Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938067--4481-5376783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— es — Doppelquartett der dortigen akademischen Liedertafel, sodann viele einzelne Verehrer und Freunde Auerbach-, so den badischen Ministerialpräsidenten Ellstätter, den bad. Generalintendanten Edlen Ganzu Putlitz, Prof. I>r. o. Bischer au» Stuttgart u. s. w. Am Grade eröffnete da» Tübinger Doppelquarlett die Trauerseier durch einen weihevollen Gesang. Hierauf hielt der Rabbiner Dr. Siiberliein die (in vor. Nr. de» Litrbl. mitgetheilte) Grabrede, ein schöne» Grabgebet wurde von dem Lehrer und Vorsänger Strauß gesprochen. 'Nach diesen trat Pros. I>r. v. Bischer an da» Grab und hielt dem Dichter einen Nachruf, welcher Auerbach» Leben und dichterische Bedeutung in kurzen kraftvollen Zügen charakterisirte. Weiter sprachen am Grad« Herr Sal. Marx au» Berlin, e.n Freund Auerbach-, Pro«. Dr. v. Köstlin au» Tübingen, welcher im Auftrag der dortigen Hochschule einen Kranz niederlegte. Der Senior der Burschenschaft „Germaua" widmete dem alten Burschenschafter einen Lorbeerkranz. Dr. Wilhelm Vollmer ebenso im Auftrag de» I. G. Eotla'schen Verlag». Fritz Auerbach sprach im 'Namen der Loge „zur ausgehenden Morgenrölhe" in Frankfurt a. M.: Stud. Bökheler legte im Namen der akademischen Liedertafel einen Kranz am Grabe nieder; Adolf Zahn sprach im Namen der „Neuen badischen Landerzeitung" in Mannheim; De. Lohmeyer au» Berlin im Namen de» „Symposion" und de» deutschen Schriststellerbunde» in Leipzig. Weitere Kränze wurden »«spendet von Sr. K H. dem Großherzog von Baden, vom literarischen Club in Berlin, von dem Schriftsteller-Verein „Concordia" in Wien, von dem Mänuergesangvereiir in Bonn, von dem Verein der „Berliner Presse" von Paul Heyse, Friedrich Spielhagen, Ferdinand Hiller, von mebreren jüdischen Gemeinden, mehreren Zeitungsredaktionen (darunter „N. fr. Presse" und „Nat.-Ztg.") u. s. iv. BeileidS-Depeschen und Schreiben hatten Se Maj der König von Württemberg, Se. Hoheit derPrinz Hermann von Sachsen-Weimar-Eisenach.dieSchillerstistung in Weimar, der Novellist Gottfried Keller in Zürich u. A. gespendet. Den Schluß der erhebenden Feierlichkeit bildete wiederum ein Gesang der akademischen Liedertafel. Am Tage nach dem Tode war Professor L a z a r u » au» Nizza nach EanneS herübergekommeu und hielt dort dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Er schilderte, wie Auerbach'» ganze» Thun und Sein dem deutschen Volke gegolten habe» wie er ein echter Patriot gewesen sei und r» verstanden habe, da» Volk in seinem ticfinnersten Gemüth»- leben zu schildern. Die Red« ist bei F. Dümmler (Berlin) erschienen. Lei-zlg. (500 Mark jährliche» Stipendium für «ine Israelitin zum Zwecke de» ärztlichen Studium») Seit mehr al» einem Jahrzehnt ist man bemüht, dem weibliche» Geschlecht« in Rücksicht aus die Frage nach einer selbstständigen Existenz zu Hilfe zu kommen Dieser Ausgabe, vieler Hilfeleistung unterzieht sich auch die „Darlehn»kasse für israelitische Frauen und Jungfrauen", und sie hat in der oerhältuißmäßig kurzen Zeit ihre» Besteheneine segensreich« Wirksamkeit entfaltet. Dennoch bezog sich ihre bisherige Thätigkeit auf die mittlere und untere Schichte der Bevölkerung, während e» eine statistisch bestätigte Thatsach« ist, daß die BerufSlosigkeit in den höheren, gebildeten Ständen mindestenebenso dringend« Abhilfe erfordert. E» stellt sich somit al« eine 'Nothwendigkett herau», dem weiblichen Geschlechte höhere Beruf-kreise zugänglig zu machen. Der ärtzliche Beruf ist ein solcher, der nicht nur der einzelnen Frau, die ihn ergreift, sondern dem weiblichen Geschlechte in seiner Gesammtheit zu Gut« kommt. Die Behandlung der meisten Fraueu» und Kinderkrankheiten wird naturgemäß Sach« der Frau sein. In Deutschland haben die Aerztinnen. Fräul. Dr. Lemu» und Fräul. Dr. Tiburtiu» ein nachahmen»werthe» Beispiel gegeben, indem sie in Berlin eine Klinik für Frauen- und