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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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61 Thal wahrhaft religiöser Liebe, sondern auch ein ftrt politi» scher Weisheit, durch welche» der Ruhm und die Macht der katholiche» Kirche vermehrt würden Selbst hart bedrängt in Deutschland würde ste alle ihre Gegner beschämen und verwirren, wenn sie ihr inächtigeS und einflußreiche« Wort znm Schutze der von den sogenannten Antisemiten gehetzten Z«raelitrn gebrauchen würde/ —-— — —-— Der Verfasser jener kleinen, an den Cardinal Jacobini adressirten Memoire« glaubt nun, daß er die römische Curie bewogen hat, die Lache der russischen Juden in Erwägung zu ziehe» und daß die Folge vieler Erwägung dar jüngste Auktreten de« Cardinal- Manning. welcher vom päpstlichen Hole ouSersehen wurde, in einem freien Reiche für di' Juden und gegen Rußland z» demonstriren. Sollte aber der Mariendaver Verfasser in seiner Combination sich täuschen, so begnügt er sich mit dem schönen talmudischen Grundsätze, daß die gute Absicht als Thal angerechnet wird und drückt jedenfalls seine Genugtlmung au«, dasi ein Mann von der kirchlichen und socialen Stellung Manning« da« realisirt hat, wa« da« Herz eines Marienbader Lurgastet im Juli 1881 erfüllte und dessen Feder in Bewegung setzte. Schweden. R Llockhel«. 23. Januar. (Or.-Cor.) Al« Illustration zu dem beherzigenswert cn Leitartikel in Rr. 5»2 v. I., Ihrer gesch. Wochenschrift: »Ein Mahnruf an unsere Glaubensgenossen", dürfte folgend-S Schreiben des Statthalter« Olaf vonWannguistanden damaligen (Gemeindevorsteher S ch ü ck. datirt vom I!>. Jnni 1830 und veröffentlicht in Erasenstolp 's Werk: Carl Johann und die Schweden, sich ganz besonder« eignen. Dieser Brief, der meines Wissen« noch nie in deutschen Zeitungen wiedergegeben war, lautet in säst wörtlicher Uedersetzung wie folgt: „Da mir nicht bekannt ist, ob die hiek. jüdisch.' Gemeinde nach dem Ableben de« greisen Ehrenmannes Rabbi Rubel Wolfs einen neuen Rabbiner angestellt hat, sehe ich mich genoihigt, in folgender Angelegenheit mich an Sie zu wenden. (Es folgt die Aufforderung, dem Statthalteramt monatlich Berichte über Geburten uno Sterbefälle in der Gemeinde «inzusenden j. 'Nachdem ich so Veranlassung fand, in einer die Gemeinde im Allgemeinen betreffenden Angelegenheit an Sie zu schreiben, io benutze ich die t^elegenheit, mein« hohe Wertdichätzung über bas rühmenswertbe Verhältniß, in w lchem die jüd Gemeinde zu den schw,d. StaatSgesetzen stand und steht, au»zu drücken. Ich habe häusig privatim und öffentlich constatiren können, daß in den Diarien der Polizei unter der Rubrik: Jüdischer Religion angehürig kein Dieb, Trunkenbold oder Bettler, auch lein Weib, da» uneheliche Kinder hat. zu verzeichnen ist. Diese Erscheinung ist umsomehr beachten«- werth, al« gerade genannte Laster am häufigsten in der Hauptstadt anzutreffen sind. Ich täusche mich wobl nicht, wenn ich die Ursachen dieser Erscheinung ganz besonder« in der sittlichenErziehu»g.die jeder jüd. Hausvater seinen Kindern angedeihen läßt, finde. Demnächst aber auch in der wachsamen Fürsorge, welche die Vorsteher der Gemeinde derselben zu Theil werden lassen, und endlich in demoralischen Bildung, welche der jüd ReligionSlehrer der Heranwachsenden Generation beibringt. Diese drei Faktoren bewirken unzweiselhast die obigen rühmeniwerthen Zustände innerhalb der Geireinde und dieselben Ursachen werden stet» dieselbe Wirkung Hervorbringen. Ich gratulire der Gemeinde, wenn sie auch ferner i» der Wahl ihrer Vorsteher glücklich ist. denn von deren Fürsorge hängt das Ansehen der Gemeind« ab. Aber auch die Persönlichkeit de« ReligionSlehrer» ist hochwichtig, denn ein gelehrter und moralisch gebildeter Lehrer ist eine feste Stütze für Jung und Alt. Besonder« von Bedeutung ist er für die Jugend, in deren empfängliche« Gemüth er di« Begriffe der Pflichten und Sittlichkeit