Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 65 —?OBb»n. Die 350 russischen Juden, welche am Freitag von Hamburg kommend in Liverpool anlangten, segelten am Sonnabend aus den amerikanischen Dampfer , ytlinoi«“ nach Philadelphia ad. Al« der Dampfer die Anke, lichtete, ließen die Auswanderer die Königen von Englang, so wie das Somit« welche« sie unterstützt hatte, hoch leben. Biele der Flüchtlinge bestätigten die Berichte englischer Blätter, daß während der Judenverfolgungen die Polizei dem Pöbel nicht nur ruhig gewähren lieh sondern sich an der Plünderung der jüdischen Häuser brtheiligte. — Der Hülsssond« zur Unterstützung der nothleidenden Juden in Rußland hat jetzt die Höhe von 40,00<> Lstrl. erreicht. Sir Mose« Monlefiore hat an den Lordmayor ein Schreiben gerichtet, worin er unter Beifügung von 500 Lstr. al« Beitrag de« City os London College sein Bedauern darüber, daß er nicht im Stande war, der jüngst im City-Rathhausr stattgesundeneu Kundgebung zu Gunsten der verfolgten Juden in Rußland beizuwohnen, sowie Dankbarkeit sür dir seinen Glaubensgenossen bewiesene Theilnahme au«drückt. _ Feuilleton. Verloren und gefunden. Eine Erzählung aut der Zeit de« 30jährigen Urieg,«. (Fortsetzung.) Mit ängstlicher Gier durchsuchte er die Taschen seines Opfer», mit wüthender Eile riß er da« Oberkleid de« Ohnmächtigen auf. mit der Geschäftigkeit eine« Räuber« durchwühlte er jede« Kleidungsstück Rüben«, di« er endlich zwei wohlverwahrte Schreiben entdeckte, von denen in der Thal da« Eine von Gertrud an Ahatz von Dohna, da« andere aber von der Hand de« Psarrherrn an Se. königliche Majestät den König von Schweben gerichtet war. Beim Scheine de» Vollmond« konnte Gert die Aufschriften entziffern und ein dämonischer Jubelrui entrang sich seiner Brust, al« er da« Mittel in Händen dielt, Ehrn Opitiu« Pläne zu durchkreuzen und Verderben über da« Psarrhau« zu entladen. Ohne auf da« unglückliche Opfer seine« Verderben« noch einen Blick zu werfen, steckte er beide Briese ein und brütend, wie er den besten Gebrauch von ihnen machen könnte, trat er den Rückweg an, in sein öde« Heim. Von seiner Abwesenheit hatte Niemand etwa« erfahren, da sein Hau» ja nicht >m Bereiche der städtischen Befestigung lag. Um Mitternacht war er heimgekommen und nachdem er gelesen hatte, wie dringend Opitiu« den Schwedenkönig einlud in D. einzurücken, achtele er weder der Ermüdung noch de» Hunger», verschloß da« Hau» und begab sich graben Wege« in da« Hauptquartier de« polnischen Kronfeldherrn Koniecpol«ki vor Mewe. Gelang c«, Koniecpolrki zu schnellem Handeln zu bewegen, dann würde auch die Stadt D., so rechnete er. Gustav Adolf den Einzug verwehren und dann wäre e« an der Zeit, den heißen Rachedurst an Opitiu« und besten Tochter zu befriedigen. Die Vorsehung hatte e« ander« beschlosten und an dem staatSmännischen, jeden Schritt im Voran« berechnenden Geiste Gustav Adolf« scheiterte der blutdürstige Plan eine« Verworfenen. Rach der Uebergab« Elbing« und Marienburg« war der Schwedenlönig. auch ohne Botschaft von Opitiu« erhalten zu haben, unaufhaltsam aus D. marschirt, es war kein Zweifel mehr, daß die Stadt sich ohne Kamps ergeben würde. Auch Ahatz von Dohna litt e« nicht länger, von dem Hause seiner Lieben fern zu bleiben und schon um Mitternacht brach er von zwei Dienern begleitet, aus, um schon am frühen Morgen zugleich mit den schwedischen Schaaren einziehen und seine geliebte Gertrud durch seine Ankunft überraschen zu können. Mit feuriger Eile ritt die kleine Gesellschüft auf Schlanz, einem Dorfe zu, wo sich bei der herrschenden