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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 74 — fn Preußen von der Lera Frankel her. Der selige Direktor, al« geborener Otfterreicher, zog sie in'« Send und zeigt« für sie ein« besondere VorVeb«, »eil er tet ihnen mehr talnckdische Kenntnisse voraursetzte, freilich erMe« sich' diese A»<au«setzung t.ichl selten al» «ine irrige. Kehren wir jedoch nach dieser Digreffion wieder zur Hauptsache zurück. Wir sagte«, jüd. Behörden sind deshalb nöthig, weil der religiöse Sinn unter den Juden von R«u-m belebt werden muß. Man Unterschüße diese» Mahnwort durchaus nicht! So Manchem ist heutzutage da- Judenthum ein Ballast, er findet das Beseligende uns Beglückende in ihm nicht mehr heraus. Allzu großer Liebe erfreuen wir un» bei unseren andersgläubigen Mitmenschen erst recht nicht; der Jude, namentlich in Preußen, wird noch immer etwa» über die Achseln angesehen, und jetzt gar, wo fick eine Partei gebildet hat, die Juden in ihren bürgerlichen Rechten zu beschränken und sie wieder al» Fremde (keine Deutsche) zu behandeln, droht die Gefahr, et könnte der hohe Idealismus de<> Judenthums, von dem unsere Borfahren so sehr beseelt waren und der sie das Härteste ertragen ließ, Einbuße erleiden. Darum müssen di« Edelsten und Besten der Nation, darum müssen Männer, deren Herz warm schlägt für den Glauben und die mit einer tüchtigen allgemein wissenschaftlichen Bildung jüdische» Wissen verbinden, an die Spitze gestellt werden, damit sie da» Nöthige veranlassen, den jüd. Glauben wieder zu Ehre und Ansehen zu bringen. Faul ist so Manche» unter uns, die» wollen wir un» nicht verhehlen, aber Besserung kann und muß eintreten, und da» zunächst auf den» Gebiete des Jugendunterrichts, denn auf der relig. Erziehung unserer Jugend beruht da» künftige Heil des Judenthums. Darum hat e» un» gefreut, diesen Punkt in dem Programm des Deutsch-JSraelit- GemeindebundeS al» ersten aufgeführt zu sehen. Der Verein zur Erziehung jüd. Waisen in PalSfttna. Berlin. Der Vorstand (Vorsitzender: M. G- Lewy) und der VerwaltungSrath (Borsitzender: Rabbiner l)e. Ungerleid er) de» „Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina* sagen in den: soeben oerössentlichten Bericht für das Jahr 1881: „Mit freudig bewegtem Herzen gehen wir dieses Mol an die Berichterstattung über das von unserem Verein gegründete Waisenhaus in Jerusalem. Die heilige Sache, in deren Dienst wir getreten sind, gedeiht zusehends und findet in immer größeren Kreisen Anklang und Anerkennung*) Aus geringen Anfängen heroorgegangen, schreitet unsere Anstalt mächtig vorwärts zu diesem Ziele, das sie sich gesteckt hat. Unsere Waisenanstalt, welche ani l. November 1880 mit vier Knaben eröffnet worden, hat bereit» vom 1. Januar 1882 an zehn Knaben aufnehmen können. Dieselben erhalten daselbst außer Wohnung, angemessener reichlicher Kost und paffender Bekleidung ihre Erziehung durch einen europäisch gebildeten und der jüdischen Religion warm und treu ergebenen Leiter, so wie Unterricht in den Elementen, in der hebräischen und in der deutschen Sprach«.**) Sie sollen zu nützlichen Mttgliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen *) Auch «u» Aelbo arne stad in diesen Tage» Beitrüge für da» waijenhau« ringetroffen. In den hebräischen Stunoen sind zunächst Bidet und Gebetbuch nebst hebräischer Srammtik du Unterriänsgeaenftänd«; später sollen Mischna und Talmud, dann auch überharpt Lradisch und granzästsch gelehrt werden. und in den Stand ,«setzt werden, sich durch eigene Thättgkeit zu erhalte«. Dem Ilmosennehmen und de« leidigen Bettelwesen, da» unsere« GlaubenSbüdern im hsUgen Lande noch aichtlftti, soll durch (ne bessere Jugenderziehung nach uitd nach ein End,- geckacht »erden. Zu» Bedauern aller derjeäigen, welch« der europäischen