Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5369809-5935096-5938064--4456-5376761- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Redner bewiesen, wie jeder politisch« Nebengedanke demsrlbe» fernstehe wie der Ezar lebhaft bedauert wird und daS England m>t Rußland ge.n lesreundet bleibt, allein JtznatieffS Benehmen, Vorgehen und Rath in dieser Sacke aufS tiefste verabscheut und als ärgste Schmach jedes Christen in der ganzen Welt betrachtet. London, 2. Februar. Gestern wurden für den Fonds zur Unterstützung ver Juden in Rußland l 'i.uoo Pfd. Sterl. gezeichnet. davon je 5000 Pfv. Srerl. von den Häusern Rothschild in London und Pari». — Da» russisch jüdische Camitä wird nächsten Montag mit Hn>. Moritz E l l i n g e r, dem in London eingetroffenen Delegirten der Rew-Norker Auswanderungsbehörde. einen Plan für die Auswanderung ruffischer Juden nach de» Vereinigten Staaten in Erwägung zu ziehen. Während der letzten paar Tage hat de" Lordmayer von London mit mehreren hervorragenden Mitglieder» der hiesigen Judengemeinde iibi-r dieselbe Frage Besprechungen gestogen. Der Staat Louisiana hat die Gründung einer Eolome jüdischer Answanderer au« Rußland genehmigt Z. London, 2. Februar Säiumtlich« Journale erkennen einstimmig an, daß da» gestrige Me-ting zu Gunsten der Juden da» denkoar einflußreichste und repräsentativst« gewesen ist. Alle Klaffen Englands, alle politischen Schaltirungen alle Religonen hatten ihre Vertreter geschickt. Die Preffe hofft bestimmt, da» Meeting müsse eine 'Wirkung auSüben. Alle Blätter heben die dem Ehristenthum durch die russischen Jusen-Gräuel zugesügte Schmach hervor und oerurtheilen besonders scharf Jgnatieffs Cirknlar, indem sie erklären, daß die russische Regierung durch ihre Behandlung der Juden während vieler Jahrhunderte Alle» selbst verschuldete DaS gai ze englische Volk müffe sich über den großartigen Erfolg de« gestrigen Meetings gratuliren. — Das ist die Quintessenz der Urtheile in der englischen Presse. Vermischt^ und neuestt Nachrichten. W. Homburg v. d. H.. Januar. Der jüngst erschienene Rechenschaftsbericht de» hiesig. »Israel. Armen-Holz-Vereins" pro 1> 81 giebl ein so erfreuliches Bild von der günstigen Entwicklung diese« so segensreich wirkenden Verein«, daß eine kur;e Mittheilung darüber auch an dieser Stelle wohl von Interesse sein dürste. Wie die dem Bericht beigegebene statistische Nebersicht ergiet't. ist trotz der ungünstigen Zeit- und sonstigen Verhältniffe der Verein seit dem Jahre 187G in progressivem 'ILachSthum l>egriffen und haben sich seine jährt. Einnahmen seitdem von .'»»5 M aui!*44 M. gehoben, wa» wohl wesentlich der eifrigen Thätigkeit seine« jetzigen Vorstandes, den Herren Louis Lehmann und Leopold Wertheimer, zu verdanken sein dürite. Em», 17. Januar. Der Vortrag über den Aberglauben, der am verfloffenen Samstag von dem Bezirks Rabbiner I)r. Hochstädter i n Verein zur Belehrung »nd Unterhaltung vor größerem Damenkrrise gehalten wurde, behandelte nach einer Einleitung über die Entwickeluugsstuien der geistigen Aufklärung und Herzensbildung der Menschheit und der Begriffsbestimmung des Wortes Aberglauben die verschiedenen Formen und Erscheinungen, in denen der Aberglaube sich äußert. Al« die wichtigsten derselben hob Referent die Zauberei mit dem Hexen- und Teuselsglauden und die Mantik t Wahrsagekunst) hervor. Nach der Besprechung der enteren, wobei die Greuel der Hexenprozeffe, die im Mittelalter so viele Opfer gefordert, behandelt wurden, wandte sich der Vortrag gegen den falschen Glauben an einen persönlichen neben dem wahren Gott waltenden Teufel und führte in diesem Sinne die Aussprüche zweier talmudischen Weisen an, deren einer zu einer Zauberin sprach, daß sie ihn und jeden gläubigen Menschen nicht schädigen