Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 17.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5369809-5935096-5938076--4547-5376841- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
196 — btt Protektion de» Handwerk» unter den Jßster? zu ^trüben und man druckt auch noch heute unsäglich viel Eirkulare. Die Jugend steht im Hintergründe »nd hat ihren Entschluß fertig. Wird'» bester — nun gnt. venn nicht — auch gut. Wir werden schon machen. Die Alten zehren noch von den Peßacherinnerungen de» väterlichen Hause», da» UeberschreitungSfest der Söhne ist schon ganz etwa» Andere». Wir kennen kein frivolere» Wort der BolkSpädagvgik al» da»: .Wa» mein Enkel fühlt und denkt ist mir gleichgültig.* Da» Judenthum befindet sich heute i» einem Zustande geistiger Gährunz, seine Seele ist betrübt und mehr al» Einer ruft, von wo wird meine Hülfe kommen, sr daß wir un» fragen mvffen: Ist genug mit der zusammengeladenen Gen«' raloersammiung de» Gemeiudebunde» für da» heilige Erbtheil unserer Väter in Deutschland geschehen? Geschieht unseren deutschen Rabbiner» und Lehrern genug, wenn der Name de» Judenthum» der Form naä» erhalten wird? Empfinden sie bei allen den verschiedenartigen Laien Demonstrationen kein Befühl innerer Bangigkeit um den Kern de» Judenthum»? So oberflächlich ist heute Niemand mehr unter un», nun so muß e» auch ausgesprochen werdrn. Unser aller Gemüth sehnt sich nach etwa» Verlorenem, bangt um ein Zukünftige». Da» scheint un» der Zeitpunkt, wo ein entschieden praktifche» Juventhum gepflegt werden muß. Die einzig« Institution, welche da» deutsche Judenthum hat. der Gemeindebund, wandert ruhelo» ohne sichtbare eingreifend« Produktivität in Deutschland herum, eine faktische LutorUät ist nicht vorhanden, «ine moralische nur aus Kredit und mit Recht harren viele aut die Zahlungen nach so vielen Zahlungrstockungen. Wir erachten e» für unsere Pflicht, hieran beständig zu mahnen.*) Allüberall wiro geredet und debattirt. Gegenseitig« Eifersüchtelei tritt sofort zu Tage, sobald die Festreden im Gtäferklang verklungen oder im Zeitungsreferat ei nge sargt find. Mit dem leeren Ambilioniren und bloßem Formalismus wird die Zeit hingebracht. „Geduld, Geduld, — die» Wort beruhigt Saumthiere wohl." Die überrasch nd mannigfaltige« Unternehmungen der Gegner wurden in Berlin zuerst immer bespöttelt, „zersetzt* und dann — höchst betrübend gefunden. Man ist vom Uebermuth, der auf religiösem Gebiet die wunderlichsten Blüthen trieb, ,ur Aengftlichkeit, zur Verschüchterung lächerlichster Art gelangt. Mar. betheuect fortwährend sein« Loyalität «nd spekuliert in »pe, ohne klaren Begriff von dieser Zukunft. In dieser ganzen Auffassung der Sachlage liegt aber der gröbste Materiali-mu» und den gewahrt man überall. Nicht alle Ausblick« find freudig und dieser ist e» wahrlich nicht. Hoffentlich wird sich schon zum nächsten Sader die Lage geklärt haben, in irdifferenten Zeitpunkten unserer Geschichte konnten wohl eine Weile die Frietlä»der u. s. w. „die Geschäfte de» Judenthum» kommissarisch verwalten*, um e« daun zu, verrathen. »1 wir tzSrni, toft «uch die yd«« der Brovin,tnl«erbände mit Separntstdinien, btt ouf Km letzt«» «»meinKui, «»(lang gesund««, pur« tbgctmtfcn wirb, währrnd unk doch solch« Srrb&r K, Kren i'titung den i« der betreffenden Prooin, al« Männern de» praktischen Judenthum, detannten Norftetzern, litabbinrrn u. s. w. gebäbrle, aU »u einzig« tz «t, tung erscheine», da die „diakrrtionSre Vollmachten-, dt« der «Lem.inKband durch fr« reKbirie« Stau« Km „»nsschntz- «Nhellt hat, ligent» lich nur der hterson de« »irUtch noch jüdisch benterden unb suhtenKn Bo, sitzenden Jacob Bachod s. >, galten. »riefe a«- «erlitt. L Da» Wfftiii i» «athhavse »vdchie WeOW«l»»« der De» 4t|to«i t» DdW«»»zi»»er Der Stz»«»«ge. Spar kommt Ihr, d«ch»Ihr