Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938062--4444-5376750
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 35 - Die Verhandlungen hierüber, die seit Juli v. I. mit dem Ministerium geführt wurden, sind durch einen definitiv ablehnenden Bescheid desselben vom 16. December geschlossen worden. Ich Hab« darauf in Berlin mich mit den dort wohnhaften Ausschußmitgliedern und Delegtrten und anderen namhaften Männern in Verbindung gesetzt und di« erfteulich« Gewißheit erlangt, daß der Sitz de< Ge»ei»«ebu»dr«, nachdem da» Statut in einigen Punften abgeändert sein wird, nach Berli« verlegt werden kann, ohne auf Schwierigkeiten zu stoßen. Behuf» der Zustimmung zu dieser Verlegung »nd zu den vorgeschlagenen Statutenveränderungen wird ein aufttr- «r»e«tttcher «tze«et»detag in Berti» am 18. Aet»r««r d. I. abgehalten, zu welchem die Einladung hiermit an Sie ergeht. Da» Local, die Tagesordnung und der Wortlaut der vorzuschlagenden Statutsänderungen wird rechtzeitig zu Ihrer Kenntniß gebracht "1 Da der Ausschuß se'.ne Functionen eingestellt hat, wcrden, bi« durch GemeindetagSbeschluß der Ausschuß in Berlin sich neu constituirt haben wird, alle Mittheilunge» in Angelegenheiten de» Bunde» und der demselben unterstehenden Stiftungen an die Adresse des Unterzeichneten erbeten. Jacob Nachod, Leipzig, Brühl 85" Mainz Der famose Artikel dc« „Israelit" über de» Wiener Theaterbrand, den bekanntlich die Unsrömmigkeit der Wiener Juden verursacht haben soll, der sich würdig den Expektorationen der „Mayener Volktzeitung" anreihete, giebt dem „Hameliz" Anlaß zu einem sehr würdig gehaltenen Leitartikel. Darin wird darauf dingewiesen. wie da« Mainzer Blatt im vorigen Jahre auch die Antisemitenhetze als Gottesstrafe für die Sünden der Berliner Judenschaft darzustellen versucht hat, und daß der Redakteur diese» Blatte« sich damit in die Reihen der russisch polnischen Ehassidim gestellt hat, welche jede» Unglück al» eine Strafe iür die Nichtachtung besonder« von Ceremonialgeboten, wie Bartrasiren. eigene» Haar tragen u. dg!., au»deulen, und den Pöbel gegen die qu. Uebelthäter Hetze». Doch „wir wollen mit dem heiligen Rabbi vo» Mainz nicht rechten iiber den Stand dcs JndenthumeS in Wien, denn da» entzieht sich dein Wissen de» Menschen. Wa« aber gesehen werden kann, ‘,i< Botte Midrasch mit zahlreichen, tüchtigen Zöglingen, b>- gut besuchten Synagogen — stellt Wien hinter andren Städten wahrlich nicht zurück." Dort leben viele jüdische Gelehrte und Schriftsteller, die die hebräische Sprache vollauf beherrschen, und selbst die Ritualien, besonder« Kaschruth, wird dort musterhaft beachtet! Ist die» nun der Geist de« Judenthum»? Darf so ein Lehrer J«rae!» zu seinen Brüdern sprechen, wen» Unglück sie betroffen?" „Anstatt ihnen Trost zu spenden, ihr Herz durch den Hinweis auf Gott zu stärken, stillt er ihren Durst mit Essig und streuet Salz aus ihre tiefe HerzeuSwunde." Wäre die Zeit nicht so ernst, die Geißel de« Spotte« könnte nicht derb genug über einen solchen Rabbiner geschwungen werden. Denn er hat Gott gelästert, da er Anlaß zu der Ansicht giebt: wie grausam ist doch der von d!»s»a Juden geglaubte Gott, der solche Strafen wegen ge.tngsügiger Dinge verhängt. — Zudeul verstößt doch die vom „Israelit" vertretene Meinung gegen Sinn und Wortlaut unseres Gesetzes! „Wollen wir den Redakteur de» „Israelit" nicht zu de» Irrenden und Leichtsinnigen zählen, so werden wir zu der Annahme gedrängt, daß er in den beiden Artikeln, die an der Jahreswende erschiene», seinen Leser» sich in recht frommem Lichte habe zeigen wollen, um viele Abonnenten zu fischen. Freilich ist diese E n t schuldigung eine Beschuldigung (nicht allein für jene» Blatt, sondern auch für seinen Leserkrei«. Haben doch in einem Dorfe •) 6« «Ir» gut, n»un bi«4 mindesten» 14 X«gr vor dem and«- räumten Termin getchäh«, damit di« AblnderungSvorschllq« vorher in den jüd. Blliter« venrUir« werde» fönncn, auch mitt rin« vtrttherlang der Persönlichkeiten, di« für di« Leitung in's >»ge geiaht werden, nötdig, damit man sich über di« Personenfrag» »ei