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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 4. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 4.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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29 — bei )u Beginne die ganze civilikirte Welt so mächtig ergriff, l hat sich jetzt. Dank der alltrvstenden Gewalt der Zeit, selbst in den detheiligten Kreisen bereit» einigermaßen gelegt. Und, wenn wir heute die Aufmerksamkeit unserer gesch. Leser adermal» aus diesen Gegenstand zu lenken un» erlauben so ihun wir e« nicht, um hier etwa unnütze Weh- und Klagelieder anzustiinmen; sondern um einer edlen Wohlthäterin, die sich der in Rede stehenden, verunglückten Familie in besonder» grotzmüthiger Weise angenommen hatte, im Namen dieser Familie, aber auch im Name» der Humanität, für ihr edle« Wirken Dank und Anerkennung au» zusprechen. Da« Wirken der Frau Olga F i s ch l, einer wegen ihrer Wohlthätigkeit in den hiesigen, voraehmen jüdischen Kreisen mohlbekannten Dame, verdient volle »nd ausrichtige Anerkennung; denn e» ist nicht einer bei solchen Anläffen ganz natürlichen, augenblicklichen aber hiefür auch bald verschvindenden Erregung de« zartfühlenden, weiblichen Herzen! entsprungen, sondern e» ist die Frucht eine« Wolthäthigkeltösinne«, der sich schon oft und diesmal in ganz besonders hervorragendem Matze bewährt hat. Wir wollen hier jedoch nicht das edle Wirken der Frau Olga Fischl im Einzelnen schildern: wie sie beinahe täglich die armen, verwaisten Kleinen besuchte, ihnen Kleidchen, Bücher, Spielereien gebracht hatte, und was sonst der Kinder Herz erfreuen niochte. wie sie. da man Anfangs eine so rührige Hilfsaciion nicht voraussehen konnte, selbst ihren verwandten im fernen Odeffa eS an» Herz legte, reichliche Collecten für ihre Schützlinge zu veranstalten; wie sie dem armen, von tiefem Schmerze niedergebeugten Großvater, Trost spendete; wie sie überhaupt stets durch ihr Erscheinen die düstern Schatten de« Tode« und de« Jammer« bannte; s o n d e r n wir beschränken uns hirr daraus, ihr für ihr edle« Wirken, int Allgemeinen die volle und aufrichtige Anerkennung auszusprechen und knüpfen daran den Wunsch, datz sie fürderhin auch dem specielleu Inter« sie des Jusenthum« ihre Ausmerksamkeit zuwende, da« heute, mehr denn je kräftigen Förderung von Seite rin flutzreicher Persönlichkeiten bedarf. I. 8. Wie». Montag, den 16. Januar, starb hier der bekannte Redakteur der .Neuzeit" Hr. Simon S z a »t o im 63. Lebensjahre — Ec war, wie die „N. Fr. Pr.", deren Mitarbeiler Sz. zu Beginne der 7«; Jahre war. meldet, am 33. August 181'.) in Groß Kanizsa geboren und ividmetr sich an sang« dem Studium der jüd. Theologie, wendete sich aber später der Pldagogik und Journalistik zu. Er begann seine schriftstellerische Thätigkeit im Jahre 1848 und setzte di>selbe mit grobem Eifer bis i» die letzten Jahre fort. — An der Bahre widmete I)r. Jrllinek dem Verstorbene» warm« Anerkennung. — Die „Wiener i«r. Allianz" erlietz in einige» hiesigen gröberen Blättern einen warmen Ausruf an unsere Glaubensgenossen, worin sie dieselben zumeist in Anbetracht der Warschauer Vorgänge zu milden Spenden aufsordert, da ihre (der Allianz) Mittel durch ihr in der letzten Zeit leider so häufig nothwendig gewordenes Einschreiten erschöpft sind. Wir wollen hoffen, datz der Ausruf des um das Judenthum so hochverdienten Institutes bei unfern Glauben«- genoffen nicht wirkungsvoll verhallen werde. Belgien. In Brüssel starb am 16. d. M. im Ho«pital St. Jean der Dichter >»r. Ludwig Wihl Wihl, geboren 34. Oktober 1806 zu Wevelinghoven bei Aachen als Sohn jüdischer Eltern, besuchte da« protestantische Gymnasium in Köln. Hier nahm sich der Erzbischof Graf Spiegel seiner an und verschaffte ihm auch die Mittel, datz er in Bonn und Münch n klastische Philologie und orientalische Sprachen studiren konnte. Nach beendigten Studien suchte er vergeben« eine Anstellung im Staatsdienste zu erhalten. Friedrich Wilhelm 111. wollte