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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ttnb nhr gar rückflchtllch b«t Israeliten Suropa'l würde der gewagt« versuch einer Eolontsation in Palästina ein« ander« -«fahr haben, nämlich di«, die öffentlich« Meinung über de« Ursprung und den Zweck der vewagung zu täusche«. Unser« Feind« würden nicht verfehlen, st« nicht der traurigen Rothwendigkett. einem tzeimathlande zu entfliehe«, zuzuschret« de«, sondern de« Hang der Semite« kür'ö heilige Land; weit entfernt, die Bewegung »u hindern, würde man ste noch beschleunigen, und wir würden bald eine Katastrophe erleben, wie «an seit SV Jahrhunderten keine ähnlich» erlebt hat. Berichte und Correspondenzeu. Deutschland. Berlin, SO. März. Der .geschäft-führende Borsitzende de« Deutsch-J»r. Gemeindebunde«,' Herr Geh. Eanität«ralh ve. Kristeiler, versendet folgenden Bericht nebst den revi» dirten Statuten an die Bunde-gemeinden und die Herren Delegirten: .Hierdurch zeigen wir Ihnen ergebenst an, daß auf dem Semeindetage vom 21. und 22. v M. 73 Gemeinden durch Delegirte vertreten waren, eine Zahl, die un« »inen erfreulichen Beweis für die rege Theilnahme an unseren Angelegenheiten gegeben hat. Die Verhandlungen und Beschlüffe de« Gemeindetage« werden Ihnen in eingehendem Berichte in dem IO. Hefte der Mittheilungrn zugehen. Für heute wollen wir zu Ihrer Kenntniß bringen, daß in vier auseinaoersoigenden Sitzungen, denen auch angesehene Mitglieder der Berliner Gemeind« al» Gäste beiwohnten, die Verhandlungen mit Eifer und Würde gepflogen worden sind, und daß zur großen Genugthuung aller Theilnehmer, so verschieden auch-deren religiöse Richtungen waren, schließlich eine nach allen Seiten hin befriedigende Vereinbarung betreffs der Aufgaben der Bundes und der Mittel, diese zu lösen, erreicht worden ist. Der Sitz de» GemeindebunoeS ist nun Berlin. Gebe Gott, daß enlsprechend bei» größeren Vororte nun auch die Ausbreitung unsere« Verein» und demgemäß sein segensreiches Wirken wachse Beifolgende« Statut ist aus dem Gemeindetagt nach sorgfältiger Durchberathung schließlich einstimmig angenommen worden. (Wa« da» ruffische Hilf-merk anbetrifft, so haben wir darüber bereit« berichtet und die Rejolution mitgetheilt. R.) Der Ausschuß ist unter Cooptation de» Herrn Recht«» anwalt l>r. Moßner, Geh. Sanität«rath l)r. Kri steiler, RechtsanwaltH. Stern und neuerdings des Bankier Julius Schüler bi« zum nächsten ordentlichen Gemeindetage wieder. gewählt worden. Bei der Constrtuirung des Ausschuffe« wurden die Herren Kristelle r-iterlin, R a ch o d-Leipzig und Proseffor Lazaru« Berlin zu Vorsitzenden ernannt, unter denen der Erstgenannt« al« geschäftSführendcr Vorsitz» nd> r iungiren wird. Bereit« ist die Arbeit begonnen. Die Erledigung der in Leipzig eingeleitetc» Geschäfte, die Redaktion der Mitth ilungen über die aus dem Gemeindetage gepflogenen Verhandlungen und eine Reihe von Vorarbeiten für Reuorganisation, Ausbreitung des Bundes, Regelung der Handwerksfrage, sowie Begründung des RtligionSunlerrichtoereinS sind im Gange und werden noch lange untere große Ausmerksamkeit und die Mithilfe unserer BundeSgemernden in Anspruch nehmen. Korrespondenzen in Sache» beS Bundes wollen Sie an den Unterzeichneten Herrn vr. Samuel Kristeller, etwa restirende Beiträge an Herrn Jul. Schüler (Firma Schüler et Eo.) Berlin W., Unter den Linden 6, einschicke», dagegen bitten wir Sie, die Antworten aus die statistischen Fragebogen an Herrn I. Nachod-Leipzig zu senden, welcher zu unser Aller Freude dem Buiide seinen unermüdlichen Eifer nach wie vor widmen wird." Berlin. In einem hiesigen Kriegerverein niachte am Freitag ein Mitglied die Miltheilung, daß Seiten« der hiesigen Kreiöersatz-Kommtfflon dt« -estellungs-Ordre an die jüdischen HeereSpfitchtiaen sich von den Ordre« an Inderögläubtg« dadurch unterscheid«, daß den Erster«» auf der Adresse ble ve- »e.chnnug