Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 14-15.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 107 — schür« hiMingeeatheu, so di« Schrift .Warum trete« wir Mcht in'« Lhnstenthm»? von einem Inden. Wir haben auf solche Versuch« hi« da» «echt, un» unserer Haut »u «ehre«. Fahre« wir darum ia unsere« Betrachtung» über jede vermemtlich« Emaucipation (4 I» Darwin) fort. Line Kruppe müsse« wir aber vorher au»schließ». bei der jede Mahnung unnüthig ist — weil dies« Leute, wenn wir die Strömung haben und sie richtig leiten, ohnehin mit dem Strome gehen. E« ist di« Grupp« derer, die nie etwa» lernen und Alle» vergessen, wa» nicht in ihre» Kram paßt — selbst, daß vor ihren Rügen der Monarch de» Lande» auf offener Straße angeschoffen worden ist. I» sind die Leute de» leichten Herren» oder der verdorrten Nüchternheit und Herzlosigkeit. Ein Mathematiker — er war zufällig Jude — lauschte dem letzten Akt von Mozart'» „Don Juan", und al» der Vorhang am Schluffe sich senkte, starrte er eine Weile vor sich hin, dann wandte er sich zu einem Nachbar und sagte: Wa» ist eigentlich damit de wie senk" Au» dieser Anekdote können wir vielerlei lernen. Denen, die keinen Nosch'haschonoh mehr kennen, sich aber am Sylvester nach gemeinsamer Punsch-Bowle antisemitisch durchprügeln laffen, kann da« Judenthuin nicht bewiesen werden. Die machen überall die Mode mit. sie können au» ihrer Haut nicht heraus. Wären sie z. B. in London, sie redeten ander« vom Judenlhum. Da» wichtigere Kontingent der .Jtidfta indifferent»" stellt der Journalismus uno ein Theil de» akademischen Jungjudeutbum«. Diese machen die Mod«. Man hat da gefragt: .Wenn nicht Jud'. warum nicht Christ", hat sich aber gleich geantwortet, daß es doch noch bequemer ist, der Mod, von 1848 zu folgen, al» sich unbeauemen Dogmen anzuschließen, die einem mindesten» gleichgültig sind. Man hofft eben auf die Erfolge jenes ob«» citirte» religion-losen Pseudo-LiberaliSmuS. Wir glauben, daß vom wirklich religiösen Standpunkt die Frage gestellt werden muß: .Denn nicht Ehrist, warum nicht Jude?" Haben wir Dogmen, gegen welche die Wiffenschast auf. getreten ist? Giebt e« bei un» Gewissenszwang? Warum bleibt man nicht Jude im Herzen und in der That? Verlangt der wahre Liberalismus Aufopferung der Religion? Mit Nichten. Man sucht aber förmlich danach, sein Judenihum zu verstecken. Kaum ist die äußere Agitation vorüber, da ist vielen auch das Judeulhum eine unbequeme Erinnerung. Man sagt: .Ja unseren Bätern, denen war die Synagoge ihre Reffource, ihr ConversationSsaal, ihr Theater, ihre Zeuung — aber wir, wir haben da» Alle» nicht mehr nöthig. Nun, da kehren wir einmal den Spieß um und sagen: .Die Zeiten sind schlecht, wenn Euere Väter sich so praktisch einzurichten wußten und dabei da» geworden sind, war sie ivareu, so habt Ihr nicht nöthig, so eilig da« Entgegengesetzte zu thun" Um de« .Drucke»" willen wollen einige jüdische Journalisten wie Maulhner «och bei un» bleibe«. Da entgegnen wir stolz, daß die Frag« der Glaub«n»fr>iheit heut« doch für alle EuUurstaaten gelöst ist. Unsere Ausgaben sind aber völlig verfchirden von denen unserer im Druck: schmachtende» Bortahren. Heut« hätten die Herren die Pflicht, den» ethischen Gehalt unserer Religiou weithin in d»r Literatur zur Rnerkeunuitg zu verhelfen und ihm allenthalben eine würdige, ästhetisch« Gestalt zu geben. Statt deffen sind e» gerade diese .Aesthetiker", welche kleiner äußerer Bortheile (vermeintlicher Ehr») »egen, e» z. B. fertig bekommen Hab», die zur Verherrlichung und Jdealifirung de» Judenthum« geschrieben» Geschichten von Sacher-Masoch von sich abzuwetsen. Sacher» Masoch hat nn« verwundert davon erzählt, glücklicherweise fand sich der Verleger Hallberger mU .lieber Land und Meer" später. Wer .ander« hat de« großen Hanse« d» .Gott der Rache" al« Ideal de« Jndenthnm« fabricirt al» Mosenttzal, .unser" von