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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 12. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 12.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 99 gesetz zugleich war, so müsse ir an zugeben, daß Mose« der größt« Staatsmann und Gesetzzeber aller Zeiten gewesen sei; eine Erscheinung, die durch di« Tharsache keineswegs genügend e> klärt werde, daß Moses in der Weisheit der Aegyp» ter unlirrichtet war. Diese« Gesetz und seine Annahme durch da» Volk erscheine al» Bund Jehovah» mit diesem. Möge eerfunden haben, wer da wolle, au» i-raeliti fchem Geiste, welchem e« vollständig wider Haar und Strich ging, könne da» Gesetz nicht hervorgegangen sein." — So wird selbst die Bibel ontisemitsch „deulsch-resormiit." Görlitz, 13. März. Bor dem hiesigen Schöffengericht kam heute eine Angelegenheit -um Austrage, welche in wetteren Kreisen Jnter-sse erregen dürfte. Al» im vorigen Mai die Wogen der antisemitischen Bewegung hochgingen, ging e» auch hier nicht ohne Reibereien ao. I» dem damals erst kurze Zeit eröffneten Sommertheater waren Bemerkungen seiten« de» Publikum» über das etwalaute Benehmen einiger Herr-n Offiziere gefallen, und diese Bemerkungen veranlaßten in der Nähe de« Büffet» einen Offizi« zu den Worten: „Na, dawär« noch besser, wenn die Inden darüber urtl»eilen wollten." Hierdurch fühlte sich ein jüdischer Handlungsreisender Isidor Earo aus Berlin beleidigt, und er machte deshalb am folgenden Tage in eine:» au da» Kommando de» hiesigen Jäger- Bataillon» gerichteten Briese den Herren Offizieren den Bor» wucs der Taktlosigkeit, da sie nicht berücksichtigt hätten, ob sich nicht andere Juden ebenkall» dadurch gekränkt fühlen könnten. Als dem Antragsteller aus diese- Schreiben, welche» auch die Androhung enthielt, die Angelegenheit dem General- Kommando unterbreiten zu wollen, oie Mitcheilung wurde daß nur dann gegen den Offizier selten» de» Kommandos de» Bataillons vorgegangen werden könne, wenn der Name desselben augegeben würde, schrieb Herr Caro unter dem 31. Mai von Danzig au», daß er glaube, der Herr Offizier habe röthliche» Haar und werde wohl Muth genug haben, sich selbst zu nennen. Darauf hin stellte da« Offizierkorp» de« Jäger-Bataillon- Strafantrag wegen Beleidigung, welcher Seiten» be» Staatsanwalt» ausgenommen wurde. Bon dem Schöffengericht wurde jedoch auf Freisprechung de» Angeklagten erkannt und in den Gründen hervorgehoben, daß sich da« Offizierkorpgar nicht in seiner Gesammiheit, sondern höchsten» der mit den Worten genieint« Offizier beleidigt fühle» konnte, derselbe scheine sich adir nicht geme det zu haben, wie au» dem Bescheide dt» Kommandeurheroorgehe. Der Beweis der Taktlosigkeit fei übrigen» »ür den einen Fall erbracht, und esteh« dem Offizierkorp» nicht zu, über eine Rel>gion». grnossenschaft, wie die Jude», sind, so abfällig zu urrheile». An« Wörttenderg 6. März (Or.-Eorr.) Sr. Majestät der König hat dem Konsul Freiherrn I. von Hirsch in München da» Ritterkreuz erster Kliffe de- Friedricheordens verliehen. Die heutige Geburtstagsfeier Sr. Maj. unseres König» wurde in allen Synagogen des Lande« festlich begangen durch Predigt über Pf. 127, I. In der Synagoge in Stuttgart zeigte der Festprediger, Kirchenrath Dr. Wassermann wie der bloße Weitsinn der stolz sich aafdläht und Gott für nicht» hält in Hau», Stadt und Staat Unfertige» und Unbefriedigende» vom zweifelhaften Werth« und Bestand schaffe; da» Aechte und Bleibende dagegen von Frommgcsinnten. welche den Herrn allezeit vor Augen haben, auSgeführl werde. Dacuin freut sich unser Herz und ist fröhlich unsere Ehre, daß wir Untcrthanen eine» Herrscher» sind, dessen Hoffnung auf den Herrn seinen Gott steht, und der in allen seinen Wegen an ihn denkt und an dem Tage, welcher für unser Vaterland eine Gnadenzeit ist, beten wir mit besonderer Inbrunst: „Schau herab von Deiner hl. Wohnung, vom Himmel und segne unseren König, segne sein Hau», sein Land und sein, Volk mit Deinem besten unve.'gänzlichen Segen " — Nach dem neuesten Strat-handbuch zählt Württemberg gegen 13,000 J-raelsten unli zwar im