Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938064--4455-5376760
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

45 faßt und geschrieben war. Im Geiste setzte sie ihrer Tochter den goldenen Kranz auf« Haupt und sprach ihren mütterlichen Segen darüber. Sie selbst hat nicht allein die goldene, sondern bereit« vor I > Jahren die Diamant-Hochzeit gefeiert und ist körperlich wie geistig noch sehr rüstig und der Stolz ihrer Kinder, Enkel und Urenkel. Oesterreich. A»« Mithre». (Or.-Lorr.) In Rr. 2 oieser geschätzten und vielgelrsenen .Wochenschrift" erschien eine Korrespondenz .au« Mähren," in wacher von einer neuerscheinenden öfterr.-ungarischen .Kantoren-Zeitung" berichtet wird, die sich zur Ausgabe gestellt, den Kantoren eine würdige Stellung zu erringen und deren materiellen Verhältnisse zu verbesiern. Der ^V.-Eorrespondent meint, er bade dagegen nicht« einzuwenden, wenn der in der jüd. Lithurgie gebildete und gewandte Kantor im Rothsalle al« »6 latus de« Rabbiners sungire u s. w. E« hat den Anschein, daß der betreffende Korrespondent entweder mit den mährisch-jüdischen Gemeindeverhältniffen auf dem Lande nicht bekannt und vertraut ist. oder dieselben au« gewiffen Gründen nicht im wahren richtigen Lichte der Oessentlichkeit zeigen wollte, da er sonst seinen Bericht mit einem ganz andern Urtdeil geschloffen hä'te. Wer e« weih, wie traurig e« deute in deil meisten mährisch-jüdischen Landgemeinden, sowohl in religiöser, al« auch in siiianzieller Beziehung aursieht. und wie drückend die »nateriellen Berhältniffe der meinen in denselben sungirenden Rabbiner sind, die in ihren Gemeinden trotz ihre« vielseitigen mannigfachen Pflichlenkreise», den sie auch mit aller Hingebung und Selbstverleugnung au-süllen, dennoch von so manchen Borständen und Gemeindegliedern nur als ei» Luxusartikel angesehen, und al« eine unnöthig aus sich genommene Last betrachtet werden, der wird geioih nicht den Wunsch äu- Hern und motivirt sehe» wollen, daß der Kantor „der ja in der Regel über viel mehr sreie Zeit verfügt. — die er denn gewöhnlich in seinem Jnterreffe zu Besuchen bei dem Borstande und mahgebenden Gemeindegliederil benutzt, um sich recht populär und pvrsüiin .-rum zu machen," — wenn auch nur im Rolhsalle. zum ad latus de« Rabbiner« gemacht werden solle. Wahrlich, wir brauchen in den »Nähtischen Landgemeinden den Kantor nicht erst im Rothsalle zum ad lam» de« Rabbiner« zu erheben, er gerirt sich in der Regel von selbst al« solcher. Um bei der immer zunehmenden craffen Ignoranz in der hebräischen Wlffenschait, und insbesondere in der talmudischen, spielt deute irder in einer mährischen Landgemeinde lebende i7N'u,«amdan eine sogenannte .Morenu" und wer einen Rabbonen Kaddisch Herunterleiern kann, ist ein fertiger Ben-Tora! Al« solcher aber gerirt sich in erster Linie zuerst und zuvorderst der Kantor.' Wa« würde nun erst in den mährischen^ Landgemeinden lo« werden, wenn derselbe al« wirklich qualificirter ad lam» de« Rabbiner« austreten würde, dann könne» w»r sicher und gewih sein, dah man bald die Rabbinen in den mährischen Landgemeinden an den Fingern einer Hand wird adzählen können; dann wird der Kantor da« Factotum der Gemeinde; denn auch mit den eventuellen Schaaloth wird man sich Rath wiffen. rnlweder die Gemeind« wird io human und einsichtsvoll sein und erst keine an ihn richte», um ihm keine Unannehnüichkeit oder Berlegenheit zu bereite», oder er wird dieselben nach seinem besten Wissen ober richtiger Richtwiffen beantworten. (Schluß folgt.) Vngla«d. Z. Lindau, l. Februar. <Da« große Londoner Meeting gegen die russischen Judenhetzten.) Soeben komme ich von dem , großen Meeting, welche« l» der Kphptian-Halle de« Mansion- House« abgehalten wurde, mit Protest gegen die russischen Gräuel einzulegen. Sowohl die riesige Halle wie die Plattform waren gedrängt voll von der Elite London». Alle christlichen Konfessionen waren vertreten, dagegen hatten sich mit großem Takte sowohl hervorragend« Juden wie Konservativ entfernt gehalten, damit durchaus