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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 14-15. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 14-15.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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109 — rot* )mi Kriegsühreu (Mb gefettet, so auch »um täglichen Lebe«. Unser Referendar lebte inzwischen ganz angenehm und in Freuden, rourde bald Assessor und da» Glück war ihm insofern günstig, al» er auch bald tüchtiger Rechtsanwalt wurde. Sein Vater war jedoch inzwischen ge» storben und die alte Mutter freute sich, daß ihr Sohn nun endlich da» Ziel erreicht hatte, wa« sie für ihn erwünscht und sich vom Lenker der Welten erbeten hatte. Die Praxi« de« jungen Recht«anwalt'» war eine gute und lohnende, aber jemehr dieselbe tunafem, umsomehr nahm auch sein Ptol) zu — wenigsten» seiner Mutter und seinen Geschwistern gegenüber. Jetzt brauchte er ja dieselben auch nicht mehr, er verdiente Geld in Hülle und Fülle. Immer mehr und mehr zog er sich von den Seinen zurück, der Berkehr wurde abgebrochen und wenn auch da» Herz der Mutter vor Schmerz und Weh darüber brechen wollte, wa» machte da» au»? Doch etwa» muß ja jeder Mensch haben, wa» er liebt, so auch un>er Recht«,>nwalt. Jene» arme christliche Mädchen, welche» er al»Meserendar kennen lernte, wnrde sein Weib. Auf dem Standesamt in S. wurde die (Sfee geschloffen — ob auch ei »gesegnet, weih man nicht —, doch die Mutter und Geschwister waren nicht Zeugen diese« Ehrentage«, weil sie nicht geladen waren. Aber wa« thut da», der Beckehr mit Herrn und Frau I. und A und Z. ist ja mehr werth und man kann doch eine alte jüdische Frau mit solchen hochgestellten und hochgebildeten Leuten nicht zusamvieadringen. Und wenn auch die alte jüdische Frau die eigene Matter ist und wenn auch deren Schmerz in dem dem Gram verfallenen Gesicht für Jeden zu lesen ist — thut Alle» nicht», der Sohn, der Stolz und Liebling, weiß davon nicht». Und so ist denn vor kurzer Zeit unser Recht«anwalt glücklicher Vater geworden und unter allen Denen, die darüber eine Anzeige bekamen, fehlte wieder — die alte jüdische Mutter. Ihr hat man davon nicht» gesagt und nicht» geschrieben, erst durch Andere hat sie erfahren, daß sie „Großmutter" geworden. Der Sohn kommt nicht zu ihr und sie darf nicht zu ihm kommen, man kennt sich gegenseitig nicht mehr. Doch der größte Schmerz sollte ihr nicht erspart bleiben; damit dem Recht»anwalt nur ja nicht» mehr .Jüdische»" anhastet, hat er neulich sein Kindchen taufen laffen. Dazu natürlich große Festlichkeit, alle Freunde und Bekannte und auch die Eitern und Geschwister der jungen Frau; doch die eigene Mutter die sitzt inzwischen zu Hause und weint und jammert und stellt Betrachtungen über die Wandelbarkeit ihre» Kinde» an. Und weil sie ein solche» Leben hier nicht mehr ertragen kann, zieht sie nun nach Beclin, um daselbst ihre Tage in Ruhe zu beschließen. — Und warum die Geschichte hier erzählt wird? Damit die Eltern nicht glauben sollen, daß sie nur dann Glück und Freude an ihren Kindern erleben, wenn sie dieselben — studiren laffen. Safct sie ein Handwerk lernen, nur sorgt dafür, daß ihnen unter dem Schurzfell ein warme» Herz für ihre Religion und Familie schlägt. Stritt». S. März. (Or. Corr) Unsere Gemeinde ist vor einigen Tagen durch einen Fall in Aufregung versetzt, der S. s. D. zu den seltenen im Judenthum gehört. Ein Semeiademitglied hat fich Schulden halber in feiner Wohnung erhängt. Sr hatte sich von allen Bekannten und Freunden große Summen Gelbe» geliehen, ohne e» zurückzuzahlen und seinen viele» Gläubigern bleibt nicht« weiter übrig, al» — da» Rachsuchen. Ran frägt hier nun mit Recht, verdient e« ein solcher Mensch, daß ihm ein ehrenvolle» Begrädaiß zu Theil wird? Verdient e» ein derartiger Sharacter (! >. daß ihm der Rabbiner eine Rede hält und daß er in einer Reihe mit den auderen verftordeuen beerdigt wird? Die Sache wird hier viel besprochen; ich maße mir jedoch kein Urtheil darüber zu und möchte Sie, Herr Redacteur, um Bescheid darüber aagehen. Bi» jetzt bildeten solche Fälle eine >u»nahme i« Judenthum, möge