Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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sicher Thätigkeit für unseren Verein wirkt und fortgesetzt die Herzen «nserre GianbenSbrüder der heilige« Sache, welch« der Verein vertritt, zu gewinnen sucht. In nicht minder edelmüthiger und erfolgreicher «eise wirtt für die aut« Sache Herr Laudrabdiner l>e. Adler in Eaffel. Diese edlen Männer, denen es, wie wir wissen, nicht um öffentlich« Anerkennung zu thun ist, werden ihre Genugthuung in dem Bewußtsein finden, einer heiligen Sach« nützlich gewesen zu sein." Möge der so umsichtig verwaltete und so überaus segensreich wirkend« Verein im Jahre 1882 recht viele neue Mitglieder und recht bedeutende Spenden zu verzeichnen haben! Berichte und Correspondenzeu. Deutschland. Magdeburg. Wir tragen zu unserem vorläufigen Berichte über die Sitzungen der Gemeindetage» (in vor. Nr.) not einige wesentliche Puntte nach. Bei Punkt l de» §. 1 kam die Wanderpredigersrage (Antrag Vogelstein-Stettin), sowie die Fürsorge sür Fortbildungsschulen(Rahmer-Magdeburg) zur Sprache man hielt zustimmend Beides in .Religionsunterricht" mitinbegriffen. Der Antrag M e y e r»G u t t m a n n, die Fürsorge aut aus jüdische Volks- und Elementarschulen au-zudehnen, erhielt nicht die Majorität Bei 8 0 wurde auch die Bildung von Eectiouen und Provinzialverbänden besprochen und in Aussicht genommen. Die »Delegirten" betreffend wurde ein Antrag Landauer'« (Braunschweig) angenommen, daß dieselbe» aus dem Gemeindetag nur berathende, ober keine bi schließende Stimme haben; auch wurde die Beibeballnng der früheren Bestimmung über außerordentliche Mitglieder (mit 10 Mk. Jahresbeitrag) beantragt. In 8- 8, 'J und 10 wurde beschlossen, daß der ordentliche Gemeindetag in der Regel alle zwei Jahre einberusen werden, der Ausschuß de» GemeindebundcS ans mindesten» neun Mitgliedern bestehen solle und zur Beschlußfassung die Anwesenheit von mindesten« fünf nothwendig sei. Zum Schluß wurde die AmtSdamr des zeitigen Ausschußes mit Acclamation bis zum nächsten Gemeindetag prolongirt. 8. Stettin, 23 Februar. (Or.-Corr.) Der Vorstand de« Israelitischen Waisenhauses Hierselbst überschickt den Mitgliedern soeben den 28. Jahresbericht. Leider hat der Vorstand zu constatiren, daß die Einnahmen im verstosienen Jahre erheblich niedriger waren als die Ausgaben und er meint, eS komme daher, daß die irrige Ansicht verbreitet wäre, da» Waisenhaus wäre doch schon reich genug. DaS ist nichr der Fall, möge vielmehr jeder darnach streben, dem Waisenhause soviel wie möglich zuzuwenden. Der Anläffe dazu giebt eS ja genug; Geburtstage, Jahrzeiten, Hochzeiten rc. sollten uns immer daran erinnern, baß Wohlthätigkeit gerade diesem Institut gegenüber nicht genug geübt werden kann. In Ihrem geschätzte» Blalte wurde neulich die Ein nchtung von Provinzial-Waisenhäusern angeregt und ich komme bei dieser Gelegenheit daraus zurück. Sollte es nicht möglich sein, auch das Hierselbst bestehend« Warsenhau« zu einem solchen für die ganze Provinz Pommer» umzuwandeln? Wohl keine Provinz — außer Posen vielleicht — hat soviel jüdische Gemeinden, wie gerade Pommern; sollte eS, wenn di« Gesammthrit sich dabei deiheiligt, nicht gelingen, was der Provinz Westfalen gelungen? Wie wäre eS denn, wenn jede Pommersch« Gemeinde in ihrem Etat für das Waisenhaus eine bestimmte Summe aussetzt. Ein Appell an die jüdische Wohlthätigkeit war noch nie vergebeuS und wenn sich im Anfang auch Schwierigkeiten ergeben sollten: »Da» Ende krönt da» Werk" und »Einigkeit macht stark." Und wie hier in Stettin da« Waisenhaus einen tteuen und festen Stamm von i Wohlthätern hat, di« ihr« jährlichen regelmäßigen Beiträge zahlen, so müßte da« Interesse an allen Orten rege gemacht werden. