Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 7.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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52 Blatt uur auf ungebildete Leser ju wirken. Gebildeten Judenfeinden gegenüber macht rt sich unmöglich durch da« Urbermaß von Unverfrorenheit durch den frivolen Eyni-mu-, mit welchtm st« Jude« und Judenthum besudelt und begeifert, durch die seichte, geistlose und da« Kennzeichen der maßlosesten Uebertreibnng an seiner Stirn tragend« Art, jüdisch« Sensation«- geschichten zu verbreiten. Allein wird damit die Gemeingefährlichkeit diese« Schandblatte« beeinträchtigt 1 Ungebildete giebt e« mehr al« Gebildete. Erster« lasten sich agitatorisch viel leichter bearbeiten, al» Letzter«, zumal wenn man ihnen tagtäglich nach rem Munde redet. Mit einer Widerlegung in öffentlichen Blättern ist nicht viel geholfen. Di« Betreffenden würden ste doch nicht lesen oder gar würdigen. Allein warum erreicht diese« Antisemitenblatt nicht der Arm de» Strafrichter«? Warum rafft die Liegnitzer Gemeind«, resp. deren Vertretung sich nicht aus zur rettenden Thal auf, den Redakteur diese« Schmutzblatte-, welcher oft genug in Confliot mit dem Breßgesetze aeräth. gerichtlich zu belangen? E» bedarf sicherlich nur de« Strafantrage«, um die gehässigen Verleumdungen diese« gegen Juden Gift und Galle speienden Blatte« nicht in'« Endlose wuchern zu lasten. «.Schluß folgt) H«»bnrt, IS. Februar. (Or.-Corr) Den Lesern di«, se» gesch. Bl. sei ein neue« Unternehmen eine« hiesigen Arzte« geneigtem Wohlwollen und lebhafter Unterstützung empfohlen. Di« «eranlaflung zu demselben waren die Erfahrungen, die der betr. Arzt in mehreren Irrenanstalten bei der Au«übung seine« trrenärztltchen «erusee gemacht habe. Fast überall sind jüd. Kranke in nnverhältnißmäßig großer Zahl vorhanden. Zn dieser traurigen Thatsach« kommt leider die betrübend« Wahrheit, daß unsere Glaudenrgenoffen in solchen Anstalten nicht nur jeder religiösen Tröstung entbehren, sondern auch ge. zwungen sind, ihr Gewissen dnrch Genuß nicht-koscherer Kost zu belasten. Wer kenn« aber nicht die mächtige Gewalt und die wiederum so anheimelnd traute Macht, mir der die Religion da» gesund«, und um wie viel mehr da« in seinen Grundfesten tief erschütterte Semüth beherrscht? Sollen unsere jüdischen Kranken die« beste aller seelischen Heilmittel entbebren, soll da» arme durch selbstquälerische Pein ohnehin schon zerriffene Herz noch durch Gewiss, „«bisse gepeinigt, soll e« noch geplagt werde« durch den gewaltigen Zwiespalt zwischen religiöser Ueberzeugung und der möglichen Befolgung derselben? Pein! sie müffen einen Ort finden, wo sie nicht blo« eine ans der Höhe der heutigen wissenschaftlichen Kenntniffe stehende Behandlung und liebevolle Aufnahme finden, sondern auch in ihrer religiösen Anschauung und Leben-weise nicht beeinträch. ttgt »erden. Dir günstige Lage der Anstalt, welche mit allen nochwendigen wiffenschaftlichen Requisiten reichlich au-gestattet werden soll, bietet auch für Rervenleidende einen sehr paffenden Kurort. (Nähere« besagt da« .Inserat.") Erfurt, im Januar. (Or.-Corr.) Bor un« liegt ein unscheinbare« Büchlein, beritelt .Zwetundzwanzigfter Jahre«, bericht über die i«raeltttsche Wais«n-Erziehung»>Anstalt für Knaben und Mädchen au« Westfalen zu Paderborn. Womit schwachen Kräften in gläubiger Menschenliebe und Hingebung Große« und Wunderbare« geleistet werden kann, dafür giebt die« Büchlein Zeugniß, und will man einen vewei«, daß unter un« schon sehr lange .prafttsche« Judenthum" geübt wird, dann darf man getrost auf da« Paderborner Waisenhaus hinzeigen. Und wo» un« in unserer innigen Freud« Über da« Gedeihen dieser gesegneten und segen-reichen Anstalt an» Erhebendsten berührt, ist der Gedanke, daß weiblicher Edelmuth, weibliche Herzen»größe und Slauben-innigkeit diesem Bau dir Hauptgrundsteine zugetragen haben. Wahrlich unsere Waisen haben Recht: m’jpii o<rj 8icbuh »nur weiblicher Seelenadel vermag unvon den größten socialen Schäden zu erlösen." Am I. März 185S wurde die Anstalt mit zwei Waisenknaben eröffnet, die Zahl der Zöglinge im abgelaufenen Jahr« betrug