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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Die Folge dieser Erkenntniß ist de« Llanoerden: Unser Heil fordert so schnelle« «Ad s« zahlreiche« Autioander«, wie nur irgend möglich. Und immer mebr richte» sich die Wirf* *»«f Xmtnld, d. h. auf die neu« Welt. Palästina erscheint doch zu unsicher. Möglich, daß Bemittelte dort sich anzufie» deln wagen werden. Gelingt der Versuch, um so besser. Da« Rundschreiben de» Herrn Netter begegnet im .Hameliz* einer maßvollen Kritik, welche darauf hinwrist, daß manche der Besorgniffe bei den hiesigen Juden sortfallen. Luf diese auszug«freudige Stimmung fallen freilich gleich eine« Mehlthau die Berliner Berichte, daß alle Sammlungen in Europa und Amerika höchsten» 2 Millionen Franc» ergeden würden und somit auf ein Befördern von Tausenden Emigranten keine Hcffnung sei. Freilich die Frage bleibt eine offene: Wa» thun die reichen russischen Juden, um die Auswanderung zu ermöglichen? Daß sie diese für unnölhig halten, ist doch zu fadenscheinig, al» daß e» ihr Richtsthun bemänteln könnt«! BeachtenSwerth ist der Vorschlag eine» Correspondenlen de» .Hameliz", die 300.000 Rubel, welche alljährlich al» Erez-JiSroel-Grld verausgabt werden, zur Ansiedelung in Palästina zu verwenden! Jgnatiew lügt auch im Kiemen. Am 25. März hat er dem Rabbiner Dr. Drobkim mitgetheilt, daß er die Zu« sammenberusung einer Versamnilung von Vertretern der jüd. Gemeinde zur Berathung der AuswanderungSsrage und de» damit Zusaulinrnhängenden gestattet habe. Nach neueren Berichten hat er die List« der zu Berufenden nicht genehmigt, bestimmt, daß die Versammlung keinen offiziellen Charakter haben dürfe und nur erlaubt, daß einige Juden au» den Landstädten sich über die brennende» Fragen unterhalten dürfen. Diese todtgeborene Verhandlung soll am 20. April eröffnet werden. Aus Kiew — wo gräßliche Behandlung die jüd. Gymnasiasten aus den Schulen treibt — sind schon Hunderte ausgewandert. Au» Smolensk wird eine neue Großthat Jgnaiiew» berichtet. Dort wohnen Juden, welche 25 Jahre Solkaten gewesen sind. Ru» wurde die Frage gestellt, ob dieses Recht der Väter sich auf die Kinder vererbe. Und Jgnatiew entschied, daß, sobald diese Kinder nicht mehr im väterlichen Hause leben, sie da« Recht, im Orte zu wohne», verloren haben!! Morde, Austreibungen, willkührliche Bedrückungen durch unttrgeordnete Beamte. — Doch wozu die Einzelheiten? ES ist ein Skandal, ein Hohn auf da» ganze 19. Jahrhundert! Aus Rußland. Nach Mitteilung aus Petersburg, welche al» zuverläffig betrachtet werden, hätten die Regierung-maßregeln gegen die Juden mit dem soeben au sie ergangenen Verbot, Apotheken zu halten, ihr Ende noch nicht erreicht. Jgnatieff soll sich eifrig bemüht haben, gleichzeitig mit der genannten Verordnung einen UkaS burchzusetzen, der den Juden den Aufenthalt in den Dörfern untersagt. Dagegen habe sich indeffen von Seiten anderer Minister Wiederspuch erhoben. Man habe geltend gemacht, daß dadurch der Industrie und der Wohlsahn des Landes ein erheblicher Schaden zugefügt würde Jgnatieff soll sich dabei aber nicht beruhigt habe» und F-stlage unsere« Lotte« sind eure Schreckenttog«. Vergehen« fleht ihr den Himmel um HNse an, Ihr hadt nicht« zu oee leeren und Alle» |u gemiunen. Jetzt lest di» AI, »Ichheit im ewigen Kriege und einer neidet dem Ander» da« Vrod, da« er jum Le den braucht. 6o lange dieser Zustand dauert, »ird auch da« vorurtbeil gegen euch «llthen, werdet ihr der Segenftand de« hasse« sein »der e« wir» die Zeit kommen, wo »er Streit lldrr „Htm und Dein" oerschwinden, wo t«rund und Lode» daa Aigenthum de« ganzen Botte« sein »ird, wo man den chgoi«» mu« Mn seine« throne stürzen und vieitausendsührig« I,ranne» zerstire» wird. Dann herrscht Friede in der'Atenschtz.it, dann wird man auch euch in ausrichtiger Lied« al« vrllder degrüßrn, al« «enschea mit gleiche» »echt«» un» gleiche» Pflichten. Legt -and an an dem grohen Werke, bauet mir un« die St>st»tzütt« der Menschheit, gründet den de» rem»«t. »er tzerrlicher sei» wir», al« eure Tempel je gewelen, schliesiet den Sun», der dauernder sei» wird al« der Bund eurer B»ter. Dann werde» sich di« gUlnzende» Proptzezeihungen eurer helligen Bücher er> süllrn. und ihr werde» glücklich wotzne» in unserer «Ute. hedrüerl i» der Zeit, wo da« Unglück schwer ans euch taflet, richte» wir diese« ernfl« Wort an mich, prüsrt und suchet dt» Weg« der Wahrheit." die Augelegenheit im Ministerrathe^der Anfang» nächster Woche abgehalten werden soll, zur Beschlußfassung bringen wollen. Man g'.