Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/5369809-5935096-5938067--4479-5376781- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tiÜ — dort au« der eigenen Initiativ« der Juden hervorgegangen, was allerdings um so rühnien-werther ist. Aber bedenken wir, dast die Begeisterung zu Beginn der Emancipation beträchtlich nachgelassen hat, und der Indifferrntismu« an Stell« de» früheren Eifer« getreten ist. Heute must die Hilfe de« Staate« zur Hebung de« religiösen Sinne« unter den Inden in Preuste» aiigeruse» werden, den» überlassen. wir dir jüd. Gemeinden ihrer Lethargie, so drobt die Befahr, dast die allen, mittelalterlichen Zustände über sie hereinbrechen, da« Hep'Hkp.Geschrei beginnt immer wieder, und wer bürgt dafür, dast der christlich germanisch« Geist nicht de» jüd. Beist wird unterdrücken und Niederhalten wollen? Stöcker'« jüngste Rede im preust. Abgcordnetenhause bezeichnet die« ja offen al« Ziel der ganzen Agitation, hinter welcher die Conservativen ei»' gestandencrmasten, und höher« Kreise ohne e« einzugestehrn, stehen. (Fortsetzung folgt.) Zum Austritt jüdischer Amtsrichter. Zu den in diesem geschätzten Blatte den jüdischen Amt»- richtern gemachten Borwürsen gehört auch deren Lu«tritt au« dem Gemeindeoerbande. Die bisherigen Darstellungen liehen vermuthen, dast da« „Eure Gesellschaft behagt mir nicht" da« auSschliestliche Motiv ihre« Austritte« wäre E« ist nicht zu leugnen, daß diese Mittheilungen alle diejenigen schmerzlich berühren mußten, welche mit freudig bewegtem Herzen von jeder Rangdeförderung eine« unserer Glauben«gc»off«n Kennt» nist nahmen. Ich freue mich drum, über einen solchen Fall reseriren zu können, de» nicht Ueberhebung de« Richter«, sondern Unbilligkeit der Gemeindevertretung verschuldet hat, hoffend, daß auch in den andern Fällen oie ganze Schuld nicht auf Seite der höher» Intelligenz zu suchen sei. Al« mich vor einigen Tagen ein« schmerzlich« Pflicht — da« Leichenbegängnist meine« eben so gelehrten al« allgemein hochgeachteten Schwiegervater«, de« Kaufmann« und Lotteriecollecteur« Herrn Samson W. Chotzen, der am I»-. d. Mt«, da« Zeitliche gesegnet — nach Neustadt O/S führte, erfuhr ich, dast am dastgen Krei»- gerichte ein jüdischer Amtsrichter, Herr St., angestellt sei, der seinen Austritt au« dem Gemeindeoerbande angemeldct hatte. Auf nähere Erkundigung über deffen Beweggründe wurde mir folgender Sachverhalt mitgetheilt Im ersten Jahre feine« dastgen Domizils wurde dnc Amtsrichter St. zur Leistung einer Eultussteuer in Höhe von 8 M. m o n a t l i ch herangezogen, v«' denkt man, da« die Reustädter Eultu«gemeinde, die ihren Prachttempol der Munifizenz de« sel. Geh. Kommerzienrathe« verdankt, in ihrem Ausgabeetat keinen Schuldenlilgung«posten aufzuweisen habe; erwägt man ferner, dast eine Gemeinde, die auf eine einzelne Person s ä m m t l i ch e Bemeindesunktionen konzentrirt, überhaupt in ihrem Budget keinen allzugroßen AuSgabeetat hat, so ist di« Heranziehung eine« Amtsrichter« mit nur 800 Thlr. Gehalt zu einer Be»trag«leistung von 96 M. jährlich exorbitant. Nichtsdestoweniger hat besagter Amtsrichter diese ihm aufgelegte EultuSsteuer unweigerlich geleistet. Al« aber im daraus folgenden Jahre der löbliche SultuSvorstand e» für gut befunden, ihn in der Steuer zu erhöhen — wiewohl die Ausgaben und Einnahmen dieselben geblieben —, hat er gegen diese Erhöhung mit dem Hinweise auf sein Einkommen und daß er standesgemäß leben müsse, reklamirt. Dieser Reklamation gab der Borstand keine Folge, woraufhin Herr" Amtsrichter K. seinen staatögesetzlich zulässigen Austritt dem Vorstand« b.kannt gab. Eo weit der Sachverhalt. Den gefch. Leiern der „Wochenschrift" dürfte «» wohl noch erinnerlich sein, daß wir im vorigen Jahrgang« der „Wochenschrift" die Unzulässigkeit de« Autztritie« au« einem Gemeindeverbande nach talmudischem Rechte eingehend nachgewiesen. Diesen