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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 37 — frittn und Leistung«« der jüdischen Ra« in der Entwicklung der Menschheit beleuchtet, fährt er fort: «C» ist nach Prüfung aller dieser Umstände unmöglich, de» Forderungen de« Mitgefühl» und de» Beistände«, welcher von den Juden in England und sonst im Ausland« an un« gerichtet werden, keine Fola« zu geben nnd eö würde ein höchst glücklicher Erfolg der gegenwärtige» Berfolgungen und Leiden fein, wenn die Juden, so wie die Griechen wieder zu derWürve einer unabhängigen und sich selbst regierenden Ration in ihrem eigenen gelobtenLande erhoben werden könnte." E« ist hier natürlich nicht der Ort, den hier ausgesprochenen und schon so oft. in diesem Blatte selbst, erörterten Gedanken kritisch zu beleuchten. Die Worte seien eben nur hier angeführt, uni zu zeigen, daß dem jüdischen Volke in der britischen Ration ein treuer und mächtiger Bundesgenosse zur Seite stehen. •I. 8. Wien, 23. Januar. (Or.-Corr.) Donnerstag, den l!>. Janirar, fand unter sehr zahlreicher Betheiligung da» Leichenbegängnist des Herrn Simon Szanto. Redacteur« der .Neuzeit", statt, über deffen Tod wir bereit« in der letzten Rnmmer berichtet haben. — Auster den fast sämmtlich erschienenen Religionslehrern der hiesigen öffentlichen und privaten Schulen, erwiesen noch zahlreiche Grmeinderäthe, u. A. auch Johannes Rordmann (Präsident der„Coneordia"), ReichStagSabgrordneter I)r. Ignatz Äuraiiba (Präsident der Wiener israelitischen LultuSgemeinve», Josef Ritter v Wertdeimer (Präsident der Wiener Israelit. Allianz>. Kompert, und L. A. Frankl, dein Todten die letzte Ebre. In der Todtenhalle des Centralfriedhofes hielt I e l l i n e k, am Grabe selbst, Johanne» Rordmann dem Verblichenen, als Mitglied der «Concordia, einen warmen Rachruf. Wenn nun auch Szanto in feinen Borträgen und zuinal in bfr von ihm redigirten «Reu,eit" nicht selten eine unserer Ansicht nach gar zu weitgt»ende reioi matorischr Richtung im Judenthume vertreten halte, so kann man doch dem Berstordenen da» ehrende Zeugnist nicht vorenthalten, dast er ein scharfsinniger Publicist und gelehrter Erklärer bebräischer Werke gewesen sei, und dast er ein für die Jntereffen de» Judenthum« warm schlagendes Herz beseffen habe. — Der in der letzten Rümmer von uns kurz skizzirte Ausruf der Wiener J«rael. Allianz an unsere Glauben-drüdrr drhuf« Unterstützung der durch die im vergangenen Jahre ftattgehabten Plünderungen in Rußland hart mitgenommenen russischen Juden hat nicht nur in jüdischen, sondern auch in nichtjüdischen Kreisen ledhaste Theil nähme erregt. So verzeichnen wir mit ganz besonderer Genugthuung die grob« Spende von 1000 st. ö. W., die Friedrich Freiherr v. Leitenberger zu obengenanntem Zwecke der Israel. Allianz zukommen liest. <Flt0(ANb. London. Die entsetzliche Judenverfolgung in Rustland und die Fraae, wie diesem Elend abzuh.'lsen ist, nimmt hier alle« Interesse i» Anspruch. Juden und Christen, Hoch und Niedrig, Geistliche und Laien wetteifern in Anregung zu energischem Handeln und viele Gaben fliesten zu. nm den Flüchtlingen zu helsin. llüahrlich e« ist ein Entsetzen für den Menschenfreund in unserer Zeit von solchem Elend noch reden u müffen, e« ist kaum zu begreifen, wie die Ruffen, die mit olcher Emphase den Schutz der Christen in der Türkei betrieben, mit solcher Herzlosigkeit Tausende Juden von Hau« und Hos treiben und so den Patriotismus der Juden mit Verbannung belohnen. Ja r« ist beklagen«werth, dast Angesicht« der europäischen Mächte «» ruhig geschieht, dast Staat«- Kürzer wie ein verpestetes Bieh au» dem Lande gejagt werden. Wo ist der mächtige Kanzler, wo sein «praktische« Christenthum"? Sollte die« nicht auch in seiner Macht liegen, solchen Unglücklichen Hilfe zu bringen? Kann e» die christliche Cultur der europäischen Staaten schweigend ansehen, dast solch« Gräuel verübt werden? Und da« sollte keine Schmach, keine schwere Schuld sein, di« all« Staaten tragen? Hier raubt und