kein andere« Motiv, al« Humanität und Sympathie der Versammlung unterschoben werden könne Der Lord Major führte den Vorsitz, neben ihm saßen Kardinal Manning. Baronin Burdett, Eoutt«, Bischof von London. KanoniSku« Farrar und eine Anzahl der bedeutendsten englischen Geistlichen. Ueberdie« schickten alle englischen Bischöfe. ferner Tennyson, Lord Rosebery und viele hervorragende dissentirende Geistliche Sympathiebriefe an die Veranstalter de« Meeting«. Alle schrieben, die ganze Christenheit, sowie jeder Christ individuell fühle sich durch die vorkom>nenen Schandlhaten entehrt. ShasteSbury beantragt die ersten Resolution, und führt ganz besonder« au«, wie diese englischc Bewegung durchaus nicht« mit Politik zu schaffen habe, wie kindisch und lächerlich die diesbezüglichen Behauptungen seien. Besonder« betonte Redner, daß lediglich die Humanität sie leite, daß nur ein moralischer Eir.stuß auf Rußland au-geübt werden solle und durchaus kein Haß gegen Rußland die Be-sammlung bekeele. Ungeheuerster Applaus durchdrauste den Saal, als Shafte«- dury erklärte: Ebensowenig wie England Rußland haßt, ebensowenig fürchte er sich davor, dem mächtigen Czar vorzuhalten, wie die Gräuel, auch wenn nur der zehnte Theil derselben auf Wahrheit beruhe, Rußland schänden und entehren. Der Bischof von London unterstützte die Resolution, indem er au«sührte, jeder christlich« Geistliche fühle die Schmach, die in diesen Vorgängen ruh«, und jeder Mayor in England sollte ein gleiche« Meeting veranstalten. Kardinal Manning, welcher hierauf da« Wort ergriff, beantragte eine zweite Resolution. Er erklärt, memal» im Leben mit mehr Ueberzeugung für eine Sache gesprochen und gefühlt zu haben; auch er weißt jede« politische Motiv oder irgend welchen Wunsch. in die inneren Angelegenheiten Rußland« sich einmischen zu wolle», zurück. Rur die Humanität leite ihn und alle Anwesenden und, da die Humanität überall dieselbe sei. könne er auch nicht die Antisemitendewegung »»Deutschland verstehen und er verurtheile dieselbe ebenso wie die Schandthaten in Rußland, welche vielleicht nur die Ausführung der deutschen Antisemitenbewegung seien. Kardinal Manning beweist detaillirl die Unwahrheit aller russischerseit« gegen die Juden vorgebrachten Anklagen, und eine großartige Sensation entsteht, al« der Karvuial erklärt, er wolle au» offiziellen rusfi» scheu Aktenstücken beweisen, daß die russischen Behörden die Gräuel nicht nur nicht bedauern, sondern direkt Hervorruse n. Manning verliest hieraus und kommentitt paragraphenweise Jgnatieff'S Erlaß vom August 16« l, worin nicht die jüdischen Opfer sondern vie Christen bedauert und Maßregeln angekündigt werden, um die Juden noch m:br zu unterdrücken Rußland klagt über seine Juden; möge e« ihnen gleiche Rechte wie den Juden in England und Frankreich geben, dann werden seine Juden ebenso tüchtige Mitglieder de« Staate« wie die englischen oder französischen Juden iverden. In ergreifenden Worten schildert Manmg die Berpslichtung, weiche vie ganze civilisirte Welt den Jut»en schuldet und beschwört den Czar, diese Gräuel zu unterdrücken. Kanonitu« F a r r a r, der beredteste anglikanische Geistliche, Lieberaler und speziellerFreundGladstone'«, sowie seiner Zeit Haupt-Organisator der bulgarischen Agitation, führt «venfalS au», wie unwahr die ruisischen Behauptungen seien, dies« Bewegung wolle nur England und Rußland entzweien und Gladstone Verlegenheiten bereiten. Männer, wie Rosederry. ShasteSbury und Redner selbst, sowie all.' Unterzeichner der Resolution seien grade al» Liberale Freunde Rußland« und Bewunderer de« Czar-n, allen» gerade deshalb besitzen sie da» Recht, gegen diese Gräuel zu remonstriren. England dürfe und niüsse, und zivar uicht mit leiser Stiinme. gegen dies« Schandtijaten protesnren. Thar e« die» kür vie Bulgaren und für ander« Rationen, uin w»e vielmehr für die Juden denen da» C-ristenthum seine herrlichsten Schätze verdankt. Da» ganze Meetinz, der Ton sowie die Arguinente aller

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.