einpflanzt, indem er vor Allem durch sein eigne« Leben lehrt, w e diese Pflichten in allen Verhältnissen de« Leben« au«geübt werden müssen. um ehrbare Mitglieder der Gesellschaft zu werden und die Liebe und Hochachtung der Mitmenschen zu gewinnen. Sie verzeihen mir diese Weitläufigkeit, doch habe ich nicht unterlassen können, meiner Ueberzeugung Ausdruck zu geben, dah die glückliclien Zustände in Ihrer Gemeinde von der Beachtung obiger Grundsätze herrühren und die allgemeine Anerkennung tar n nicht ausbleiben, wenn die Gemeinde auch in Zukunft auf Rchtige Vorsteher und gute Lehrer da« größte Gewicht legt. Jcb habe die Ehre zu zeichnen Jdr ergebener Diener Olaf von Wannguist. Stockholm, den l'J. Juni 1830. Rußland. Petersburg 11. Februar. Der .Regierungsbote" und dar .Journal d: St. P'!ter«bonrg" veröffentlichen folgende» Communiquö: Da« Gerücht, daß eine englische Jnlercession zu Gunsten der rusiischen Juden in Vorbereitung sei, ist so wenig mir den gute» Beziehungen de» Eabinet« verträglich, daß e« eigentlich kein Dementi verdient. Da aber diese Gerüchte einen neuen Beleg für die Spannung der Beziehungen zwischen den J«ra iiten und der Masse der Bevölkerung herbeisühren könnten, so geben wir eine Darlegung von dem wahren Stande der Dinge. Die jüdische Frage gehört zu den inneren Angelegenheiten, in welche kein Staat jemals weder die Einmischung noch Rathschläge Fremder zulassen wird, in welcher Form dieselbe» auch austreten mögen. Eine Verletzung der internationalen (Gebräuche wäre die« mal um so weniger zuzulassen, als jede Jnlercession Mihoergnügen und Erbitterung der Massen erzeugen und der Lage der Juden, welche al« russische Unterthanen den Schutz der Regierung genießen, schad » würde. Die gegen die Unordnungen ergriffene» Maßregeln find keineswegs schwache. Gl sind int Süden 3875 Personen verhaftet und davon 2350 bestraft worden. In Warschau sind 315'. Personen verhaktet und sollen 2302 gerichtlich verfolgwerden. Die Regierung sucht »ach Mitteln, um die Möglichkei' einer Erneuerung derartiger Unordnungen kefinitw zu beseitigen. Die Frage ist Gegenstand der Erörterungen eine« besonderen Comitär; wenn aber die Resultate gut sein sollen, kommt es vor Allem daraus an. daß die Frage nicht durch auswärtige Einflüsse und falsche Gerüchte vergütet werde. Au« Rußliud. Während man in Petersburg sehr verstimmt ist über di« englische Protestkundgebung gegen die blutigen Judentetzen in Rußland, muß man sich barem ergeben, daß auch rn den Vereinigten Staaten von Rord-Amenka ähnliche Demonstratwuen zur Ausführung gelangen. So fand am Mitlirocd Abend m New Park «in große« Meeting zu dem Zwecke statt, den Synipath-en mit den Leiden der russischen Juden Ausdruck zu geben Dasselbe war von dem Expräsidemen Grant beru,cn. und wohnten demselben Vertreter verschiedener religiöser Bekenntnisse und viel« politisch« Rotabililäten bci. In den von dem Meeting angenommenen Resolutionen wird gegen die Verfolgung protest.rt und die Regierung ersucht, ihren Einfluß bei Rußland geltend zu inachen, um derselben ein Ende zu inachen. Viel helseil wird das freilich den so schwer Bedrückten kaum — aber die moralische Jsoliru ig Rußlands innerhalb der modernen christlichen Welt muß dadurch wenigstens immer augenfälliger werden. Und auch da« ist schon ein Gewinn. — Wa« hiesige Be rmte leisten, da« dürste am besten ein Spezialvorschlag beweisen, Lessen Autorschaft hi.'r allgemein dem Direktor der Kanzlei de» Ministerium« de« Innern, der rechten Hand de« Grafen Jgnatieff, dem Herrn Wosetkoff zugesprochen ivird. Demzufolge soll Herr W seinem Chef ein vollständig au-gearbeitete« Projekt vorgelegt haben, laut welchem sämmtlicl-e Juden Rußlands in Turkestan angesiedell, kurz gesagt also dotthin „verschickt" werden sollten. Arme jüdisch« Familien dürsten, wie der Verfasser meint» durch pekuniäre Unterstützung rc. ziemlich leicht zu diesem Domizil-

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