plündert man, verjagt die Einwohner und da sieht man e« ruhig an! Wa» nützen die Gerichtsverhandlungen in Odessa, Kiew, wenn die Grosten selbst Judenhaß lehren und pflegen? Gott sei Dank, dast e« doch noch Christen gibt, die solchen Gräueln ihre ganze schwer« Bernrtheilung gegenüberstellen, die laut und vollttnend sie verdammen und zur Lieb« gegen die verfolgten ermahnen, Geld sür sie sammeln. E« ist wahrhaft erhebend zu sehen, wie au» allen Theilen England« und au« den Colonien Geldsendungen von Christen und Juden «inlaufen, um den Juden die Auswanderung zu ermöglichen. Da« englische Volk und seine hohen Geistlichen an der Spitze haben einen Schandfleck abgewaschen und die Ehre der Menschen gerettet. E» ist selbstverständlich, daß auch die AngloJewish-Affociation dieser heiligen Sache ihre ganze Sorgfalt zuivendet, unterstützt nicht nur von der jüdischen Preffe, sondern von den angesehensten politischen Blättern England». Hoffen wir, dast e« gelingt, die Auswanderung zu einem glücklichen Abschluß zu bringen, »ielleicht bewährt sich auch hier, ja gewiß wird es sich bewähren ,-aio^ mrn '*»hi nyi c:.2»n onx. — Die jüd. Wohlthätigkeiisanstalten zeigen auch durch ihre Berichte, wie vielen Segen sie bringen, wie viele Mittel sie aber auch brauchen und wie viel Unterstützung sie Nöthig haben. — Einen interessanten Fund entdeckte man neulich, den die Centralhalle de« South Kensington Museum in sich birgt, einen silternen Präsentirteller von Menaffe la J-rael. Große Trauer verursachte der Tod des Professor P r a g, der als echter fronimer Lamdan und allgemein wissenschaftlich gebildeter Gelehrter allgeniein hohe Achtung genoß. Friede seiner Seele! Möchten in der jüngeren Generation neue Männer erstehen, die solche Riffe wieder auSfüllrn. Der englische Stöcker — Godwin Smith — hat seine derbe Absertizung erhalten und e« ist nicht zu befürchten, daß hier solche Ideen tieferen Boden sinken. Stöcker wird moralisch sür Warschau und Kiew verantwortlich bleiben und e« ist keine Empfehlung für G. Smith Theil an solcher Verantwortlichkeit nehmen zu wollen London. Gewiß auch für Ihre .streife intereffant dürfte der kurzgesastte Wortlaut des letztwilligen Vermächtnisse« de» verstorbenen Baron Lionel Rothschild sein: „Wenn es der gütigen Bcrsehung gefallen sollte, mich von der Welt zu rufen, bevor ich einen anderen Willen versaßt babe, so soll mein Vesitzthum solgendcrmasten eingetheilt werden: Meinem theurcn Wei're, Charlotte Rothschild, hintcrlaffe ich zu ihrem lebenslänglichen Gebrauche mein Han« in Picadilly mit vollständiger Au«stattung, wie auch das Hau« in GunnerSburg mit dem gelammten e« umgebenden Grundeigenthum und sämmtlichem Inhalt. Ferner eine jährliche Rente von 25,000 Pf. St. und 100,000 Ps. St. baar, die ihr zu uneingeschränktem Gebrauche sofort auSgezah'.t werden sollen. Meinen Söhnen Ratbaniel, Alfred und Leopold, nachdem letzterer majorenn geworden ist, sollen jährlich so lange ineine Frau lebt, 5000 Pf. St. au«- gezahlt «erden. Meine Tochter Leonora soll die Summe von 100,000 Pf. St. 10 Jahre nach meinem Tod« auSgezahlt erhalten Dieselbe Summe, jedoch unter der Aussicht von Vormündern, welche meine und ihre Brüder sein sollen, und so, daß da« Capital nicht angegriffen werden kann, soll meine Tochter Evelina empfangen. Hat sie Kinder, so soll da« Capital unter diese nach ihrem oder ihre« Manne» Willen eingetheilt worden; hat sie keine, so gehört ihrem Gatten der Riestbrauch de» Canital« Zeit seiner Leben«, fällt aber dann an meine Söhne zurück. Füns Jahre nach dem Tode meiner Frau sollen jeder meiner Töchter 50,000 Pf. St. gezahlt werden. Mein übrige« vermögen soll gleichmäßig unter meine 3 Söhne eingetheilt werden und die Hypotheken, die ich besitze, meinen Töchtern unter obenerwähnten Bedingungen zu Gute kommen. Rach dem Tode meiner Frau soll mein ältester Sohn Picadilly-Hau« bekommen; GunnerSburg soll wo möglich dem gemeinsainen Gebrauche der Brüder Vorbehalten werden. Sollte

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