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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 86 — Unterstützung der Armen und ,ur Pflege der Kranken, ferner ein o’-ron n^'vo Verein zur Unterstützung verschämte» Armen und ein Waisenverein. All, diese Vereine wirken ihren verschiedenen Zwecken folgend^ segensreich neben einander. Smfitz, 26. Januar. Bor der Strafkammer de» hiesigen Landgericht« hatten sich 19 Personen theit« wegen LandsriedenSbruch», theil« wegen Wiederstande« gegen die Staatsgewalt und wegen groben Unfug« zu verantworten. E» waren die» ein Bäckermeister, ein Täpfermeister, vier Gesellen, vier Arbeiter, fünf Knechte, eiu Lehrling, zwei Knaben und ein« Zieglerfrau, welche sich obiger Verbrechen resp. Vergehen im Juli und August v. I. während der in Hammerstein stattgefundenen Ausschreitungen gegen di« jüdischen Bewohner schuldig gemacht haben sollten. Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme erkannte der Gerichtshof Einen des LandfrredenSbruchS für schuldig und verurtheilte denselben zu 14 Tag« Gefängniß; 13 Angeklagte wurden der Verübung groben Unfugs überführt und mit Haft» strafen von einem Tag« bi» zu vier Wochen belegt. Mamihel», 27 Januar. Der in unserer Stadt wohlbrkcnnte Sozialdenwkrat Moses Oopenheimer, welcher gegenwärtig in Barmen wohnt und in den Reichstagswahlen für Barmen - Elberfeld als sozialdemokratischer Kandidat aufgestellt war, hat kürzlich in Barmen und Elberfeld öffentliche Vorträge „über den Talmud" gehalten, die »ach den Berichten dortiger Blätter von den sehr zahlreichen Zuhörern aller Stände mit vielem Beifall ausgenommen wurden. Auch in Frankfurt a. M. wird Hr. Oppenheimer demnächst über da» gleiche Thema sprechen. Hier wurde ihm seinerzeit die Abhaltung eine» solchen Vortrag« vom Bezirksamt« auf Grund de» Sozialistengesetze» untersagt. Wie wir hören, hat Hr. Oppenheimer sich neuerdings an diese Behörde gewendet m>t der Anfrage, ob jene» Verbot auch jetzt noch, nachdem selbst die preußische Polizei das Thema vom Talmud für nicht staatSgefährlich hält, vom hiesigen Bezirksamt« aufrecht erhalten werde. Auf den Bescheid darf man gespannt sein. A. Todlenz, 20. Januar. (Or.-Sorr.) Von vielen Seiten angefragt, wann und wie hierons ein Kind während der Befchneidung plötzlich aus dem Echooße de» Gevatter« gestorben ist — eine Eorrespondenz vom Rhein, Mitte December eine» al» Probenumnier überallhin versandten jüdischen Wochenblatthatte die grause Mähr verkündet — erkläre ich hiermit, daß seit Menschengedenken hierorts ein solcher oder auch nur ein ähnlicher Fall sich nicht zugelragen hat. Im Urbrigen steht e« mit den Mohelim, wie auch mit den sonstigen Vollziehern religiöser Institutionen, im Rheinland« sehr schlimm. Unbefähigt« und Unberufene beschneiden, schlachten, predigen, lehren, trauen. ES herrscht eber. Gewerbekreiheit! — Der Armenverein hier constatirt in seinem Berichte vom 1. c. eine stete Verminderung der „Reisenden", welche in 1'/, Jahren 244 Gäste weniger ergab. 1549 sind in diese»» Zeitraum mit 1816'JR. 35 Pf. unterstützt worden. An hiesige »vurden 184 M. 20 Pf., an Verwaltungskosten 85 M. 30 Pf. verausgabt; der Saffabestand betrug 268 M. 30 Pf. Tech« Herren bilden den Vorstand, von denen «in Jeder je 14 Tage die Abfertigung übernimmt. Hamborg, 27. Jan. (Or.-Eorr.) Mit welcher Sorglosigkeit die russischen Flüchtling« zu Werke gehen, davon erhalten Sie nachstehend ein« Prob«. Am vorigen Freitag trafen au» Berlin etwa» mehr al« dreihundert Personen vollständig mittellos hier ein, in der Hoffnung, von dem hiesigen Somit» ohne Weitere« nach Amerika befördert zu rverdrn. Es bestand dies« Äejellschast au» etwa 90 Ehepaaren, 70 erwachsenen jungen Leuten und 60 Kindern, sämmtltch au« Odessa oder Kiew gebürtig. Sie hatten, wie ich höre, die Reise über Brody und BreSlau gemacht, doch war dort nur dafür gesorgt worden, sie auf di« billigst« Weis« von einem Orte zum andern zu befördern und