Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 16.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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EpmiajJM - 119 - birmbcnDeutschland« jeden Versuch mißbillige«, baß irgend eine« Stubenten. welcher Ration unb Lonfesston er auch angehöre, sein gutes Recht verkümmert werde." So bie von vr. Max vanmgart herausgegeben« ,Stubenten-Ztg.". Die Erklärung ist um so bebeutungsvoller, als Herr Vaumgart selbst »ine Zeit lang »u den Antisemiten hielt unb mit ihren Führern nahe Beziehungen pflegte. Dann gerteth er freilich in Mißkredit, weil er in den verdacht kam, für ein freisinnige« Blatt einen kritischen Bericht über ein« antisemitisch« Orgie verfaßt zu haben und nun freut es uns, von ihm obige mannhaft« Parole ausgegeben ,n sehen. Preujlau, 12. Hprll. (Ein Borschlag.) Die traurige Lage uxserer Brüder in Rußland wird wohl noch für längere Zeit unsere Hülse in Anspruch nehmen. Die Auswanderung derselben, sei e» nach Amerika oder Palästina ober nach einzelnen legenden Europa'», kann nur allmählich vor sich geben und wird de» bei der großen Zahl derer, welche in der traurigen Lage sind, aller Mittel entblößt ihre Heimall, verlasien zu müsse», viele Monate dauern. Sowie nun neue Au»wanderrrschaaren in Deulschland anlangen, wird immer aus'« Reue an di« Mildlhäligkett der de.itschru Juden appellirt und werden immer neue Sammlungen veranstaltet werben müffen. So viel vertrauen man nun auch zu dem warmen jüdischen Herjkn haben darf, so steht doch zu fürchten, daß diese Sammlungen nicht immer von den erwünschten Erfolgen begleitet sein könnten. E» dürste wohl geeignet sein, in allen jüdischen Gemeinden für dies« »Zeit der Roth in Jacob" Verein« zu gründen zur Forderung der Au«wandernng. E« dürfte wohl nicht schwer sein, die Mitglieder der Gemeinden zu bewegen, sich zu monatlichen Beiträgen zu verpflichte». Ueber die Höhe der Beiträge sind selbstverständlich keinerlei vorschristen zu machen. Die Beiträge der einzelnen Gemeinden müßten dann allmonatlich an eine oder mehrere Eentralstellen — etwa Breslau, Berlin, Hamburg — abgesührt werden und dies«, ivelch« wiederum mit einander ln Berblnduug fein müßten, würden dann auch bestlnnnt wissen, über welche Summ« st« allmonatlich verfügen, um danach dl» Zahl derer, welchen sie zur Au«>vaid»ru»g verhelft» können, zu bemessen. Sollt« man übrigen» hl« und da de» Rainen eine» »Verein«" scheuen, so wäre ja auch dasielb« dadurch zu erreich,n. daß man Llsten curstren läßt, ln welch» dl» Einzelnen lhr« Rainen nebst der Höhe ihre» monatlichen Beitrage» einzeichne». Rabb. l»r. Ritter. A. Vs« Rhetr». (Or.Eorr 1 Daß eln« gewisse Menschensorte gern lm Trüben stich!, ist bekannt. Doch dürste es nicht Uttnüh sein, da» neueste Trierer Pröbchen der allgemeinen Veurthelluna zu unterbreiten. Ansrus« zu Gunsten der russischen Juden kommen leider Vlotle» zahlreicher, als da« GAd sür siel Dt» Austritlsgemeinde ln Trier, dl» Beisechtertn des getrennten Judenthnme», sieht plötzlich dl» Russen — Orthodoxe und Reologea — als ihr« Brüder an und spricht alle jild. Gemelnden an der Mosel und am Rhel» um Gaden an. Ja, dtes« am allerwenigsten dazu berufene Zerstörerin der Gemrtndeeinhei« ha« dt« Kühnheit. au« lhrer Mllte eln »Somitö für ble Regiernngsbezirke Trier und Soblenz" zu bilden! Unterzeichnet tst da« samos« Schriftstück, durch welch«» dies« »u«lritl«geme>noe sich den Boden selbst zerstört. von dem bekannten »Au«tiltt«rabbiner" unb einigen Führern der ,Au«trlttler." XV. «,e»ti>. lg. April. (Or.-Sorr.) Dl« Festtage sind vorüber und wenn der Besuch de« Bottesdtenste« al» Zeugnlß von I . 