auch der besprochene alleiu in unserer Gemeinde dastehe». (Wir haben in eine» frühem» Jahrgang unseres , Litera turbt." da» verschrift» mäßig« verfahren bet Selbstmördern ausführlich besprochen; da» „ehrenvolle Be» aräbniß" veranstalte« meist die Hinterbliebenen und man kann die Familie doch nicht mitbüßen laffen; e.ne Leichenrede, wenn sie vom Rabbiner verlangt wird, wird dieser nicht immer in der Lage sein, abzulehnen; aber den Inhalt der Rede hat der Prediger in seiner Hand und so pflichtvergessen wird wohl kein jüdischer Prediger sein, daß er in solchen Fällen nicht zu den milden Trostsprachen c.n die Leidtragen einige da» verbrechen de« Selbstmorde« ve curtheilende Worte und — je nachdem der Fall liegt — auch eine Mahnung an da« Gefolge fügte. Red.) Erfurt, im März. (Or.-Eorr.) Auch in diese,» Jahre — dem vierzehnten ihre» Bestehen» — hat die hiesige unter Leitung de» Herrn Direktor Dr. Wahl stehende „höhere Handel»fachschule" die günstigsten Erfolge zu verzeichnen. Bei dem unter dem Borsitz de» Herrn Provinzialschulrath» Dr. Todt au» Magdeburg abgehaltenen Abiturientenexan en erhielten s ä m m t l i ch e Prüflinge, IS an der Zahl, da» Zeugn ß der Reife und zugleich die Berechtigung zum einjährigen freiwillige« Dienste« in der Reicht«armee. Der Anstalt, mit welcher auch ein Internat verbunden ist, in weichem der Hau-ht.lt in streng ritueller Weise geführt wird, stehen die beste» L -rkräfte zu Gebot und deshalb bietet sie auch jungen Leuten aller Bekenntnisse die Gelegenheit, eine gediegene fachmännische Bildung zu erwerben. — Zur Ausnahme der in den Psingstierien hier tagenden vierten Sonserenz mitteldeutscher Eultutbeamten hat sich schon jetzt ein Fest- und Berslegung«comi.6 gebildet, da» den Mitgliedern der Lonferenz den Aufenchc.lt hier so angenehm al» möglich zu machen bestrebt sein wiid. Oesterreich. 8. Wie». Bor einigen Tagen fand hier eine Versammlung von Gewerbetreibenden statt, um über die Waalreform in Betreff der Fünf-Guldenmänner zu berathen. Doch au» der Wahlresormversammlnng war eine Ant isemit'»Versammlung geworden, in der Scenen sich entwickelten und Brandreden gegen die Juden gehalten wurden, hinter denen die Reden selbst eine» Stöcker« und Henrici'» zurückstehen müssen. — Die Journalisten, die jüdischer Confesion waren, sahen sich in Folge der immer gefährlicher arschwellenden Bewegung veranlaßt, den Saal zu verlassen. — E» widerstrebt un» alle die gräßlichen Einzelheiten dem User vorzuführen. Er mußte im vorigen Jahre und auch iu diesem bereit» genug solche Berichte lesen, die von der — c« will schier dünken — unausrottbaren Brutalität und dem Judenhasse unterer christl. Mitbürger furchtbare» Zeugniß oblegen; wir wollen ihn darum heute damit verschonen. Die Bersammlung wurde schließlich, al» der Tumult einen unbeschreiblichen Verlauf genommen hatte, vom Regierungsvertreter aufgelöst. Doch Folgende» wollen wir zu ihrer unnennbaren Scham erwähnen: Deutsche Reichstag Abgeordnete, die Herren R. v. Schönefer, Lenz. Kronawetter u A. standen jener Versammlung zu Gevattern! Sie hielten e» nämlich nicht der Mühe werth, die Leidenschaften der Versammelten einzudäminen, wa» ihnen bei ihrem Einflüsse unzweifelhaft gelungen wäre. Schmählich traten sie, al» auch ihnen da» frenetische Gejohle und Treiben zu arg wurde, ben Rückzug durch die Küche de» Gasthause«. in dem die Versammlung abgehalten wurde, an. — Wir wollen dem Gejohle einiger hirnverbrannter Köpfe hier nicht allzugiohen Wcrth beilegen, aber doch können wir un« nicht enthalten, unser« Glaubensgenossen in Oestereich zuzurufen: Gefahr ist im B, rzuge. Zieht die Segel ein. Mann an Bord. Leget Euren Hochmuth ab, seid bescheiden und fordert nicht gerade jetzt, wo die Stimmung gegen un» in einem großen Thesie Europa'» eine so sehr gereizte ist, durch Euer Benehmen, den Zorn und den Haß unserer Gegner noch wehr heran». Pocht nicht auf Euere verbrieften Rechte, die Mächttgen der Erde können sie mit einem Federzuge vimtchtea. — •bei auch der Ruf ergehe an Euch: Kehot wieder in den Scheoß de» Judenthuw« zurück, au« dem Ihr Euer Sein

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