Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 86 an Idealität sich übertrefsen laffen? Will Deutschland «it seinem »eichen Gemüthe. seinen ttesreligiüsen Sinn «in Lhristenthnm bekennen, da« solch« Gräuel ohne ein Wort, einen Aufschrei der tiefsten Entrüstung »usehen kann? Auf, ihr, die ihr rt ernst meint mit dem Christenthum der Liebe, aus, labt euch von England nicht beschämen! Und ihr, ihr deutschen Juden, fürchtet euch nicht, tretet wie Eure Brüder in England mannhaft für Eure Brüder in Rußland ein, weckt die beffere Stimme im Herzen de» deutschen Volke«. Vermischte und neueste Nachrichten. Berit». Ter literarische Klub veranstaltet Sonntag, den IS. März, Mittage I Uhr, in den Räumen d-r SingAkademie eine Feier zum Andenken an Berthold ß'uerbach, bei welcher Friedrich Spielhagcn die Gedächtnißfeier kalten wird. Berit», 4. März. (Or.-Corr.) G,sterr. Abend begab ich mich nach der Synagoge in der Heidereitergaffe, IN Minuten vor AuSgang de« Sabbath«. um da« Vorlesen der Megillah zu hören. Da« Erste, wa« mir bei Eintritt entgegenleuchtete, war am Eingang ein gedeckter Tisch, auf welchem sich mehrere Teller befanden, die dazu dienen sollten, daß die 'Besucher der Synagoge Spenden für die subalternen E»ltu«beamten, Arme k. varanflegen sollten Und in der Thal, während de« Gottesdienste«, konnte man den Klang de» Gelder deailich wahrnehmen. Ich will mich nicht aus die Frage einlaffen, ob e« zeitgemäß ist. daß Derartige« im Raume der Synagoge überhaupt stattfinden soll, aber da« finde ich doch nicht für angebracht, daß man in der sogenannten frommen Synagoge Besucher animirt, am Sabbath Geld für Culturbeamte ic auf die Teller zu legen. Dieselbe Ansicht, die wir hier au«sprechen, haben wir von einen, groben Theil der Besucher gehört, und wir sollten meine», daß Synagogen-Vorsteher und Rabbiner dergleichen Veranstaltungen nicht stillschweigend einem Runtiu» überlaffen dürfen. Au« der Synagoge in der Oranienbnrgerstr. sind un« zwei Fälle bekannt, wo der Runtiu« zu Mitgliedern der Gemeinde am Sabbath, nachdem sie zur Thora ausgerusen, in der Synagoge herangekommen ist und dieselben ersucht bat, ob sie ihm nicht sofort die Spenden bezahlen wollten. Ist die« Anstands Möchte man nicht hier einmal resormiren, oder soll un» erst wieder von christlicher Seite zugerufen werden: ,ma» jag« die Geldwechsler au« den, jüd. Gotte«» Hause". Mei»i»ge». Unierm Laiibrabbiner l)r Drssauer ward jüngst die Ehre zu theil, zun, Hosball de« Herzog« geladen zu werden; beim Souper erhielt derselbe seinen Platz neben dem Adjuvanten de« Herzog«, in der Nähe de« Letztere». Der Herzog äußerte den« Landrabbiner gegenüber sein Mißfallen über die antisemitisch« Bewegung, er hielt sie für recht beklagen»werth und freute sich der Niederlage, die Stöcker in Berlin erlitten. — Am jüngsten Sabbath — 1*. önchor — hielt Herr Dr. Deffauer einen Vortrag über verthold Auerbach, drin auch 2 Landtag»abg«ocdnrte beiwohnten. (Wir erhielten noch au« vielen Gemeinden Correspondenzen betr. Predigten und vorträgt über B. Auerbach, die wir aber, da sich keine wetteren Mittheilungen daran knüpften, unerwätznt ließen. Red.) Wir». Au« Anlaß dr« am 12. d. erfolgenden Rücktritte« de« dtöherlgen ersten Sccretär« und Archivar» der Wiener töraeltltschen Cultu«ge>ueind« llr. Ludwig August Frankl in den bleibenden Ruhestand, wurden dem Scheidenden von vielen Seiten Ovationen dargebracht. Gestern bracht« ihm Obercantor Singer in Begleitung der Ouartett- Sänger und de« gesammten Tempel - Ehor - Personal« ein Ständchen. Heute erschiene« sämmtlich« Funktionäre und Beamten der Geuieinde, und zwar die beide» Prediger, der Rabbiner, der Prima,-Arzt de« i«raelitischen Krankenhause«, der quiescirte Obercartor