Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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77 — Ctfkrrti*. 8. Hai IRitrra. (Schluß.) El find in Mähren schon seit einer geraumen Zeit, »trotz eine! kaum zwei Jahre alten Erlaffel durch k. t. Statthaltern, daß teilte Cultulgemeind« länger all ein Jahr ohne Rabbiner sein dars, da sie sonst den Romen Eultulgemeind« verwirkt", folgende Rabbinate vacant: Gaya, Ung. Ostra, Austerlitz, Pr er au, Lripnik. Losch itz u. n. a. und obwohl der größte Theil gut bemittelt, und wirklich in der Lage wäre, einen Rabbiner eine anständige hinreichende Existenz zu bieten, so wird doch nirgend an eine Besetzung de» Rabdinalel ernst gedacht. Der Behörde gegenüber sucht man dem Gesetze dadurch zu genügen. daß man entweder pro formt* einen Rabbinatlvorsteher (freilich ohne Gehalt) anftellt, unter defie» Leitung dal Rabdinat wohl vorfteht, oder sich mit der Anstellung eine» Religionltehreri, den man zum Religionliveiser stempelt, aulhilfl, um nur keinen Rabbiner anstellen zu müssen. — Daran sind aber einerseitl die Vorsteher, andererseits wieder die Tantoren Schuld, denen el selbstverständlich in jeder Beziehung bester ohne Rabbiner behagt, und die auch hier mit den Vorständen Hand in Hand gehen, und zu allen ihren Verfügungen ihr Amen anstimmen! Aber etwal viel Wichtigerei möchten wir hier den Herrn Rabbine» in 'en mährischen Lanvgemeinde», wie auf so man- «her andern Seite recht zu bedenken und zu erwägen vorlegen. Bil nun haben wir »I gesehen, daß die Htrren Lehrer durch ihr einheitliche!, energischel Zusammenhalte», Zusammengehen und Zusammenwirken sich eine Stellung im Staate munr.r, ihre Existenz sich bedeutend verbestert und gesichert und kl'.ch die Beioldnng lhrei Gehaltei aul dem k. k. Steueramte, ihr« vollständig« Unabhängigkeit von den Gemeinde» proklamirt haben, nicht nur sich und ihren Familien im Leben säst sorgenlol gestellt, sondern auch durch ihre vom Staat« versicherte Pensionen für ihre Wittwen und Waisen hinreichende Fürsorge getroffen haben. Jetzt gehen auch die Herren Eantoren daran, sich ihre Stellung und ihr« materiellen Verhältniste zu verbestern und für ihre Wittwen und Waisen durch einen Pensionsfondl Fürsorge zu treffen! Wan» aber, möchten wir nun tragen, wcrden auch die Herren Radbinenin dieser Beziehung etwa» Wesentliches für sich und ihre Familien endlich thun k Wollen sie auch noch ferner, sowohl sich all ihre Wittwen und W iisen von der Gnade und dem Wohlwollen der Vorstände abhängig machen? Wenn werden denn auch sie einmal sich aul ihrer Lethargie ausraffen, um energisch einen entscheidenden Schritt für sich und die Ihrigen zu machen '< Freilich ist diese Frage für die in Städten und in großen Gemeinden angestellt n Rabbinen keine Lebensfrage, doch diese bilden ja nur eine Minorität. Wal aber hierfür zu geschehen hätte, und welcher Weg nach den bei der hohe» k. k. Behörde eingeholten Jnsormationen sicher zum Ziele führen würde, wolle» wir, wenn Sie hochgeehrter .Herr Redacteur die Spalten ihr«! geschätzten und auch bei uni vielgelesenen Blattei hierzu nicht versagen, gern hier zur Richtschnur mittheilen. (Wir bitten um freundliche Fortsetzung und zugleich um Emschuldigung wegen Verzögerung bei Abdruckl. Red.) Brüaa» 10. Febr. (Mährisch-jüdischer Waisen- Hilsiverein.) Wir entnehmen dem Rechenschaflibrrichte dieses Vereinei für dal vorige Jahr welcher in der dieljährigen, am Sonntag den 12.d. stattfindenden Generalversammlung diesel Vereinei zur Vorlesung gelangt, die folgenden Daten: Der Fond erfreute sich mehrerer nahmhaslen Zuwendungen, und zwar widmete demselben Herr Franz Flesch testamentarisch 000 fl.. Herr Isaak Lüw Beer 2000 fl. Papierrente, Herr Salomon Löw-Beer 340 st. baar. Dagegen b.tragen die Jahreideilräge von Corporaltonen, Gemeinden und Mitgliedern nur 088 fl., mal im Vergleiche zu den anfänglichen Subseriptionen eine sehr niedrige Ziffer ist. und gingen gar keine Spenden ein. Rlchtidestoweniger