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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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fonutf, dann wäre die Erlösung da." Der jüdischen Religion»« Philosophie ist der Gedanke entlehnt: „Rach der Schilderung der bibli'chen Urkunde war bei allen Creaturen da» Bild ihre« Dasein« erst da mit ihrem Dasein. Der Mensch aber wurde geschaffen nach einem Bilde, nach dem Ebenbild« Gotte«, und da« Herau»dilden diese« ideale» Urbild«» ist die Arbeit de« Menschen." Begeistert ist der Gedanke de» Collaborator» über Mose»: „Mose« in der Bibel ist eine Heldengestalt, mit der sich nicht leicht eine andere messen kann, vielmehr ist er da» Maß; denn wo fände sich ein Gleicher, der nicht nur der Befreier, sondern auch der Gesetzgeber war, ein Held und ein Erzieher. Und dichterisch schöner könnte kein Dichter seinen Helden sterben lassen, er hat alle« ideel vorbereitet, aber selber concret gestalten durfte er nicht mehr, er stirbt da« Land schauend." Die welthistorisch« Bedeutung der Juden macht er geltend, indem er schreibt: „Griechen und Juden gingen al« staatliche« Gemeindewesen zu Grunde und wurden dann die wirkung-vollsten Bildner der Allgemeinheit." Für die Gleichberechtigung der Juden im Staate plaidirt er sehr geschickt durch den Gedanken: „Religion und Musik haben beide zum Inhalt da« Unendliche, dasich der festen allgemein giltigen Formbeslimmung entzieht. So wenig e« eine Staal»- musik geben kann, darf e« eine Staattreligion geben." Die jüdische Barmherzigkeit endlich niotivirl sein Collaborator durch den Auispruch: „Die Juden sind Kinder de» Mitleid-, sie verstehen Leid zu tragen, zu lindern, weit besser, al« Freude zu schaffen; die Erinnerung vergangener Gedrücktheit macht sie verständnihvoll für alle» Leiden." Seine letzte Erzählung: „Brigitta", vertritt mit aller Entschiedenheit das jüdische Bewußtsein im Punkte der Feindesliebe, ja bildet eigentlich den Kern derselben. Die getaufte Doktorin bekennt mit ollem Pathos: „Ich thue denen, die sich lügnerisch Christen, Bekenner der Religion der Liebe, nennen, so viel Gute« al« ich kann. Dafreilich kann ich nicht, die Feinde lieben kann ich nicht, und ich kenne Niemand, der e« vermag; ja ich glaube, da« Wort ist nicht so gemeint, sondern e« gilt nur, wa« dann gesagt ist; Gute- Ihn» kann ich und muh ich auch denen, die inich kränkten." Und fast dieselben Worte wiederholt die christliche Heldin der Erzählung an einer andern Stelle, indem sie ausrust: „Es steht freilich geschrieben: Liebet Eure Feinde! Aber da» kann man nicht; sag mir keiner, daß man das kann, der Spruch muß nicht so gemeint sei». Gute« thun dem Feinde, da« kann man". Vielleicht ist dieser Paffueine Probe jenes obenerwähnte» Werke«, da« der Verewigte über da« N. T. zurücklaffen wollte. Bertholb Auerbach war das Glück beschieden, daß er bei seinem Leben di« höchste Anerkennung gesunden hatte und er freute sich derselben besonder«, daß er al» Jude, der stet» mit männlicher Offenheit und unerschütterlicher Treue al« solcher sich gerirte, sie errungen und erzwungen hatte. „Ich empsinde", sagte er mir einst, „eine besonders freudige Genugthuung darin, daß Jakob Grimm, der Sprachmeister des deutschen Bolle«, mich nicht bloß sehr oft in seinem deutschen Wörterbuch« benutzt, sondern daß er mir auch gestand, einen besonder« treffenden Ausdruck von mir gelernt zu haben und zwar da» Wort: Unwort!" Fühlte der Verewigte, welchem ich diese Zeilen gerührten Herzens widme, sich noch in einem geistigen Rapport mit dem Judenthuw? Darauf möge noch sein Collaborator durch folgenden Schlußgedanken antworten: „Warum scheuen sich so viele frei und rein denkende Menschen Wort und Begriff „Galt" zu gebrauchen? Sind denn alle Freidenker nolhwendig Gottesleugner. Kann doch kein Mensch leugne«, daß e« Etwa» gibt, wa» hoch und ewig über allem Einzelleden verharrt. Aber weil mit dem Worte „Gott" so schnöder Mißbrauch getrieben wird, meidet man e»." verchold Auerbach hatte ein jüdische» Familienherz und war ein treuer Verwandter. Seinem Einflüße ist e» zu danken, daß die kleine Bibel seine« Vetter» vr. Jakob Auerbach von der großen BrockhauS'schen Buchhandlung verlegt wurde und wo er nur konnte, machte er Propaganda für dieselbe. Sein erste» schriftstellerisches Werk und sein letzte» öffentliche» Wort galten seinen Stammgenoffen, den Juden, mit denen er sich immer solidarisch verbunden und eins fühlte.") Wien, den 12. Februar 1882. Ilr. Ad. Iellinek. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Magdeburg. Die in Wien erscheinende österr. „Monatsschrift für den Orient", von berühmten Orienlreisenden und Fachniännern herausgegeben, bringt in der soeben erschienenen Nr. 2 vom 15. Februar einen Artikel: „Zur ColonisationS- Frage in Palästina" von Herrn Baurath Schick in Jerusalem, der sich ganz entschieden gegen diese» Project au»- spricht. Er wendet sich direct gegen die AuSlaffungen der „Jüd. Pr." urd schreibt wörtlich: „Die sanguinische Art und Weise, wie die Besürworter der Colonisation-projecte da» heil. Land betreffend, die dortigen Verhältnisse beleuchten und damit die öffentliche Meinung geradezu irre führen, veranlaßt mich, aus ein Paar jener zahlreichen Artikel zurückzukommen." Er citirt nun einen lange» Artikel au« der „Jüv. Br.", die sich wieder auf den „Jsr. R.-B." stützte und aus da» Beispiel der württembergischen Eolonisation bei Jaffa hinwie» mit dem Hinzusügen: Wa» Andere thun konnten, können die Juden auch, umsomehr, da der Boden keiner schweren Arbeit bedarf und viermal de» Jahre» eine reiche Ernte an Getreide hat, vorzüglichen Wein, ausgezeichnete« Oel u. s. w. „Soweit — schreibt Schick — die Ueberschwänglichkeit de» Autors. In die lein Aufsatze der „Jüd. Pr." ist nicht ein einzigerSatz, so wie er da steht, völlig wahr. Alles ist e n t st e l! t und u n iv a h r gegeben, und man könnte dcffen Auffassung nur verstehen, wen» man ihn als eine beißende Satyr« nähme. Daß er nicht ernsthaft gemeint sein kann, beweisen die vielfachen entgegengesetzten Angabe» über Dinge, die doch allgemein bekannt sind und in jedem Reiiehaadbuche stehen." De« Weiteren sagt Herr Schick: „Ich bin überzeugt, daß die Juden c.llein nicht im Stande sind, Colonien im heil. Lande mit gutem Erfolge anzulegen, sie bedürfen der Mithalf« von Christen, und zwar nicht sowohl in Bezug auf da» erforderliche Geld — das mögen die Jude» aufbringen, leichter als die Christen — aber in Bezug auf die Arbeit und technischen Kenntnisse.*") Auch die „Tempelleitung" in Stuttgart — Vorstand der „Gesellschaft dc« Tempel»" in Schwaben — veröffentlicht in der „Weltpost" einen Bericht, in welchen» offen zugestanden wird, daß Syrien und Palästina jetzt »och gar nicht al» ÄuSwanderungSpunkte in Betracht kommen können. „Die vielen an uns ergangenen Anfragen beantworten wir dahin: In P a- •) Paul Lindau schreibt in der „Külnischen Zeit.- über ltluerbech: „In letzter Zeit hatte sich seiner »in« riese Berstimmung bemächtigt . . . Kaum »in Zweiter ist von der antisemitischen Bewegung Io schmerzhaft berührt worden, wie er, »er Jude und deutsche Dichter. Daß »an e« versuchte, diese t-eiden, di« sich in ihm vereinigt und sich bi« dahin so gut vertragen Hilten, in einen unoersöhnlichen Gegensatz >u einander zu bringen, ja daß man dein Einen streitig machte, auch »er Andere zu sei«, da« har ihm eine Kriinkung zugefügt, die er nie verwunden hat; c< hat ihn lo«g<l»ft von manchen seiner mitstrebenden Genossen, die ihm theuer waren, uw Hot sein Gemüt» verbittert. Fast verzweifelt, Klagen kehrten immer bei ihm wieder. Roch bei einem unserer letzten gemeinsamen Spaztergilnge sprach er mit derselben Lrauer, mit derselben Entrüstung darüber, und ans meinen Linwand. daß er di« Sache doch -ar zu persönlich nehme, entgegnet« er: „Sie können eben nicht begreifen, wie Uvsereinem zu Muthe ist; da soll man «in Aienscheaaltcr hindurch im Dienst« de« deutschen Geiste« rastlo« geschaffen haben, daß am Ende unsere« Leben« »er erste deste hergelaufene Bube an un« heranrreten darf, um un« sagen: Schnür dein Pündel nnd jud' dich, du gehörst nicht zu un«.- Herr Schick berichtet in derselben Nr. sehr wohlwollend über da« bereit« im Druck befindlich« „Jahrbuch für Jerusalemhrrau»,«. geben von M. Luncz, dal x& Vogen stark werden und viel de« Interessante» bieten wird.

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