Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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87 — Golotz Hier hat eine Sominiffiou der Vereine für Besiedelung Palästina'- am 14. Februar einen Statutenentwurf gemacht, und soll demnächst in Jassy eine Generalversammlung ftattsinden, um Delegirte zum Landanlaufe nach Palästina (Juda und Bejamin) zu senden. Es wird eine neue Fleischsteuer zu diesem Zwecke projeklirt. Die Regierung begünstigt diese Schritte. Eors». Die Familie Baruch au- Alexandrien, welche der Blutbeschuldigung n>egen hierher trantportirt wurde, ist nunmehr nach H» Monaten Untersuchungshaft auf freien Fast gefetzt worden. Nt»-N«rk. Interessant ist, dag. wa» man al« erwachen, den Antisemitismus in Amerika vielseitig bezeichnet hat, — die Schildernng der rusiischen Juden durch Prof. Wale«, — eine Nachwirkung der Lektüre de« christlich conservativen deutschen UnterhallungSblatte» .Daheim* war, wie der nun eine« Bessereu belehrte Herr iw .New Yorker Herald" freimüthig eingestanden hat._ verloren und gefunden. Ein» <lt|AI)lunt au« der Zeit de« 3>>jLtzr>q,n Krieg,« (Fortsetzung.) .Seht Ihr, Hochwürden." ries er, .wa» di« Schwedensreundichasl genützt hat? Der Kronfeldherr weiß um Eure Verschwörung mit dem König und nun wahrer Eure» Leibe», sonst ist e« um ihn geschehen, noch eine Stunde müget Ihr Zeit haben! Ihr habt mich geschmäht und getreten, aber ich will doch nicht vergenen, da st Euer Weib meine Muhme gewesen und nun hurtig, packet ein, was an Geld und Geldeswerth vorhanden, ich will Euch den Weg zur Flucht schon zeigen. Hurtig, Mühmchen, hurtig, ivandte er sich an die in tiefster Seele gepeinigte Gertrud, denn auch Euer Brandenburger hat «ine polnische Kugel kosten müssen und nimmer kehrt er Euch wieder." Wie vor einer hähtichen Spinne, also schreckte Gertrud vor der Berührung Gerth'« zusammen, Ehrn Opitiu» aber hatte in männlicher Ueberwindnng schnell die verlorne Fassung wiedergewvnnen. Mit hohestsvoller Miene trat er zwischen den Wüthrich und seine Tochter und mit fester Stimme sprach er: .Mir ist sehr wehe, spreche ich mit König David, aber icb will lieber salleu in die Hand de» Herrn, denn grob ist leine Barmherzigkeit in dir Hand der Mensche» aber will ich nicht fallen, nicht in die Hand eine« Menschen — . ier blickte er mit vernichtender Verachtung aus l^erth während seine Stiinine wie rin Donner anschwoll — der al« seiger Meuchelmörder den Wanderer belauert und ihn wie ein tückische« Raubthier von hinten ansüllt, nicht einem Räuber und 'Wegelagerer will ,ch Rettung veidonken." .Da» mir?" gurgelte Gerth in sprachlosem Gri:i»m, rist einen scharfen glänzenden Stahl von seiner Seite und sprang wie ein hungriger Tiger aus de» unbewehrten Pfarrer lo«. Ein verzwrisiung-voller Schrei Gertrud» ertönte, und dann sank sie bewuhtlo» zusammen. Aber auch der erhobene Arm de» Mörder» wurde plötzlich in der beabsichtigten Blutthat gehemmt. Eine nervige Faust hatte Gerth in diesem Momente an> Rücken gepackt und mit furchtbarer Gewalt zu Bob n geschleudert. Wie ei» rächender Engel erschien dem roihhaangen Bölewicht der jüdische Jüngling, da» Opfer jener nächtlichen Unthat. Rüben hatte in seinem Stübchen den unwachsenden Lärm aus der Straste veinommen. Al» er zu stlnen edlen Wirthe» htnabstieg, uni den Grund de« Tumult« zu erfahren, vernahm er laute» Wechselgeipiäch, unterbrochen von (Gertrud» ängstliche!» Winlinern. Die letzten laut und drohend gesprochene» Worte de«. Pfarrer» dnrchsuhre» seltsam seinen Sinn und zeigten ihm urplötzlich, wer der heisere Sprecher dort im Zimmer sei; bebend vor Aufregung drang er in dasselbe ein und er kam zur rechte» Zeit, um den mörderischen Stost aus da» Herz eine« Ehrenmanne« zu verhindern. .Stehen auch die Tobten wider mich aus?" knirschte Lerth