Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 12.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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nier durch den Prunk bei bcn Begräbniffen den Todtenkultu« in da« Judenthum einzusühren bestrebt sind, in da« Judenthum. welches eine Religion de« Leben» ist und nicht de« Tode«, da« vielmehr alle« Todte für völlig unrein und verunreinigend betrachtet. (£» hat sich nämlich, namentlich in unserer Residenz der Uebelstand au«gebild»t. daß jeder nur einigermaßen bemittelte Jude bei Leichenbestattungen einen unerhörten und. wie gesag', mit den Grundtendenzen des Judenthum« völlig widersprechenden LuxuS entfaltet. Diesen unseren Glaubensgenossen wird da- Grab nach und nach da» Gotteshau-, der Scrg die heilige Bundeslade werden. „Wir werden e« bald so weit bringen, Todienbilder und Todtenknochen zu verehren!" ries Jellinek im heiligen Zorne der Begeisterung auS. Haben es denn unsere Glaubensgenossen dessen nicht genug, daß sie während de« Leben« mit dem Judenihume brechen, müssen sie auch »och beim lode gewaltsam jedes Band mit dem alten jüdischen Glauben und dessen Satzungen zerreißen? Hier an der Psorte zum ewigen Leben?! Mögen doch unsere Glaubensgenossen, die bei den Begräbnissen ihrer Verwandten jenem Luxus fiöhnen, auf Berthold Auerbach Hinsehen. Er, der weltberühmte Dichter, der Stolz des deutschen Bolkr«, der Liebling von Königen und Fürsten, verordnete ausdrücklich nach dem einfachen, echt jüd. Ceremoniell begraden werden zu wollen!" Möge» diese Worte, soweit sie zu dringen vermögen, da« Ihrige dazu beitragen, jene dem Judeuthnm neu ausgebürdete Schmach von ih»l abzuwälzen! Holland. Amsterdam. In dem „Bericht über den Zustand d-r niederländische» israelitischen < hochdeutsche») Äe>ne>nde zu Ainstrrdam vom l. Oktober 1880 bi« 30. September 18« 1, herauSgtgeben von der Kirchenverwaltung", leien wir: „Dl« verschiedenen Quellen der Einkünfte lieferten lolgenve» Resultat: Miethe der Sitzplätze in de» verschiedenen Synagogeit F. 0530,00, Anthcil der Genreinde an der Ftenchgalle F. 41 2e.7,22, Miethe der Fleischhalle F. 2025, Pacht der Grauen- Bäder F. 1713, Jminatrikultren F. 0181,12'/,. Trauung«- gebühren F. 5302,1!), Mizwoth F. 2002,03'/,, für Niiicheberach if. »>130,50, Jiscor-Äebet an Jayrzelte» F. 515,03, Tran«portirung der Leichen F. 3174, Begräbalßgebühren F. 1711,50, bestellte Gräber F. 572,50, Särge und Monumente F. 3302,50, Todtenkisten F. 24l3.!>7, Miethe der der Gemeind« angehörenden Häuler F 7320,00. von Ländereien F 3041,07, Rente von Legaten u. s. m. F. 1"28,37, Geschenke für Anzünden der Kerze», für Erhaltung der Gräber und Verrichtung von Gevete» für Verstorbene an best„nnrte» Zeiten F. 2040, allgemeine kirchliche Beiträge ,v 58 400,34; Totalbetrag F. 102 271,58. — Dagegen Ausgaben: c-eaint«»- gehälter F. 40 470 33, Kosten jür die Kirchen (jüö.) ,f. 5303,42'/,, Erhaltung der Gebäude F. 8204,70, an Begräbmssen und Friedhöfen F. 5855,72. Bureauunt» Abministralionekosten F. 2843,30'/,, Pensionen F. 4120.72, Gralificalioneu und Subsidlen F 1000, für Relig>on«nnterricht F. 23 450, Armenversorgung 27 045,05, perpetuelle Ausgaben F 7022,02'/,, unerwartete Ausgaben F. 1385,48'/,, ärztliche Behandlung von (mittellosen) Augenkranken F. 1815,02, an Diversen F. 102,88; Totalbetrag F. 152 183,38'/,. Ferner wirb in diesem Bericht gemeldet, daß die i-rael. Armrnverwattung ein Darlehn im Betrage von F. 250 000 ausgenommen hat BehuiS Erbauung eine« neuen Hospital«; daß die Kirchenverwaltung ermächtigt wurde, ein HauS Behufs Erweiterung und Vergrößerung der Zwischen-, Bürger- und RrligionSschule zu taufen. Vom 1. Oktober 1680 bi«-30. September 1861 wurden 249 Paar religiös getraut, wovon 232 innerhalb der Gemeinde und 17 vom Reffort Rordholland waren, und hat eine Ehescheidung stattgeiunden. Aus den 3 Friedhöfen sind bestattet: 283 Erwachsene und 337 Kinder; außerdem viele Todtgeborene. Aramkreich. P«ri«. Eie werden