'reffe sür da« Judenthum gilt, bann freut es un«, constallrrn zu können, daß da« Jntereff« hier «in rege« ist. 2» rllrr» « «a» '*» Lotiröhu»» priälli. Mm ü. Festtaa« ereignete sich «ährend brr Predigt der lei* dlg« Fall, daß rin Gemeindemitglied eine Ohnmacht bekam ,«nd in Folg« besten aus dem Tempel getragen «erden mußte. Uebrigen« hat sich auch wieder während biefer Festtage in unserem Tempel «in Mangel fühlbar gewacht, der dringend der Mbhülfe bedarf und den wir hiermit sowohl der.r Vorstandswie auch dem Repräsentantencollegtum an« Herz legen wollen. Wir meinen die Anlage einer Heizung, denn e» war vor Kälte und Zug kaum auszuhalten. Wa« beim Neubau de« Tempel« selbst mit nur geringeren Kosten verknüpft gewesen wäre, wird heute da« Doppelte kosten und »«»noch werben sich bie Vorsteher dieser Pflicht nicht entziehen können. Cm«. Der alte israelitische Lehrer Abraham Dickstein ist am 'J. d. ui. aus dem israelitische» Friedhofe bei Kirberg beerdigt worben, woselbst der hiesige Bezirk«rabblner eine, den Todten ehrende Grabrede hielt. Er war seine« hohen Alter» wegen bei seinen Mitbürgern geachtet unb geehrt; so, daß bei seinem Leichenbegängniß dir Block n geläutet wurden und auch viele Christen die "eiche bi« zum Grabe begleiteten. Er stammte au« Polen und blieb unverheiralhet. Er machte seine Anstrllungsprüsung im Jahre 1811 bei dem erwähnten Bezirksradbiner und war damal« bereit« 25 Jahre, also im Ganzen 6V Jahre im Rnsiauischen. Da er nun nach eigenem Genändniß ein ruffischer Mtlitärflüchtling war, s» kann er al« er sein Vaterland verliß, 18—94 Jahre alt gewesen sein; also nur ein Alter von 86—60 Jahre erreicht habe«, aber nicht 107 Jahre, wie die« von einer beireundeten Hand in den Zeitungen mitgetheilt wurde! Er war seit 2 Jahren hinfällig und konnte nicht mehr fungiren; und da für israelitische Religtonrlehrer im Raffanischen kein Pension«sond besteht und er ln den 1864 gegründeten Unterstütz»,>g«v«rein iAchawa) für israelitische Lehrer wegen vorgerückte« Alter« (von über öo Jahren) nicht ausgenommen werden konnte, so wurde er während seine« hiesigen Kurgebrauchs von de» Kursremden und von vielen auswärtigen Glaubensgenosse» so bedeutend unterstützt, daß er bereit» ein kielne« Kapital angesammelt hatte, von besten Zinsen er leben konnte. Er hat sein etwa 2000 Mark betragende« Vermöge» einem Ehrlsten, bet dem er gewohnt, zukommen lasten. AusOberschlesir«, 12. April. (Or.-Eorr.» Bei der beharrlichen Ein'örmlgkeit unserer rrltgiü«>loclal«n Zustände verlohnt e« sich ost nicht, «lgen« Berichte von und über Oder« schlesie» abgehen zu laste», zumal wenn der Eorrespondeut nlch» ln der Lage ist. ei» rosig angehauchte« Bild zu entiverstn. So wenlg erbaulich dl« Mliliiellungen sind, die mlr heute unter die Feder fließen, so wenig neu sind sie. Ans dem Gebiete d,r religiöse» Z»ve>lästigkeil und Gemlstrirhastigkel: lst ln Obrrschlesten ein sehr bedenklicher Rückichrltt zu consta« ttren. E« pastire» da Dlnge, bie man noch vor Deeeunteu sür »»möglich gehalten hätte. Blau muß wirklich sagen: l)iflVII<< »ki Killt INI» »INI K('rilipri>. So sucht z B Loslau selt einiger Zeit einen Borbeler, Sichächter n»d Rrllglon«lehrer. Ein Sandidat kommt in Dl» engere Wahl. Sr wild zur Abhaltung eine« Probevortrages berufen und pulsen- Ilrt sich am Fr,»tag mit der stricte» Sitläruug, am Sabbath Rachmiltag mit der Post, die elwa gegen!> Uhr Rach nlttaa» nach Annaberg geht, abretsen zu müsten. Da« Ungluubltche geschieht. Man gestaltet dem problematlschen Eantor, den Sabbath rlnznsegnen. Derselbe macht glänzend Fiasco und fährt KunK am Sabbath fort. Ui» ander« Gemelnden vor der Qualität diese« fahrenden Sänger» zu warnen, setzen wir seinen voUen Ramen h.'r. Er schreibt sich Springer und lebt in Böhmen. Runnubr eln zweite», analoge« Bild! Sine ander« oberschlesische Gemeinde sucht und findet «lnen blutjungen und funkelnagelneuen Eantor und Religion»!,hrer ln Berlin au«g,bildet, einen germantstrten Rüsten. Seine rrllgiöse Zuverläfflgkeit erscheint den Gewtstenlmfteren ln der Gemeinde tticht über alle Bedenken erhaben Rach 7 «Xtmuini gievi er vie Siruung aus unv wanoert nach Amerika au«. Da mit einem Mal« werden Stimmen laut, der unschätzbare Y‘* habe nicht einmal am Bersöhnung«tage ehrlich gefastet. Tranrtg genug, daß solch« Botschaft» col-