Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Feuilleton. Verloren und gefunden. Line Eijilhlung «uS der Zeit de« ZUjLzrige« Krieg-«. (Fortsetzung.) Wo war inzwischen Sara geblieben? jtonircpotati hatte soeben in WySzegrad den Bericht seiner Reisige« über di« gelungene Entführung de» Judenmädchenenlgegengenommen, alder Schloßhoi von eiligen Pservehufen erdröhnte. Es waren Couriere vom König Sigismund IH. eingetroffeu mit dem Befehle an den Äronfelooerrn. unverzüglich auszublecheu und sich an die Spitze de» Heerezu stelle», welche- Gustav Adolf dem Schwedenkönige auf seinem Zuge nach Deutschland entgegentrelen sollte Gn stao Adolf war Anfang» Juli 1626 mit 150 Segeln bei Pillau gelandet und zog mit 15.o0o Mann unter dem Kommando de- König- und de» Feldmarschallo Wränget unaufgehalten durch da- Ermeland und dajetzige ÜSestpreußen. Mit dem Churfürste» von Brandenburg war durch die Bermittlung de» Laut Hofmeister» Ähatz von Dohna ein NeutralitätSvertrag zu Staude gelomme», Fcauenbcrg. Elbing. Marienburg hatten nch ergeben und nun galt e» den Schweden vor Danzig entgegen zu treten. Zwischen Falkenau und D. lag ein großes polnische- Heer und zu diesem mußte Koniecpol-ki eilen, sollte nicht die ganze Provinz seinem Könige verloren sein. Schäumend vor Wuth und unbefriedigter Leidenschaft befahl er die Zurüstungen zu seiner Reise. Sara hatte mit tode-verachtender Entschlossenheit jede Annährung dellebetrunkenen Magnaten zurückgewiesen, sie wollte sich eher mit eigenen Hände» erdrosseln hatte sie gesagt, ehe an einen Wüstling ihre Unschuld zu verliere», chr brennende» thräneiilose« Auge, ihre kalten, >n Sch»ierz versteinerten Züge ließen glauben, daß sie keine leere Drohung «»»gestoßen hatte. Da durchzuckte ein teuflischer Gedanke de- Kronfeldherrn Gehirn. Sara zurücklasien, hieße Sara verlieren, daher zwang sie der Uniutnsch, sich in eine polnische Ulanenunisorm zu kleiden und von einer Sotnu Kosaken begleitet, denen er Sara zur strengsten Ueberwachung übergeben hatte, stürmte er ohne Rast und Ruhe dein Kriegeschauplatzc zu. Was das arme, des Reitenungewohnte Mädchen bei diesem tollen Zagen zu erdulden hatte, spottet jeder Beschreibung, aber mit der ihrem Stamme eigenthilinlichen Elasticität der Geister überwand sie schnell die Qualen der ersten Tage und bald sah sic ein, daß ihr auf diesem Wege eher die Gelegenheit geboten werde» könne, ihrem lüsternen Verjolger zu entkommen, als auden Mauern defesten Schlosse» WiSzegrad. Ihren vollen Fornien kleidete der Ulanenanzug sehr wohl und nachdem die heiße Julisonne di« |arte Hautfarbe gebräunt hatte, konnte man höchstens an der Weichheit der Gesichlszüge eine Frau in dein jungen schweigsamen Reiter erkennen. Am 16. Juli traf man oberhalb Falkenau etwa zwei Meilen vom Zielpunkte der Reise aus schivedische Dragoner. KoniecpolSki focht wie ein Löwe und entkam mit fünfzehn Kosaken nach Mewe. wo er sein Heruptpuarlier ausschlug. Die übrigen Begleiter wurden theil» niedergehauen, theilS gefangen. Auch der junge Ulan hatte sich ohne Widerstand mit treudig erregtem Herzen gefangen nehmen lassen, war ja da» unbestimmteste Schicksal eine Paradieseswonne gegen die Gewißheit von Verführung und Schande. — So nun war Sara nicht nur für Rübe», der sie zu schützen geschworen hatte, sondern auch für KoniecpolSki, ihrem Entführer und Verfolger — eine Verlorene. 