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bet, filt den Schreiber diese« würde da« ein schöner Lohn sein. — Dw» Waisenhaus hierfeldst hatte im vergangenen Jahre nn Ein» nahmen zu verzeichnen: a. Laufende Beiträge Mk. 3216.50, d. Geschenk« Mk. 837.41, a. Zinsen Mk. 4867 39, in Summa Mk 8921.30, dem eine Ausgabe von Mk. 9269.78 gegenüber stehen, sodaß eine Mehrausgabe von Mk. 348.48 stattgesunden hat, welcher vom Reservefonds abgeschrreben wurde. Derselbe beträgt heut« noch Mk. 8651.52, der Grundfonds Mk. 98,404.4»-, sodaß die Anstalt ein Vermögen oon Mk. 107,056 hat. In der Anstalt selbst sind 9 Knaben, die theilweis« da« Gymnasium und die höhere Realschule besuchen; außer diesen Knaben wurden noch 2 Töchter einer Wittwe ausgenommen, die jedoch einer hiesigen jüdischen Familie in Pension gegeben wurden. Wie iin vergangenen Jahc« wurde auch in diesem noch ein Mädchen in der Pension erzogen und ein« W'tlwe bekoinmt zur Erziehung ihres Sohnes eine jährliche Beihülfe von 240 Mk. Neuftetiiu. Der Vorstand der hiesigen Synagogen-Gemeinde veröffentlicht folgende Erklärung: Laut den gleichlautenden Berichten der Tagesblätter hat der Abgeordnete Graf Clairon d' Hauffonville in der Abgeordneten Sitzung vom 25. d. folgende Aeußerung gethan: »Jede« Kind in Reustettin weiß, daß ein Christ nicht schuld ist an dem Synagogenbrand, soiidern höchst wahrscheinlich ein Tempeldiener: übrigens schwebt die gerichtliche Untersuchung in dieser Angelegenheit." Wir lege» h.er zur Entkräftigung dieser Behauptung eine Abschrift de» Beschlußes de« königlichen Landgerichts zu Köslin vom 8 Juli 1881 und deS dcnselben bestätigenden Beschlußes de« königlichen OberlandgerichtS zu Stettin vom 28. Juli 188 z bei (Die betreffenden Aktenstücke liegen uns in beglaubigter Abschrift vor. D Red.), woraus erhellt: I. Daß die Eröffnung des HauplverfahrenS gegen den hiesigen Synagogendiener. wegen fahrlässiger Brandstiftung, als jedes khatiächlichen Momentes entbehrend, von beiden Instanzen abgelehnt wurde; II. daß »ach dem Gutachten der Sachverständigen, sowie eines großen Theiles d:r Zeugen in vorliegendem Falle die Annahme der vorsätzlichen Brandstiftung durchaus nicht unwahrscheinlich, aber für eine solche bei dem Tempeltiener jedes Motiv fehlt; Hl. daß seit diesen Daten jede gerichtliche Urte.suchuiig in dieser Angelegenheit ausgehort hat. Wir vernehmen also mit Briremven und mit dem tiefsten Bedauern, das der Vertreter des ersten Regierungsbeamten dieses Bezirkes sieben Monate nach Erfolgen dieses gerichtlichen Bescheide« in öffentlicher Abgeordnetenversammlung die Behauptung aufgestellt, daß der Brand der hiesigen Synagoge durch Fahrlässigkeit des Tempeldieners cnstnnden sei, und daß die Untersuchung in dieser Angelegenheit noch schwebe, — eine Behauptung, die ganz dazu geeignet ist, der Anschuldigung seiten« der hiesigen und auswärtigen Anlifensitenpreffe, als hätten die Juden selbst ihre Synagoge angezür det. neue Nahrung zu geben. (Der Herr Abg. hat seine allerdings sehr wunderliche Aeußerung im Abgeordnetenhause zum Theil wi» derrusen.) Köln. (Or.-Corr.) Für das frisch pulsirenbe jüdische Gemeindeleben legen ErinnerungStage, Feierlichkmten der WoblthätigkeitSanstalten unwiderlegbare Zeugnisse ab. In unserer Gemeinde, die in den letzten Decennien einer unerwarteten Zunahme ihrer Mitglieder, Gründung neuer religiösen Vereine sick» erfreut, mehren sich mit jedem Tage die Anzeichen, daß Cöln für die Rheinprovinz und We.tfalen die Bedeutung sür daS Judenlhum gewinnt, welch« Berlin für daS Eentrnm Deutschlands, BreSlau für den Oster u. s. w. haben. Die Metropole i« Westen Deutschland« da, f nie au« den Augen verlieren, daß nach historischer Gewißheit sie erste jüdische Gemeinde in Deutschland nach der Zerstörung de« Tempel« in ihrer Mitte sich bildete. Dieser hi-