könne, denn ohne Gotte« Wille vermöge kein Wesen wedtr zu nützen noch zu schaden. Der andere lehrte, daß bvc böse Begierde im Menschen der Teufel sei, der ihn moralisch tödte, so er sich nicht zu beherrschen versteht. Sodann wurde Ne Llahrsagerei behandelt, über Träume und Ahnungen über Traumdeutungen, dann über Chiromantie (da» Wahrsagen au« den Linien der Handfläche) und Kartenschlägerei gesprochen. Nicht unerwähnt blieben die eingebiloeten Vorzeichen künftiger Ereigniffe, und endlich verschiedene, selbst bei sulchen, die Anspruch aus Bildung machen, noch heut zutage unter Christen und Juden sich äußernde abergläubische Ideen und Borurtheile. Der Vortragende schloß, indem er noch m t humoristischer Wendung an da» naivabergläubische Spiel rändelnder junger Mädchen mit dem Ausrupfen der Blumenblätter des Gänseblümchen« erinnerte. Der Vortrag wurde ollentiialden beifällig ausgenommen. Juowrazla», K>. Januar. Am 10. d. M., feierte das A. M. Eob » 'che Ehepaar hierselbst da» seltene Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaare gingen von Nah und Fern zahlreiche Glück,» tusche zu. — Die hies. stolizeiverwaltung hat den Synagogenvorstand angewiesen, die T huren an der Synagoge, die nach innen aufgehen, so zu ändern, daß sie nach außen geöffnet werden können; wünschen swerth wäre e«, wenn bei dieser Gelegenheit gleich mehrere Einre'p. Ausgänge eingerichtet werden könnten. Wien. Jof. Winter« preisgekrönte« Lied empfing bereit« heme in der Wie >ec Studentenschaft seine W.ihe. E» wurde nämlich bei dein gestrigen Commerse der Burschenschaft »Cheru«kia" unter leb laste n Beifall« aller Anwesenden — unter ihnen die Reich«! athsabgeordneten >>r. Weitlos, Ritter und Schöne.er — gefangen. Budapest. :t<. Januar. Gestern verschied bier der in weiten Kreisen bek rnnte R Jsak Nathan R a «s p i tz. Derselbe führte m«hr al« * 0 Jihre hindurch eine Buchhandlung sür hebräi'che und tat »uoiiche Werte und erivard sich ein beträchtl che« Bermögen, so daß er die fitzten 10 Lebensjahre rnh'g und forgenl,« lcben »nd auch viel« Wohlthaten ausüben konnte. Er war der Gründer mehrerer Vereine, wie auch der hiesige» fo<,en. ~“2n c ip. Nathan erreichte ein Alter von 101 J.äne». Finde seiner Asche! Au« Ungarn, 22. Januar. In der Genicinde Unter- Kaa»zlo wvhnea fast ausschließlich Griechisch-Katholische, die angeblich von kirchlicher Seite gegen die Juden gehetzt werden Ende De ember gingen zwei polnische jüdische Bettler durch da« Dorf. Aul Ende desselben ange'angt, wurden ne von »lehreren Einvohnern gezwungen, vor dem dort bcfi ldlichen Kreuze >»ed>rz»knien. Ein Jude au« dem Dorfe kam feinen Glaubensgenossen zu Hülse, und das Ende war, daß alle drei Ju"en fürchterlich durchgeprügelt und daß sodann die Häuser oer Ju»en gestürmt wurden Wer nicht flüchtete, wurde geprügelt. Seither haben sich die Scenen fast jedeil Abend wiederholt, linier den Rufen: »Es kommt der ruffische Tag der Gerichtes “ werden die Häuser der Inden gestürmt. Tie Letzteren niend.'len sich an den Vicegespan, der zuerst den Stuhlrichter entseni'ete; derselbe kehrte >edoch mit dem Bericht zurück, daß nichts >orgesallen sei. Aus eine neuerliche dringende Bitte der J»den delegirte der Viccgespau sodann den Obernolar des Conätat«, der sechs Ruhestörer abiühren ließ. Pori-, Da« Centralconsistorium hat den» Comitö, welche« dem Abbs Gri goire in Luneville ein Denkmal setzen will, einen Beitrag von 500 FrcS. gesendet. Herr Eh. Ne ter begab sich nach Jaffa, um bei der Unterbringung der 52 ruffischen Zöglinge dem Direktor behilflich zu sein. Der Generalaooocat in Aix, Herr Alphandery, ist zum Generalprokur >tor beim Appellhose in Bourgr« befördert worden. In der Synagoge der ru« dlazareth sind im verfloffenen Jahr« üü Trauungen vollzogen worden.