Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Unmuth oller deutsch-österreichischen, und gewiß auch aller billig denkenden Juden überhaupt, gegen Euch ist groß. Hat denn, zumal Sr. Hochw. Herr Rabb. Dr. Schreiber eine solche dicke Schädeldecke, daß er es nicht einsieht, wie er. der »och da« Judenthui» in erster Lienie hochzuhaiten und zu schützen berufen ist, durch seine Parteislellung einen schimpflichen Ehillul- Haschem begeht? Wie». Mit ganz besonderer Sympathie begrüße» wir den 33. Jahr.Sbericht de« Verein» zur Beförderung der Handwerk, unter den iuiändischen JSraeiiten für da« Jahr 1882. Wir hal>en bereits in vielen Leitartikeln daraus hingewiese», daß derartige Bcreine die größtmügltchste Unterstützung von Seite» unserer Glaubensgenossen verdienen, damit da« Handwerk im Jubenthum wieder wie in früheren Zeiten Wurzel fasse und zur Blüthe gelange. Unter der Fürsorge des obigen Verein« standen am Ende de» vergangenen Jahre» 337 Zöglinge. ES dürfte interessant sein, eine tabellarische Uebeisicht der BereinSzöglinge hier zu geben: 7 Bäcker, 3 Broncearbeiter, 12 Buchbinder, 2!) Drechsler,!t Gelbgießer, l Gerber, l Goldarbeiter, 3 Hafner, 3 Handschuhmacher, l3 Hutmacher, 3 Kupferschmiede, 17 Lederarbeiter. 3 Maschinenschlosser, I Maurer, 8 MeialldrechSler, 3 Metallgießer, 20 Posamentirer, 3 Sattler, 60 Schlosser, 3 Schmiede, I Schneider, 61 Schuh' macher, 33 Spengler, 1 Steinmetz, 23 Tapezirer, 7 Taschner, 27 Tischler, 13 Uhrmacher, 4 Vergolder, 1 'Wagner, 3 Zuckerbäcker. Die Einnahmen betrugen fl. 3,633 23. Die Au«- gaben betrugen fl. 10,338.11. Das daraus sich ergebende Deficit ist au« dem Reservefond gedeckt. Der Bestand der Meister-Stisiunge» zu Ende 1881 war fl. 23,140.23. Bielitz. Da» hiesige .Wochenblatt" widmet dem Andenken de« verstorbenen Rabbiners Ür. Leiser einen warm empfundenen Leitartikel, dem wir folgende Sätze entnehmen: Im kräftigsten ManneSalter — kaum 37 Jahre alt — hat er anr 11. Febr. d I. nach mehrmonatiichem schweren Leiden, bei ungetrübter Geistesgegenwart, mit dem Bewußtsein seines bevorstehende» Hintiilte» — mit frommer Ergebung in die unabänderlichen Fügungen der Vorsehung umgeben v"n seiner treuen Gattin und vier unmündigen K«ndern sei»'» edlen Geist ausgehaucht und ani 13. d. M. wurde sein« entseelte Hülle aus dem i«r. Friedhofe unter dem tiefen Schmerze seiner Geineinde, die ihn verehrte und der Tausende, die ihm — ohne Unterschied der Eonsession — ihre ungetheilie Achtung enigegenbrachten, zur ewigen Ruhe bestallet. Hunderte von Arme» trauern uin ihren Wohithäter, — zahllose dürftige Schüler blicken thränenden Auge» aus da» düstere Grab, da« lich um einen der edelsten Mecäne geschlossen, und händeringend jammert ei» braves, wackere« Weib um den Gefährten ihres Leben«, zu dem sie stet» mit gerechtem Stolze einporgeschaul, und drückt an sich vier kindliche zarte Wesen, die allein unter all den, sie umgebenden Jammer die Schwer« de» Schicksal» nicht ahnen, da» sie heinlgesucht hat. U'ber die Beerdigungsstier schreibt dasselbe Blatt: Am 13. d. M versammelten sich vor dem Trauerhause Lrsier'« der Bielitzer Gem-inderath, di« Beamten der hiesige» politischen und Gerichtsbehörden, die Leh>körper sämmtlicher Mittelschulen, Vertreter der katholischen und evangelischen Geistlichkeit, die Vorstände sämmtlicher Vereine, die Schüler de» Gymnasium« und der Realschule, wie auch der iSrael. Volksschule, der iSrael. Gemeindevorstand von Bielitz, Biala und Lipnik, Deputaiiouen der iSrael. Gemeinden von Teschen, Ekotschav, Lswiecim, Saydusch und ein nach Taufenden zählende» Publikum. Um 2 Uhr Rachmittag setzte sich der im-! posante Trauerzug in Bewegung. Unmittelbar vor dem Leii chenwagen gingen die Rabbiner Nr. Glaser aus Lipnik, Nr. Friedmann aus Teschen. Nr. Rosenthal au- Beuthen und Nr. Kohn au« Bisenz. In dem schwarz drapirten Tempel widmeten vorerst Nr. Glaser und sodann vr Friedmann dem dahingeschiedenen BerufSgenosien und Freunde warme