Kultur die Bahnen in Palästina geebnet sihen möchten, sind e» gerade die Mitglieder der AfchkenasimGe neinde, welch« zu feindlichen Angriffen gegen unsere A istalt aufgestocheit werden, während von Setten der Sephardim und der Moghrebim*) diej Anstalt mit Freu- Xn begrüßt w.rd. Der unterzeichnet« Verein erkennt freilich in jedem Julien, ms welchem Land« er auch stammen möge, seinen Bruder, für den er nach Kräften zu sorgen habe, und kann e» nur b-dau,rn, wenn ein großer Theil der Glaubensgenosse» au» Mißmrstand und Unkenntniß der Sachlage die ihm gebotene Wohlihat zurückweist. Daß die Wege und Erhaltung der väterliche» Religion zu d;n Haupt aufgc den des Verein» gehören, ist demselben nicht blo» durch dm Statut vorgeschriebe.,, sondern bildet die Grundlage deganzen Erziehungswesen-. Ein Comitö in Jerusalem, auzuverlässigen Männern zusammengesetzt, führt die Aussicht über die Anstalt und gicbt dem Berliner Verein von Zeit zu Zeit Bwicht über den Befund desselben. Zu diesem Eomitö ge!,ört u. A. Herr M. P i n e ». Vertreter des Sir Mose» Mont.fiore Testimonial Fon» in Jerusalem, ein wohldenkender, wahrhaft frommer Mann, der fast täglich die Anstalt besucht und de.selben in uneigennützigster Weise se,ne dankbar anzverkennende Thäligkeit zuwendet. auch mit dem Vorstande de» Verein» i« fori dauernder Eocrespondenz steht. Die körperliche Pflege der Zöglinge steht unter der Aufsicht de» Herrn l»r. S ch wa rz. Arzt am Rothschild-Hospital daselbst, dem ebenfalls für sein: ureigennützige Wirksamkeit lebhafter Dank gebührt. Ebenso geben uns Reisende, welche Jerusalem besucht haben, Nachrichten über das gute Aussehen der Kinder und die verständige Leitung der Anstalt, veschultigungen. welche gegen dieselbe besorder» vom religiösen Gesichtspunkte aus erhob-« werden, beruhen auf Entstellung oder geradezu auf Erdichtung. Der Per, in hält e» unter feiner Würde, jede dieser in die Orffentl.chkeit gebrachten Anklagen zu widerlegen; er wird in seiner gerc uschlosen aber segensreichen Arbeit fortfahren, mit un: so größerem Muthe, als es auch an Anerkennung edler Helfer nicht fehlt. Bon Seiten eines Wohlthäter», der ungenc nnt bleiben will, ist der Anstalt ein Geschenk von mehr al» 40,0)0 Mark gemacht worden, und dankbar I wird der Bere n die Rainen derjenigen Männer gedenken, auf deren Bemühungen diese namhafte Gabe dem Verein zugesührt worden. Es sind die» die Herren Rabbiner vr Horowitz, Adolph Baer Goldschmit und Henry A. Franklin, sämmtlich zu Frankfurt a. R, die nun auch in den VerwaltungSrath eingetreten sind Tie an jene Schenkung geknüpfte Bedingung, daß möglichst l'ald ein geeignetes Grundstück für die Anstalt erworben werde, kommt den Intentionen de» Verein» in höchst erwünschter W:ise ntgegen, da ihui die im Statut in Aussicht genommen, Ern erbung eines eigenen Hauses in Jerusalem jetzt erleichtert wird. Der Vorstand steht auch bereit» in Unterhandlung über den Ankauf ein.s paffenden Hause» in Jerusalem und wird, sobald Ixt tauf perfekt geworden, nicht versehlen, darüber Mit.heilung zu machen. Ebenso ist der Plan, die Anstalt auch ars das weibli che Geschlecht auszudehnen, bereits in'S Auge gefaßt. Allen denjenigen, welch, dem Verein ihre Unterstützung zugewendet Halen t!'pvs.i thi nmon thk sei hiermit ausrichtiger Dank ausiesprochen, und wenn wir auch nicht alle Wohlthäter nanent ich aufführen können, so müssen wir doch besonder» de» hol ändischen Eomitä's, bestehend au» den Herren Oberral bine: B. I. B« r e n st e i n, vr. jur. M. de Pinto, L. Simon», stimm lich in Hrag, dankbare Erwähnung thun, wie nicht minder bei, Herrn v, zirkSrabdiner l)r. E a l v e n d i in Dürkheim, Mugliet de» BerrmltungSrathe«. der in unermüd- •) D. h. xn tu» Fez un» Aarotto stammenden Juden

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