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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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110 — portirt «erden, ohne im Geringsten auf Widerstand oder Unglauben zu stoßen. Nicht viel bester ergeht e« Nicolai mit eine« seiner Beamten. Mitglieder dir Gemeind, besagen sich über da« böse Beispiel, w.lche« derselbe durch sei« unrelistiösei und ft»lrS Vrthalieu gitbk. itelhta refero! — Taruovi; sucht endlich nach überaus langerVacauz ein geistliche« Oberhaupt. ES ist charakteristisch, daß ein akademisch gebildeter ReligionSlehrer verlangt wird, der nebenbei auch die RadbinatSsunctionen zu versehe» hat. Hoffen wir indessen. daß damit der erfreuliche Anfang für die gedeihliche Entwickelung der religiösen BerhLltniffe dieser materiell sehr leistungsfähigen Gemeino« gemacht ist. Lefterreich-1t«g«r». 8. Wie». Wir haben in ver letzten Nummer über eine antisemitische Versammlung berichtet, die vor einigen Wochen in Wien beim „Dreher" ftattgefunden hatte, und wir stehen heute wiederum vor der ttaurigen Pflicht, über eine neue «och weit skandalösere Bersammlung von „christlichen Gewerbetreibenden" unseren Lesern zu erzählen. (Wir lasten den ausführlicheren Beruht über die Vorgänge bei der Versammlung weg. Eie gleichen den Berlinischen, wie ein faules Ei dem andern. Red. > Wir haben in diesem geschätzten Blatte bereit» vor S Jahren, al» bei unS in Oesterreich noch der tiefste csnfeffionelle Friede herrschte, vorausqesagt, der deutsch« AntisemittSmuS werde auch unsere Grenzen überschreiten. Wir bedauern eS mit tiefem Schmerze daß unsere Prophezeiung in Erfüllung ging; und wir hätten diese ReminiSceaz gar nicht aufgefrifcht, wenn wir hiennit nicht an einem schlagenden Beispiele erweisen wollten, wie sich unsere GlaubenSgenoffen den drohenden Gefahren so gerne verschließen, und erst dann die Gefahr merken, wenn sie bereiiS hereingebrochen find. Wir können übrigens zum Schluffe die befriedigende Nachricht melden, daß Ministerpräsident Ta affe offiziell den grössten Unwillen über die beginnende Antifemitenbewegung ausgesprochen und den Polizeibehörden den stricken Beseht ertheilt hat, jede Bewegung gegen die Juden im Leime zu ersticken, daS Gesetz habe alle Bürger de» Staat-, welcher Confessio» sie auch angehören, vor Insulten zu schützen. P. S., 12. April. Das halbamtliche „Prager Abendblatt" enthält heute daS nachstende Communiquä: „Die israelitische Bevölkerung mag die Beruhigung schöpfen, daß sie nicht nur von der seitens der oppositionellen Preffe als reaktionär verschrieenen Regierung keinerlei Beeinträchsigung ihrer politischen und bürgerlichen Gleichstellung zu besorgen hat, sondern mit voller Zuversicht aus deren kräftigen Schutz überall da rechnen darf, wo sie sich einer Bewegung gegenüber sieht, die unter dem Mäntelchen der sozialen Rcf?rm mittelalterliche Judenhetzen herausbeschwören möchte." 0. L Budapest, s. April. (Dr. E. I. Blücher.) So ist auch der alte Blücher hingegangen, so wird gar Mancher sagen, der davon hören wird, daß am Donnerstag de« K. April d. I. vr. Ephraim J-rael Blücher auSgelebt — nein. auSgelitten hat. Er war aber gar nicht so att, ob zwar wir ihn gar lange bereits als die hagere, gebrochene Gestalt mit dem weißen Kopse kannten; er hat eS auf 68 Jahre gebracht, lange, böse, leidenreiche Jcchre. So Wenige im Leben seiner gedacht haben, so Viele werden bei seinem Tode seiner gedenken. Denn wer kannte ihn nicht, den „herumirrenden Aramäer" (s. M. 26, S), der so viele Städte der Menschen gesehen hat, al« Docent, als Rabbiner, al« Lehrer, als fahrender Schriftsteller, immer anfchlagsftoh und pläuereich, immer »npraktisch und unglücklich, aber immer auch mild und redlich, fromm und wacker. In Freiberg in Mähren war er geboren, Leipnik war dir Talmudschule, die er besuchte. Seine ersten Versuch«, sich selbstständig zu machen, führten ihn auf galizische» Boden. Eine aussichtslose Doceutur i« Lemberg war Alle«, wa« er erreicht». Bekannt ist, wa« er durch vier Jahre al« LreiSrabbiner von Oswiectn gelitten und gekämpft hat. Auch in Losten wirkt« er al« Prediger Wer all die Städte übersieht, in denen er gelebt und gewirkt hat, Proß- . witz in Mähren, Lemberg, Olwiecin und Losten iu Polen, . Wien und Prag.