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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 7. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 7.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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53 — hvchbedeutsamen Au-spruck: »Der Satz läßt sich historisch beweisen: Berlin verdankt, wa«e«inBezug auf Geselligkeit und schöne Literatur geworden ist, feinen Juden." Wir würden nicht für ein intelligente« und mit der Geschichte de« Judenthum« zumeist der jüngsten Zeit wohlvertraute» Lesepublikum schreiben, wenn wir e« für nöthig hielten, e« hier näher au-eina»derzusetzen. welche Bedeutung die historische Beweisführung de« von Minor ausgestellten Satze« nicht uur für die allgemeine Kulturgeschichte de« Judenthum» überhaupt, sondern auch in praktischer Hinsicht für dir Anhänger de» Judenthumim gesammten deutschen Reiche hätte. Denn «inen herrlichere» und nachhaltigeren Protest gegen die infamen Hetzereien, die unsere Glaubensgenossen in den letzten Jahren von Seiten de- .Volke» der Aufklärung" zu erleiden hatten, könnte man sich kaum denken. Wir erlauben un« hier im Sinne unserer Studentenschaft, die die hier besprochene Kundgebung ihre« Lehrer« mit ganz besonderer Freude und Genugthuung ausnahm, an Herrn Ilr. Minor da« Ansuchen zu Hellen, daß er sich der lohnenden Ausgabe unterzieben möge, den von ihm aufgestellten. hier in Red« stehenden Satz auch wirklich .historisch zu beweisen"! Er wird sich u»zw«iselhas> hierdurch den Dank aller Literarhistoriker, ganz besonder« aber den aller J-raeli» ten erwerben! Isidor Singer, caml ptnl. Palästina. Jrnisilr». 13. Januar. (Or.Eorr.j Vor einer Woche sandte der ehrwürdige Sir Mose» Monte,wre an den Oberradbiner Samuel Salant zehn Pfund Sterling, mit dem Aufträge. da» Geld an die Pfleglinge der J«rael. Handwerkerschule zu vtrtheilen. R. Samuel liest die jungen Leute zu sich kommen und bändigt, einem Jeden »i«r Schillinge in hiesigem Geld« ei». Die Knaben fühlten sich durch diese Gabe sehr beglückt, da sie sich durch dieselbe in den Stand gesetzt sahen, ihrer Garderobe etwa« auszuhelsen. Denn die Anstalt gewährt nur Kost und eine nothdürftige Schlafstelle, und da die Ehaluka der Waisen. sowie ihr etwaiger Verdienst bei ihren Meistern zu Gunsten der Anstalt eincaffirt wird, so waren die Arrmsten auster Stand«, etwa» für ihre Kleidung zu thun. Ihre dürftigen Lumpen boten einen traurigen Schutz gegen den deistenven Nordostwind, von reiner Wäsche konnte nicht die Rede sein, ihre FustdeNeidung war in dem desolatesten Zustande. Man hätte also erwarten sollen, datz die frommen Vorsteher sich über die ihren Pfleglingen unerwartet gewordene Hilfe hätten freuen sollen. Statt desien erging an dieselben der Befehl, dab von R. Samuel erhaltene Geld au«liesern, in, Weigerungsfälle wurde Ausstostung au« der Anstalt angedroht. Die Mehrzahl der Hilflosen sab sich grnöthigt nachzugeben und dem allmächtigen Oekonomen. einem früheren Tischlergesellen, ihre theuren vierundzwanzig Piaster einzuhänvigen. Rur Einige hatten sich in der Freude ihre« Herzen« beeilt, dieser einen warmen Kaftan, jener einige Hemden oder ein Paar Schuhe anzuschaffen und gegen si« wurde da« VerbannungSdekret unbarmherzig vollzogt». Mitten im Winter, der in Jerusalem wegen der hohen Lage der Stadt rauh genug ist. ftiest man vier Knaben im Alter von 12—14 Jahren auf die Straste und gab sie dem Hunger Prei«. In ihrer Roth wandte» sich die Waisen, von denen drei vater- und niutterlo« sind und der vierte eine alte Mutter hat, die sich durch Waschen kümmerlich ernährt, an Herrn Pine«, de» Agenten de« Londoner Montefiore-Ber- «in», und den Unterzeichneten Vorsteher der von dem Berliner Eomitä begründeten Israel. Waisenanftalt, und wir kamen überein, dast die Kinder in dem von Herrn Pine« neu errschtetru Beth-hamidrasch schlafen sollten, nachden, si« dort am Mincha- und Abendgebet Theil genommen uno den Vorträgen au» dem Schulchan-Aruch betgewohnt hätten, zu denen Herr Pine« allabendlich eine Anzahl Handwerker um sich verfammeU Wir vertheilten die Knaben für den Sabbath unter un», an welchem Liebe«werkr sich auch die Herren A. M. Luncz, der bekannte Herausgeber de! demnächst erscheinenden J«rael. Jahrbuch«, und der Lehrer an unserer Anstalt B. Steinhardt zu betherligen wünschten und übernahmen vorläufig die Kosten kür den Unterhalt der Waisen an den Wochentagen, wo sie ihre Arbeit nicht verlassen können, um zu nn« vor die Stadt hinau-zukommen, in der Zuversicht, dast unsere deutschen und englischen Freunde uns in dieser Sache nicht im Stich lasten würden.