Kinderkrankheiten errichtet, die von Frauen aller Stände al» ein Segen und al» ein« Wohlthat begrüßt wurde und sich auch in dieser Weife bewährt. In Rücksicht Iiarar f bat der Verwaltung-rath der Darlehn»kaffe für i»rc.elitii che Frauen und Jungfrauen (laut Annonce in diesem B alte) beschlossen, da» obige Stipendium zu dem genannter Znecke de» ärztlichen Studiuin» einer Dame zu bewillige«», Ir glaubt damit ein Beispiel zu geben, da» vielleicht späte: von Persönlichkeiten, denen mehr materielle Mittel, mehr Einfluß zu Gebote stehen, ausgenommen - und erfolgreich durchges lhrt wird. So lange die Zulc ffung von Studentinnen aus deutschen Universitäten nicht gestattet ist, wird da« Stipendium auch bei < Benutzung der Züiicher Hochschule gewährt iverden. Oesterreich. Wien. Wie tiefe Wurzeln der Judenhaß in der Mitte de» czechische» Volke» gefaßt hat, und wie richtig unsere, an dieser Stelle schon öfter» geführten Betrachtungen über da» Verhältniß der Ezicheu und Juden in Böhinen sind, zeigte wiederum einmal mit erschreckender Deutlichkeit die Sitzung de» öiierr. Abgeordnetenhäuser vam lv. Febr. d I. Die jüdische» Abgec rd ieten K u r a n d a. I a c q u e S, G o inpcrz und Neuwirth gehören zu den ersten Zierven der Berfassung-partei. S«e sind, jeder auf seinem Gebiete, Autorität. Wenn einer von diesen politischen Eapacitäten da» Wort ergreift, lauscht da» ganze Hau» mit gespannter Aufmerksamkeit ihren Worten, die rann auch im ganzen deutsch-österreichischen Volke den weiti stcn Nachhall finden. So hatte erst jüngsthin der Abg. Neuwirth, eine» der bedeutendsten Flnanzger«,» Oesterreich«, gegen den polnischen Finanzminister Ti najeireki in der famosen Länderbankaffaire einen «ernichtendrn — wenn man überhaupt beim Ministerium Taaffe, einen solch m Ausdruck gebrauchen darf — Schlag geführt, der einen ganzen Sturm und eine Unfluth von Broschüren gegen den!1bg. Neuwirth herausbeschwor. Auch der Abg. süi Wien, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Jacques, begann > or 2 Monate» gegen den czechischen Justiz» minister Dr. Prazak in Abgeordnetenhause einen gewaltigen Strauß, und setzte benselaen mit gewohnter Schärfe letzte Woche anläßlich der Budzetdebatte fort. Da besaß nun, an dem odengenanntrn Tage, der hervorragendste und anerkannte Führer de» czechischen Volke», De. Ladirlau» Rieger, die Taktlosigkeit und Unverfrorenheit, von der öffentlichen Tr-büne herab, di« Abgeordneten Jacque« und Neuwirth ihre» Jndenlhum» halber in unqualificirbarer Weise zu verhöhn« n. Seine GesinnungSgenoffen, zu denen diesmal auch der Abgecrdnete von Zwetel, Ritter v. Schönerer gehörte, zollten Herrn itieger lebhaften Beifall. Es überfchrite di, diesem gcsch. Blatt« gesteckten Grenzen, wollte ich hier anläßlich diese» Vorfälle» längere politische Betrachtungen anstelle«!. Aber folgend« 2 Fragen will ich hier zum Schluff« erheben. Wollen unser; fanatische» Czechojuden in Böhmen, selbst in Anbetracht solcher Erscheinungen, noch tinmer nicht die Augen öffnen und begreifen, aaß die National-Ezcchen. denen sie ihre ganze Liebe and i >re ganze politische Kraft widmen, die bittersten Gegner de» Judenthum» sind? Sind sie noch immer nicht zur Einsicht „langt. daß da« Heil der Juden nur im Lager der deutsche» Fortschritt»- und Versaffung-partei zu suchen ist? Aber auch an di, Abgeordneten, Sr. Hochwürden den heiligen Rabbi S chreib r, und den Herrn Rappoport will ich die Frage richten: Wn lange noch werdet Ihr Hand in Hand gehen mtt den ausgesprochensten Gegnern dr» Judenthum», mit einem 8üeger, einem Lienbacher, Fürst Aloi» Lichten stein, Pate, Gre iter, Giovanelli u. s. iv., die durch ihr« ganze Politik, dir Fieiheit und hiermit dem nur unter d«n Schatten dec Frühest und Aufklärung gedeihen könnenden Judenthun, di; Lebensader zu unterbinden versuchen? Die e» nicht s«heuen, trotzdem Ihr auf ihrer Seite steht, den Judenhaß in so feierlicher Weise zu schüren? Der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.