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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 14-15. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 14-15.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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. — 108 . ♦ ♦ * Glaubensgenoffen in Rußland. Mir liegen di« diesmal besonder» in Westrußland verbreiteten Nngblätter vor, «eich« allen Zechen Tod ulch Berderbe» drnheA. Da» dies«: Flug» blätter zn bedeuten habe», weiß H fl«*» äus dem Vorjahre, wo Re de» „Pojromen" (Jubsnychen) immer vor. ausgingen, Tag und Stunde de» Ausbruch» genau verkündend, und da» Signal waren zu Raub, Mord und FrauenschLudung. Die Bestien haben gewuther — da» ^Benehmen der allrömischen Kohorten. ja der Skythen und Hunnen in den eroberten Ländern muß hiegegen al» human bezeichnt werden. Wen« verchierte Weibsbilder züchtige israelitische Frauen festhielten, damit die Ungeheuer von Männer fi« schänden konnten, wenn an dreihundert jüdisch« Frauen den Schändungsgräuel erdulden mußten — ich spreche nicht aus, was ich nicht vor Sott und meinem Gewiffr» verantworte» kann — so hat die Weltgeschichte ähnliche Unlhatea wohl kaum zu verzeichnen. An Euch ihr civilisirten Menschen, ihr hochherzigen Regierungen, ihr erhabenen gotteingesetzten Monarchen ergeht mein Ruf: Sprechet «in eindringliche» Wort, protestirt und iuterveniret, damit da» herrliche Erlösungsfest nicht durch die geplanten Gräuel entweihet werde, damit solche Gräuel überhaupt sich nicht widerholen. Roch klebt da« Blut der unschuldig Gemordeten an Schwelle und Pfosten der jüdischen Häuter in Rußland. Darum sorget, daß da« Dort der heil. Schrift, welche» sich auf die Einsetzung de« Pasiah bezieht (2. Mos. 12, 23), Bestätigung find«: „Denn der Herr wird umhergehen . . . Und wenn er das Blut sehen wird an der Ueberschwelle und den zwei Pfosten, wird er vor der Thüre übergehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lasten, zu plagen." Möge es von diesem Hülferus heißen, wie von dem unserer Vorfahren in Aegypten: „Ihr Hülferus stieg auf zu Gott ... und Er nahm sich ihrer an." Und so oft man aufstand, in jeglichem Zeitalter, uns zu vernichten — rrapn »oto „da rettet« un« Gott au» der Peiniger Hände!" Aber auch bei uns selbst gilt et noch viel zu schaffen. Es ist jetzt gerade eia Jahr her, daß die ersten Anschläge unserer Gegner deutlich in größerem Maßstabe an« Licht traten, daß namentlich eine Reih« feindlich gesinnter Preßunternehmungen größeren Styl« neu ins Werk gesetzt wurden. Al« wir auch unsererseits zur befleren Unterstützung unserer Preff« aufriesen und auf die Anfänge der Gegner hinwiesen, sagt« man un» damal» über diese Gegner, deren man spottete: „Ach, da» schläft Alle« wieder ein." Da berührt es uns denn heute eigenthümlich, wenn wir sehen, daß in jeder Sitzung de» preußische» Landtag» die Diener de« Abgeordnetenhauses auf den Bänken der Rechten eine Anzahl Exrmplare de» „Deutschen Tageblatt»" vertheilen. Halten wir damit zusammen, daß di« geleseuftr deutsch« Zeitung, da» vermeintlich dem Schutz« de« Judeuthum» dienend« „Berliner Tageblatt", jetzt mit der Frage de» Roscho au die deutsch« Juden heit herantritt: Wa« sollen Such dies« Feste „nach einer kindischen Astronomie" — so müffeu wir sagen, da» Peffachfest unserer »ahren inneren Besreinng ist noch lange nicht gekommen. Lasten »ir un« nicht dnrch Schönfärberei täuschen und nicht auf wunder und Zeichen hoffen, da» Be- - ' fr«iuug»werk st ein schwere» und harte», »ir selbst müsten