Neckarkreis 4952, Schwarzwald« 1505, Jagst 3908, Donautrei» 2691. In sämmtlichen Oberämtern wohnen J-raeliten, nur im Oberamt Welzheim feine. Die 51 Kirchengemeinden vertheilen sich auf 27 Oberämti r. Die größten i»rael. Gemeinden de» Lande» sind: Stuttgart mit 2485, Heilbronn mit 870, Ulm mit 694, Laupheim mit 635, da« größte Bezirk»rabbinat ist Stuttgart 3228, da» k eiuste Freudenthal mst 282 Seelen Au» Beden, 10. März. (Or. Torr.) Nachdem bereit» im Sommer, al« die ersten SchreckeuSstunden von der russischen Judenverfolgung eingetroffen, in Mannheim eine sehr erhebliche Su nme zur augenblicklichen Linderung ve» Elend» aufgebraoil war e». findet jetzt, nach dem Borgange Frankfurt» daselbst eine zweite Äeldsammlung noch in größerem Style statt debuf« Förderung de» ncuerding» von unseren amerikan-fchen Gl uben-geuoffen angeregten Plane», arbeitsfähige russische Jud n als Ackerbaucoloniften in Amerika auzusiedeln Herr M. Ellinger der augenblicklich »l» Abgesandter de» amerlkanische i ComilöS Deutschland l>«rtift,*) hat auch in M. recht warm sär die Sich gesprochen. E» ist eine Freude zu gewahren, mit weichem Euer die reichste» und angesehensten Mitglieder t »selbst ihre edle ll iterstützungswerke betreiben. Waurlich „Jira.l ist nicht verwaist", wenn es so edler Begeisterung »> ch fähig ist. Es sind bereits sehr hohe Summen gezeichnet, und weiden wir >vohl nächsten» in der Lage sei», Ihnen über len Erfolg de» ganzen Nähere» mitzutheilen." — I» dem sonst ganz vorzüglichen Leitartikel der Nr. 9 scheint dor die Art und Weife, mit der derselbe sich gegen österreichisch ungarische Eanvivaten äußert, in dieser Allgemeinheil niDt g > az gerechlseriigt E» komm» mir so vor, al« ob de» Oesterreich ru hier Unrecht geschähe. In Deutschland giebt e« alle bin ,» viele öfter. Rabbiner, aber ebenso nehmen wiederum in O.st rreich Deutsche hervorragende Stellen ein, wie Güdema ii, Kupferling, Kämpf und Stein. Außerdein glaube ich 'är Eritere» auch »» der bedeutend größeren Aiizihl von österreichisch n Iheologiebestissenen eine» nicht unwesentliche t Grui d zu finden Oesterreich. Wien, u März <O> Eorr.) Im hiesigen, unter Leiluug Jelliuel« ge euoru isi-lh Hamidrasch werden bekanntiich allwiuleilich aor ein m gemischte», und gewöhnlich sehr zahlreichen Pu UFu.it populär w.ss nschattilche Borträge au» den verschiedeustea Gebleic» de» Juenthum» gehalten. Heule desäiioß nu» Feilinek die diesmalige Serie mit einem geistsprühenden hiiaioroolleu Bortrag, „da» Spruchwei»heit in der Gast " (Heb r den Rechnung-auswei» in nächster Nr.) ES will de uns zu weil führen, wollten wir den Bortrag de- Nähern betprechen, ivir beschränken un» darum hier nur auf die Bemerkung, daß Jclllnek an der Hand einer größeren Ä» tat von jüdi'chen Sprichwörtern (zumeist polnischen und r issischen) den ganz erstaunlichen Scharfsinn und Hu.nor I r Juden und deren tiefe Seelen- und Menscheukennlniß zu irläntern bestrebt war; und daß er den Wunsch au-fprach, «> möge die bisher noch bestehende große Lücke in ber cultur-hi -arischen Erforschung de» JudenthumS durch eine wiffensä,aitlich gesichtete Sainmlung der jüdischen Sprichwörter in den verschiedenen Ländern baldigst auSgesüllt werden. Jellinet hat durch die bisher erichienenen 2 Serien seine» Werkes: ,D>s Juoenthum in nichtjüdischen Sprichwörtern" gezeigt, mit velch.-r Meiuerschaft er einen derartigen Stoff zu dehandelr versteht, und er wäre hiernach der geeignetste, die von ihm > ezeichuele Lücke auszufüllen und eine Monographie über jüdische Sprichwörter zu schr-iden, die dann nicht nur eine heroorr gende Stellung in der jüdischen Literatur einnehmen würde, sondern auch von großer Bedeutung für die allgemein« L alturgeschichte wäre. Wien. I>r. Jellinek erhob letzten Samstag in einer kurzen, aber schwungvollen Rede abermal» bittere Vorwürfe gegen diesen zen unsere» Giauben», welche in christlicher Ma- •> Derseii - »eilt feil einigen lagen in iktlin, wohin sich auch Herr IKocatla au« uinoon begeben. U banoelt sich um Nnfbringung groher « uameii für Unterbringung oer rufl. Emigranten,

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