4. Am 21. Juli de- Jahre« 1626 kam et an den Tag, was der hochedle Rath der polnischen Stadt D. auf die dringenden Vorstellungen Ehrn Lpiliu« delutherischen Pastor« beschlossen hatte, beschlossen in jener denkwürdigen Sitzung, welche Ka»par vorn Loch, der würdige Stadttrompeter, in loben-werthem AmtSeifer in so stürm»sch«r Weise veranlaßt .7 — hatte. Und hur scheint eS un» am Platze, besagtem Ka»par ein Ehrenzeugniß autzusttllen, wie e» dem fernsehenden „Auge der Stadt" zu einer vielbewegten Zeit mit Fug und Recht gebührt. Im drängenden Eifer der Erzählung haben wir, freilich mit historischer Beglaubigung, von einer rothen Rase gesprochen und ihn damit dem Verdachte der Nachwelt prei«- gegeden, al» hänge diese Röthe mit dem zu häufigen Genuß jener edlen Naß zusammen, welchein brauner Fülle den Fäsiern der RathSdrauerei entströmte. Wir haben aber die sichersten Beweise in Händen, daß Ka-parin sanftem Karmin strahlende GesichlSzier ein Erbstück seiner Familie gewesen, daß sein Vater, der selige Feldhüter HanS von, Loch, und desien Vater weiland Stadlmusiku- Eberhard vom Loch schon Slasen halten, di« weder gelb noch grün, sondern in Wahrheit roth gewesen sind. Run gab efreilich schon unter den Zeitgenossen dieser im Stadtdicnste ergrau'rn Dynastie Böswillige, die den eminöscn Beinamen „vom Loch" mit einem angeborenen stark entwickelten Durstgetühi der NancenSträger und ihrer rothen Rasen in ursächliche Verbindung bringen wollten — eliebt die Welt da- Strahlende zu schwärzen — wir sind durch gewisienhafte historische Forschunge» glücklich dahin gelangt, alle« bösen Verdächtigungen gegenüber mit unuinstSßlicher Gewißheit de» Tag bezeichnen zu können, an welchem eben dieser Ka-par vom Loch — nicht betrunken war. ES war die» der 21. Juli de- Jahre« 1626 nach Christi Geburt. An diesen, denkwürdigen Tage rückte Gustav Adolf der Schmedenkönig vor D. und forderte die Stadl zur Uedcrgabe auf. E» war beschloss,» morden, dieser Aufforderung. nach einem formellen Preteste, sofort Folge zu leigen, und Gottfried Blumcr. Korporal der «ürgerwehr, hatte die Ehre am Wallthore seiner schwedischen Majestät die Schlüsiel zu übergeben. Und in diesem feierlichen Augenblicke befand sich Ka». par vom Loch sowohl auf der materiellen, als auch auf dtr geistigen Höhe sein?» Wirken«. Hoch von dem Wartthui» der inner» Stadtmauer schweifte rin Adlerauge über die durch den Weichselwerder ziehenden Sch'vedenschaaren, mit einer Gemisinrbaftigkeit, die alle au» seinem Beinamen und au« seiner Erbnase gefolgerten Schlüsie zu Schanden machte, hielt er schon seit einer halben Stunde da« Horn am Munde» um ein dem Augenblicke, in dem Blumer die Schlüsiel übergab, in langen ernsten Tönen erschallen zu lasien. Ka-par vom Loch, trotz Deine« hohen Standpunktes ahntest Du nicht, »aß du dem Beginne einer neuen welthistorischen Epoche entgegenbliesest!! — Hoch zu Roß, umgeben von der Elite seine« Heere«, zog Gustav Adolf cn D. ein. Er zählte damals zweiunddreißig Lebensjahre. ,Um eine- Haupte- Länge, sagt der Chronist, ragte er über all - Volk empor, seine Glieder standen im schönsten Ebenmaaße, Muth und Hoheit funkelten aus dem großen Auge. Der Ernst seine« Blickes wurde durch einen lieblichen AuStruck von 'Milde gemäßigt Die gebogene Adlernase, das blonde, hart goldfarbige Haupthaar, vollendeten da- Bild de» nordische» Heide». Axiel Sxertierna sein berühmter Kanzler ritt ihm zur Seite, hinter chnen Wränget der Fcldmarschall und eia^Leibpage de- Kün g«, ein junger Mann von überraschender Schönheit und Zierlichkeit, dann folgten alle hervorragenden Führer der siegreichen tapferen Schivedenmacht. Durch da» Wallthor, die Burgstraße hindurch bis zum Markte hin bewegte sich der imposante Zug. Mit ehrfurchtsvollem Schweigen und je nach dem GlaubenSbekenntriß mit freudig erregten oder trübe bekümmerten Gesichtern standm die Bürger vor ihren Häusern und mancher batte sich die Linie der schraedischen Reiter in Rücksicht auf unliebsam Einquartirung kürzer gewünscht, al« sie in Wirklichkeit war. Gustav Adolphs Absteigeqilartier war in der ehemaligen Komthurei de» Ocden« der Deutschherren an der Nordseite de» Markte« Hergerichtei (Fortsetzung folgt.)