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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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62 Wechsel zu bewegen sein, reiche, widerspenstige Juden dagegen sollten einfach per Zwang-maßregeln dorthin befördert werden. In der Motivirung diesesummarischen Projektheißt eS: Die Juden seien für da» europäische Rußland »Gift"; nur wie angegeben, sei emöglich, dieseschädliche »Gift" zu paralyfiren. — Diese Prob« der Gesinnungen, welche im russischeu Ministerium des Innern unter Graf Jgnatieff herrschen, genügen wohl, um den Werth der Entgegnung zu schätzen, welche daoffiziöse »Jour, de St. Petersburg" auf die Anklage der englischen Presse brachte. Au- Petersburg wird folgender, fr»ilich noch sehr dunkler Artikel, der die Welt auf die Lösung der Judenfrage in Rußland vo.bereiten soll, in der »Pol. Corr." veröffentlicht: Ein bemerkenswerther, die Judenfrage behandelnder Artikel, der kürzlich in der »Moskauer Zeitung" de- Herrn Katkow erschien und Herrn I)r. Mandelstam zum Verfasser hat. hat vielfache- Aufsehen erregt, vr. Mandelstam ist jüdischer Eonfeffion, ein ehemaliger Studirender der St. Petersburger Universität, Doktor der Philosophie und politischen Oekonomie, gab eine Bibelübersetzung heraus und stand ehemals beim Ministerium des öffentlichen Unterrichtes bei der Abtheilung für da» jüdische Schulwesen in Rußland in Verwendung. Er schlägt nun in dem gedachten Artikel für die Lösung der Judenfrage einen Plan vor, durch deffen Annahme und Verwirklichung seitender Regierung die zahlreichen Juden Rußlandmit eineni Schlage zum großen Vorthcilc de- Landezu vortrefflichen und nützlichen ruffischen Bürgern gemacht würden. Sein Vorschlag geht i.n ^wesentlichen dahin, daß man den armen Juden unter leicht ausführbaren Bedingungen, die in dem Projekte näher bezeichnet sind, Grundstücke überlaffe, so daß sie in den weniger bevölkerten Provinzen zu ackerbautreibenden Bodeneigenthümern würden. Das Projekt ist, wa» seine finanzielle Ausführung betrifft, durch einen geradezu ingeniösen Vorschlag ergänzt, durch welchen Rußland sich in ivenigen Jahren von seiner auswärtigen Schuld, welche au» den für den Bau der ruffischen Bahn ausgenommcnen Anleihen entstanden ist, befreien könnte und in die älage versetzt würde, die 50 Millionen Rubel, welche die ruffische Regierung alljährlich in Folge dieses Anlehens an da- Ausland zu zahlen hat, zur Exploitirung seiner innern Reichthümer und zur Hebung der nationalen Arbeit zu verwenden. Die Thatsache, daß dieser Artikel in dem Blatte de« Herrn Katkow erschien, beweist zur Genüge, daß er seinem Inhalte und seiner Tendenz nach den Ideen der Regierung ziemlich entsprechen dürfte. ES wird denn auch versichert, daß da- Projekt devr Mandelstam in den Ministerien der Finanzen, der Doniänen und de» Innern viel Anklang gesunden habe. E» ist sogar da» Gerücht verbreitet. daß Vr Mandelstam in dir Kommission für die Lösung der Judenfrage berufen werden soll. Die« wäre auch mir Rücksicht auf den vornehmen und objektiven Geist und die tiefe Sachkenntniß diese» Mannesehr zu wünschen. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg, 10. Februar, fßi« in den Berliner Synagogen fand gestern auch im hies. Tempel eine Sedächtnißseier für Berthold Auerbach statt. Anknüpfend an da« Thema der Schekalim-Predigt: „Des Menschen Leistung ist eine Sühne seiner Seele" — ivti iel: »'* urui — wieunser Rabbiner daraus hin, w>e in den Leistungen Auerbach» der Geist de» Judenthumuno di« deutsch« Volksseele die innigste Versöhnung tingegangen. Bei dem Namen Berthold Auerbach» erhob sich die ganz« Gemeinde zum ehrenden Andenken: Vmtr ’ja1? Dessau. 