Nachrufe, in welchen sie seiner hohen Tugenden, seiner aufopfernden Pflicht- und Be rusttreue, seine« lautern Eharakter« gedachten. Beide Reden wirkten ergreifend und wurden wiederholt durch laute« Schluchzen der dichtgedrängten Zuhörerschaft unterbrochen Von» Tempel setzte sich der Zug nach 3 Uhr nach dein Friedhof« in Bewegung. Vor der Leichenhalle am Friedhof sprach Dr Kohn, Schwager de» Verblichenen. Der Eindruck seiner Rede war ein erschütternder. Rach Verrichtung der rituellen Gebet« hielt noch Herr I>r. Rosenthai am Grabe eine geistvolle, formvollendete und durch ein äußerst schöne» Organ in ihrer Wirkung gehobene Rede, in w.lcher er den Verewigten als ei» ethische» Genie prie»; da« beseelt von dem Drange. Gutes zu thun und »u schaffe», seiner inner» edlen Ratur »achlebe» mußte. Wenn wir, schreibt die Red. jene« Blattes am Schluffe diese» Rachruse», dem allgemeinen Urtheile kurzen Ausdruck verleiden sollen, so glauben wir e» nur dahin thun zu könne»: Den sie da zur Ruhe gebettet, er mar der Edelsten Einer! Rutzlanv. Odesia. Ein grausame« Verbrechen wurde, wie wir einem hier au» Bialystok eingelangten Privatschreiben e ltnehmen, in der Umgrbnng von B'-aiystok dieser Tage verübt und hätte dort beinahe den Impuls zu einer verbrecherischen Ausschreitung gegen die Juden gegeben. Ei» reicher Schweinehändler, welcher bei einem dortige» Geistlichen übernachtete, wurde nättllich von demselben ermordet und seiner Baarschast von circa 20,000 R. beraubt, worauf der Mörder die Leiche in einen Sack steckte und in die Wohnung eines benachbarten jüdischen Schankwirthe-trug, woselbst er dieselbe in einem Winkel zurnckließ. Tag« daraus wiirde der Mord konstatirt und der Jude liebst dessen Frau gtsnuglich eingezogen. Kaum war die Rachricht davon in der Stadt verbreitet, al» sich eine nicht geringe Aufregung gegen die Juden bemerkbar machte und e» vergingen 2 Tage der scheecklisten Pein für dieselben. Am dritten Tage erschien endlich ein alter Bettler, welcher sich Tags über aus dem Kirchhofe auihält, beim Untersuchungsrichter und lh ilte ihm mit, daß er zufällig während der Rächt bei der Wohnung de» G.nstbchen vorübergegangen und Zeuge de» Verbrechen« gewesen sei. Zum Beweise seiner Au-sage bat der Bettler, man möchte ihn umkleiden und in Begleitung einiger verkleideter Polizisten nach der Wohnung de« Geistl chen schicken, woselbst gewiß noch Spure» de« Morde« sowie da» geraubte Mio zu finden sein werden. Dem Gesuche de« Bettler« willfahrend, begab sich der Untersuchungsrichter in Begleitung einiger ver« kleideter Polizisten in die genannte Wohnung, woselbst sie die Au-sage de« Bettler» bestätigt fanden. Der wahre Mörder wurde losort verhaftet und die unschuldigen Verdächtigten, welche man inzwischen sestgenomnie», aus freien Fuß gesetzt. (Welch' entsetzliche« Unglück ist hier durch die Guave Gotte» verhütet worden!) Petersburg. Au« dem disharmonischen Geheul der russischantisemitischen Blätter gegen die Engländer hebe» wir, da alle» Andere nur den alten Kohl wieder auswärmt, die Phrase hervor: „Wie bekannt ist der Anstoß zu dieser Versolgung von Deutschland auSgegangen „Wie konnte» Frankreich und England ruhig mitansehen, >va» in Pommern und in Berlin geschaht Rur unS gegenüber können sie nicht an sich haltend Auch in F i n n l a n d, wo aus den Dörfern gar keine Juden, und in den 3 Städten Wiburg, HelsingsorS und Abo etwa 300 Familien wohnen, ist aus dem Landtage am 2. Februar von bäuerliche» Abgeordneten der Antrag eingebrachl worden, die alten Gesetze gegen die Juden nach dem streuzeil^ Wortlaute in Anwendung zu bringen, selbst gedienten Soldaten nicht mehr die Niederlassung zu gestatten und die zur Zeit unberechtigt dort Wohnenden auszutreiben! (Hazephira) Petersburg ES ist eine Pflicht, die Ehrenerklärung zu erwähnen, welche Herr Hurwitz, Schüler der 2. Ablheilu.ig der Ackerbauschule iu Horki den Lehrern der Anstal: giebt. Jene 3 Juden, welche nicht ausgenommen worden sind, waren