Dürre eine bequeme Furth durch da« seichte Flußbett befand. Wohlgemuth durchwateten dir Pferde da« Master, aber Dohna war noch nicht hundert Schritt am vieffeitigen Ufer entlang geritten, al« da« leise Wimmern de« an dieser Stelle überfallenen und wieder zum Bewußtsein gelangten Rüben sein Ldr berührte. Ahatz'« Blick schweifte scharf umher, beim Schrine de« herandämmernden Morgen« erblickte er den Schwerverwundeten, dem nun seinerseits beim Anblick ne« großmülhigen Retter« in Villau ein Strahl der Freude oa» tobtenbleiche Angesicht durchleuchtete. »Gott fei gelobt und gedankt in Ewigkeit", seufzte er. Dohna, der abgestiegen war und sich über ihn beugte, erkennend, »nun mag ich ruhig sterben, da ich Euch getroffen und Ihr mir bezeugen könnt, daß ich da« Vertrauen de« edlen Christen in D. unl> seiner Tochter nicht freventlich getäuscht habe. Einen Brief hatte ich an Euch . . . mein Gott ich sterbe ruhig . ." »Oho." rief Ahatz ermunternd, »mit dem Sterben hat e« allweile noch Zeit — „aber derb genug haben sie Euch geschoren," setzte er nachdenklich hinzu, al« er die klaffende Wunde anr Hinterkopfe Rüben« bemerkte. „Kurt, riet er einem seiner Diener, hier gießt e« Gelegenheit deine Feldscheerkunst zu beweisen, und Du Fritz, rief er dem anderen Diener zu, eile in« Dorf, wecke die Bauern und mach« Quartier für Seiner chursürstlich-brandenburgischen Gnaden Landhosmeister! »Ihr aber," juhr er zu Rüben fort, der sprechen zu wollen schien, trotzdeni e« ihm an Kraft gebrach, sich auszurichten, »Ihr hebräischer Mann seid stille, erst wollen wir un« einquartiren," dann ist e« Zeit zum Beichten. Vergeben» suchte ihn Rüben mit dem Aufwand« aller Kräfte zu bedeuten, daß e« sich um eine hochwichtige dringende Angelegenheit handle, der edelmüthige Abatz ließ ihn nicht früher zum Worte kommen, al« bi» die Wunde von den geschickten Händen de« Dienerkunstgerecht verbunden und dem Kranken ein. weiche« Lager im Hause de« Dorsschnltheißen bereitet war. Auf dem schwierigen Transporte nach dem Dorfe war Rüben wieder bewußtlos geworden, der stolze Ritter aber. Ahatz von Dohna, hatte geduldig am Lager de« tranken Juden gewartet und soviel in seinen Kräften stand, zur Linderung der Schmerzen beigetragen. Erst in später Rachmitlagrstunde erfuhr er, wozu Rüben gesendet war und was ihn an der Erfüllung des ihm gewordenen Auftrages verhindert batte. Mit tiefer Rührung hatte Dohna Rüben« überschwengliche Schilderung de« braven Seelsorger« und besten schöner Tochter vernommen und während heißes Sehnen ihnnach den Gegenständen der innigen Segen-Wünsche de« kranken Juden zog, wich er doch nicht von dem Lager Rüben«, da er wußte, daß er ihn jeder Pflege baai oem sicheren Verderben überlasten würde. (Fortsetzung folgt.) »ssaj Di« Mest-Anflag« von Aotff, Agende für jüdische Kuttnsveamte, ist in traf««« Besitz aberqegongen und haben wie den Prei« für in Prachtband gebundene Ekemdtare bi« zu« I i.Vtärz c, aus 8 Mark ermäßigt, Nach dieser Zeit tritt »er Bertaus«- pret« van 8 9. wieder ein. Ferner sind van uiUf zu beziehen: Det jüdische k 3 «. Auerbach, Dr., Peffach-Hagada mit und ohne Uebersetzung. Luterbüchletn. patderftadl. __H. Meyer’» Buchdrucker»! Isr. Löchler-Pklifiöliat u. höhere Unlerrichlsanstalt, »erb. mit Letzreriunen-LeMiuar, g>gr. 1864. Ausnahme ». Zogt sed. Z «ädere« d. Brosp. Fran Direktor Therese SranM. Bunin, 3« de» 3»if«tt la Pt. sts3li .A/WWWW>AW/>t 5 Pensionat und höhere? | Töchterschule Z von Frau Dr. Leveraon, } Xfti«ta»rt(it|t*«fc* 4. ' lusnahm» van Zägtingen zu jeder Zeit., Nähere« durch Praspärte. [1418 J