10. Februar. Wir lesen im »Anhalt. Staat«- anz.": »S« gebt un» die Nachricht zu, daß Seine Majestät der deutsche Kaiser und König von Preußen Allerhöchst Ihrem Hofbäukier und Verwalter der Schatulle, dem Wirtlichen Geheimen Rath Baron v. Cohn, Excellenz, hier Msttel» überauhuldvollen eigenhändigen Schrieben« da» »Eomthurkreuz de» königlichen HiuSordens von Hohenzollern" verliehen haben. Diese AuSzeikhnun, en wird nur in höchst seltenen Fällen und im Allgemeinen nur preußischen Staatsangehörigen zu Theil." 8. Stettin, 12. Februar. (Or.-Eorr.) Unter allen jüdischen Gemeinden ist wohl so leicht keine zu finden, die eine größere Steuerlast hat, al« Stettin. Der Bau de» neuen Tempel» hat Z. viel Geld gekostet und die jährliche Amortisation der dieserhlb aufgenommenen Hypotheke, sowie die vielen Zinsen dafür müssen eben von Jahr zu Jahr aufgebracht werden. Dennoch lassen wir den Einwand der Steuerüberbürdung nicht auskommen, wo neue gerechte Verpflichtungen an un,! herimtreten. Stellen sich neue Ausgaben ein. flugs wird die Steuerschraube wieder gedreht. Vor 2 Jahren mar er die Pension für die Wittwe de» verstorbenen vr. Treuenselt-, di« der Grund dafür war und in Anbettacht des edler Zweckes fügte sich jeder gern. Bei Veranlagung dediesjährig:» Etats hat unsere Gemeindevertretung die Erhöhung der Gehälter unserer Beamten beschlossen. Unserem Rabbi rer, ler im vor. Jahre mit einem Gehalle von 4300 M. ange teilt worden, sind jetzt 500 M. zugelegt worden; Herrn Eantor Sarajobn wurde eine Zulage von 300 M. bewilligt. Man sieht, daß unsere Gemeindeverwaltung dem nnble««: oblig«: eine: Großgemeind voll und ganz Rechnung trägt. Müachebeig. lnser Städtchen war Sonnabend, den 4. Februar, der Schauplatz «ine» seltenen Feste». Die Eheleute Abraham und Lina Hauschner feierten ihre goldene Hochzeit in derselben Synagcge, in der sie vor 50 Jahren getraut worden waren. De n religiösen Akt folgte Diner und ein Ball, bei dem )as goldene Brautpaar, da» sich der rüstigsten Gesundheit erfreut, >ich eifrig am Tanze betheiligte. Maunheiu. Herr Oppenheimer theilt nun der »Frankfurter Zeitung" mit, daß er von dem Bezirksamt Mannheim auf seine Anfrage salzenden Bescheid erhalten habe: »Dem Herr» Mose- Oppenheimer in Barmen wird auf seine Eingabe vom 31. Janulir erwidert, daß man (!) nicht in der Lage sei, ihm die Erlaubniß zur Abhaltung deproiektirten Vortrags (über der. Talmud) zu urtheilen." Schaeidenihl, t0 Februar. Der hiesige Arbeiter Bubol) hatte in dem b, nacht arten Dorfe Motylewo zweie» jüdischen Kaufleuten: »Hepp lepv, aus nach Palästina" nachgerufen. Das hirfige Sck offen zericht hatte den Angeklagten zu 0 Mk, eoenl 3 Tagen Haft verurtheilt, B. hatte gagegen aber Berufer. eingelegt, weil er durch jenen Zürns blos seinen Mitarbeiter habe zu> Arb'it anseuern wollen. Di« hiesige Strafkammer bestätigte da» erste Urtheil, dabei bedauernd, daß nicht auf eine höhere Strafe erkannt worden sei. Lemberg. 11. Febr. Nächsten Dienstag findet hier ein orthodoxer Radb nertag statt, zu dem an die 200 Theilnehmer erwartet werden Man will den Reformgeiüsten bei der Errichtung von EultuSgemeinden entgegenarbeiten. Pest, ll. Febnarr. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde unserem UnterrichtSmimster (Trefort) von der Opposition der Vorwurf gemacht, daß er nicht« altin Werkzeug in der Hand der Kirche sei. Und e» scheint dieser Vorwurf nicht ganz unbegründet zu sein. Denn in der That wurde r zwm unserer GlaubenSgenoff-n, der eine der hevorragendsle Philologe, der andere einer der bedeutendsten Philosophen Ungarn-, trotz jahrelangen Aufenthaltes in dieser» Staate und ungeachtet ihre» anerkannten Wirten« an der Unirersität, ihrer Eonfeffion halber nicht zu ordentlichen Professoren ernannt. Man macht ganz ausdrücklich die Erlangung d:r ordentl. Professur von einem ReligionSwechstl abhärgig. Land». 2>ie 3 Söhne de« Prinzen von Wale» «ollen Palästina besuch m. Ihrer Ankunft in veyrut oder Jaffa wttd gegen den IS. Mär, entgegengesehen.

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