Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 98 — 6) Entwerfung ein« Stundenpläne« für künftige Religion«- lehrer. 6) In dem Befchlnß dessen, «a« zur Kkrchnrzucht nSkhig ist u. f. w. Der Religionsunterricht und dl« Arg« iür Religion»- lehrer büdet demnach den Kernpunkt de« badischen Oberrathe«. Und hier sind wir bei dem Punkte angelangt, der eigentlich di» Veranlassung ,u diesem Artikel gewesen ist. Da« ReligionSlebrer- und Rellglon«schuln>esen liegt in Preußen sehr im Argen und nur eine Behörde kann da Helsen. Wir wollen eine Behörde, die vom Staate eingesetzt ist, di« ln fortwährendem Rapport mit den staatliche» Behörden steht, die in Folge ihre« staatlichen Eharakter« mit Nachdruck ihre Anordnungen durchsetzen und sich zu jeder Zeit auf ihre Ernennung von der Regierung b rufen kann. Wie soll aber diese Behörde zusammengesetzt sein? Auch diese Frage dürfte nicht allzuschwer zu lösen sein. Au; den beiden Ministerien de« Lultu« und de« Innern ernenne sie Regierung zwei Ministerialsekretäre zu Vorsitzenden de« jüdischen Oberrath». Dem Eommiffär, der au« dem Eulturmin,sterium affortirt, werde ein theologisch gebildeter, ordinirter Rabbiner, dem Eommiffär au« dem Ministerium de« Innern ein allgemein gebildeter, namentlich aber mit dem praktischen Leben der Israeliten vertrauter Jude al» Sachverständiger beigegeben, die sowohl die rituellen und cultuellen al» auch die socialen und CultuS-Steuer Verhältnisse der jüdischen Gemeinden regeln. Neben diesen besoldeten und lebenslänglich von der Regierung cngestellten Beamten werde eine Anzahl unbesoldeter Mitglieder, theil« Rabbiner, theil« Laien ernannt, die zusammen den Oberrath bilden. Letztere auf di« Dauer gen 3 oder 0 Jahren zur Hälfte ans Vorschlag de» Ecsammtoberrath« von der Regierung ernannt, zur Hälft« von den Gemeinden gewählt. Die von der israelitischen Hauptgemeind« Berlin angestellten Rabbinen und Rabbiuattaffessoren wären eo:p»o Mitglieder de« Oberrath«. Jede der 8 altpreußischen Provinzen wählt i Mitglied in den Oberrath, die Provinzen Posen und Schlesien al» die am meisten mit Jude« bevölkerten vielleicht je S, die i«raelitifche Gemeinde Berlin b Mitglieder. Di« lausenden Geschäfte besorgen die Ministertalkommissäre mit den beigegebenen Fachmännern und unterbreiten die eingrgangenen Anträge dem Gesnmmtoberrathe, der allwüch-utlich zur desinitiven Beschlußfassung zusammentritt. Selbstverständlich nehmen an den wöchentlichen Sitzungen nur die in Berlin wohnhaften Mitglieder de« Oberrath« theil, die auswärtigen werden nur zu außergewöhnlichen Beschlüssen einberufen und wo nöthig schrift- > lich ihre Gutachten eingefordert. Lorläusig begnügen wir u>.», in ganz allgemeinen Umrissen den Plan einer jüdischen Centralbehörd« in Preußen gezeichnet zu haben und warten da» Urtheil Anderer ab. bevor wir auf die näheren Detail» eingeben. Mögen diese Zellen nicht Wirkung«!»