kommt. Fast schien e», al» ob die grvße Zahl jüdischer „Rota« beln* d. h. reicher > nd angesehener GlaubenSgenoffen, welche Berlin aufzuweisen aat, auch schon in die bekannt« Doktrin «ingesttmmt hätte: „Der Judenhaß ist »ine An Abzugtkanal, um bei der Schli'chtigkeit der Welt den allgemeine« Menschen nicht aufkommen zu taffen", — allein, nachdem ginz England gesprochen. Amerika seine Senolinge zu un» geschickt und durch diese die jüdischen Herzen in Deutschland ausgrrüttell waren, erhob sich >» der That auch Berlin. Wir stehen damit an einem Wendepunkte. Bon ruffischen Inden, welche nach Königsberg kamen, konnte man e» früher häufig genug hören: „Russen motten wir sein und nicht Juden,* ja selbst Groll gegen Deutsc land war merklich zu spüren. Wie da» sich mit einem Schlage gräiidert, wie dort innerhalb der jüdischen Intelligenz in einem Ru ein Umschlag eingetretea ist, so entzündet sich allenthalben wieder da» Feuer unsere» heiligen Glauben», so schwört man ihn ab de» erschlaffenden Indifferenliomu». Rcch ist ja die Menschlichkeit, dapraktische Juven'.hum nicht v rboleu. Und e» ist entschieden ein Glück für die Sache, nenn alle diejenigen „Würdenträger", vie durch ihr Lintretr» für un- „in der Gesellschaft* zu verlieren, aber nicht» zu gewinnen glaube», einfach abgeschüttelt werden. Zum Kok ttiren ist die Zeit zu ernst. Wer immer Rücksicht nehmen »all, hat keine Ueberzeuguagea mehr und steht gerate in entscheiden)«» Momeiilen isoiirt. Daß sich hierin entschiedenere Ansichten auch bei un» gelten» gemacht habe», daß La»ker und Löwe endlich in die Schranken getreten sind ^allerdings erst, »achveui ein Troubolinkow al» Stöcker Jgnatiew'» eine Deutschenhetze in Rußland zu infee» niren begonnen), ist ein großer Gewinn, denn e» girbl leider Biele, die auch jetzt ihr Jud.nthum noch nicht iür opportun halten. Diesen wird e» genügen, daß die „Kreuz Zeitung* al» Antwort auf da» M.eting für die russischen Juden die Meldung erfindet, liberale Kreise wollten da» Uederwiegen der Juden im Richlerstaude „an amtlicher Stelle* zur Sprache bringen, um sie gänzlich einzuschüchlern. Auch der Anger der „Post* ist gewaltig, daß unter den Zeichnungen zum Hilf»sond» so viele Juden figuriren. E» ist eine eigenthümilche Methode' gewisser Kreise in Berlin, sofort mit ihrer Stimmung zu schvauken, sobald mau Furcht bekommt zu sehr Jude zu sein. Diesen Kreisen entstammt auch der Vorschlag, einfach alle emigrirendrn Juden per Schub zurück zuschicken. Unser rußerordentlichster Dank gebührt den überseeischen wackeren sendlingeu, diese haben e» fertig bekommen, Männer zu erwärme», die noch aus dem Gemeinde läge de» G-B. gesagt matten: „sie begriffen jetzt erst, warum während der Versolgiingen de» Mittiialter» die beffer situirlen GlaubenSgenoffen die Emigranten au» Spanien u. s. w. von ihren Grenzen zurickgewiesen hält,«.* Daß da» einsach unhistorisch ist, vurde damals nicht heroorgehobeu. Wir wekden e» den un.rmüdlichen Mocalla und Ellmger zu danken haben, wen» daS Marannenthum in Deutschland sich d a u e r d ausrafft und wenn da» Wort, da» Da». Friedländer im Hinblick auf die Geschiechler, die ihn umgaben, richtig prophezeit hat: „In Berlin wird e» nach S0 Jahren keine Juden mehr geben*, für den Kern de» gebildeten In denthum» in Berlin zu schänden wird. Wen», wie erwartet wird, Rabb. I)r. Adler au» London hier eintrifft, so wird er gar bald gewahre», daß e» in Berlin nicht wie in London zum Judenthum gehört, die jüdischen Feste zu ken aen und daß die in London in jeder jüdischen Familie ein^-führten jüdischen Zeitungen für da« „Grober Berliner Börse* etwa» se»r Despektirliche» sein. Diese Leute zittern vor jedem aniisemitischen Blättchen, aber wa» die jüdischen Wochenschriften fast einstimmig al» Mahnung zurufen, da» gilt ihren nicht al» „öffentliche Meinung.* Nun