wurde der Umfang der Ver« einlthätigkeit wieder erweitert und die Zahl der unter der Obhut bei Vereinei stehenden Waisenkinder erhöht. Während im Jahre 1880 im Sounnercurse 38, im Wintercurs; 41 Waisen mit Erziehunglbeiträgen bedacht wurden, erfr-uten sich dieser Hilf» in, abgelausenen Jahre im Sommer- 4k, im jetzigen Wintercurs« 46 Waisen, von denen 23 halbjährig 40 fl. und 23 halbjährig 30 fl. beziehen, so daß die für die Waisenunterstützung verausgabte Summe 3140 fl. beträgt. Für das Jahr 1882 sind schon 3300 fl. präliminirt. Die externe Unterbringung der Waisen bei ihren nächsten vlutlverwandten unter gleichzeltiger Beausfihtigung von Vertrauen! personen bei Vereines, sogenannten Waisenvätern und -Mülern, hat sich bisher recht gut bewährt und legt der Vorstand auf die eifrige und gewistenhafte Mitwirkung dieser Gönner ein großes Gewicht. Um die Ausbildung der Pfleglinge für dal Handwerk und höhere technische Gewerbe zu befördern, vmrde im vorigen Jahre beschlosten, die Waisen auch über dal vierzehnte Jahr hinaus zu unterstützen und ist bereits ein t äjährigen Pflegling — Dank der Unterstützung del Vereine» — in die hiesige Staatigewerdeschule eingetreten. Der Bricht schließt mit einem Dankeivotum an alle Gönner, Wohltäter und Mitglieder bei Vereines. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Am 4. Abends veranstaltete der hies. Hand, werkeroerei» eine solenn* Gedächtnißseier für Ber'hold Auerbach. Rudolf Löwenilein sprach einen tiefempfundenen P> olog, L a »k e r hielt dein Freunde eine Alle ergreifend« Gedächtnijirede. — Auch i» Pari! fand vor. Woche eine Auerbach-Gedenkfeier statt, im »Justit'lt Polyglotte"; die Gedenkrede hielt ltr. M. Eonrad. — Aul einem Brief Berthold Auerbach! an Ferdinand Hiller theilen wir folgende Stelle mit: »Ich ertru, die Unbilden des Leben» und die Grausamkeiten de! Geschicks imnier leichter, weil ich meinen Beruf hatte und mnnen Glauben a» den Sieg des Ideals und de« konkreten G danken!. Run hat die Judenhetze vernichtend auf mich gewirkt wie vielleicht aus keinen zweiten. Ich verlor die Freude an »»einem Beruf. Wal nützt alles Auldenken und Faste»» del Guten und Schönen, »venn die nackt« Gemeinheit so Allel beriältigen und zeritampsen kann und dazu mit Gotlphrasen groß t&ut¥" Berlin. Der Reichltagsabgeordnet« Ludwig Löwe, der sich in Eonstanttnnopel aufhält (derselbe liefert für die türkische Regierung Revolver) war am 27. Febr. zu dem auf der deutschen Botschaft veranstalteten Diner, an welchem di« höchsten türkischen Würdenträger theilnahmen. rbrnsall! gel iden. Berlin. Bon vr Simon Sachs (Berlin, Leipzigerstr. l 10) ist koeben erschienen ber III. Theil seiner „Aphorismen über Judenlhum und Antisemitismus, Prosa und Poesie (Erlebtes, Beobachtetes, Gelesenes und Selbsterdachtes) seit 20 Jcchren gesammelt und zusammengestellt für meine Freunde und Alle, die el noch werden wollen." In diesem neuesten Werke del Ve»fasters wird das Treiben E t ö ck e r'l mit seinen 4 Aposteln kurz aber scharf beleuchtet, und enthält, wie die früheren 2 Bände, Aphorismen von Simon Sachs, auf welche s. Z. in diesen Blättern hingewiesen wurde, einen reichen, eigenartigen, in höchst ansprechender Form gebotenen Schatz von Lebensweisheit. Poteda« Unser Glaubensgenosse, Stadtrath Albert Arndt ist durch gemeinsamen Beschluß del Magistrat! und der Stadtverordneten zum „Stadtältesten" ernannt worden. Eine Deputation, bestehend aul dem Oberbürgermeister, öürgermeister, dem Vorsteher und 3 Mitgliedern der Stadtverordneten — sämmtlich in Amtltracht — überreichten ihr» die diesbezügliche Adresse nlit feierlichen Anreden. Glogau. Der Artikel del Herrn Dr. Wolssohn in vor. Nr. berührt einen schweren Schaden der jüd. Äemeindeoerwaltungrn-, dieser Schaden wird überall empfunden, und selbst da, wo die Einschätzung unparteiisch geschieht, wird der Vorwurf über vermeintliche oder wirkliche Unbill erhoben und dadurch nicht elten der Frieden gestört. Wie wäre el, wenn sich