Sulzer, sowie die beiden acttven Obercantore», dt« Lef er und Gemeindediener, in der Wohnung ihre« fdKibcnbt:. College», um sich von demselben zu verabschieden. Predig t Dr. Jellinek führte da» Wort und überreicht« ihm ci .t künstlerisch au«gestaltete« Album mit den Photographien s, mmtlicher Funktionäre und Beamte« der Gemeinde. Budapest. Herr De. vünoczi. Pros, an der Lande». Rabbinerschule. wurt» von der Ki«faludygesellschaft mit der Abfaffung der Biogra >hie Alexander Ki«saludy'«, de« großen ungar. Dichter», betr, ut. Da« Werk, desien erster Band soeben zur Au »gab« g langte, wird 2 Bände umsaffen. Herr Dr I. S« ldziher schrieb ein größere« Buch über den Islam (in >.ng. Sprache», da« auf Kosten der Akademie der Wissenschaften gedruckt wurde; daffelbe Institut veröffenilichte den I. »Sand de« aut 2 Theile berechnetm Werke» über .Kant" wn De. Alexander (Jude), ferner den ersten Theil der Geschichte Ungarn« im Zeitalter Kaiser Joses ll. von Dr H Marczali (Indes. So nehmen denn unsere Glaudenrgenoffen an , llen Bestrebungen, die dem Vaterland« zum Heile gereichen, r gen Antheil. Pari». Alexander Weil hat soeben die 2. Rümmer seine» .Parir-Menkonge" erstjeinen laffen, welche» .Un. i«r." al« eine Mitrailleuse bezeichnet, welch« ihre Schüsse ringsumher sendet. Viele Wahrheit«?, mit einer Menge von Irrthümern gemischt. Zugleich wird da» na!« Erscheinen seine« .Irsaia» vom Faubürg Et. Honorö" an >ekündigt Belgrad, S. Mär». In Anwesenheit der Minister Garaschanin and Rivakoon. de« Adjutanten de« König«, Protic, de« Präs,Ne», de« k ürgerineister«, vieler Deputirten »nd eine« zahlreichen Pub ikum«, fand heule in dem jüdischen Tempel Gotle«»l,nst >tatt. Rach Absingung ein« Hymne und nachdem die Fes predigt gehalten, sprach der Adjutant im Ramen de« Könts » den Dank veffelden für die Treu« und Anhänglichkeit an die Dynastie au». Petersburg Ign uiw hat de» Berichterstatter der.Daily New«" empfangen nnr ihm gesagt: Die Commiffion beräth und die Regierung er, chtet die Zeit »och nicht für gekommen, in welchen sie d,e von der Commiffion vorgeschlagenen Judengesetze veröffentlichen w rd. Doch wird hinzugefügt, diese Gesetze werden theil» proviso: sicher, theil« dauernd r Ait sein und dabin wirken, die Fei ldschast zwischen Jude» und Ruffen zu tilgen. Hier will die Negierung wieder in die Einwanderung der Juden nach den L »Provinze» will gen, wenn die Krei«- und Ort«behü,den dan it einverstanden sind und die Gewähr gegeben ist, daß tiintrai)t zwilchen Bürgern und Juden herrschen werde. Solange die J uven sich unterscheiden durch Kleidung, Sprache, Reden, Denken, Geiste«richlung und Veretu«gesehe (!) dürfen sie Gleichberechtigung nicht fordern (d h. überhaupt nicht, so lange sie sich nicht taufen laffen I). Die vtelseitts verbreiteten Gerücht« über eine durch Katkow bewirkte, judr «freundlichere Haltung de« Panslavtstrn und der Regierung stid dadurch entstände», daß Katkow dt« dktatlltcteil Vorschläge zur Anstedlung armer Juden iin Osten, welche Dr. Mandelbau n gemacht hat, in seinem Blatt« veröffentllchte! — Sons überall Fasten, Velen, Fürchtn und Wünschen! Da« war unsere Purimstimmung. (Vrgl. Lart. l.) Odeff«. Am 2. läge Chanuka wurde da« neue Waisenhau« etngeweth», reffen rster Begründer Herr Adrahan» Brodeky durch ein« Spende vo r sio.lXX) Rubel geworden ist. Di« noch erforderlichen 2V, MX) haben anbeie Mitglieder unserer Gemeinde gegeben. Tr» Hau«, da« lüt) Kinder umsaffen kann, ist mit allem E forderlichen au«„estattet. Vorerst sind St) Knaben und 80 Rädchen ausgenommen worden. Dt« Spitz« der Behvrd« w, hnte der Feier bei, die in der Anstalt»- synagog« ftaltsanr. Re ibtner De. Schwabacher hielt die markig» Festrede, die nunmehr gedruckt vorltegt.