-ub! in P^burg, daß zwar dlc MchrhZl der Huisicr gegen Jgnatieff.« Antrag stimmen werde, schließt jetoch die Möglichkeit nicht au«, daß Jgnatieff'« Einfluß stark genug sein werde, uin die kaiserliche Genehmigung für die Stimmen der Minderheit gegen die Juden zu erwirken. Petersburg, 14. April. Der Gouverneur von Podolien meldet, wie der .Regierungsanzeiger" mitiheilt, daß er sich sofort aus die Benachrichtigung von den in Balta ausgebrochenen Exceffen gegen die jüdische Bevölkerung persönlich dorthin begeben habe, um die Ruhe wieder herzustellen. Die Unruhe» dauerten am kl. d. bi- Abend« 10 Uhr, zu welcher Zeit da« Militär die Ruhe wiederhe'stellte. In der Nacht erneuerten sich trotz der au«gestellten Wachtposten die Unruhen, welche dann am 12. d. bei dem Eintreffen der Truppen unterdrückt wurden. Die Exceffe wurden von den Bewohnern von Balia und Bauern der Nachbarorte begangen. Der Procureur ist zur Beaufsichtigung des Ganges der Untersuchung eingetroffen. Am 12. d, Abend» 5 Uhr, überfielen Einwohner de» Orte- Letitschrwo die dortige jüdische Bevölkerung ur.d deren Häuser. Das Militär stellte die Ruhe wieder her, ohne von den Waffen Gebrauch machen zu müffen; die Schuldigen wurden verhaftet. Schweden. Gothruburg. Der Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde Di. M. Wolfs hat am ersten Tage des jüdischen OstersesteS das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit in der genannten Gemeinde gefeiert, worüber die „Göth7b HandelS- Tidning" wie folgt schreibt: .Am Morgen wurde im Hause des Dr. Wolff ein Fest' lied, von Kantor Bär*) componirt, von einem Theile seiner früheren Consirmandrn und den: Synagogenchore gesungen. Rach den» Gottesdienste hatte die Gemeinde elne Feierlichkeit in der mit Blumen reich geschmückten Synagoge angeordnet. Rach der Predigt, in welcher Dr. Wolff seine Thätigkeit berührte, die er vor 25 Jahren i» dieser Gemeinde begonnen und in welcher man ihm stets mit der innigsten Liebe entgegengktreten sei. wurden von einem Damenchor die ersten Verse einer zu dieser Gelegenheit verfaßten und vom Musikdirektor Czapek componirten Cantate gesungen. Darauf tra'e» die Vorsteher der Gemeinde hervor- und Kaufmann E. Delbanco la» eine Adreffe vor, die also lautete: .Hochgeehrter Herr Doctor! Es sind heute 25 Jahre. seitd>m Eie, Herr Doctor, Ihre Thätigkeit bei uns begonnen haben. Vieles hat sich seit jenem Tage geändert, denn ein viertel Jahrhunbert geht nicht spurlos vorüber. Die, welche bei Ihrer Ankunft Sie an erster Stelle in Ihr Amt einsührten, haben Alle das Zeitliche gesegnet, die. welche in der Kraft der Jugend und des Mannesalterstanden, sind alt geworden und ein neues Geschlecht ist herangewachseil. Ader wenn auch dt« Geschlechter gewechselt, so ist e« doch dieselbe Gemeinde, welche an diesem Tage — ein bedeutungsvoller für die Gemeinde, wie für Eie — sich gedrungen sühlt an dieser Stelle, an welcher Sie so oft Worte de« Trostes, der Ermahnung und der Liebe gesprochen, warmen, aus der Tiefe des Herzens kommenden Dank auszusprechen. Den» wie auch die Zeilen sich geändert, wie viele Erinnerungen freudiger und schmerzlicher Ereiguiffe Sie während der verflossenen Jahre gesammelt, eins ist doch daffelbr geblieben, das wie ein rother Faden sich durch die Reihe von Jahren ziehet, und das ist die Sympathie, welche Eie von der ersten Stunde in dieser Gemeinde erweckten und welche Sie in ungeschwächter Reinheit sich zu bewahren wußten. Und wie konnte dies auch anders sein? Mit Liebe und inniger Theilnahme folgten Sie, Herr Dr., der Freud« und der Trauer eines jeden einzelnen Gemeindemitgliede«. mit ') Deiseide leitet« auch de» Sesang, und bei« Oattesdienst« irsieut« er di« Zntzbeer durch »in« md ihm componirt« Kedusch».

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