Hand an die Sefferung unserer Zustände legen. Die erste Bedingung ist, daß mir unter un» eiÜigW>, daß wir e« chl>gM. nn» ve rstLUdiDen uchß dgjßr^wir nicht durch chßMigkeit Miseren Äitzner in die Hjjud« arbeite«, daß wir an» dem 'tt! H3 .aus de« Schmelzofen der Bedrückung" geläutert hervirgehen, und un» würdig zeigen der Freiheit, für die nnser Befreiungssest un« erzogen haben will. Dtzpe« auS der jüdischen «esellßchaft. u. Mott«: „Ich bin mir k«i»er Pietät f»t'« gubenthu» txvufct." <gr. SUuttMT. HtMt Ab-to-r l Zwischen rem Typus de« jüdischen Weisen, dem jüdischen Gelehrten und dem Zerrbild« des Judenthums, dem Schmock, steht mitten iine eine moderne Gestalt, der jüdische Journalist neuest,» Schlage». Nicht wie Berthold Auerbach im echten Jud nchume wurzelnd, nicht wie dieser Evele dem Natürlichen zu.-/wandt, sondern ein Rind de« Jndifferentismnt> und der Kultur der Großstadt hat dieser Typus keine wahre Heimat;, er ist heute in Wien, morgen in Berlin, er ist heute noch Rational-Jude und zeigt als freier Ran» das „Brod des ii'ends" seinen Rindern auf der Sederschüffel und morgen kokettirt er mit schwankenden Jnstintten der öffentlichen Meinung vom Tage und findet de» Peßach seiner Väter „tindisch." Da nähert er sich de« „Schmock", drapirt sich alt „neuer Ahasver" und spielt den Uriel Akosta oder gar den Spinoza am Redaktionspult nach berühmten Mustern, „gesext" Montag» zum „Berliner Tageblatt", Sonntag« zum „Deutschen Montagsblart". Sadbathsruhe existirt lange nicht mehr, — der Rest ist Excentricität. Da plaudert so ein „AhaSver" den:, au», wa« seine Senoffen thu« und denken — da« ist lehrreich und fordert unsere Beacht» g für den Anhang, eine Raltwafferkur für den „Abosver'. Fritz Mauthner »»tritt mit seinem neuen Roman nicht diejenigen, welch« d» Antisemitismus in ihrem Judenthume gestählt und gehoben hat, sonder« diejenigen. welche die Judensrage geärgert hat und die jetzt einen faulen Frieden ichließen wollen, er läßt sein Tvchterchen taufen, schreibt ein, » Tendenzroman, und „erwartet den Erfolg." Der „neun Ahasver" tritt gegen eine mit falschen Phi» losopdemen »st von ihm konstruirte „orientalische Enklave in Deutschland" ruf. Mauthn» »hält darum b»eits vom „Deutschen Tageblatte" folgenden Daukeslohn: „Es versteht sich von selbst, daß wir Christen für eine gemeinschaftliche Feilseier danke:, uiüffen, bei der die Festfreude de» einen Theils sich doch: höchstens auf eine Landpartie oder einen freigeistigen Rinde, - oder Schweinebraten bezöge." Da« ist ft «sch für beide Theile, am meisten eb» für die Stellung I,e« neuen irrenden Ritters „Don Quixote d'Ahasver." vielleicht iehandelt noch Herr Mauchner de« „Stoff" selbst zum näch en Purim. Uns aber stimmt sie ernst, diese Tragikomödie, in der da« „gebildete" Judenthum indifferenten Schlagt» eine eigenthümliche Rolle spielt. Man erw« tet die Fluth de» allgemeinen „Lib»ali»«us" (eine Phantasie dt« unt» neuem und neuestem Regime wohl eine Weile in F rankreich, ab» nie diesseits der Wacht am Rhein realisirbor ist) und behält sein Zudenthum nur noch provisorisch. E» gehött um Dogma de»Pseudo-Lib»alt«mu»: „Christenchum und Z identhum müflen unt»gehen." Man könnte ebensogul sagen: di« Eisenbahnen werden dnrch Luftschifffahtt ersetzt «»den, lii« Frag« ist nur wann? Also ruhig Blut. Jmm» »ehr f, tzt stch für die Lharatter« unt« den jüdischen JonrialOen dt« Situation auf ein „Sutwed»—Od»' zu. In diese chriftte itfirend« Tendenz find auch di« nenesten Pro-

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