So, seit de« Bestehen de» Hause« aber find Ivo Waisen in liebevollster Weise erzogen, gepflegt und einem nützlichen Beruf zugeführt worden. Aber auch di« Entlaffenen stehen mit dem Mutterhaus« noch vielfach in Verbindung und empfingen von dort her in den verschiedensten Leben-verhältniffen noch Rath und Hülfe. Trost und Belehrung. Bekanntlich ist die Anstalt nicht auf irgend welche größere Capitalien fnndirt, chre Lebensadern bilden die Pietät gegen Verstreben« und die hochherzig, Freigebigkeit der Lebenden. Nicht weniger al« 185 Bewohner« ewiger Gefilde ist die rituelle Feier de« Sterbetagedurch milde Sttftungen auf ewig« Zeiten gesichert und wahrlich durch mehr al« durch da« kostbarste Steindenkmal ehren Kinder da» Andenken verstorbener Elter« durch eine Jahrzeit-stiftung im Paderborner Aaisrnhause. Fist 15,000 M. konnte» durch solche Akte der Pietät in den Einnahme.-tnt eingiffiellt werden Die Summe der Eollekten und freiwilligen Spenden meist au« den Städten de« Rheinlande« und Westsa en betrug 5485 M. und besondere Gaden gingen in Höhe vcn 2812 M. ein Der Sesammteinnahme im vergangenen Jtchre mit 33,141 M. steht eine Au«gabe von 32,502 M. gegenüber; daS in Werthpapieren augelegte Vermögen aber -xcl. Grundstück und Inventar beziffert sich auf 134,858 M. Ganz tesondei» lobend sei hervorgehoben, daß alle Einrichiungen dieser s ^en-reichen Anstalt von dem Geiste echt jüdischer Frbmmigknt beherrscht werden und daß au» die Unterbringung entlas euer Zöglinge bei tüchtigen Handwerk» meistern große» Ge vicht gelegt mrd Strengste Sabbath- und Festfeier wi,d zur >S«dingung de« Lehrconttacte« gemacht. Zu den Sptttder r sreinilligerLiebe-gaden gehört schon seit Jahren in erster Re he Ihre Majestät die Kaiserin Augusta n"\ Der Vorsteherin, welcher wir kein Dort de» Lobe«, sondern nur den Wunsch eine« noch recht langen Leben« widmen wollen, der Frau Marck» Nathan, steht ein au« 5 Herren bestehende« Curatorium in hingebender Treue zur Seite. E» sind die« die Herren Loui« Mahler, L. Rauschs ff. Sanität«rath ltr. Hörltng in 'Jaderbc rn. Oberrabbiner l)r. Horowitz und M. Simon» in Crefelt. Herr L. Bacharach in Düsteldorf ist Ehrenmitglier de« Kuratorium«. Mit innigster Freude und mit tiefer Dankbarkeit gegen die guten Minfchrn, die solche« fördern, und gegen Gott, der solche« Thun segnet und gedeihen läßt, haben wir den Bericht durchlesen. Aber arch noch ein anderer Gedanke erivachte in un«, den Dir wünschten mit lautem Rufe in die Lande hinau»- schallen lasten zu kör nen: J«raelitische Brüder und Schwestern, seht, welch ewige, unsterblich« Werke mit geringen Mitteln können begründet u id erhalten werden, seht, wie sichtbar der Segen Äo teö auf Unternehmungen zu seiner Ehre und zur Heiligung seine« Nnrnen» ruht, giebt e« nicht in jeder Provinz vaterlos« und mutterlos« Waisen, die aus unsere Liebe und auf unsere Brrmherzigkeit gewiesen sind? Wie viele Provinzen aber giebi e», die einer Anstalt entbehren, in welcher die bewein»N' werthei Kleinen zu tkchttgen Menschen, zu gläubige» J-r«irliten erjagen werden? *J Dr. C. Ve-erreich. Wie», 8. Febiuar. (Or.-Corr t Herr Vr. I. M ino r, Dl«nt für deutsche Sprache und Literatur an der Wiener Universität, «in wegen seiner gründlichen Forschung und geniolen Auffassung und Erklärung der Werke der deutschen Dichtung in xn bek iffenden gelehrten und literarischen Kreisen wohlbekannte» und »ochgeachteter, »unger Gelehrter, hat «uro Anlaß de» vr r Kur, em von I. M. R a i ch zu Mainz hrrau»- gegebenen „BrieswecifelS zwischen Dorothi» o. Schlegel, ged. Mendelssohn, und de.en Söhnen einen längeren Aussatz: »Htstorisrhezur Berliner Judenfrage" veröffentlicht (vgl. Literaturblatt Rr. « rnd 7). Nachdem der Verfasser in glänzender Weise den ungeheuren Einfluß, den die Berliner Judenschasl am End« de« vorigen Jahrhundert» auf die deutsche Literatur autgeüb», ges,Hilbert hatte, thul er folgenden für un» Juden -z zor ti« Pro,«, Sochfrn <u»» »X anhuUiAtscheu LS »der) ist «in, «tzültche 0ri»»tf>Uti>» bereit« i« Serk« un» tzdflen »tr, » kur^r eit in der i!«gr,u sein, »>t uLher«« PtiNtzeUuna»» hierü-er in »x eflenUtchkeit,u treten. (Ard)