Standpunkt habe ich auch jetzt noch nicht aufgegebeu, unbekümmert um d>« obszöne Auslassung de« in Mainz erscheinenden „Organ^ür da» orthodoxe, Indenthum" gegen mich. Bon diesem Gesichtspunkte au« kann ich den Schritt de« qv. Amt«richter« k inesweg« gut heißen. Jndeß rückte mir der Vorgang de« Reustädter Vorstände» die Frage näher, welche Stellung nimmt denn da« talmudische Eorpu« juri« einer unbegründeten Steuererhöhung gegenüber et»? Die Antwort darauf ls klar und präzi« in Karo'« Codex juri« § 34*) „Jede Einschägung »kommission niuß gewarnt werden, daß sie bei der Steue:rep>rtirung durch keine Boreingenomiiienheit sich leiten lasse, w-tl sie sonst jede Vertrauenswürdigkeit bei Zeugenschtifi und l ide»te«»ung verwirkt." Leider ist e» nun eine nicht zu leugnende Thalsache, daß heutzutage gar manche« Mitglied .ine, Einschätzungskommissio» bei seiner Amt«. waltung seinen peisönlicheu Groll gegen einen Steuerträger die Zügel schieße»! läßt. Daß die« moralisch verwerfllch» sieht »oohl Jeden»,»» ein. nur ist nicht jeder auch objektiv genug» da« allgeme ne Interesse von persönlichen Differenzen zu trennen. Sache der Radbinen wäre e» drum, vor jeder Sleuerrepartin ng n seiner Gemeinde von der Kanzel herab aus obige« Gesetz eufinerksam zu machen. Aber wäl rent nach Karo l. c. jede« subjektiv« Verfahren bei Einschätzilngen eine rein ethische Strafe nach sich zieht, sind die Folgen solcher Ungerechtigkeiten nach Talmud Tr. Succah pag. Sgl) schon cvnkreter Natur. Bier Vergehen werde» va aufgezählt. die einen Rückgang in den Vermögen«- Verhältnissen znr F olg« haben, und ist da« dritte im Bund»: yinan by i’imi 7’*xix b',"s Vr; ypTBtr bv „Wenn Jemand auf Andere großer« Bemeindelasten überwälzt, um seine Lasten zu erleichtern." Mögen die Herren Vorsteher die« beherzigen und die Amt«r chte nicht willkürlich überbürden, dann dürsten diese wohl schrrerli h vom Gemeindeverbande sich lossagen. l»r. Simon Wolsssohn. Belichte und Correspoiidenzen. Deutschland. Magdeburg. (Vom Gemeindetag.) In Folge der von Leipziger und Berliner Mitgliedern de« Ausschüsse« ergangenen Einübung waren am 2l. d. Mt«, im HOtel de Saxe zu Berlin dt, Vertreter von mehr al« 70 Gemeinden*) erschienen, un» übe» di« Reorganisation de« Gemeindebunde«, der seinen S»tz — e u» srüher mitgetheiltrn Gründen — nicht mehr in Leipzig Hal en kann, zu beralhen. E« galt vor Allem einen geeigneter Mittelpunkt für den Bund zu finden, von wo ouü er sein: ersprießlich« Wirksamkeit fortsetzen könne, und e« galt ferner, di« verschiedene» Ziele de« Bunde« etwa« prägnanter zus »mm rnzusaffen und dieselben zur Vermeidung einer Zersplitterung seiner Kräfte aus da« Nothivendigste zu beschränken. Do« u erreichen, mußte eine Revision derStatut.-n vorgenonmen ,o«rd«n. Diese bildete auch den Hauptgegenstand der Verhandlungen auf dem außerordentlichen Geneindetage. Nachdem inan am Montag Abend« zur Vorberathung in freirn Pourzarlei« zusammengekommen ivar und über ein» ‘»•r nym -n»o d» f'S'vvs'z ^npn 'vni i'2'iu (* KPr '12 XJlS’i1 IT 23' 2.TIXP IB'jn' 1N»0 m« s>3 .nyiairVi nny^ ^ob' •) Sin» g<r.au «, szählung wird bM offizieüe Lommu»>qu6 btin» gn>. ffiit grb«n ibigrr oorläufige» Berich, nach unterer Erinnerung. E« waren anwete, d dt tzH. Aaddtnen Dr. fteyer-tzannooer, W uttmaiin-tzildeshr»» Ha «durger-Strelih, Hildesheimer» Un gerleider, Frankl, ftrydaum, Cohn, Stein, Lallet, Ritter, simintlich aus Britin. :l ogelftein-Stetta». Rahm er Magdeburg; di« Prolessoren; Frendenthal-Brestau, Barth und Ein»i Breslauer- Berlin, D,rekt»r t'r. B ,« rwaid-Fraiikturt «/ft.. Direktor Dr. Smton, ft.»#.. Dr. ftosner. R>'t. De. Stern. Iuftrzrath De. Meyer, De. Hontgmann. fted iiodsk. Rassak, S.Simmel, tzirschderg. LamnsLrsurtj, Landauer (Broanschixtg). Rothschild (Stadtoldendorf), Racho», Hau-Idorff, v-rlhaaer rnd otete «adere, zum Theil mit ftandaten für mehrere «Aemeind«,.