Mosenthal? . Wann« hat Heinrich Landesmann, der einst für jüdische Kalender erhebend, P»st» geschaffen, sich als Hieronymn« Lorm gnrüchWag»? War»« find die jüdisch» Lttnaturvereine, di« jüdische» Jahrbücher «ingegaugen, ii Frankl'» poetische» Hau»b«ch ^Libanen" ohne Triebkraft vt 'einzelt ge» blieben? Well da« ^pidenthum" unserer Großstädte, welche ja di« geistige Produktion regeln, dä« Judenthu a ertödtet hat. Der jüdische verstand ist lebendig geblieben, d r» jüdische Herz und Gemüth verschrumpit unter falscher Erziel mng. E» ist bekannt, daß die größten Poffeudichter Berlin» R tchkommen hervorragender Rabbiner sind. Nun. mit dem Champagner» schäum der Berliner Poffe ist'» vorbei. Drüben will man Euch nicht und hüben oollt Ihr nicht. E« kommt der Tag, da Ihr zwischen zwei Feuern steht. Legt Euch noch einmal die Frage vor: .Wenn nicht Christ, warum nicht Jud«?" Gefällt Euch bei un» d e Fraktion A. nicht, so tretet zur Fraktion B.. und behagt Luch dies« nicht, so gründet L. — der Geist thul'r und al., Juden sind wir einig. Wir waren einig in der Abriehr, laßt un« auch einig sein in der Borkehr für die Zukunft. .Unsere Ebre steht uns höher als die Emanzipation", sag e Gabriel Rieffer. War der nicht liberal? Ihr ruft jetzt: vir haben politische Fehler gemacht. Fehler habt Ihr ge« acht, aber die Politik wird Euch nicht retten. Seht die P o l i t i k in Rußland! Sobald Ihr die Fahne der Humanität im Stiche laßt, sobald Euch 1000 getödtete, 1000 auSgewleseue Juden noch keine Zeichen der Zeit sind, welche Euch aufrufen und ausrütteln — so seid Ihr nicht mehr liberal, sondern pseudoliberal. Ihr werdet untergehen — das Judenthum kann nicht untergehen. Seine sittliche Kraft wirkt >iuch heute noch in Euch, wenn Ihr auch von Eurer angestammten Religion als .phantasielosen Gottesbegriff mit ihrem kahle» und kalten Wesen, mit ihren dürren Gesetzen" redet. Ihr schmeichelt damit Niemanoen sein Blut und die angeborene Hälfte der Erinnernng ab — da» hat >ie Bewegung gezeigt. Im heimischen Boden liegt Euere ureigene Kraft Die mitteleuropäische Kultur, die Mauthner ,Christenthum" nennt, ist un» Allen gemeinsam. Mit der kämpft das Judenthum keinen.Culturkamps". Laßt endliä die Zeitung«schablone in Ruhe! Ihr redet von kirchlicher Hierarchie im Jude.ithum und wißt ganz gut, daß nicht» sischneller herbeisührt, al» Euere Fahnenflucht. . War giebt es denn im Himmel und auf Erden, woran Ihr noch glaubt? Wir sprechen nicht von den seltenen Männern, welche im Reiche de» freien Gedanken« sich ihre LLelt gebaut — wir sprechen von unserer Jugend. Wir sprechen nicht von Denen, welchen ihrer Händ-> Arb nt wahrt Halter Gottesdienst, — wir sprechen von unserer gebildeten Jugend, «wiche denen folgt, die da leicht da» Ideal de» Judenthunt« zerstören und den Meisten doch nur ein Phantom bitten können. Statt des Brode» reichen sie den Et nn. Wer sich selbst befreit und von un« loSsagt — der sei siei. Wir sind nicht der Katholizi«muS. der heute in Literatur t nd Leben sich die Blüth« der Nachromantik schafft. Auf die Masse muß gewirkt werden — zum Segen. Unserer Jug nd fehlt zum Theil jede Spur von Begeisterung, und mehr al» alle Schulung ist die Begeisterung. Die Phantasie muf, herangezogen werden, die Literatur darf nicht an der Hanl jüdischer Literaten sott und fort do« Judenthunt karrikiren — sie muß e» id ea l is ire n. Roch Mancher wird wie der Jude der G. Eliot «inst sagen: .Ich sehne mich nach einem Enkel der ein echte» jüdische« Herz besitzt" Berichte und Lorrespondenze«. Dewtschlim». Magdeburg. Der Kaufmann S. zu A. war von dem dottig» Syuagagen-Vorstand« für da» Jahr 1881 mit 76 M. al« Beitrag zu den LultnSkosten der jüdisch» Etm .-tud« da-' selbst oeranlagl «ord». S.. welcher gegen die Höhe derselben reclawttt hatte, war mm Syuagagen-vörstande hier, dt abge» «tefen ward» «ud klagt« daher geg» den letzter» «dm hie»