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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 101 — welchen sie einen «und geflochten, in Verbindung flehen, — unser« Shaffidim — waren nie religtö« wahnsinnig, obgleich st« zuweilen wirklich von einem Irrwahne befangen waren. Zum größten Lheile waren dies« Adepten der Mantik entweder Spekulanten, betrügend« Betrüger, oder betrogene Betrüger. Der größt« Theil der heutigen Juden ist nicht so religiö«, um wahnsinnig zu werden. Folgender Vorfall einer religiüfen Melancholie ist zu interessant, al« daß er nicht mitgelheiit werden sollte. Hier hatte ein jüdischer Genid'armr« die Hand an sein Leben gelegt, und den versuch gemacht, durch einen Schuß in de» Hals ft nem Dasein ein Ende zu machen. Aber die wunderbare Vorsehung wachte über ihn, er blieb leben, und wurde. Dank der ärzilichen Hilfe, gerettet Run schreibt da« österreichische Gesetz vor, daß ein Seelsorger zu einem solchen der Verzweiflung Entronnenen gerusen werde, der ihm den Balsam de« religiösen Tröste« bringe, und mit dieser Mission wurde der Herr Rabbiner Oe. Duschak betraut. Derselbe fand einen kräftigen jungen Mann, an besten Halse die selbstmörderische Thal noch deutlich zu bemerken war. Ra 1, langer intimer Besprechung zeigte sich, daß bei diesem Manne eine tiefe religiöse Hypochondrie im Spiele war. Dieser Mann genoß eine religiöse Eiziehung, wurde aber al« Gen-d'arinein ein galizische« Rest stalionirt, wo ihm sein ganze« religiöse« Leben verleidet wurde. »Ich hatte, so sprach der Mann, sehr oft da« lebendige Bedürsniß gesuhlt, mit einem GlaubenSgcnoffen z« verkehren, konnte aber in diesem Ortr meinen Wunsch nicht erfülle», io.il mich die dortigen jüdisch n, Glaubensgenossen mehr znrückschrecklen als anzogen; ein fromm«« Gebet bei ihrer Gebetoersammlung zu verrichten, ist unmöglich, selbst an deni Versöhnnngstage mußte ich ihre AndachlSställe in welcher ich mich mit Gott versöhnen wollte, wieder verlosten. Traurige Familienoerhältniste hatten überdies mein Gemüth verdüstert, und so suchte ich den einzigen Trost — im Tode". Rußland. Petersburg. Die Vertreibung der Juden au« den kleinen Städten war al« Administralivinaßregel dem Ministerrath« vorgelegt worden. Ob dieser oder erst der Zar die Zustimmung verweigert hat, ist fraglich. Die Judenkomiuission, welche entgegen de« Minister« Ignatiew Zusagen, noch keinen Juden gehört hat (auch l)r. Mandelstan m nicht), schlägt ferner da« Schließen der beiden sogenod-ten Rabbinerschulen Sitomir und Wilna, sowie aller besonderen jüd. Schulen vor. Dagegen sollen die Juden ihre Kinder in die öffentliche», allgemeinen Schulen schicken dürfen. Peter«burg, 23. März. Die hiesigen Äpothekenb-sitzer jüdischer Eonfession, vierzehn Herren, wurdet» gestern laut dem „PeterSb. Herold" aus da« Stadlphysikat gerufen und ihnen ein Erlaß de« Minister» de« Innern vorgelese», laut welchem sie binnen Jahresfrist ihre Apotheken an Richtjuden zu verkaufen haben. Der Erlaß stützt sich auf den alten Gesetzesparagraphen, wonach e« den jüdischen Provisoren wohl gestattet ist, hier zu wohnen, nicht aber in ihrenl Specialsach Handel zu treiben. Alle vierzehn Betroffenen besitzen de» Provisor-Grad. Außerdem befahl der Erlaß denjenigen hiesigen jüdischen Provisoren, welche nur Apotheken ve»walten, mit dem gestrigen Tage dies« Verwaltung niederzulegen. — Wie gegen die Juden intriguirt und agitirt wird, erhellt au« dem Jahresberichte, den ein Bezirkehauptmann (irren wir nicht von Suwalk) an den Gouverneur abgeschickt hat. In der Rubrik: Sittlichkeit heißt e«: »Der sittliche Zustand aller Bewohner ist ein erfreulicher, auch bei den niedrigsten Bolkrklcffen traten keine großen Verbrechen hervor. Diebstähle, Betrug»- und Mordthaten, sowie Zolldefraudativnen wurden nurvonJuden begangen. Der Bezirk-Hauptmann wußte natürlich nicht« davon, auch der Unterdeainte hatte angeblich nur da» von einem andern Beamten verfertigte Schriftstück unterschrieben — und so wird ossicielle Lüge geschaffen. — Au» M o «k a u sind 500, die keine AusenthaltSberechtigung hatten, bei Rächt in den Judenhäusern ausgespürt und au« der Stadt gewiesen worden. Auch au« Luga (Peter«burg«r Bezirk) treibt der Stadthauptmann die Juden an«, darunter Handwerker, di« seit 30 Jahren dort wohnen. Die jüd. Apotheker «erden nicht gezwungen, ihre Apotheken zu verkaufen, aber sie dürfen keine mehr ankaufen. Auch die Provisoren dürfen nicht neue Stellung annehmen. Die christl Eoncurrenz sinnt an allen Orten und in allen Zweigen auf Mittel, die unb.quemen Juden loszuwerden. Besonder« in den kleinen Siädten wird j-tzt -- die Bestellung ist deutlich — der Judenhaß erregt. Für Polen sind der Graf Zamoy-ki und Herr Oftrowsky nach Petersburg in Sachen der Juden berufen worden. Wie der Polen Stimmung ist da« lehrt ein wuchtiger Artikel Kraschew-ky's im „Ätofg", in welcher Judenhetze al« .deutscher Import" behandelt wird. Amerika. New-Uork. von hier habe ich Ihnen heute zunächst ein freudige« Ereigniß, ein Zeitungsjudiläum und zwar da« der .Jewish Meffenger" zu melden. Am 7. Januar d. I. waren e« 25 Jahre, daß diese« jüdische Journal zum erste.» Male erschien. Unsere Zeit scheint fast eine Jubiläumszeit zu sein, viele Gelehrte. Dichter, Künstler sind so wieder ncngeseiert »vorden. Wenige haben aber wohl mit so viele» Schwierigkeiten al« eine »üdlsche Zeilung zu kämpfen B.denkl man »och, daß d«r.Meffenger" eine konservative Richtung vertreten hat, und das in Amerika — und unter Verhältnissen, die den Kainps viel schwerer machen als irgendwo ander«, so ist ein solche« Jubiläum mehrsagend als die dankbare Erinnerung a» da« große Werk eines groben Manne«, da« nur noch in G.l hrtenkreisen seine Würdigung erfährt. Ein solches Jubiläum zeig», daß der conservative Geist sowohl Redactio« al« Leser unerschütterlich geführt hat; soinit wird e» ein historische« Denkinal und einZeugniß 25jährigen gemeinsamen Strebe»«. Wie anerk-»ne»swerth dasselbe gewesen sein muß, kann auch der Fernstehende au« den vielen sympathischen Kundgebungen aus den» Kreise jüdischer Gelehrten Laie.», Zeitungen und christlicher Geistlosen und kirchlicher Zeitungen entnehmen. Das Andenken de« Rev. M. S. Iiaac« de« sel. Begründer« de« .Meffenger" ist ein gesegnetes und mancher Lorbeer wird von treuen Verehrern um da« Bild de« inuthigen, milden, treuen und festen GolleSkämpserS gewunsen. Sehen wir. wie ein Felix Adl er mit seinem Knlturuerei», die Auffassung eine« persönlichen Gottes delänipft, daß ein GotleSbegriff nur übrig bleibt, der nicht mehr der des mosaischen Judenthnm« iit, wie ein Wise in Eincinnati die Idee de« Meffia« docirt, daß er z» der paradoxen Behauptung kommt, bi» zu R. Akib« hätte d>e soserische. auch ch»n»sche Zeit gar keine Gedanken eine« persönlichen, Davibischen M.ff'agehabt. sehen wir, wie di« Sadbalhverletzung zu einer Gewohnheit geworden ist, wie die man zur Zeit de« ersten Tempel«, »vie das Predigen der Rab'oinen in Kirchen, »mnche Reformer der Liturgie die klare und scharfe Ausprägung de« Judenthum« verwischt haben, da müffen wir gestehen, ist da« 25jährige Bestehen de« Meffenger in Amerika eine Gewähr mehr dafür, daß die ries religiöse Auffaffung Gottes, die unerschütterliche Hoffnung in d>e Mission und Zukunst Israel« al« einer Gemeinschaft, die klare Erkenntniß de« jüdischen Gedanken« in Anierika nicht erlöschen und zu Grunde gehen werde. Darum gratuliren wir dem .Meffenger" von ganzem Herzen und wünschen, daß er fernerein „Gutes verkündender Bote" sei. Sermischte und neueste Nachrichtei. Beriitl. Die Herren Mocatta, Ellinger, Kristeller, Lachmann, Makower und Meyer, Justizrath May und Lurje (Hamburg) haben beschlossen, daß alle Sammelstellen für die ruff. ÄlaubenSbrüder zu einem Ee »tralkomuö zufammrntreten; diese« ernennt (besoldete und Ehrenämter) Grenzkommiffionäre, welche di« au» Rußland SuSisandernden

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