Zeiten verständig«. (Sieb.) der Rheinprovinz alle Bauern, die da» Mayener Bolksblatt lasen, eirmüthig sich die fernere Zusendung desselben verbeten l Aber die Leser de» J»raelit?I) Doch sie entbehrt nicht der Begründung. Denn in Nr. 1 d. I. fetzt der „Jtraelit" in einen Bericht« über die Red« de» Herrn Spitzer hinzu: „Obschon dieser Herr sehr ftomm ist, ist er doch nicht so grausam zu meinen, daß diese« schreckliche Unglück eine Rach« Gottes an den Uebertretern seiner Gebole wäre!" Diese Auszüge au» dem hebr. „Hameliz" dürften genügen, um zu zeigen. wie man in den religiösen und talmudkundigen Kreisen Rußland« über den „Israelit" und seinen Redakteur denkt. Könitz, ÄLrstpreußen. (Or.-Corr.) Am 3. Tebet (25. December v. I.) beging unser Kranken- und Leichendestattung»- verein sein 25jährige« Jubiläum. Uni 4 Uhr 'Nachmittags versammelten sich die Mitglieder diese» Vereins in der Synagoge zum Mincha-tssebet. Nach demselben wurde zur Eröffnung der Feier der Vs. 41 von V. 1—tt vom hiesigen Eantor recitirt. An die Worte de« V. 2 ^>i knüpfte Herr Rabbiner vr. Roth die Festpredigt an. indem er zuerst da» Wort?"i in seiner ursprünglichen Bedeutung auffaßte, die verschiedenen Gestaltungen der Dürftigkeit auSeinandersetzte und dann an der Hand de» Midrasch die 4 verschiednen, von den Talmudisten ausgestellten Meinungen über das Wort beleuchtete, und jede ihre volle V'rechtigung zuerkannte. Zunächst sprach der Rabbiner von der notorischen Armuth, daß man ihr nach dem Worte aus eine vernünitige Weise zur Hilfe eile; dann 2) von den Kranken, denen man durch Besuche Trost. Linderung und Hilfe bringt, 3> von den Todt.m, die man nach jüt» schein Brauch und jüdischer Sitte nicht verlasse» darf, bi» der leblose Körper der Erde übergeben worden, und bi» man die vorgeschriebenen Gebet« verrichtet hat. Endlich 4) sprach er über den 2lL7! ns\ die Tugend im Allgemeinen, die noch arm und hilflos dem Anstürmen des Laster» gegenübersteht. und dem inan zunt Siege verhelfen! muß. Sie ist ja die eigentliche Trägerin eines solchen Vereinslebens und verleiht ihn. Kraft und Gedeihen. Der Redner guig besonder» ein auf die Tendenzen de» Verein», ermahnte die Mitglieder, daß sie treu denselben folge» fallen, und indem er den frommen Geist hervorbob, der die Männer beseelte, die vor 25 Jahren diesen Liebesrerein gegründet, ermahnte er die VereinSbrüder in diesem Geiste sortzuivirke». Hieraus wurden die beiden Lchlußverse de» Pf. 41 vorgetragen, und ein vom Rabbiner gesprochenelssebet schloß die Festpredigt. Auch der BereinSbi üder, die während der 25 Jahre da» Zeitliche gesegnet, wurde durch die HaSkara gedacht, die der Rabbi ne., nachdem er dieselbe durch eine ergreifende Rede eingeleitet, selbst vollzog. So schloß die Synagogenseier. Abends 8 Uhr vereinigten sich die Mitglieder in einem Lokale za einem gemeinschaftlicheg Festessen. Im Auftrag, de» Verein« Director» Herrn E. Busse, stattete der Rabbiner »inen Bericht ab »on der Entstehung des Vereins, den Männer t, 17 an der Zahl, die ihn vor 25 Jahren ins Lebe» gerufen, von denen 10 al« ri',V jetzt bei Gott ruhe», und von denen noch 7 mit Leben sind und die größtentheil» im rüstigen ManneSalt > stehend, hier am Orte :vohnen, mit Ausnahme d«S Herrn Moses Meyer, der lange Zeit das Direktorial umsichtig geführt und vor einigen Jahren dasselbe nicdergelegt, weil er sein Domicil nach EarlSiuhe (Baden) verlegte. Mit den Worten (Ruth 2, 3) „Gesegnet sei der Verein vo» Gott, der seine Gnade nicht entzogen den Lebenden und den Tobten," empfahl der Rabbiner den Verein der ferneren Gnade Gotte«. Den ersten Toast brachte der Rabbiner aus aus die Führer und Leiter de« Verein«, aus die Mitglieder deffelben und warf Seitenblicke aus ihr« Thätigkeit innerhalb de« Verein«. Ebenso ermahnte er die Mitglieder, jetzt 50 an der Zahl, daß sie in der Erfüllung der Lieberpflichten, die ihnen der Verein auf» legt, pünktlich und stet» gewissenhaft sein sollen. Außer dem erwähnten Verein sind hier 2 Frauenvereine zur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.