Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5369809-5935096-5938066--4472-5376775- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«0 — ^Lsti na ist vorerst nichtzu holen, diesem Land« muß erst noch gegeben werden!" Breslau. Dem Vorstand der israelitlischen Volksküche lag in seiner Sitzung vom 44. Januar der Jahresabschluß pro 1881 vor. Die Frequenz der Volk-küiie t>at sich in dem abge.aufenen Jahre, dem zwölften seit ihrer Begründung, nicht unwesentlich gesteigert. Es sind 27,076 ganze und 44,047 halbe Portionen verabreicht worden, so daß durchschnittlich täglich 150 Personen in den Räumen der Volksküche idre MittagSmahlzeit eingenommen haben. Gegen da- Vorjahr beträgt die Zunahme 4500 Portionen. Trotz der ökonomischen Verwaltung, welcher ganz besonder« die BorstandeSdamen Zeit und Mühe widmen, ist in dem vorigen Jahr« ein Capitalzuschuß in Höh« von fast 1400 Mark erforderlich gewesen. Dem im Jahre 1881 von dem Vorstände der Volksküche an die hiesige» Gemeindemitglieder gerichteten Appell ist von dielen bereitwilligst durch Zeichnung freiwilliger Beitrage entsprochen worden und ist hierdurch der Ausfall gedeckt. Der Vorstand hofft, anch in diesem Jahre in derselben Weise durch Zuhilfenahme solcher freiwilligen Jahresbeiträge sie segensreiche Thätigkei: dieses Instituts fortsetzen zu können. Bei dem wiederholten Durchzug« jüdischer Auswanderer au« Rußland durch Breslau hat sich diese Volksküche sehr bewährt, da rS durch diese« Institut ermöglicht worden »ft, in streng ritueller Weise Maffenspeisungen bewirken zu können. Aus Oberschlefle», 3. Februar. lOr.-Corr) (Schluß.) In Gleiwitz ist in nnti,v,„itioi» ein güustiger und ein ungürstiger Erfolg zu verzeichnen. Bekanntlich hat der Licentia: ReSzka, früher Redacteuer der ultramontanen .Oberschlesischen Volk« >immr" z. Z. einen grandiosen Schmähartikel „der Juden Antheil am Verbrechen" vom Stapel gelaffen. SanitätSrath Ur. Freund, Vorsteher der Repräsei lauten in Gleiwitz, stellte gegen den Redacteur den Strafantrag wegen öffentlicher Beleidigung. R. ist jedoch vor Kurzem von der Strafkammer de« königlichen Landgerichte« fteigesprochen worden. Zum Mißbehagen der Judenfeind« ist SinutätS-Rath Dr. Freund seit Jahren mit bestem Erfolge in der Eigenschaft eine»-Stadtverordneten, resp. de« Stavtverordnetenvorstehers thätig. Die Uliramontanen suhlen und suchen ihm am Zeuge zu flicken. Bor einiger Zeit denuncirten sie ihn der der Regierung in Oppeln in seiner Qualität als städtischer Armenarzt. Sie stempelten ihn zu einem städtischen Beamten, der kein städtlsche« Ehrenamt bekleiden dürfe. Neuerdings protestirten wieder mehrere katholische Bürger gegen deffen Wahl zum Stadtverordneten bei der Regierung in Oppeln. Selbstverständlich ist der Protest zurüt'gewlesen worden. Am 10. Januar wurde ein Einbruch in die Synagoge zu Tost verübt. Der Dieb ist in seinem verbrecherischen Vorhaben durch Personen, ivelche zu Markte fuhren, gestört worden, so daher faktisch Richt« «mwendet hat. — Los lau geht mit der löblichen Absicht um, seinem würdigen, gelehrten, in den weitesten jüdischen Kreisen bestbekannten, greisen Eanlor und Schächter, Herrn Ph. Fränkel, Vers, de» ■p**i 'N2i und «Hi? stir, in den wohlverdienten Ruhestand unter Gewährung einer ausreichenden Pension zu versetzen. Möge ihm «in rüstige«, sorgenfreie» Alter gegönnt sei»! Sch»ikhei» in Baden, 15. Februar. (Or.-Eorr.) Hier starb Freitag, den 10. Februar eine jüdisch« Frau in dem seltenen Alter von 104 Jahren. Sie war bi« an ihr Lebensende gesund und kräftig und konnte von allen Sinne-werkzeugen den geeigneten Gebrauch machen. Wenn gerade ander Mitte unserer Glaubensgenoffenschaft verhältnißmäßig viel« derartige Fälle verzeichnet werden. sollte man den Ruhen der Ritualvörschriften nicht außer Acht lassen. Da«: „Sie (die Lehre) ist dein Leben und die Verlängerung deiner Tage" findet an den Tagesereignissen in unserer schnelllebigen Gegenwart dennoch so manche Illustration. — Berthold Auerbach'« Tod meldet