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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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76 — storischen BÄeutuug der Vergangenheit muß auch die Segenwart gerecht werden, und jüdischer Seist, jüdische« Semüth»- leben. Misch« Treue gegen überkoinmene« Besetz darf me au« ihrer Mitte schwinden. Da beging am k». Februar da« hiesige .Israelitisch« Asyl für Kranke und Altersschwache" di« alljährliche Gedächtnißfeier der verstorbnen Gönner und Wohlthäter der Anstalt. Unberechenbar ist der Segen, den diese Anstalt au»strümt. In seiner Red« hob der Rabbiner 1>r. Frank hervor, daß unsere materiellen Güter erst durch den Segen, der Andern darau« erwächst, die rechte Weih« und Bedeutung erhalten. Die Namen der sich leider jede« Jahr mehrende Anzahl der Verstorbenen wurde genannt, für deren Seelenheil ein Gebet und darauf «in Kaddisch gesprochen. Die Anstalt wird, um den an sie herantretenden Ansprüchen zu genügen, weiter au«gebaut und vergrößert werden. Der dreijährige Geschäftsbericht, der bald erscheinen wird, legt ebensall« Zeugniß für die mühevolle und gennffenhafte Verwaltung der Anstalt durch da» Eurarorium, dessen Vorsitzender Herr Moritz Eltzbacher ist, ab; aber auch da« Wohl« befinde« der Insassen der Anstalt, der Kranken und Altersschwachen, spricht für den hingebungsvollen Eifer de« Anstaltsarzte«, de« Herrn Di-, tned. Feith. Am 26. d. Mt«, begingen di« beiden hier bestehenden Ehewra'«, die der„Gmilluth Ehaffadim" und der „Smichuth Dallim" eine oi-c-Feier. An den Sabbaihen nämlich, a» welchen in der Synagoge nicht gepredigt wird, hält der Rabbiner in der kleineren Synagoge für die Mitglieder genannter Ehewra'» religiöse Borträge. Seit sechs Jahren nun, feit dem Antritt seines Amte«, nahm der Rabbiner zur Unterlag« seiner Borträge die .Sprüche der Väter" und hatte sie nunmehr in diesem Monat beende:. Dieser Schluß sollte durch eine von Festesfreude und Gemüthltchkeit getragene Feier begangen werden. Ueder hundert Mitglieder waren an der Festtafel versannnelt, gehobener und srcud-ge: Stimmung. Der Vorsitzende des Festcomitä's war da« Mitglied de» Gemeindevorftande«, da« sich um fast alle WohlthätigkeitSvereine, besonder» aber um da« Armenwesen Verdienste erworben, Herr Simon Simon. Derselbe begrüßte in warmen Worten die Versammlung und hieß sie herzlich willkommen. Den ersten Toast brachte der Vorsitzende de« Gemeindevorstandes Sr. Majestät dem Kaiser au«, welchem die Versammlung beaeistert zustimmte. lieber die eigentlich« Bedeu ang de« Feste» sprach sich der Rabbiner au«. In sriuer Ansprache verband er den Beginn der „Sprüche der Väter" mit dem Schluß derselben, rnoai - min bip nro undn"apn mar no erwähnt lasse« »ad ick sie« ed dankbar anerkennen, daß in erster und letzter Steile der jitdische Bürgermeister von Köln, Herr Dr. Rosenlhal, sich um da« Zustandekommen de« So« mit«'« hervorragende!3erdiense erworben hat. Nvrdhause«, 2r. Februar. Am SS. October v. I». hatte hier eine cor servative Wählerversammlung stattgefunden, welche mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. Während diese» Hoch» war d-w Kaufmann Martin Blumenthal van hier au« Unachtsamkeit sitzen geblieben. Hierauf entstand zwischen Schulze und Blumenthal ein Wortwechsel. Ersterer nannte Bl. nnen „grnz gewöhnlichen Juden," Letzterer ihn hierauf: einen „Lump". Wegen dieser letzteren Aeußerung hatte Sch. den Bl. verklag!. In der Schössengerich«sitzuag vom l«. December v I. war dann Bl. wegen Beleidigung zu 100 Mk. Gell'bußevent- :t Wochen Geiängniß verurtbeilt. Gegen diese« Unheil hatte der Privatkläger Sch. Berufung eingelegt. Herr!stech«nnwalt Sl. bemerkt, da« Wort „Lump" sei eine viel schw-nere und grilbere Beleidigung, al» die einem Manne israelitischer lonseffior entgkgengehaltene Bemerkung „gewöhnlicher Jede." Justiz!ath L. sagt, der Beschuldigte sei ein durchaus loycler Mann; ec fei nur deshalb bei dem Hoch nicht aufgestanden, w.tl er auf der Gallerte sitzend die Ausbringung deffelbrr ni ht gehü.t habe, denn er habe gerade dem Saale den Rücken zugekehrt und mit