mosaisch deiaesetzt wird. Zum Beweise überreichte da« Mitglied «in« solch« durch »te Post befördert« Gestellungs- Ordre. welch« in der Thar folgende Adreff« trug: »In den mosaischen Buchhalter B., Trotze Frankfurter Straße". Sine Anzahl Krieger sind nun zusammengetteten, um hüherrn Orts Beschwerde zu führen. Lin« derartige Adreffirung ist von der Ministeriai-Jnstanz bereit» vor bald 40 Jahren ausdrücklich verboten worden so sagt ein Rescripl de« damaligen Justiz Minister« Mühler ck d. l. Oktober 1836 unter andern»: .So wenig nun et sich einsallen lassen kann, an den Ehristen R. R. zn schreiben, ebensowenig werde ich e« gutheißen. sich jener Adresse an den Juden zu bedienen." In einem, zunächst an die R-aierung in Breslau am 13. Oktober 1836 gerichteten Eircular-Rrscrtpt de« Minister» de» Innern heißt e«: .Der dortige jüdische Kaufmann N. hat sich darüber beschwert, daß er aus der Adresse de« Bescheide« mit Jude bezeichnet worden ist. Ich muß voraussetzen, daß diese Bezeichnung de« Kaufmann« R. aus der Adresse der Verfügung lediglich aus einem, bei der Revision nicht txmerkten Versehen ver Expedition oder ans einem willkürlichen Zusätze der Kanzlei beruht, da e« durchaus nicht gebräuchlich ist, auf den Adressen die Religion, oder auch die Nation zu bezeichnen, welcher derjenige, an welchen eine Zuschrift gerichtet ist, angehört. Die königl. Regierung möge daher ihre BüreauS anweifen, künftig dergleichen Unschicklichkeit zu vermeiden." (DaS war vor 46 Jahren! Man sieht auch daraus, welch«'Rückschritte wir in lctzer Zeit gemacht.) Liegnitz, lü. März. Hier wurde heute ein Preßprozeß gegen den Redakteur der antisemitischen .Patriotischen Zeit." wegen Aufnahme zweier gegen die israelitischen Mitbürger aufreizenden Gedichte vor der Strafkammer de« Landgericht« verhandeit, der wegen de« von der Staatsanwaltschaft beantragten niedrigen Strafmaßes (20 Mark für die Einsender, 30 Mark für den Redacteur) demerkenswerth erscheint, um so mehr, da Staatsanwalt Hossmann erst kürzlich wegen Beleidigung de« Minister« Maybach und wegen BiSinarckbeleidigung, sowie in einem Prozesse gegen den Redacteur de« .Lieg». Anzeiger" wegen Beleidigung des konservativen Eandidalen de» Liegnitzer neuen WahlvereinS regelmäßig Geld» strasen von l<>00 Mark beantragt hatte. Die beiden Gedichte — .Am grünen Strand der Spree" und .Deutschlands Untergang" betitelt — waren dem angeklagten Redakteur der antifemitischen .Patriotischen Zeitung" von auswärts zur Veröffentlichung übersandt worden, und al« Theilnehmer an dem in Frage kommende» Vergehen waren denn auch die Einsender der Gedichte, Kaniman» Wolter au« Pyritz und cin Herr Ther-Katz au» Rothe-Erde, mitangeklagt. Diese beide» Mitangeklagten waren nicht erschienen, ti wurden aber ihre Aussagen bei der angeordneten Vernehmung an hrimathlicher GerichtSstelle, desgleichen auch vie b treffenden beide» Gedichte verlesen. Dre Staatsanwaltschaft hielt die Anklage wegen Verletzung de» 8 130 au> recht, darauf hinweisend, daß in den beiden Gedichten allerdings eine direct« Aufforderung zu Gewaltthätigleiten gegen die Israeliten nicht zu lesen sei, daß aber der ganze Inhalt sich offenbar knrz zusammenfassen lasse in vie Aufforderung: „Hinaus mit de» Jude».'", daß diese Art der Gerichte wohl geeignet sei, in Verbindung mit anderen Umstände» zu Gewaltthätigkeiten zu verleite», und daß die Veröffentlichung der Gedichte als strafbar anzusehe» sei. Der Gerichtshof berielh hieraus längere Zeit und erkannte schließlich dahin: In dem Gedicht „Deutschlands Untergang" sei licht eine Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten gegen die J-neliten zu fanden, sonder» nur eine Aufforderung zu kinem nachdrücklichen Vorgehen aus gesetzmäßigem Wege, dämm müsse in Betreff dieses Gedichts die Freisprechung erfolgen. — Da- Gedicht „Am grünen Strand der Spree" dagegen enthalte

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