« geschrieben sein, sondern so Manchen zum ernsten Nachdenken über die Verwirklichung der Sach« anregen. Schmieheim (Baden), im März 1882. Dr. R. Ranicz, Bezirksrabbiner. Ast die kölonifatto« fktlAftina’l durch ntff. und r »m. Anden jetzt ^vMüfißNrOwerth 7 > Diese wichtig«, Frage bat Len foaät» R d»tr nichti zu wMqen chbrtg laffknd« Wrheit Retter mit ■ i . „ und Sachverständigk, t beänkwortet. Er meint sehr "richtig: Bevor man sich darüber ausspricht, muß man geprüft haben, wel>>e« dar Schicksal der Kolonien gewesen ist, welch« in dem La, m während der letzten I ihr« »ersucht worden sind. Die erste Kolonie ist vor 1ü Jahren von den Amerikanern an <n Thoren Jaffa'« gegrünoet worden. In weniger al« 18 Monaten mußte der Generalconsul der Vereinigten Staate,:, welcher in Alexandrien residirte, die Trümmer derselben mch Amerika zurückd-sürdern. Die zweite ist vor 12 Jahren von den Württembergern gegründet worden, theil« im Norden Jaffa«, theil« in der Umgege id von kaiffa Nachdem die Glieder der beiden Gemeinden die au» ihrem Land« mitgebrachten HülfSmittel erschöpft haben, verbringen sie ein unsichere» Dasein, nur vermittcl» -er Hülfe, wclche ihnen au» Deutschland und Amerika zus oß. Die dritte ist von den Israeliten Ungarn» vor 2 Jahren an zwei Plätzen Jaffa'» gegründet worden, sie ist nach Vertander rrsten Saison eingegangen. Die Uisachen de» Nichtgelingen» dieser Unternehmungen sind grweser: I. Die geringe Qualität der in den gesunden Gegenden erworbene» Besitzungen. I I. Die Ungesundheit der guten Besitzungen. Alle guten Besitzungen in der gesunden Gegend sind von den Arabern besetzt, welche man nicht au» deren Besitz treiben kann. Hl. T ie Schwierigkeit für Leute au» dem Norden unter einer glühen irn Sonne zu arbeiten. I V. I x Concurrenz der Araber, welche, da sie kein« Bevürfniffe haben. zu Preisen, welche den Europäern nicht lohnen, prot acieren. V. D r Mangel de» Schutze» gegen di« Einfälle der Araber. Außer diesen mißlungene» Unternehmungen kommen für unsere (Rau en»gc„offen »och hinzu: VI. 2 ie mangelnde Gerechtigkeit bei Streitigkeiten u. dergl. VII. l^ie religiösen Vorschriften, den Landbau in Palästina betreff md: Zchaien und Schmitta; ehemal» vertr.fflich, aber im geg> nwärrigcn Zustand nachtheilig. VIII. Die Thatsache, daß keiner von ihnen Ackerbauer ist. und wenn er c» ist, dann ein au» Kaufmann oder Künstler gewordener i > einem sehr verschiedenen Klima. IX. 2:ie Lage der Emigranle», welch« ihnen den Erwerb von Besitzungen, die Brunnenabgaben, die Bauten, den Einkauf der laudwinhschaftlichen Geräthe, de» Biehe», der Samen und den Unterhalt ohne Ertrag während der 2 ersten Jahre der Einrichtung schwierig machte. Eine israelitische Kolon e würde sich außerdem mit einem Gebethau» zu versorgen haben, mit «iuer Schule, mit einem Bad, einer Apotheke und mit den zu diesen Anstalten nüthigen Personen. Verspricht die Kolonisation in Amerika mehr Erfolg? Von allen für Palästina bezeichneten Schwierigkeiten bleiben da nur zwei. Diejenige der Unzulänglichkeit der Kapitalien und der Ungischicklichkeit der Kolonisten. Wenn man für die erste gesorgt!,ätte, so würde die zweite zwar noch vorhanden sein, aber mi besonder» verringerten Schwierigkeiten. In der Lhat im Falle de« möglichen, wenn nicht wahrscheinlichen Fchlschlage», würden die unglücklichen Kolonist n Palästina'» z, rückgeführt sein, um di« Zahl der Theilnehmer an der Ehalula zu verstärken und da» schon so große Unglück unter den Israeliten de» Lande« zu vermehre«, während | sie in den Vereinigten Staaten so'ort ein« ihrem Verstand« > angemessene Thätigkeit finden, woran ti in diese« Lande de» | Menschen, welche einen guten Willen haben, niemals fehlt.