Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938062--4443-5376749
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

34 Antisemiten, Palästina sei da» Vaterland der Juden, ein andere« Vaterland hätten sie nicht, nicht zu scheue». Ln eine Auswanderung s ä mm tl ich er Juden »ach Palästina, auch für die Zukunft, dentt sicherlich kein vernünftiger Mensch, am allerwenigsten eia deutscher, französischer, englischer rc. Jude, auch nicht der a l l e r o r t h o d o x e st e. Würde wirklich Palästina eine jüdisch« Bevölkerung haben; würde sogar der Temvel wieder errichtet und ein Gotte-Hau» für fämmtliche Völker werden, wie solche» prophezeit ist, so würde bei den schon in der Jetztzeit s» entwickelten VerkehrSverhältniffen für di« in aller Welt zerstreuten Bekenner de» Judenthum» keine Schwierigkeit vorhanden sein, für chren Theil in steten gottesdienstlichen Beziehungen zu Jerusalem und dem Tempel zu bleiben. Ist solche» doch zu allen Zeiten den Katholiken hinsichtlich Rom» möglich gewesen und sehen wir doch jetzt, wie fast täglich grcße Schaaren frommer Pilger zum Papste nach Rom wandern, ohne sich de-halb zu denationalifireu oder gar Italiener zu werden. Für diejenigen Juden hingegen, welch« nicht in Kulturländern oder welche unter Religionsdruck leben, würde allerdings die Kolonisirung Palästina» eine Gelegenheit gewähren, zu einer menschenwürdigen Existenz und zu günstigen materiellen und politischen Berhältniffen zu gelangen. Palästina ist zwar augenblicklich und schon seit Jahrhunderten verödet, die Waldungen feiner Gebirge, vor Allem des Libanon und de» Antilibanon, verschwunden und dadurch die klimatischen und die Niederschlag»- und Wafferverhältniffe de» Lande» wefenttich verschlechtert. Allein allen diesen Uebelständen kann, wenn auch nicht auf einmal, doch durch energische und beharrliche Arbeit abgeholfen werde», wenn nur eine tüchtige, erleuchtete und wohlhabende Regierung, wie etwa die englisch«, di« erforderlichen Organisationen schafft. Ein« gute, mit großen Mitteln arbeitend« Forstoerwaltung würde schon für eine Wiederbewaldung der Berge sorgen, wobei wir noch hervorheben wollen, daß im alten Palästina die Mittelgebirge, soweit sie nicht durch den Terraffenbau der Ackerfelder obsorb.rt wurden, vielfach mit Obsthainen besetzt waren. Haben doch schon jetzt vereinzelt; Versuche gezeigt, daß in Palästina neue Baumpflanzungen ganz gut gedeihen und würde der Libanon wahrscheinlich längst wieder bewaldet sein, wenn die Einwohner nicht die leidige Gewohnheit hätten, da« >unge Holz abzubrennen und nicht allgemein die den Wäldern so verderblich- Ziegenweide trieben. Eine gute Waldcultur würde nun eine Besserung und Regelung der Riederschlagsverhältniffe und der Gewässer herbeiführen und auch auf da» Klima günstig einwirken. Die alten Juden und später diejenigen Lüdaraber, welche mehrere Jahrhunderte hindurch da» jetzt so wüste und auSgetrocknete Hauran — den größer» Theil de» tranSjordanischen Landes — bewohnten, hatten ein lünstliches und sehr segenbringend«» WasierleitungSsystem eingeführt. In dieser Hinsicht würde sich auch jetzt noch durch Regul'rung der FlÜffe und Bäche und der in Palästina zahlreichen unterirdischen Quellgewäsier viel thun und da» im Orient so segenspendend« Naß überall hin verbreiten lasten Die Jordanebene, die einst wie ein Garten angebauten Umgebungen deS Sees von TiberiaS, da» Gebirge Ephraim, die große Ebene von Esdrelon haben ihr« geologische Beschaffenheit, die Grundlage ihrer einst so berühmten