* - Uebrigen« wird diese Beisteuer nicht lange von Röthen sein, da die Knaben schon jetzt kleine Summen bei ihren Meistern verdienen. Zwei von ihnen sind Klempner, der dritte Schmied, der vierte Tischler. Ueber die wüthenden Partheikämpfe, welch« jetzt die heilige Stadt zerreiben, bericht« ich in meinem nächsten Briefe.**) Man vergibt an den Zorn de» Hiinniel« — denn der Regen bleibt au-, die Leben-mittel steigen im Preise, und jeder Trunk Wafer niust mit Geld erkauft werden — man verschliestt sich dem Mitgefühl für unsere grausam verfolgten rustischen Brüder, um unter der Marke de« Fanatirmu« den verhastten (Gegner in» Herz ,u treffen. Der Angriff der Zeloten ist. wie ich zu meinem Bedauern hinzusüge, gegen meinen edlen Freund, Herrn Michael Pine» gerichtet, in desien vom reinsten Patrioti«mu« dikttrten, bereit« 5632 erschienenen Buche -nin 'T*?' unsere Glauben«wächter neuerdings so glücklich waren, Ketzeleien zu entdecken. Roch ein Wort in einer persönlichen Angelegenheit, da« ich nicht uni erdrücken kann, wnl e« sich nicht um meine Ehre handelt. Ihre Leser werden sia, vielleicht einer Anzeige erinnern, in der der Vorstand de« .Verein« zur Erziehung jüd. Waisen in 'Palästina" eine gegen mich gerichtete Verleumdung zurückwie«. In drrselben Heist: r«: „E« ist von dem Rabbiner Salant dokumentarisch nachgewiesen worden" — währen» e« Hütte heisten wüsten oder sollen: ,E« ist vor dem R. S. »achgewlrsen worden". Dieser kleine Jrrthum oder Druckfehler***) ist von einem würdigen Paare, Vater und Sohn, von denen der ersiere ein hebräische» (>,t venia verbo,) Schmutzblatt und der andere »inen auf da« Au«land berechneten Abklatsch in deutscher Sprach« veröffentlicht, benutzt worden, u.n qua*i im Rainen or« ehrwürdigen R. Salant gegen die Behauptung unsere« Vorstandes zu protestiren. llr. W. Hrrzöerg, Director de« Israel. Waisenhaus«» in Jerusalem. j Virmischte und neueste Nachrichten. j Mogkeburg, i>. Febr. Eine nicht gänzlich unerwartete, I gleichwohl aber weiteste Kreise unser, » deutschen Volke« gewistlich tiesschinerzlich ergeisend« Trauerbotschaft verbreitet heute der Telegraph. Der Erzähler der .Dorfgeschichten", Berlhold Auerbach, ist am gestrigen Tage, dem d. Februar, m Eanne«, wo er Heilung suchte au« dem Leben geschieden Ein Menschenleben voller geistiger Arbeit edelster Art. ist seit gestern abgeschlosten, ein aus die höchsten Ziele gerichteter genialer Geist zur Ruh« gelangt. Ein Geist, desien Träger vor den, Vergeffenwerden für olle Zeiten geschützt ist durch die Spuren, die er der Rachwelt hinterlästt, nachdem schon die Mitwelt ihm Anerkennung und herzliche Zustimmung niemal« versagt hat. Seine Beerdigung findet am tü. d. M. in seinem I GedurtSone Niederstetten statt. Prof. Lazaru« wird die i Red« an tw Bahre de« Freundes halten. Wir werde» dem ' grasten Tvdten, der — wie Dr. Jellinek am jüngsten Saddath von ihm sagte — .bei den Fürsten auf dem Throne und bei d-:n Bauern im Dorfe gleichsehr geachtet und ge- | liebt war," — selbstverständlich ein besondere« Andenken in j unserem Literaturblatt weihen I •) Wir ersuchen den für die SraQtftigcn Palästina « raftlol th«> tigcn Herrn Raddm-r Or. Salo« ndi in Dürkheim, dies« verwaisten Lehrling» tri seinen idrldsrndungen nach Jerusalem d,sonder« im luge zu dehalten (Red.i Wir »erden einen Mtwischen »ingetrossenen, Haarftrüudende« «nt» l haltenden «ries »er grau Pine« in dies. Pt. nächsten« »rrdfsrnUichrn. (Red.» •••) Oer Drucks-hler ist uo;i un« lltngit terichtigt worden. (£«».'>

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