ebensowenig halt« man in verlin für mehr Sorge getragen, sondern im Uebrigen die Leute ihrem Schicksale überlassen. Da von Seiten der Alliance J«ra»lite di« Mittel für dies« Zwecke hier erschöpft fi»»d, so befindet sich da» Somit» in einer recht großen Verlegenheit. Nicht nur die Reisekosten nach Amerika «riordern eine ganz bedeutende Summe — Mk 70 pro Person — sondern auch die Verpflegung und die Beherbergung bi» zur Abreise verursachen bedeutende Kosten, täglich Mk. 1,40 für jeden Erwachsenen, und e» werden mindesten« Mk. 25000 erforderlich sein, um die nöthigen Ausgaben zu bestreiten. Vorläufig hat da» hiesige Somit», welche« von jungen Leuten thatkräftrg unterstützt wird, sich der Flüchtlinge angenommen und sie einstioerlen untergebracht: auch für Kost und Unterstützung an Kleidungsstücken Sorge getragen, doch die Mittel zur Ueixrfahrt müssen erst herbcigeschafft werden. E« hat deshalb am 24. eine größere Versammlung stattgefunden, in welcher «ine Verstärkung de» Somit»» und die Veranstaltung einer Sammlung beschlossen worden ist; welche» Resultat dieselbe halien wird, bleibt abzuwarten. Eine Beförderung für Rechnung der Gemeind«, wie von Einigen beantragt wurde, ist unthunlich, da, »veil für diese Zwecke durchaus keine größer» Summen vorhanden sind und nicht bewilligt werden können; auch ist ja noch gar nicht abzusehen, ob diese Zuzüge sich nicht wiederholen werden. Ein öffentlicher Aufruf würde wohl am schnellsten zum Ziele geführt haben, allein man hat sich dazu nicht entschließen lönnen *) — Gestern Abend hat nun doch ein Vortrag de« Herrn vr. Prager aus Hannover im Waterloo-H»tel hierselbfi stattgefunden. A»lf die von Seiten eines Somit» auSgegebenen Karten mochten etnm zweihundert Personen, Damen und Herren, erschienen sein. Da» Thema, »velches btt Redner gewählt hatte: »Die Bibel im Kampfe mit dem Heisenthume," wurde von denselben nur in allgemeinen Umrissen berührt, ein nähere« Eingehen auf diesen Gegenstand war in der kurzen Zeit von kaum einer Stund« auch nicht möglich und scheint e» daher »vohl zu ermatten, daß diesem ersten Vorträge noch ander« folgen iverden. Der Redner fesselte die Zuhörer sowohl durch sein schöne» Organ al» auch durch seine poetische Sprache und wurden ihm am Schluffe seine» Vortrag» viele BeifallSbezengunge» zu Theil. Alt» Württemberg. Der Rechenschaftsbericht de» Verein« zur Unterstützung von Wittwen unv Waisen armer iSr. Lehrer und Vorsänger in Württemberg ist erschienen. Der Verein hat an neun LehrerSwittwen und Waisen zusammen 970 M. Unterstützungen verabreicht. Der Verein zählt 52 ordentliche Mitglieder, Lehrer uns Vorsänger, drei außerordentliche und zwei Ehrenmitglieder. Außer den jährliche» Beiträgen der Sp'nden von 1690 M. sind dem Vereine an Stiftungen zugegangen 177 M. von den Relikten de» seligen Lehrers Salomon Harburger und 300 M. von dem Bankier H. Gutmann in Augsburg zum ehrenden Andenken an seine verstorbene Frau Charlotte Gut man» geb. Eppstein. Da» BkceinSvermögcn beträgt 21030 M.; Zunahme in diesem Jahre 1594 Pt. Der Verein hat in diesem Jahre dem allgemeinen, paritätischen Lehrerverein noch eine Subvention zukommen lassen. Di» iSrael. Waisenhaus in Eßlingen hat von Sr. Majestät unserem König eine Unterstützung von 350 M., und der iSrael. LebrerunterstützungSoerein eine solche von 50 M. und von Ihrer Majestät der Königin 45 M. erhalten. Oesterreich. Wie». Um an einem glänzenden Beispiele zu zeigen, wie mächtig die Begeisterung fei, die die englische 'Nation zu Gunsten der russischen Juden ergriffen hat, wollen wir einige Sätze au» der Red« de« berühmten theologischen Schriftsteller» und SaronicuS an der St. Paulskathedrale zu London, F. W. Farra», hierhersetzen. Nachdem er in feiner Red« die Vorzüge und Kehrseiten de« jüdischen SharakterS, die Fähig- •) (Datum hat man sich nicht telegtaphifch an da» Lentral-Lamit» der «ll. I«r. in Pari« -«wendet/ (JOb.)

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