sich erinnern, daß auf Antrag der Radikalen bei der jüngsten Volkszählung die Rubrik Religion fortgelaffen worden ist. Plötzlich weht ein anderer Wind und der Deputirte der Seine, Herr Palandier, legt eine» Gesetze«. Vorschlag vor, nach welchem alle 5 Jahre Erhebungen über die w i r k l i ch e n Anhänger der verschieden:» Religionen stattfinden sollen. Als Christen — Katholikei. sowohl als Protestanten — sollen die betrachtet werden, welch: Ostern feiern, als Juden, die Jomkippur halten, als Mohamedaner, die einen Tag de« großen Festes und als Freidenker, die den 14. Juli lTag dee Sturmes auf die Bastillei festlich begehen. Mit Recht ironisirl „Arch. isr." diese Bo.lage: Worin wird da« Feiern gesunden? Im Templbesuä, ober im Fasten? Oder in Beide,»? Und w,e, wenn man d.e Auskunft verwei gert? Der 14. Juli wird als nationaler Gedenkmg auch von religiös Gesinnte» mitgeseiert, Womit aber wird das Zeichen für diese Feier gegeben? Mit dc,n Anzünden von Lampions oder mit dem Abbrennen oon Feuerwerks.örper»? — Daß Alexander D u m a « von einem Maler aus Rache als „jüdischer Händler nur Bagdad" genialt worden ist. erhielt dadurch einen besonderen pikanten Beigeschmack, daß der Schwiegersohn von Dunia», Herr L'pmann, Jude ist txoit (lixiint) Dieser hat da« Bild mit dem Stocke zerrissen, wa« zu einem Prozeffc geführt hat. Bor 40 Jahre» hak «in Maler dem Herrn Fould dasselbe angethan. Doch dieser war klüger, und that, als ob er nicht« davon merke. — Herr Leon Philipp ist zum Dir, ctor der W afferbnuabtheilung im Ackerbauiiunisterium ernmnt worden. Die Akadcnue der Jaichrislen und schönen Känste hat da« correspondirende Mitglied, Herrn Henry Weil, zum wirklichen Mltgliede gewählt. Der Eomn»ff,on zur Organisation der Armee gehören 2 Israeliten an, die Herren- Brigavegeneral und Direktor des Geniecorps in Paris, Lev», uno der Arlillerieoberst, Chef de« Generalstabs der 7. Infanteriedivision, Samuel. Rutzlund. Moskau» 8 März Die vorgestrige Nummer de« „MoskowSkij Liftok" brachte folgende M,ttheilnng: „lieber Versagung de« Oberpolizeimeisters wurden 3 00 Juden aus Moskau aus ge wie sen. Dien'lben ourden am SchabbeS einge'ang.'n. Gebe Gott, es gelänge den Anstrengungen uuferer Polizei, die Hauptstadt Rußlands von de» in allen Siadttheilen verbreiteten Juden zu betreten" — Ich telegrapgirte Ihnen den Inhalt dieser Notiz, doch' »urkwürdigerwise ließ die Censur die Depesche nicht pafflren .... Liegt schon in der Siyltsirung dieier Notiz die ganze Gehäff>gkeit g gen den von allen Seiten a»gefeindeten VolkSstam>n, so muß e» noch viel me'nr Wunder erregen, daß die Ceniur eine solche Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen die Jude!» in MoSknu drucken läßt. Der „Moskowskij Liftok" hat in Moskau allein 8000 Abonnenten, w.lche sich au« dem Kleinaürgerthum und ander Hefe des Volke« recrutiren. Diese rohe Volksklaffe schwört zur Fahne Pastuchow'», des Redakteur« dieses Blatte«, welche» in Folge seiner Hetzaltikel gegen Deutsche und Juden in kaum einem Jahre die Auflage aller Moskauer Blätter überflügelt hat. Roch einige ähnliche Mittheilungen im „Liftok" und wir haben zu Ostern «ne Judenhetze in opiiiua forma. Daß Moskau bisher oon Judenverfolgui.geit durch den Mob verschont blieb, ist ausschließlich dem General-Gonoernur Fürsten Wladimir Andrejewitsch Dolgorukow zu verdanken. Allem, seiner edlen Gesinnung spottend, führt die Polizei und die TageSpreffe ä ln „Listok" den Krieg gegen die Juden. Von. den meisten Maßnahmen gegen di. Jude» we.ß Fürst Dolgoruckow nichts und die aufreizenden Artikel liest er kaum, da seine Zeit so vielseitig in Anspruch genommen wird. Unter den früheren Oberpolizeime,stern fanden Klagen gegen die Polizei ein willige« Ohr beim Fürsten Dolgoruckow; gegenwärtig fürchtet man. gegen Berfügungen des Polizeiches» an den General-Gouverneur zu appelliren, weil e» bekannt ist, daß der Polizeiches Generalmajor JankowSky eine porsoaa gratifwiina bei Jgnaliew ist.