Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938062--4447-5376753
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

da« nicht gehen, so müssen H«irath»rücksichten über den Besitz entscheiden. Daun wünsch« ich. daß diese beiden Besitzchümer so unverändert wie möglich bleiben sollen und daß meine S Söhne einig und glücklich Zusammenleben sollen. Sollte doch Sunner«burg.Hau« verkauft «erde», so gehört der Ertrag meine« 3 Söhne». Sollte meine theur« Frau ihr vom Bater ererbte» Vermögen nicht gleichmäßig unter die 3 Söhne thei' len wollen, so mag sie so thun. Zu Testamentvollstreckern ernenne ich meine beiden «rüder und meine ältesten 2 Söhne. 16,000 Pf. St. vermach« ich jüdischen, 5000 Pf. St' christl. WohUhätigkeittanstalten. Meine Brüder bitte ich al« Zeichen einer kleine» Erinnerung je 1000 Pf. St. von mir anzunehmen und sich dafür eine» kleinen Gegenstand anzuschaffen. — Hoffentlich wird meine theure Frau noch lange leben, um noch lange die hingebende Liebe ihrer Söhne und Töchter genießen in können. In den letzten Jahren hatte sie sehr wenig Freude in Folge der vielen Krankheitsfälle in unserer Familie. Ich danke ihr für ihre aufopfernd« Hingebung zu mir unv bitte meine Kinder, sie möchten jede Gelegenheit suchen und wahrnehmen, um ihr ihre Liebe und Anhänglichkeit zu beweisen. Sott der Allmächtige hat mir viele Jahre sehr viel Glück ertheilt in jeder Weise und ich richte deshalb an nieine Kinder die Aufforderung, stet« ihrer Pflichten gegen Gott eingedenk zu sein, und nicht zu vergcffen, daß Familieneinigkeit und Freundschaft un» in die ehrenvolle Stellung gebracht haben, die wir nun einnehmen. Möge Gott mein theureS Weib und meine theuren Kinder segnen. London, den 24. Juli 1805. L. N. de Rothschild." Rutzlawd. Warschau. 21. Jan. Dar Komitö, welche» zur Ermittlung de» durch die letztcn Judenhetzen verursachten Schadeneingesetzt wurde, hat sich seiner Aufgabe beinahe entledigt und Daten zusammengestellt, welche nun den Umfang der Katastrophe zu Überblicken gestatten. E» haben sich im Ganzen 2011 beschädigte Familien (10,000 Personen) gemeldet, welche den ihnen zugesügten Schaden auf 1,200,000 Rubel bezifferten. Da» UntersuchungSkomitä hat da» Ergebniß dieser Eelbstschätzung auf 7<?7,339 Rubel reduzirt und die Beschädigten in vier Klaffen eingctheilt. Die erste und leider die zahlreichste Klaffe bilden jene Personen, welche in der Hetze ihre ganze bescheidene Habe verloren haben und wenigsten» vorläufig aller Existenzmittel beraubt sind. Hierher gehören 948 Familien mit einem Verluste von 255.489 Rubel. Die 2. Klaffe bilden Jene, denen wenigsten» Möbel, HauSeinrichtung, eine Werkstätte oder irgend ein andere» Erwerbmittel unverfchrt geblieben ist. Hierher gehören 475 Familien mit rinein Verluste von 140,818 Rubel. Die übrigen zwei Klaffen bilden jene Personen, welche mehr oder weniger ruinirt, aber wenigstens vorläufig nicht dem Elende preiSgegrben sind. — Bon glaubwürdigster Seite höre ich. daß einer unserer höchsten Polizeibeamten einem Mitglied« de» hiesigen iöraelit. Gemeindevorstande» die Versicherung gab, daß die Jutn nkrawalle sich wiederholen würden. Da« Bo.stand«mitglied antwortete darauf: »Aber im vergangenen Sommer versicherten Sie mir doch, daß ein Judenkrawall bei un» unmögl.ch sei und nun haben wir ihn dennoch erlebt." — Höherer Polizeibeamter: ,Ja, da« war etwa« Andere«. Diesmal war ev Regieruag»politik gegenüber den Polen." Erstaunt fragte da» Vorftand«mitglied: »Also wegen einer solchen Politik können Tausende unschuldiger Menschen der Roth und dem Unglück pret«gegeben werden!?" — Der Polizeibeamte erwidert« daraus kühl: »Werdrn nicht auch iu der Schlacht auf dem Krteg»feld« Tausende Unschuldiger da» Opfer einer Politik ¥!" Vermischte und neueste Nachrichten. M»»brb»rg. Pater HyacintheLoyson predigt« letzthin in Pari« über dir Judenfrage. Mit