Fruchtbarkeit, nicht verändert, sie harren nur der Hand, welch« fleißig den Pflug und die Egge führt, welche die Obsthaine neu pflegt, um wieder in alter Herrlichkeit zu prangen. Eine europäische Regierung würde die erste Grundlage, di« ersten Bedingungen der Kolonisation, Sicherheit nach Außen und gesetzlich« Zustände im Innern, zu schaffen misten, sie würde im Stand« sein, ein« rationelle Agrar-, Forst- und Wastergesetzgebung herzustellen und zu handhaben. Da» Land Palästina hat vor der Zerstörung des zweiten Tempel» ein, Bevölkerung von mindesten- 10,000 Menschen auf die Q»adratmeile — Galliläa soll eine dreifach dichtere Bevölkerung gehabt haben — gut und reichlich eniährt, we-balb sollte e» jetzt nicht im Stande sein, unter günstigen Berhältniffen wenigsten» für die Hälfte dieser Bevölkerung au-zureichen? Mit Einschluß de» Küstenstrichs und de» transjordanischen Landehat da» Land eine Größe von 5 bi- 600 Quadratmeilen und würde unter einer guten Regierung 2'/, bi» S Millionen Menschen eine au«kömmliche Existenz gewähren. Sine Kolonisation, eine Wiederherstellung Palästina» al» furchtbare« Kulturland liegt demnach durchaus innerhalb de- Bereiche» der Möglichkeit. Berichte und Correspondenzeu. Deutschland. Magdeburg, 2». Januar. Wie alle größeren liberalen Blätter Deutschland», dem Vorgang« der englischen und französischen (üuuroal äee böbats) folgend, die russische Juden oersolgung mit Sntrttstung behandeln, so bringt auch die „Magdeb. Zeit." an der Spitze ihrer heutigen Sonntag- Nummer einen geharnischten Artikel über diese« traurige Thema, der fönenden bemerkentwerthe» Schluß hat: „Schon hat, wie jene kräftige Stimme in der „Time»" bezeugt, die aufgeklärte öffentliche Meinung eine» großen, freien und civilisirten Volke« sich gegen Zustände dieser Art erhoben. Schon bat die hohe englische Geistlichkeit und haben angesehene Mitglieder der weltlichen Aristokratie in England sich vereinigt, um „EntrüstungSmeeting»* zu veranstalten, uni die m Rußland vorgekommenen Barbareien öffentlich zu verurtheilen. E« wird Zeit, daß auch in Deutschland die öffentliche Meinung sich in eben diesem Sinne au»spreche. Und zwar erscheint die» um so nothwendiger, al» ja leider auch in Deutschland ein ähnlicher Fanati-mu» gegen die Juden hier und dort, in angeblich gebildete» und in ungebildeten Kreisen in Worten oder in Thaten Orgien gefeiert hat, dir dem sich so gern seiner Cultur und Humanität rühmenden deutschen Volke wahrhaftig nicht zur Ehre gereichten In Rußland sehen wir, wohin die letzten Consequenzen eine» solchen Treiben» führen. Indem wir gegen da», wa» dort vorgeht, unsere Stimme erheben und un» dem Proteste anschlicßen, den andere civilisirte Völker dagegen erheben, wird die» zugleich auch für un» Deutschen ein Act der S el b st> besinnung sein* — Da» sind treffliche, beherzigenSwerthe Wort«! Leipzig, 11. Jan. Da« Circular, welche« Herr Nachod über den in Berlin abzuhaltenden außerordentlichen Gemeindetag Versender und dessen Kenntniß zum befferrn Berständniß der letzten beiden Leitartikel notwendig, hat folgenden Wortlaut: „Ich mache Ihnen die Mittheilung, daß der Deutsch. Israelitische Gemeindebund in Leipzig nicht fortbestehen dars, da nach Auffaffung de» königl. sächs. Ministerium» der Gemeindebund zu solchen Vereinen gehört, die im Besitz der juristischen Persönlichkeit sein müffen, und da« Ministerium die,«, resp. Eintragung in da» Genoffenschaft«- register, zu gewähren ablehnt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.