keinen Juden zu einer Profeffur zulasten, und Wihl mochte «einen Glauben nicht verändern. Er ging darauf nach Frankfurt a. M., wo er an Gutzkow'« „Phönix" theilnahm, folgte diesem auch nach Hamburg, wo Gutzkow den „Telegraphen" redigirte. Vorher schon hatte er London und Pari« besucht. Da« Einvernehmen mit Gutzkow dauerte nicht lange, und Wihl kehrte nach Frankfurt zurück, wo ihm ein christlicher Bankier die Mittel gab ein Erziehungs-Institut zu gründen (1840). Da ihm indetz untersagt wurde, christliche Zöglinge in seine Anstalt ausznnehmen, so konnte dieselbe nicht bestehen und mußte nach anderthalb Jahren wieder eingehen. Nach einem längeren Aufenthalt in Amsterdam und Utrecht ging Wihl 1848 »ach Paderborn und betheiligte sich hier an einer politischen Zeitung. Wegen eine» Artikel« zu einem Jahre Festungshaft verurtheilt, entzog er sich derselben durch die Flucht. Wihl ging nach Frankreich und fand Anstellung am kaiserlichen Lyceum in Grenoble al« Lehrer der modernen Sprachen. Ende der 60er ivurde er pensionirt und siedelte nach Par:« über. Bon hier 1870 ausgewiesen, verlegte er seinen Wohnsitz nach Brüstet und lebte dort die letzten zehn Jahre eia einsamer Leben. In den Straßen und Casö'r von Brüssel erre te der alle Sonderling mit dem lang herabhänaender grauen Haare die Aufmerksamkeit de« Publikum«. Nach dem deutscy-sranzüsischrn Kriege hat Wihl sein Vaterland einige Male iviedergeiehen. Es erschienen von ihm „Gedichte" im Jahre 1836, „Englischer Novellenkranz" im Jahre 1839 und „Westöstliche Schwalben" im Jahre 1847." vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Man mutz die denkwürdige Scene der gestrigen Reichstagssitzung mit erlebt haben, um zn begreifen, daß der Stern Stöcker« bereit« unter da« Firmament gesunken ist. Der evangelische Hofprediger gehört politisch zu den Tobten, seine eigenen Parteifreunde schütteln ihn von ihren Rockschößen ab. Merkwürdig ist e« immerhin, wie schnell da« Unkraut de« Antisemitismus in« Welken gekommen ist. Niemand mehr w.ll die Verantwortung für diesen excelsive» Unfug übernehinen, und die launische Welle der Gunst de« Pöbel«, welche die Führer jener Bewegung eine Zeit lang auf der Oberfläche gelmlten hatte, begräbt sie wieder in da« Nicht«, wohin sie gehören. Diese ganze Episode in den politischen Kämpfen unserer Tage bleibt aber bezeichnend für die deutsche Art. welche auch de» Unsinn sich methodisch und „philosophisch" zurechtzulege» liebt und erst hinterher erkennt, daß e« Uns.nn war, woran sie Zeit und. Mühe verschwendete Berlin, 19. Jan. Der gestrige von 466 Theilnchmern besuchte Kommer« alter Burschenschafter ist leider nicht ohne tragischen Zwischenfall verlaufen. Der einzige Vertreter de« ältesten Semester», der geheime SanitälLrath llr. Löwenstein, der noch :rotz seiner 83 Jahre in jugendsrsicher Begeisterung an der Festlichkeit Theil nahm, ist plötzlich, mitten in seinem Trinkspruch, tödtlich vom Schlage gerühr worden, so daß er al« Leiche au« den: Saale getragen werden mutzte, der alte Herr war eine in den besseren bürgerlichen Kreisen Berlin« bekannte und beliebte Persönlichkeit. Sein Hau», in welchen, A. Rubinstein erzogen wurde, war eine Zeit lang der Mittelpunkt einer erlesenen literarischen Gesellschaft; er selbst w«r ein beliebter Humorist, deffen gesammelte Arbeiten in „Ueber Land und Meer" erschienen sind. Er war u. A. Mitglied de« Vorstande» der „Gesellschaft der Freunde" und de» .Verein« der Freimüthigen", die seinen Humor stischen Gaben so manche angenehm« heitere Stunde zu danken haben. Berli». Se. Maj. der König haben dem Kreisrabbiner und iir. Religion« Lehrer Goldman» zu Eschwege den K. Kroneaorden 4. El. verliehen. (iöla. Der ErpressungSoersuch mit Hülse eine« eisernen HalSr nge«, der vor einigen Tagen in Berlin so große« Aufsehen erregte, hat vor beinahe einem '/, Jahrtausend hier einen Vorgänger gehabt. Im Jahre 1414 kamen, wie die Stadtchronik von 1499 aus Grund einer älteren Auszeichnung be-

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