Jemand gesprochen; auch sei da« Hoch mit sehr leiser Stimme ausgebracht. Wenn nun auch, wa« er nicht einräume, die Aeußerung, „Sie sind ein Lump" eine schwrere Beleidigung sein sollte, al« die „Sie sind ein ga rz gewöhnlicher Jude", so werde diese« Plu« reichlich ausgehobm d irch die strovocation seiten» de« Kläger» Sch. Bl. mußte nothwcndige,weis« um so gereizter sein, al« Schulze» Aeußeri.ng >u einer Zeit geschah, wo solche Aeußerungen nicht selten waren, wo im Allgemeinen gegen die Juden gewiegelt wurde. Herr Rechtsanwalt S. bemerkt, man sage ja ganz gecöhnl.ch „Ich habe die und die Sache bei dcm Juden und so gekauft," wenn e« sich um einen Kaufmann israelitischer Re igion ha adele; hierin finde doch Niemand eine Beleidigung. Herr Justiz:ath L. betont in seinem Schlußworte nochmal« die Judenhetze, wodurch vlumenthal gereizt sein mußt«. Wenn euch die Bezeichnung „der Jude so und so" keine Beleidigung sei, so entstehe eine solche doch durch jenen Zusatz Schulze!. — Da« Unheil lautete dahin, daß Blumentbal von Strcfe freizrsprechen sei, da sich die gegenseitigen Beeidigungen in ihr,: Schwere gleich seien, und daher Kompeasatioi ein.'reten müsse. iD^iya. Die Tradition ist Leben-prinzip de» Judenthum« und für all« Zeiten ist e« Pflicht des Individuums und der Gemeinden, die TraditinoSketle unverletzt zu erhalten, ,-ncai r6ap Nehmen und Geben, Lernen und Lehren, da« erhält da« jüdisch« Volk. Aber auch die weit ab von der strengen Beobachtung der ReligionSpfiichteu stehen, die sich mit Gesetzesstudium nicht abgeben, können und Zollen für die Ehre, den Ruf und den Ruhm de« Judenthum« eintreten; auf Jede» wird, vor Allen» in unserer Zeit, gerechnet, denn map na ^a <131 'a^iya n"apn Ale« steht im Dienste Gotte» und die Bekenner de» Judenthum» im Dienste ihrer väterlichen Religion u. s. w. Roch manche» Wort für Religion, Frieden und Eintracht wurde gesprochen, da» in allen Anwesenden Interesse für die Thora, Gemeindeleben, fromme Anstalten weckte. Wir sind überzeugt, daß solche und ähnliche Feste in unberechenbarer Weise dazu beitragen, den Gemeinsinn zu fördern und viele Fernstehende, denn eS waren die nach recht» wie nach links sich neigenden religiöser Richtungen vertreten, einander näher zu bringen. — Di« Sammlungen für die russischen Juden, wozu ein au« den verschiedenen Eonfessionen bestehende« Eomitö sich gebildet hatte, sind von dem Oberbürgermeister Dr. Becker unlängst geschlossen worden; sie haben nahezu 14,000 Mart gebracht, wovon die eine Hälfte nach Berlin, die andere nach Memel geschickt wurde. Zum Schluffe dürfen wir nicht un- Franksurt a. M Hochd.-tagt, im Alter von 81 Jahren, ist am 2 t. Februar >er in Hanau geborene Maler Moritz Oppenheim hiei ort« verstorben, wo sich derselbe seit dem Jahre 182; nach seinem Münchener akademischen Studium und ei »ein kürzeren Auf-ntbalt in Paris und Rom dauernd niedergelaffe, hatte. Mit Borliebe behandtlte der Künstler sowohl im Historienwie im Genrebllde Stoffe au« dem israelitischer. Leb n, die er ebenso eigenartig wie poetisch zu gestalten verstand. Eine d.'deutende Popularität verschaffte ihm sein Bilder Eyclu i au» dem „altjüdischen Familienleben", welcher durch phorogrc phische jiervielfältigung ein« weitgehende Berbrertung erhalten at. Ja treuer Wiedergabe der äußeren Erscheinung solcher i«caelitisch:r Familien, welche streng an den Trachten unl> Tr iditione, ihrer Väter halten, schildert er deren häuSlicie« Leben u verschiedenen genrebildlichen Scenen. und e« zeiai g ihin tarin vortrefflich, die weihevolle FeiertagSstimmung de» jüd. Haufe», die Poesie de« Sabbath», die Würde de« anheü irlnden patriarchalischen Wesen« und die Eigenart alljüdischer B Suche und Feste zucharakterisiren. Größere Werte de« Künstler« md: „Este Rückkehr de« jungen Tobias", „Susanna im Brde," „Rückkehr eine« jüdischen Freiwilligen", „Lavater und Lessing bei Mise« MedelSsöhn", „Noah und seine Familie". Dat Städel'sche Institut in Frankfurt a. M. bewahrt da« Aatenkei de» Künstler« in einem Bilde.- „Innere« eine» Bildhauei-Ateliert."

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