unter dem würgenden Druck der Hände Rüben« und suchte mit allen Kräften sich de» Bändiger« zu entledigen. V.nd bald Hütten die Kräfte de» kaum Wiedergenesenen nicht hingereicht, da» wüthende Ungethüm festzuhalten, wäre nicht ruf diesem Punkte unserer wahrhaften Geschichte derjenige aus t em Schauplatze erschienen, der eben durch diese» rechtzeitige Erscheinen glänzend die Zuneigung rechtfertigt, weich« wir >hm durch unsere ganze Erzählung hindurch treulich und allzeit bewahrt haben — Kaspar vom Loch, de» ehrbaren Rathe» wähl» bestellter Stadttrompeler und hochthronenter Thurmwart der zur Zeit schwedische» Stadt D. Eine stumme Reverenz machte er dem Pfarrer, einen gönnerhaften Blick that er auf Rüben, zu Gertb aber sprach er gravitätisch: „Ja, eben Dich suche ich, dessen Haar röther ist, denn meine Rase, desien Seele aber schwärzer, denn bopp.lt geb ante» Malzbier — auch Stadttrompeter wählen ihre Bilder au» uaheliegenden Gedankenkreise» — bist Du denn der Thvrmwart, oder bin ich e» noch, ich, Karpar vom Loch 'i Hast Du mit deinen, schnöben Lügeninaul da« Volk genaSsührt und bist Du nun zum Pfarrer gelaufen. Dir Absolution zu holen V" Ka«par, der e» gewohnt war, vom hohen Standpunkt« au« in'» Weite zu schaue», hatte mit einem allerdings — die historische Wahrheit ist un» theurer al» Sympathie zur Person — etwa« nach seiner rothen Rase schielenden Blicke die Situation eriastl und einige neue Stricke au« seiner Seitentasche ziehend ries er durch da« Fenster dem brausten ha.reilden Etadtbüttel zu: „Kommt, Ehlert, herein! da« Rothkeblchen ist hier, di« Flü„el müffen wir ihm schon etwa» binden und den Käsig wollen mir ihm auch anweisen." Ruhig, al» galt cä ein Fästchen Braunbier nach hölieren Regionen zu befördern, wurde der an Händen und Fasten gesesietle Wiesenbürger von der heiligen Hcrmaudad au» dem Hause de« Pfarrer» nach dem städtischen Burgverliest getragen und oorlüusig seinem Schick'al« überlassen. Da» war aber so gekommen: Dem aufgeregten Volke und dem in Angst und Eile zusaminengerusenen Rath« hatte Ka»par, vom Thurme hirniederstelgend, den wahren Sachverhalt mitgethcilt. Nicht die Schweden, wohl aber die Polen befänden sich in voller 'Flucht jenseits de» Dorfes Rokittken; bald auch bestäiigleu eii.zel.ie Verwundete, die vom Felde nach der Stadt. zuückgel ragen wurden. Kaspar» Aussage. Sofort kehrte sich der Eis«. der Volksmenge gegen de» rothhaarigen Lügner und der Italh, dem »m Handumdrehen der Mulh gar wunderbar gewachsen war, dekretirte einstimmi-;: E» sei aus den Wiesenbürger Gerth sofort aller Orten zu fanden und dieweil er n tappt worden, gegen da« geineinc Wohl und gegen de« hohen ö.athe» Würde und Ansehen sich schändlich und sündlich vergangen zu haben, sollte er zur einstweiligen Verwahrung i» da» Stadtcarcer abgelieserl werbe» und dort de» weiteren Ur«heil» gewärtig verbleiben. (Fortsetzung folgt. « Rach Jerusalem'. In einer Stadt Oberschlesien» pielte sich jüngst folgende heitere ttesch'chte ab: Ein höherer Bram'er hielt in einer Weinstube eine Philippika gegen die Jude , und schlost mit der 'Beweisführung: Die Juden müstten dahin gehe», woher sie gekommen, d. h. » » ch I e r u s a l e m! Derselbe 4leamle, der diese feindlichen Ideen gegen die Juden a»«sprach, scheute sich indes, nicht, ziemlich oft die Gesäligkeit eine» jüdische» Mitbürger» in Anspruch z» »ehme», der ihi» seine Equipage zur Verfügung stellte. Kurze Zeit, nachdein er jene Rede gehalten, schickte er nnverfroren wieder za dem jüdischen Equipagenbesitzer »nd erbittet sich für den Snnntag Nachmittag den Wagen. „Sagen Sie gefälligst Ihrem Herrn", beauftragte der Kausmann den Boten, „dast ich sehr bedauere, ihm den Wagen nicht schicken zu können, ich brauche ihn aber selbst höchst nöthig zur Auswanderung nach Jerusalem!"