die .Breitgauer Zeitung", ein in Freiburg erscheinendes sogenannte« liberale« Blatt, mit den Worten: .Berthold Auerbach ist gestorben. Däne säiriftstellerische Thätigkeit begann, wie bei so vielen seiner StammeSgenoffen. mit einer Abhandlun; über da« Judenthum" l f w. Man sollte meinen, bei einem Manne wie Berthald Auerbach ist die Abstammung für eine liberal« polnische Zeitung ganz gleichgültig. Wer wird z. B. einen Nekrolog auf Paul Heyse oder Spielhazen mit den Watten beginnen: Wie alle Christen, io schrieben auch sie über Ehristenthum* Zum Schluffe will ich aus da« frische Grab des Dichter« auch ein Rubmesk änzchen legen und einen edlen Zug' aus seinem an edlen 2 Halen so reichen Leben erzählen. Hier in Schmieheim wohnt eine alte, ehrbare Frau, Namen» Dreysuß, eine Landsmännin de« großen Dichter», nämlich auch in Nordstetten bei Horb geboren. Vor 0 Jahren kam eine« schönen Tage« Berihold Auerbach eigen« zu dem Zwecke hierher gefahren, um diese Frau, die er al« Mädchen wegen ihrer weiblichen Tugenden und echt jüdischen Frömmigkeit schätzte und rerehrt', wieder einmal zu sehen und zu spreche» und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Der große Mann, der mit den Großer seiner Zeit, ja mit Königen und Fürsten verkehrte, tonunt » ich einem entlegenen Orte, um eine alte jüdische Frau, eine Fugendfreundin, auszusuchen! Freuen wir un» eines solchen <Ziamme»genosstn und überlassen wir den liberalen und sonst gen Blättern den Aerger, daß Juden an Edelsinn ihre,! Gleichen suchen. R. Oesterreich. Marie»k»d, 4 Februar. (Or.-Eorr.) Au« dem lieblichen Eurorte, de» Sie, geehrter Herr Redacteur, vorige« Jahr besucht haben, eine Corresrondenz für Ihr geschätzt»« Blatt! Da« wird Sie geiriß übrrraschen, da wir ebenso gut wie Sie in Magdeburg strrk heize» müssen und natürlich ei» monotone« Leben führen, in w:lchekeine Curgäste Abwechslung bringen. Ihre Ueberraichung wird sich gewiß noch steigern, wenn ich Ihnen ankünocge, oaß meine Eorrefpondenz aus Cardinal Manning sich bezieh»! Allein da« Rättffel soll für Sie w»e für Ihre Leser bai» gelöst sein. Cardinal Maming. der katholische Pttma« in England und einer der ersten Würdenträger der katholisch:,, Kirche, steht an der Spitz« einer Agitation für di, Jud n und gegen Rußland. Glauben Sie, geehtter Herr Redacteur, daß ein so hochgestellter katholischer Kirchenfürir sich in oen Vordergrund «liier Bewegung gegen Rußland und zuin leste» der Juden stellt, ohne mit der römischen Curie dar Iber im Einvernehmen zu sein und sie früher davon v:rstän oigt zu haben? Wer die strenge DiSciplin und dre gechlossine Politik der römischen Kirche kennt, wird nicht daran zneiseln, daß Rom o.m Verhalten eine« seiner Cardmäle niht fern steht. Run hören Sie einen Commentar zu bierr ganz merkwürdigen Theilnahmc der katholischen Kirche fü - die verfolgten Juden in Rußland. Im Juli v. I. hat ein Eurgast in Marienbad an S«. Eminenz, den Caroiniaißaatsixrelär Jacobini in Rom, eine Zuschrift gerichtet,') in welcher auSeinandergesetzt wurde, daß. während der kotholishe König von Spanien den verfolgten russischen Juden sein lteich öffnete und die katholischen Bischöfe in Polen für di« Jut en mit den wärmsten Worten der Menschenliebe einlraten, in der .Hauptstadt de» deutschen Protestantiemu« Anti emiter wühlen und wüihen und im orthodoxen Rußland die Juden in barbarischer Weise gehetzt werden. Ee. Eminez möge de Sr. Heiligkeit, dem Papste, interveairen, daß derselbe Schrstt« zum Schutze der so hart bedrängten Juden in Rußland veranlasse. Die Zuschttst schloß wöttlich mit folgenden Sätzen: .Seine Heiligkeit möge für die bedrängten Kinder der Mutter aller Kirchen, für die Söhne der Patriarchen in irgend einer Weife öfjentlio, interoeniren und jene« Wort, dem Millionen und aoer Millionen aus Erden ehrfurcht-voll lauschen, für die von prrtestan fischen und otthodoxen Christen verfolgten Israeliten (tftcnt machen. E« wäre die« nicht blo« ein« •) Der Herr iotttfi on)fnt ist uni persönlich betmuil. A.