz unerwartet; die Geschäfte müssen mit großen Verlusten sofort ausgrgeben werden; den Au«ge»iesenen bleibt nicht» weiter übrig, al« ihr Brod in der Ferne zu suchen und ein neue« Leben anzufangen. E« ist schwer, sich in die Lege derjenigen zu versetzen, welchen nicht einmal da« Recht eine« gesetzlichen Proteste« gegen solch« Maßregeln zusteht, schwer, daß wiederzugeben, wa« sie physisch und moralisch zu erdulden haben. Ohne Ausnahme werden Greise, Kranke, Frauen und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.