veinichtender Schärfe geißelte der »»«gezeichnete Kanzelredner die Judenhetze in Deutschland und Rußland, di« vom nreuschlichen, wie vom christlich-religiösen Standpunkte au» gleich sehr zu verdammen sei. Die Welt sei Israel zu Danke verpflichtet, da e» zuerst zur Erkenntniß von der Einheit Gotte» gelangt sei und die Grundlagen aller humanen Gesittung festgestellt Hab«. Der R'dner schloß seine Ausführungen mit einem feurigen Appell ai. die Toleranz und mit der Aufforderung, Frankreich möge sich der in England eingeleiteten Protestbewegung anschließen. Magdeburg. Die Antisemiten Förster und Henrici find wegen Beleidigung de» Magistrat» zu je 300 M. Strafe verurtheilt worden; auch Ruppel und die anderen Häupter der Antisennl-nuga ernten jetzt di« Früchte ihre« polternden Auftreten« im vor. Jahre. Für die Wiedergabe der betr. Gerichttrrrhandlungen gebricht e» un« an Raum. Berlin. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde Hai bei seiner >or Kurzem erfolgten Reconstituirung wiederum den üieheimen 5ommerzienrath und Stadtrath Magnu» zum Vorsitzerden, sowie den Jnstizrath Meyer und den Geheimen Eommerzienrath Herz zu deffen Stellvertretern erwählt. Ersterer in seit 27 Jahren Mitglied des Gemeindevorstande« und präfidirte demselben bereit» seit 22 Jahren. Bliesen, W.-Pr. In diesen Tagen fand hier innerhalb der Synagogengemeind« eine Privat-Verloosung zu wohlthätigem Zwecke statt. Der Rührigkeit, die der Vorstand de» iSrarlit Armen-LereinS bei dieser Gelegenheit entwickelt bat, ist e« z r verdenken, daß ein nicht unerheblicher Reinertrag erzielt norden, der zur Beschaffung von Winter-Klcidung»- stücken für unsere Armen Kinder hat verwendet werden können. Lollall (Oberschlesien). Vor Kurzem feierte in unserer Stadt der allbeliebte Kun't-Drechsler Herr Abraham Opfer sein 50jährige» Meister-Jubiläum. Der Jubilar hat da» Handwerk in seine: Vaterstadt Pleß O.'S. erlernt und hat sich verlebe durch Energie und Fleiß derart emporgeschwnngen, daß er die angesehensten Männer Deutschland» al» Kunden erworben hat. Auch hat derselbe seiner Militär-Zeit im Jahre 1835 genügt. Herr Opfer, einfach und schlicht, stet» thälig und in seinem Hanrwerk Vorzügliche» leistend, befindet sich im 70. Jahre noch im besten Gesundheitszustand. Möge der j Jubilar zur Zierde r.nserer kleinen Stadt noch recht lange i erhalten bleiben, (solche Männer de» Handwerk» gereichen gerade in unserer Z,it dem gesammten Judenthum, welche» da» Handwerk hvchsäätzl, zur Ehre. Stuttgart, 23. Jan. Eine ehemalige Stuttgarter Schönh-it, welche zu gleicher Zeit al« geistreich bekannt war, die verwittwrte Frau »-.Henriette Dreisu«, ist gestern in ihrem 73. Lebensjahie zur Erd« bestattet worden. Sie war die Tochter de« Banlier Mose» Benedict, au» deffen Geschäft später die Stul tgarter Bank und nach deren Liquidation die Würltemb. Vereint bank entstand, und die Gattin de» inml. »r. Dre fu», Mitglier der K. J«r. Oberkirchenbehörd«, Mitbegründer und Vorstand de» i»r. Waisenhause« Wilhelm»pflege in Eßlingen und später Theilhaber de» großen Benedict'schen Bankhause«. Ihr B »der, der Komponist Sir Juliu» Benedict in London erhielt die Varonenwürd«; ihr Sohn Theodor v. Dreist» ist österr. Eonsul. Thruvitz. Der hier erst seit Kurzem zuni Rabbiner gewählte 1>r. A. Ehotiner ist vorige Woche im Alter van 25 Jobren gestorben. Er hinterläßt eine jugendliche Gattin und ein Töchterchen. Wie». Reich»ra!l)»abgeordneter Ritter von Kallir ist zum Ehrtnbürger der Stadt Brody ernannt worden. Stanislau. Wie wir au« guter Quelle erfahren, soll Herr Abraham Halpern, Großgrundbesitzer und Bankier hier, welcher im vorgen Jahr« von Sr. Maj. dem Kaiser mit dem Ritterkreuz de« Franz-Joses-Orden» ausgezeichnet wurde, den namhaften Betrag von 30,000 fl. ö. W. zur Erbauung eine» Siech enhause« gespendet haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.