-Niskolcz »nd RruhLssr! »u Ungarn, — um nur 1 diejenigen zu nennen, in denen er länger sich aufhielt, — der müßte Zig« rnerblut, «ine unruhige Waadernatur, eine Abenteurerart ir dem armen Manne vermuthen, der von alldem so weil enlfent war. wie da« Glück — von ihm. Den literarischen Tra im seiner letzten Jahre, die er in Budapest verbrachte. bilt.-ten die neue Auflage, die Jubelautgabe, wie er . sägte, seinei aramäischen Grammatik, die daS Lob Franz De-! litzlch'S und die Anerkennung der Wiener Akademie gefunden.! Wa« hat er nicht Alle» »ersucht! Eine Zeitung, „die Brief» , taube", san r und fromm uns sittlich wie der Name, also in Allem da« öegentheil einer Zeitung. hat e« unter seiner Redaction und alleinigen Mitarbeiterschaft nicht über einige — Probenumm rn gebracht. Roch jüngst hat er dem ungarischen EulluSmiuiserium aramäische Tabellen vorgelegt, die in der Staatsdruck, rei gedruckt werden sollten. Auch mit einer deutschen Poetik trug er sich, von der bereit» einige Bogen der Presse entw chsen sind. Borlänsiz druckte er nur eine Auswahl von C edichten. der eine allgemeine Einleitung und Erläuterungen folgen sollten. Die Pädagogik war eben die stille Flamme sei: ti Leben», der Anfang einer hebräischen Grammatik, die vor vielen Jahren in Wien von ihm gedruckt wurde, nebst zahlreichen anderen Versuchen zeugen von dieser seiner Leidenschaft Aber auch praktisch ersiehe» und unterrichten, war sein höchste« Bedürfniß. Als mit gebrochenen Masten, wie e» in SänllerS Sinngedichte heißt, der Greis schutzsuchend in den Hasen unserer Stadl einlief, gelang e«, die sog. externen Waisen des hiesigen jüdischen LnabenwaisenhauseS seiner Fürsorge anzurertrauen. Man kann kühn behaupten, daß in keiner gleich«'» Anstalt die Kleinen mit solchem Erfolg in frommer Bätersute und in jüdischem Wissen unterwiesen werden. DaS war nicht seine Ausgabe, aber, ein rechter Waisenvater, ließ er e» sich als Herzenssache angelegen sein, au» den ihm anoertrauten Lindern Juden im edelsten Sinne zu erziehen. Er hat den Lohn dafür nicht erlebt, aber die Thränen, die an seinem Sarge au» den Augen der Unmündigen pertten, waren der schönste Zoll der Dankbarkeit, der von den Ueberlebrnden ihm zu Theil werden konnte. Am 7. d M. Nachmittag haben nir ihn begraben. ES war ein kleines Gefolge, da» ihm vie letzte Ehre gab, aber ein gewähltes. Da» gefammte Rabninat dieser Großgemeinde und l)e. Goldberg, ver Rabbiner von Ofen, der größte Theil vom Lehrkörper der LandeS-Siabb nerschule und der Lehrerpräparandie, der Sekretär der Gen nnde, Dr. Goldziher. und noch ein kleine» Häuflein Getreue folgten der Bahre. Brave, wackere Worte sprach am Sarge Dr. Lohn. Eine verlassene Wittwe, die 19 Jahre ihm heloenhcft zur Seite gestanden, und ein kranker Knabe beweinen bei Verblichenen Wenn Jeder von den Bielen, di« ihn kannten, nur ein Scherflein für die Unglücklichen steuerte, di; er zurück,-lassen, so wäre seine Ruhe eine sanfte. „Süß ist der Echlo der Arbeiter«." Btaftlatib. Peter«! rrg. Die Telegramm« werden inzwischen unsere Osterbesürcht mgen bestättgt, oder — was wir kaum zu hoffm wagen — o » grundlos erwiesen haben. Lleine Vorspiele — klein und dm!» unsagbaren Elend« voll — spielten sich vorher ab. Doch d >« Einzelne haben Ihre Leser schon in den Tageszeitungen gefunden. Hier sei coostattrt, daß in jüdischen Kreisen endli ch, endlich die Wahrheit erkannt wird, wie allein die zeitige Regierung die Hetzen hervorgerufe« hat. Die Nihilisten leugnen die ihnen so geschickt zugeschodene Autorschaft.*) *) Sie liehen fogat eine Pr»Nai»ari«n m Sie hebröer ln heb». Sprach« »»breiten, »««rin st« diese zum Eintritt in de» Bund de« Nitzi- IMmu« eintadrn. „Die Herren und Richter det Staate« — heißt e« darin — zeigen Euch nur ein »ntlitz de« fernes und de« Hasse«. Ahr »erdet de» Ue»«r»ra deraud«, durch ungerecht« Gesetz« u» eure» Besitz gebracht, ihr »erdet »U «in« Heerde in ein des,«»»«« Lager ring «sperrt, danrii euch vehrlds« da« Berderben «m s» leichter ereilen könne. Dt«

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